Rosenkreuzerspruch

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Dramensiegel zu Rudolf Steiners erstem Mysteriendrama «Die Pforte der Einweihung» mit den Initialen des Rosenkreuzerspruchs EDN JCM PSSR.

Der Rosenkreuzerspruch lautet: «Ex deo nascimur - In Christo morimur - Per spiritum sanctum reviviscimus» (Aus dem Gotte sind wir geboren - In dem Christus sterben wir - Durch den Heiligen Geist werden wir auferstehen). Der Rosenkreuzerspruch steht in engem Zusammenhang mit dem Symbol des Rosenkreuzes.

Bedeutung

"Die alte Weisheit, die der Seher durch Offenbarung erlangte, sie ist ausgedrückt in den erhabenen Worten aus dem Urgebet der Menschheit: Ex Deo nascimur, «Aus dem Gotte sind wir geboren». Das ist alte Weisheit. Christus, der herausgetreten ist aus den geistigen Welten, er hat die Weisheit mit der Liebe verbunden, sie wird den Egoismus überwinden, das ist ihr Ziel. Aber sie muß selbständig, frei dargebracht werden von Wesen zu Wesen: deshalb begann die Ära der Liebe zugleich mit der des Egoismus. Der Ausgangspunkt des Kosmos ist die Liebe; aus ihr ist ganz von selbst der Egoismus herausgewachsen. Doch der Impuls des Christus, der Impuls der Liebe wird mit der Zeit das Trennende, das in die Welt gekommen ist, überwinden und der Mensch kann nach und nach dieser Liebeskraft teilhaftig werden. In eigentümlich monumentalen Worten fühlen wir die Liebe sich in das Herz der Menschen ergießen in den Christus-Worten: «Wo zwei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.» So tönt der alte Rosenkreuzerspruch in die mit Weisheit verbundene Liebe herein: In Christo morimur, «In dem Christus sterben wir».

Vorbestimmt war der Mensch durch Jehova zur Gruppenseelenhaftigkeit, zur allmählichen Durchdringung mit Liebe durch die Blutsverwandtschaft; als Persönlichkeit lebt er durch Luzifer. Es gab also ursprünglich einen Zusammenschluß der Menschen, dann ein Getrenntwerden durch das luziferische Prinzip, das die Selbstsucht und Selbständigkeit des Menschen fördert. Mit der Selbstsucht kam das Böse in die Welt. Es mußte dies geschehen, weil das Gute nicht ergriffen werden konnte ohne das Böse. Es liefert durch die Siege des Menschen über sich selbst die Möglichkeit für die Entfaltung der Liebe. Christus brachte dem in Egoismus versinkenden Menschen den Antrieb zu dieser Selbstüberwindung und die Kraft, dadurch das Böse zu besiegen. Und nun werden durch die Christus-Taten zusammengeführt diejenigen, die durch die Selbstsucht getrennt waren. Wahr im tiefsten Sinne werden so die Worte des Christus, der von den Taten der Liebe spricht, indem er uns sagt: «Was ihr getan habt einem der Geringsten, das habt ihr mir getan!» - Auf die irdische Welt zurückgeflutet ist jene göttliche Tat der Liebe, sie wird nach und nach die Menschheitsentwickelung durchströmen und trotz der absterbenden physischen Kräfte sie im Geiste wiederbeleben, weil sie nicht aus dem Egoismus heraus geschehen ist, nur aus dem Geiste der Liebe: Per spiritum sanctum reviviscimus, «Durch den Heiligen Geist werden wir auferstehen»." (Lit.: GA 143, S. 212f)

"[So] wie er sich als Erdenmensch eingebettet fühlt in der Erdenentwicklung, so erkennt er sich als geistiges Wesen in diesem göttlichen Urquell alles Lebens. Im Innern der Seele lebt die Christus-Kraft, in dem selbstbewußten geistigen Kern in der Ich-Kraft. Über die Leibeshüllen hinaus lebt sie sich dar als der Geist aller Dinge, der Heilige Geist, als eine höhere Ich-Kraft, die das wahre unvergängliche Zentrum alles Seins ist. Im Innern der Seele lebt die Christus-Kraft, in dem selbstbewußten geistigen Kern in der Ich-Kraft. Über die Leibeshüllen hinaus lebt sie sich dar als der Geist aller Dinge, der Heilige Geist, als eine höhere Ich-Kraft, die das wahre unvergängliche Zentrum alles Seins ist. Wenn der Mensch sich so erkennt als ein geistiges Wesen in diesem Allgeist, so kann er empfinden die Bedeutung der Worte aus dem Rosenkreuzerspruch: «In dem Heiligen Geist werde ich wiedergeboren», denn als neues Wesen steht er da seinem früheren Menschen gegenüber, ein Wesen, das zunächst sich aneignen muß die Eigenschaften und Fähigkeiten, welche es braucht in diesem geistigen Leben, so wie ein Kind lernen muß, seine leiblichen Organe zu benützen in der physischen Welt. Und wiederum muß dieses geistige Wesen in sich erleben die drei geistigen Kräfte, die sich in der kosmischen Entwicklung offenbaren als Fühlen, Denken, Wollen, als Liebe, Weisheit, Kraft. Denn wie das Kind zunächst lernt zu stehen und zu gehen, so muß der Mensch lernen, Richtung und Weg zu finden in der geistigen Welt. Dieses kann nur angeeignet werden mit dem Gefühl, indem er sich allem liebevoll gegenüberstellt. Dann muß er lernen, die Wahrheit zu erkennen, dadurch, daß er die Weltenweisheit, die in ihm ertönt, verstehen lernt, die Laute aus der geistigen Welt in sich erklingen läßt und ihre Bedeutung ahnt, so wie das Kind die Sprache verstehen lernt. Dann lernt er allmählich erkennen das wahre Leben im Geiste, indem er in sich selber ein Zentrum erlebt, von dem seine eigenen Willens- und Lebensimpulse ausgehen, so daß er selber sich offenbaren kann in dem Sprechen und in seinem Wesen. Daher spricht der Christus Jesus die Worte: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.» Niemand kann durchdringen zu dem wahren geistigen Ursprung alles Seins, zu dem Vater, wenn er nicht diese drei Kräfte sich in seinem Geiste ausgebildet hat und sie in der richtigen Art verbindet." (Lit.: GA 265, S. 267f)

"Es stellt sich die Entwicklung des Menschen in demjenigen Symbolum dar, welches gehört zu dem tief bedeutsamen Rosenkreuzerspruch (Gemeint sind die Worte: «Ex deo nascimur - In Christo morimur - Per spiritum sanctum reviviscimus) in dem schwarzen Kreuz mit den roten Rosen. Es empfindet der Mensch dieses Symbolum als etwas Lebendiges, in welchem leben und weben die geistigen Kräfte, die ihn aufgebaut haben so, wie er aus der Gottheit her ausgeboren ist. Dann aber weiß er, daß weitere Entwickelung seiner Seele möglich ist durch Anstrengung seiner eigenen Kräfte. Er weiß, daß nicht nur sein Blut rein werden soll wie der rote Pflanzensaft der Rosen, daß auch das schwarze Kreuz sich umwandeln muß, indem er seine Hüllennatur läutert und über das bloß Persönliche hinauswächst, wenn er sich hingibt an etwas unendlich Gr ö ß e r e s. Dann stirbt er in dem Christus, und vor seiner Seele verwandelt sich das dunkle, schwarze Kreuz in ein leuchtendes, strahlendes Kreuz. Die roten Rosen erweitern sich zu einem unendlichen Kreise, wenn die Seele sich immer mehr in den Makrokosmos einlebt, bis sie sich selber als dieser als dieser Kreis empfindet. Im allumfassenden Makrokosmos erlebt sich dann der Mensch in einem neuen Dasein.

Dann, auf geheimnisvolle Weise, verwandeln sich die Farben des Symbolums, die Rosen zeigen sich grün, das Kreuz weiß. Ahnen kann die Seele nur die volle Bedeutung, indem sie empfindet die Kraft, welche ihr entgegenströmt. Wie aus höheren Geistessphären ihr entgegenstrahlend schaut und erkennt die Seele dieses heilige Symbol. Streng und kraftvoll zeigt es sich als eine Aufforderung zur stetigen Arbeit, damit einmal erreicht werde das große Ideal, welches ein jeder einzelne Mensch verwirklichen kann, wenn er wiedergeboren wird in dem heiligen Geist." (Lit.: GA 267, S. 480)

Der Rosenkreuzerspruch im Bezug zum Kosmos

"Die moderne Naturwissenschaft betrachtet die Menschen als ausschließlich aus Materie bestehend, die eigentlich die Sünde ist. Das Rosenkreuzertum hat vorausgesehen, daß dieses kommen würde, und hat deshalb einen anderen Gedanken in die Welt einfließen lassen durch das: Ex Deo nascimur. Wenn wir den Mond betrachten, dann können wir daran denken, daß aus den Kräften, die mit dem Monde verbunden sind, wir geboren sind. Und die Sonne erinnert uns an den Sonnengeist, den Christus, der mit ihr verbunden war und der uns die Kräfte des Ich geschenkt hat: In Christo morimur. Und wenn wir das Per Spiritum Sanctum reviviscimus aussprechen, denken wir an diejenigen Wesenheiten, die mit den fünf anderen Planeten verbunden sind und die wir in ihrer Gesamtheit ansprechen als den Heiligen Geist." (Lit.: GA 266c, S. 115)

Der Rosenkreuzerspruch exoterisch und esoterisch

"Nicht für sich selbst, aus Neugier oder dergleichen, soll der Esoteriker studieren, sondern er muß sich das hingebungsvollste Studium zur Pflicht machen um seiner und der Menschen- und Weltenentwicklung willen. Und wenn wir so durch intensives Studium unsere eigene Wesenheit erkannt haben, wenn wir dadurch wissen, wie und wodurch sie entstanden ist, dann bekommen wir ein heiliges Gefühl davon. Dieses Gefühl drücken wir dann aus in dem Satze: Aus Gott sind wir geboren - Ex Deo nascimur.

Wenn wir uns mit tiefer Innigkeit mit diesem Gefühl durchdringen und die Ätherströmungen, von denen schon im exoterischen Vortrag die Rede war, das Verätherisieren des Blutes, wodurch Ätherströmungen vom Herzen zum Kopfe hinaufströmen, das Gehirn umglühen und umleuchten und die Zirbeldrüse in Tätigkeit setzen, aufleuchten lassen wie Flammen, in denen alles Persönliche untergeht, wenn wir empfinden, wie wir ganz aufgehen müssen in dem Gefühl, unser eigenes Selbst ganz hinopfern zu wollen, wie die Geister, wie sich Christus hingeopfert hat für die Weltenentwicklung, dann lernen wir dieses Gefühl ausdrücken in dem Satz: In Christus sterben wir - In Christo morimur.

Und dann leuchtet in uns auf die Gewißheit, daß wir zum Geist aufsteigen, im Geiste auferstehen. Per Spiritum Sanctum reviviscimus.

Ex Deo nascimur. In Christo morimur. Per Spiritum Sanctum reviviscimus. So heißt der exoterische Spruch des Rosenkreuzers.

Wenn der Esoteriker diesen Spruch ausspricht, so hält er an bei dem, was ausdrückt das, was wir mit Christus bezeichnen; das Heiligste ist ihm dieses. Nicht einmal mit dem Wort will er bis dahinan gehen; er spricht das Wort nicht aus und läßt nur das Gefühl reden. Dann lautet es so, wenn der echte Rosenkreuzschüler in seiner tiefsten Meditation den Spruch ausspricht:

Ex Deo nascimur
In ______ morimur
Per Spiritum Sanctum reviviscimus" (Lit.: GA 266b, S. 200f)

Literatur

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Weblinks

  1. Fama Fraternitatis