Sympathisches Nervensystem

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Das sympathische Nervensystem (GA 128, S 51)

Das sympathische Nervensystem im Menschen ist ein Teil des Nervensystems und erstreckt sich beidseits längs des Rückgrats. Es ist durch Seitenstränge mit dem Rückenmark verbunden und hat auf jeder Seite eine Reihe von Knoten (Ganglien), verzweigt und verästelt sich und schickt seine Fäden zu den verschiedenen Organen, wie Lunge, Verdauungswerkzeuge usw. In ihm spiegelt sich die kosmische Welt wider. Es vermittelt nur ein äußerst dumpfes, tiefschlafartiges Bewusstsein. Neben dem Blut bildet es den Hauptangriffspunkt für das Ich im physischen Leib.

Spiegel der kosmischen Welt

Das sympathische Nervensystem vermittelt ein sehr dumpfes Bewusstsein, das aber weit in den Kosmos hineinreicht und das sympathische Nervensystem zu einem Spiegel des Kosmos gestaltet:

"Und so, wie das Menschenleben aufgebaut ist aus der umliegenden kosmischen Welt, so spiegelt sich wider in dem sympathischen Nervensystem diese kosmische Welt. Diese Nerven leben ein dumpfes Innenleben. Könnte der Mensch untertauchen in dieses sympathische Nervensystem, so würde er, wenn er sein oberes Nervensystem einschläferte, wie in einem Lichtleben die großen Gesetze des Kosmos walten und wirken sehen. Es gab beim Menschen der Vorzeit ein heute überwundenes Hellsehen, welches man erkennen kann, wenn durch besondere Vorgänge die Tätigkeit des höheren Nervensystems ausgeschaltet und dadurch das untere Bewußtsein freigemacht wird. Dann lebt der Mensch in dem Nervensystem, das zum Spiegel für die Welt um ihn herum wird, in einer eigenartigen Weise. Gewisse niedere Tiere haben sich diese Stufe des Bewußtseins allerdings erhalten und bewahren sie noch heute. Es ist also ein dumpfes, dämmerhaftes Bewußtsein, aber es ist wesentlich umfassender als das gegenwärtige Menschenbewußtsein. Es spiegelt als dumpfes Innenleben eine weiterreichende Welt, nicht bloß den kleinen Ausschnitt, den der heutige Mensch wahrnimmt." (Lit.: GA 055, S. 53f)

Im sympathischen Nervensystem waltet vornehmlich der Ätherleib:

"Im sympathischen Nervensystem, das die Verdauungsorgane durchsetzt, waltet vornehmlich der ätherische Leib. Die Nervenorgane, die da in Betracht kommen, sind von sich aus vorzüglich nur lebende Organe. Die astralische und die Ich-Organisation wirken auf sie nicht innerlich organisierend, sondern von außen. Daher ist der Einfluß der in diesen Nervenorganen wirksamen Ich- und astralischen Organisation ein starker. Affekte und Leidenschaften haben eine dauernde, bedeutsame Wirkung auf den Sympathikus. Kummer, Sorgen richten dieses Nervensystem allmählich zugrunde." (Lit.: GA 027, S. 40f)

Ich, Blut und sympathisches Nervensystem

"Erinnern wir uns daran, daß wir sagten, daß in der Wechselwirkung von Nerv und Blutlauf überhaupt erst die Möglichkeit liegt, daß auf das Blut eine Wirkung ausgeübt, daß in das Blut sozusagen etwas eingeschrieben werden kann. Wenn von der Seite der inneren Organe her Wirkungen auf das Blut ausgeübt werden sollen, wenn gleichsam das innere Weltsystem des Menschen auf das Blut wirken soll, so muß zwischen diesen Organen und dem Blut etwas eingeschaltet sein wie ein Nervensystem. Es muß die innere Welt zuerst auf ein Nervensystem wirken können, um dann ihre Wirkungen auf das Blut übertragen zu können.

So sehen wir, einfach aus einem Vergleich des unteren Teiles des Menschen mit dem oberen, daß die Voraussetzung gemacht werden muß, daß zwischen unseren inneren Organen - als deren Repräsentanten wir diese drei Organe: Leber, Galle, Milz haben - und dem Blutkreislauf etwas eingeschaltet sein muß wie ein Nervensystem. Fragen wir die äußere Beobachtung, so zeigt sie uns in der Tat, daß in alle diese Organe das eingeschaltet ist, was wir das sympathische Nervensystem nennen, welches die Körperhöhle des Menschen ausfüllt und welches in einem analogen Verhältnisse zu der menschlichen Innenwelt und dem Blutkreislauf steht, wie andererseits das Rückenmark-Nervensystem zwischen der äußeren großen Welt und dem Blutumlauf des Menschen steht. Von diesem sympathischen Nervensystem, das ja zunächst längs des Rückgrates verläuft, dann, von dort ausgehend die verschiedensten Teile des Organismus durchzieht und sich ausbreitet, auch netzförmige Ausbreitungen zeigt, namentlich in der Bauchhöhle, wo man einen Teil dieses Systems populär auch das Sonnengeflecht nennt, von diesem sympathischen Nervensystem werden wir zu erwarten haben, daß es in einer gewissen Weise von dem anderen Nervensystem abweicht. Und es ist immerhin interessant - wenn es auch nicht zu einem Beweise dienen soll - , sich zu fragen: Wie könnte denn dieses Nervensystem gestaltet sein im Verhältnis zum Rückenmark-Nervensystem, wenn diese Bedingungen erfüllt würden, die wir jetzt hypothetisch gestellt haben? - Sie könnten einsehen: Wie sich das Rückenmark-Nervensystem öffnen muß dem Umkreis des Raumes, so muß dieses sympathische Nervensystem demjenigen zugeneigt sein, was zusammengedrängt ist in die innere Organisation. So verhält sich, wenn unseren Voraussetzungen entsprochen werden soll, das sympathische Nervensystem zu dem Rückenmark-Nervensystem etwa so, wie sich verhalten die Radien eines Kreises, die vom Mittelpunkt zur Peripherie gerichtet sind (siehe Zeichnung a), zu den sich von der Peripherie

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aus nach außen fortsetzenden Radien (b). Also in einer gewissen Weise müßte ein Gegensatz vorhanden sein zwischen dem sympathischen Nervensystem und zwischen dem Nervensystem des Gehirnes und Rückenmarkes. Dieser Gegensatz ist auch in der Wirklichkeit vorhanden. Und da sehen wir, wie schon darin vieles für uns liegen kann, daß wir imstande sind nachzuweisen: Wenn unsere Voraussetzungen richtig sind, dann muß die äußere Beobachtung sie in einer gewissen Weise bestätigen, und es zeigt sich, daß die äußere Beobachtung tatsächlich bestätigt, was wir als Voraussetzung gemacht haben. Während beim sympathischen Nervensystem im wesentlichen eine Art starke Nervenknoten vorhanden sind und die Ausstrahlungen dieser Nervenknoten, die verbindenden Fäden, verhältnismäßig dünn sind und wenig in Betracht kommen gegenüber den Nervenknoten, ist bei dem Gehirn-Rückenmark-Nervensystem gerade das Umgekehrte der Fall, da sind die verbindenden Fäden das Wesentliche, während die Nervenknoten nur eine untergeordnete Bedeutung haben. So bestätigt uns die Beobachtung in der Tat das, was wir als Voraussetzung annahmen. Wenn das sympathische Nervensystem die Aufgabe hat, die es nach dem, was wir gesagt haben, haben muß, dann muß sich das innere Leben unseres Organismus, das in der Durchnährung und Durchwärmung des Organismus zum Ausdruck kommt, gleichsam in dieses sympathische Nervensystem hineinergießen, und dieses Nervensystem müßte es auf die Bluttafel geradeso übertragen, wie die äußeren Eindrücke durch das Gehirn-Rückenmark- Nervensystem auf das Blut übertragen werden. So bekommen wir in das individuelle Ich hinein, durch das Instrument des Ich, das Blut — auf dem Umwege durch das sympathische Nervensystem -, die Eindrücke unseres eigenen körperlichen Inneren. Da aber unser körperliches Innere wie alles Physische aus dem Geiste heraus auferbaut ist, so bekommen wir das, was sich als geistige Welt zusammengedrängt hat in den entsprechenden Organen des inneren Menschen, herauf in unser [waches] Ich auf dem Umwege durch das sympathische Nervensystem." (Lit.: GA 128, S. 52ff)

"Nun, genau ebenso wie unser Gehirn-Rückenmark-Nervensystem dazu bestimmt ist, die äußeren Eindrücke, die wir durch unsere Sinne erhalten, bis zum Blute hinzuleiten, das heißt, die Impressionen von äußeren Vorgängen in unser Blut, in das Werkzeug des Ich, aufzunehmen, ebenso wie also das Gehirn-Rückenmark-Nervensystem dazu bestimmt ist, im normalen Bewußtsein dem Ich zu dienen, gerade so ist das sympathische Nervensystem, das sich mit seinen Knoten und Verzweigungen dem inneren Weltsystem gleichsam vorlagert, dazu ausersehen, die Vorgänge, die sich im Innern des Organismus abspielen, nicht an das Blut, das Werkzeug des Ich, heranzulassen, sondern sie vom Blut zurückzuhalten." (Lit.: GA 128, S. 106)

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Somnambulismus

Somnambule Trance-Zustände, wie sie bei Medien auftreten, beruhen auf der Tätigkeit des sympathischen Nervensystems. Ein ähnlich geartetes Bewusstsein haben auch die niedern wirbellosen Tiere.

"Das ganze Tierreich zerfällt in die Hauptabteilungen der Wirbeltiere und der Wirbellosen. Bei den wirbellosen Tieren kann man sich nun die Frage vorlegen: Wo haben diese Tiere ihre Nerven? - Denn der Hauptnervenstrang geht sonst durch die Wirbelsäule hindurch. Die Wirbellosen haben aber auch ein Nervensystem, und zwar findet es sich ebenso beim Menschen wie bei den Wirbeltieren. Bei diesen verläuft es außen, längs der Wirbelsäule, bis es sich in der Leibeshöhle ausbreitet. Dies nennt man das sympathische Nervensystem mit dem Sonnengeflecht. Es ist dasselbe System, welches auch die wirbellosen Tiere besitzen, nur daß es bei den Wirbeltieren und beim Menschen weniger Bedeutung hat. Dieses System steht in einem viel engeren Zusammenhang mit der übrigen Welt als das Nervensystem in Kopf und Rückenmark des Menschen. Man kann die Tätigkeit der letzteren im Trancezustand auslöschen, dann tritt das sympathische Nervensystem in Tätigkeit. So geschieht es zum Beispiel bei den Somnambulen. Das somnambule Bewußtsein erstreckt sich auf das ganze Leben der Umgebung und geht über in die anderen Wesen um uns her. Die Somnambulen fühlen die Dinge in sich. Der Lebensäther ist nun das Element, das uns überall umströmt. Im Sonnengeflecht hat er seine Vermittlung. Könnten wir nur mit dem Sonnengeflecht wahrnehmen, so würden wir in einer intimen Gemeinschaft mit der ganzen Welt leben. Diese intime Gemeinschaft ist bei den wirbellosen Tieren vorhanden. Ein solches Tier fühlt zum Beispiel eine Blume in sich. Das wirbellose Tier ist im Erdensystem etwas Ähnliches wie beim Menschen Auge und Ohr. Es ist ein Teil des Organismus. Es gibt tatsächlich einen gemeinschaftlichen geistigen Organismus, welcher durch die wirbellosen Tiere wahrnimmt, sieht, hört und so weiter. Der Erdengeist ist ein solcher gemeinschaftlicher Organismus. Alles was wir so um uns haben, ist ein Körper für diesen gemeinschaftlichen Geist. Wie sich unsere Seele Augen und Ohren schafft, um die Welt wahrzunehmen, so schafft sich diese gemeinschaftliche Erdenseele die wirbellosen Tiere als Augen und Ohren, um in die Welt hineinzusehen und hineinzuhören." (Lit.: GA 093a, S. 17f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner/Ita Wegman: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, GA 27 (1991), ISBN 3-7274-0270-9; Tb 701, ISBN 978-3-7274-7010-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit, GA 55 (1983), ISBN 3-7274-0550-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a (1987), ISBN 3-7274-0935-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Eine okkulte Physiologie, GA 128 (1991), ISBN 3-7274-1281-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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