Hinduismus

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Verbreitung des Hinduismus nach Ländern

Der Hinduismus, der in Indien seinen Ursprung hat, ist mit rund einer Milliarde Anhängern (Stand 2010) nach dem Christentum und dem Islam die drittgrößte Religion der Erde. Sie bildet aber kein einheitliches System, sondern stammt aus unterschiedlichen Traditionen, in denen aber zumeist der Glaube bzw. das Wissen um Reinkarnation und Karma fest verankert ist. Eine große Rolle spielt noch bis heute das damit zusammenhängende Kastensystem. Die Anhänger des Hinduismus werden als Hindu bezeichnet; das stammt aus dem Persischen und bezeichnet im Singular den Fluss Indus (der im Sanskrit wiederum Sindhu heißt). Hauptrichtungen des Hinduismus sind der Vishnuismus, Shivaismus und der Shaktismus.

Bezüglich des indischen Kastensystems bemerkt Rudolf Steiner:

„Wir blicken zurück auf diesen ersten Zeitraum, und wir müssen da nicht auf das, was die Geschichte berichtet, Rücksicht nehmen, sondern auf das, was in den uralten vorvedischen Zeiten da war. Vorbereitet hat sich alles das, was später hervorgetreten ist; vorbereitet hat sich vor allen Dingen das, was wir als die Einteilung der Menschen in Kasten kennen. Gegen diese Kasten mag der Europäer viel einzuwenden haben, aber in jener Kulturrichtung, die damals vorhanden war, haben diese Kasten ihre Berechtigung gehabt, denn sie hingen im tiefsten Sinne mit dem Menschheitskarma zusammen. Die Seelen, die aus der Atlantis herüberrückten, waren wirklich von ganz verschiedenem Wert, und es paßte in einer gewissen Weise auf diese Seelen, von denen die einen vorgeschrittener als die anderen waren, das Gliedern m solche Kasten nach ihrem vorher in sie gelegten Karma. Und da in jener alten Zeit die Menschheit sich nicht so überlassen war wie in unserer heutigen Zeit, sondern wirklich in einem weit höheren Sinne, als wir uns heute vorstellen können, gelenkt und geleitet wurde in ihrer EntWickelung - da vorangeschrittene Individualitäten, die wir die Rishis nennen, ein Verständnis dafür hatten, was eine Seele wert ist, welcher Unterschied zwischen den einzelnen Kategorien von Seelen besteht -, so liegt dieser Kasteneinteilung ein wohlbegründetes kosmisches Gesetz zugrunde. Mag es in einer späteren Zeit noch so sehr als Härte erschienen sein, in jenen alten Zeiten, wo die Lenkung eine spirituelle war, war dieses Kastenwesen ein wirklich der Menschennatur Angepaßtes. Und ebenso wie es wahr ist, daß im allgemeinen in der normalen Entwickelung des Menschen derjenige, der mit einem bestimmten Karma in die neue Epoche hinüberlebte, auch in eine bestimmte Kaste kam, ebenso wahr ist es, daß man nur dann über die Bestimmungen dieser Kaste hinauskommen konnte, wenn man eine Einweihungsentwickelung durchmachte. Nur wenn man zu den Stufen kam, wo man abstreifte das, wohin einen das Karma hineingestellt hatte, nur wenn man in Joga lebte, dann konnten unter Umständen diese Kastenunterschiede überwunden werden. Wir wollen uns des geisteswissenschaftlichen Grundsatzes bewußt sein, daß jede Kritik der Evolution uns fernliegen muß, daß wir nur danach streben müssen, die Dinge zu verstehen. Mag diese Kasteneinteilung einen noch so schlimmen Eindruck machen, sie war im vollsten Sinne begründet, nur müssen wir sie im Zusammenhang mit einer umfassenden, gesetzmäßigen Bestimmung in bezug auf das Menschengeschlecht betrachten.“ (Lit.:GA 105, S. 182f)

Gemessen an seiner überwiegend auf Indien beschränkten geographischen Verbreitung wird der Hinduismus auch als Volksreligion oder ethnische Religion bezeichnet. Rudolf Steiner hat auch betont, dass die spirituellen Fähigkeiten und Tugenden, die im Hinduismus gepflegt werden, ursprünglich aus bestimmten auserwählten körperlichen Anlage heraus entstanden sind, die in der Urindischen Zeit noch mit einer weit verbreiteten natürlichen Hellsichtigkeit verbunden war, die allerdings später zunehmend durch den Schleier der Maya, d. h. durch den Schleier der sinnlichen Welt, verdunkelt wurde. Wegen dieser besonderen körperlichen Voraussetzungen, die dem Hinduismus den Boden bereitet haben, spricht Steiner auch gemäß der Ausdrucksweise seiner Zeit von einer Rassenreligion - eine Bezeichnung die heute zurecht als verpönt gilt, von ihm aber keineswegs abwertend gemeint ist, sondern nur zum Ausdruck bringt, dass sich die alten, sehr hochentwickelten geistigen Fähigkeiten auf einen ganz besonders ausgebildeten physischen Leib gründeten. Das Christentum hingegen habe seine Grundlage im freien Ich des Menschen und sei völlig unabhängig von den körperlichen Voraussetzungen.

„Nehmen Sie den Hinduismus. Dazu kann sich nur die Hindu-Rasse bekennen. Würden wir hier in Europa eine Rassenreligion entwickelt haben, so hätten wir heute noch den Wotandienst; das wäre die abendländische Rassenreligion. Das Abendland hat ein Bekenntnis angenommen, das nicht aus seiner eigenen Volkssubstanz hervorgeht, sondern das gekommen ist aus dem Orient. Etwas wurde angenommen, was nur durch seinen geistigen Inhalt wirken konnte. Denn keine Rassen- oder Volksreligion konnte den Christus-Impuls aufsaugen. Das Volk, das den Christus zwischen sich sah, hat sich nicht dazu bekannt. Das ist das Eigentümliche im Christentum: Der Keim liegt in ihm, Universalreligion zu sein. Man braucht nicht intolerant zu sein gegen andere Religionen, und man kann doch sagen: Die christliche Mission besteht nicht darin, Dogmen beizubringen den Leuten. Natürlich lacht der Buddhist über ein Bekenntnis, das nicht einmal die Reinkarnationslehre hat. Er sieht ein solches Bekenntnis als nichts Rechtes an. Aber das recht verstandene Christentum setzt voraus, daß jeder Mensch ein Christ ist in seinem inneren Wesen. Wenn Sie zu einem Hindu gehen und sagen: Du bist ein Hindu und ich bin ein Christ — so hat man das Christentum nicht verstanden. Erst wenn man von dem Hindu sagen kann: In seinem innersten Wesen ist dieser Hindu ein so guter Christ wie ich selbst; er hat nur keine andere Gelegenheit gehabt zunächst, als sich mit einem vorbereitenden Bekenntnis bekanntzumachen, daraus ist er noch nicht herausgekommen; ich muß ihm klarmachen, wo seine Religion mit der meinigen zusammenstimmt —, dann hat man das Christentum verstanden. Das beste wäre, die Christen lehrten den Hindu Hinduismus und versuchten dann, den Hinduismus weiterzubringen, damit der Hindu den Anschluß fände an die allgemeine Evolution. Dann erst verstehen wir das Christentum, wenn wir jeden Menschen für einen Christen halten im innersten Herzen; dann ist das Christentum erst die Religion, die hinübergeht über alle Rassen, alle Farben, alle Stände. Das ist das Christentum.“ (Lit.:GA 140, S. 309)

Siehe auch

Portal
 Wikipedia:Portal: Hinduismus – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Hinduismus

Literatur

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