Vier Paradiesesströme

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Bronzetaufe im Hildesheimer Dom, getragen von den 4 personifizierten Paradiesesströmen, die Wasser aus ihren Krügen ausgießen. Nach ihrer Haartracht, Kleidung, Haltung und nach ihrem Lebensalter sind sie deutlich voneinander zu unterscheiden.

Die vier Paradiesesströme Pischon (hebr. פִּישׁ֑וֹן), Gihon (hebr. גִּיח֑וֹן, äußerlich meist mit dem Nil identifiziert), Hiddekel (hebr. חִדֶּ֔קֶל, meist als Tigris übersetzt) und Perat (auch Pherat, hebr. פְרָֽת, Euphrat), die, aus einer gemeinsamen Quelle entspringend, den Garten Eden durchfließen und bewässern, sind ein Symbol für die vier astralen Grundformen der Materie. Sie bilden die vier Elemente, weshalb die (niedere) Astralwelt von Rudolf Steiner auch oft als elementarische Welt bezeichnet wird. Aus den vier Elementen wird der Leib des Menschen geformt, der schließlich mit dem Sündenfall ganz auf den physischen Plan herabsteigt. Eine Zusammenstellung der vier personifizierten Paradiesesflüsse mit den vier Elementen findet sich beispielsweise auf dem spätromanischen (13. Jh.) bronzenen Taufbecken des Hildesheimer Doms, das besonders reich an Darstellungen ist, die mit der Zahl vier zusammenhängen. So finden sich hier auch die vier Jahreszeiten, die vier großen Propheten, die vier Evangelisten und auch die vier Kardinaltugenden[1] [2] [3].

"Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen, und setzte den Menschen drein, den er gemacht hatte.
Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen, und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (Genesis 2, 8-9)

Da wird geschildert der Übergang von den ätherischen Rassen zu den physischen Rassen. Diese werden zusammengefügt von den vier Seiten, von Ost, West, Süd, Nord, und von den vier Elementen, die den Fähigkeiten der Geist-Seele entsprechen. Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen ist das Sinnbild für das Höhere, das sich mit dem Menschen verbunden hat.

Und es ging aus von Eden ein Strom, zu wässern den Garten, und teilte sich von dannen in vier Hauptwasser. Das erste heißt Pison, das fließet um das ganze Land Hevila; und daselbst findet man Gold. Und das Gold des Landes ist köstlich; und da findet man Bedellion und den Edelstein Onyx. (1 Mos 2,10-12 LUT)

Die anderen Wasser heißen Gehon, Hiddekel und Euphrat. Die vier Gewässer sind die Symbole für die vier Astralformen der Materie, die zusammenfließen. Das Wasser bedeutet immer das Astrale in der esoterischen Sprache. In der esoterischen Sprache ist Gold das Symbol des Geistigen; der Onyx ist das Symbol der Materie, die am tiefsten heruntergeht. Der Onyx ist das Symbol dafür, wie sich das Lebendige verwandeln muß, bevor es in das höhere Prinzip aufgenommen werden kann. Das Lebendige, das Prana, muß durchgehen durch einen Läuterungszustand; diesen bezeichnet man als den Onyx-Zustand. Auch in Goethes «Märchen» findet man die Verwandlung des Mopses in einen Onyx." (Lit.: GA 88, S. 221f)

Nach Johannes Scottus Eriugena entspricht die Quelle der vier Paradiesesströme dem Heiligen Geist und jene selbst den vier Kardinaltugenden.

„In typischer Betrachtung bezeichnet auch die Quelle des Paradieses, welche sich in vier Hauptströme theilt, den heiligen Geist, wie kein Weiser leugnet. Aus dieser einen und unerschöpflichen Hauptquelle fliessen die vier Hauptkräfte im Paradiese der vernünftigen Seele: Einsicht, Mässigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit, und aus diesen Strömen gehen wiederum als Rinnsale alle Tugenden hervor, um auf dem durch sie bewässerten und befruchteten Boden der menschlichen Natur sich zu zeigen.“

Johannes Scottus Eriugena: Über die Einteilung der Natur[4]

Anmerkungen

  1. Paul Gerhard Ficker: Der Mitralis des Sicardus, Dogma, Bremen 2012, S 41 [1]
  2. Victor H. Elbern, Dom und Domschatz in Hildesheim, Königstein i. T. 1979, S. 16f. und 48f.
  3. Claudia Höhl: Das Taufbecken des Wilbernus - Schätze aus dem Dom zu Hildesheim", Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2047-5
  4. Johannes Scotus Erigena, Ludwig Noack (Übers.): Über die Eintheilung der Natur, Verlag von L. Heimann, Berlin 1870, Erste Abtheilung, S. 223f [2]

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Über die astrale Welt und das Devachan, GA 88 (1999), ISBN 3-7274-0880-4
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.