Bahaitum

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Der Lotustempel in Neu-Delhi ist der meistbesuchte Sakralbau der Bahai
Schrein des Bab in Haifa
Schrein Bahāʾullāhs in Westgaliläa. Die Schreine der beiden Religionsstifter (siehe oben) sind die wichtigsten Pilgerstätten der Bahai und gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO.[1]
Symbol des Bahaitums ist der Neunstern

Das Bahaitum[2] ist eine weltweit[3] verbreitete Religion mit rund acht[4] Millionen Anhängern, die sich auf die Lehren des Religionsstifters Bahāʾullāh (1817–1892) berufen und nach ihm als Bahai[5] bezeichnet werden. In ihrem Ursprungsland Iran bilden die Bahai zwar die größte religiöse Minderheit, sind aber seit jeher starker Verfolgung ausgesetzt.[6] Hauptverbreitungsgebiete heute sind Indien, Afrika, Süd- und Nordamerika.

Allgemeines

Die ursprünglich aus dem Babismus hervorgegangene Universalreligion lehrt einen abrahamitischen Monotheismus eigener Prägung, in dessen Mittelpunkt der Glaube an einen transzendenten Gott, die mystische Einheit der Religionen und der Glaube an die Einheit der Menschheit in ihrer Vielfältigkeit stehen. Die Bahai vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision der gesellschaftlichen Entwicklung und des sozialen Zusammenhalts verpflichtet fühlt.

Neben dem als Gottesoffenbarung betrachteten Werk Bahāʾullāhs zählen die Bahai auch die Heiligen Schriften anderer Weltreligionen zum gemeinsamen religiösen Erbe. Die Religionsstifter schöpfen nach dem Glauben der Bahai alle aus derselben göttlichen Quelle. Die unverkennbaren Unterschiede zwischen den Religionen sind primär historisch bedingt: Sie gelten als Ausdruck unterschiedlicher Bedürfnisse und kultureller Prägungen.

Geschichte

Zeittafel der Bahai-Religion - Artikel in der deutschen Wikipedia

Die Geschichte des Bahaitums geht auf das Wirken zweier Stiftergestalten zurück: Seyyed ʿAlī Muḥammad Širāzī (1819–1850), genannt „der Bab“ (arabisch: „das Tor“), und Mirzā Ḥusain-ʿAlī Nūrī (1817–1892), genannt „Bahāʾullāh“ (arabisch: „Herrlichkeit Gottes“). Der eigentliche Stifter ist Bahāʾullāh. Der Bab wird von den Bahai als dessen Wegbereiter und zugleich als eigenständiger Religionsstifter des Babismus betrachtet.

Zu vielen weiteren Themen siehe auch

Siehe auch

Literatur

Dass sich die Grabstätte des aus Shiraz (Iran) stammenden Bab heute in Haifa (Israel) befindet, hat historische Gründe.
Bahai-Tempel im Stadtteil Langenhain in Hofheim am Taunus

Grundwissen

Selbstdarstellungen

  •  Stephan A. Towfigh; Wafa Enayati: Die Bahá’í-Religion. Ein Überblick. 5. Auflage. Lau, Reinbek 2014, ISBN 978-3-95768-121-8 (Populäre Kurzeinführung mit besonderem Fokus auf die Gemeinde, Inhaltsverzeichnis bei der DNB).
  •  John Ebenezer Esslemont: Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter. 8. Auflage. Bahá’í-Verlag, Hofheim 1986, ISBN 3-87037-184-6.
  •  Moojan Momen: The Baha’i Faith. A Beginner's Guide. Oneworld Publications, Oxford 2008, ISBN 1-931847-27-4.
  •  William S. Hatcher, J. Douglas Martin: The Bahá’í Faith. The Emerging Global Religion. 3. Auflage. Bahá’í Publishing Trust, Wilmette (Illinois) 2002, ISBN 1-931847-06-1.

Einführungen und Monographien

  •  Manfred Hutter: Handbuch Bahā’ī. Geschichte – Theologie – Gesellschaftsbezug. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-019421-2 (Inhaltsverzeichnis, Verlagsmeldung).
  •  Manfred Hutter: Heilige Schriften der Bahā’ī. In: Heilige Schriften. Eine Einführung. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main, Leipzig 2008, ISBN 978-3-458-72007-2, S. 364–381.
  •  Manfred Hutter: Die Bahā’ī-Religion im globalen Kontext. Ihre Lehre über die fortschreitende Offenbarung als Grundlage für ethisch-soziales Engagement in einer Welt vielfältiger Kulturen. In: Weltreligionen: Verstehen. Verständigung. Verantwortung. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main, Leipzig 2009, ISBN 978-3-458-71025-7, S. 205–228.
  •  Armin Eschraghi: Einleitung. Das Leben Baha’ullahs – Die heiligen Schriften der Bahai – Zentrale Lehraussagen. In: Baha’ullah, Brief an den Sohn des Wolfes (Lauḥ-i Ibn-i Dhi’b). Verlag der Weltreligionen, Berlin 2010, ISBN 978-3-458-70029-6, S. 145–353.
  •  Ulrike Elsdörfer: Globale Religionen. Ein Lesebuch zum interreligiösen Gespräch: Bahá’i, Christentum, Islam. Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2008, ISBN 978-3-89741-261-3, S. 15–68.
  •  Peter Smith: An Introduction to the Baha’i Faith. Cambridge University Press, New York, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-68107-0.

Artikel

  •  Fereydun Vahman: Baha’ismus. In: Theologische Realenzyklopädie. 5, Walter de Gruyter, Berlin, New York 1980, ISBN 3-11-007739-6, S. 115–132.
  •  Manfred Hutter: Bahā’īs. In: Encyclopedia of Religion. 2., völlig neu erstellte Auflage. 2, Macmillan Reference USA, Thomson Gale, New York, u. a. 2005, ISBN 0-02-865735-7, S. 737–740.
  •  John Walbridge: Baha’i Faith. In: Encyclopaedia of Islam and the Muslim World. 1, Macmillan Reference USA, Thomson Gale, New York, u. a. 2004, ISBN 0-02-865604-0, S. 100–101.
  •  Juan Ricardo I. Cole: Baha’i. In: Encyclopedia of modern Asia. 1, Charles Scribner’s Sons, Thomson Gale, New York, u. a. 2002, ISBN 0-684-31242-5, S. 217–220.
  •  Todd Lawson: Bahā’ī. In: The Oxford Encyclopedia of the Modern Islamic World. 1, Oxford University Press, New York, Oxford 1995, ISBN 0-19-509612-6, S. 177–182.
  •  Robert Stockman: Bahá’í Faith. In: Worldmark Encyclopedia of Religious Practices. 1, Thomson Gale, Detroit, u. a. 2006, ISBN 0-7876-6612-2, S. 23–45.
  •  Ulrike Elsdörfer: Menschenbilder Menschenrechte. Kontroversen in Bahá'i, Christentum und Islam. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2009, ISBN 978-3-89741-291-0, S. 95–103, 111–133.

Nachschlagewerke

  •  Peter Smith: A Concise Encyclopedia of the Bahá’í Faith. Oneworld Publications, Oxford 2008, ISBN 978-1-85168-184-6.
  •  Hugh C. Adamson: Historical Dictionary of the Bahá’í Faith. Scarecrow Press, Lanham (Maryland) 2007, ISBN 978-0-8108-5096-5.
  •  Wendi Momen: A Basic Bahá’í Dictionary. George Ronald Press, Oxford 1989, ISBN 0853982317.

Theologische Werke

  •  Babak Farrokhzad: Der Fluss der Wahrheit. Endzeiterwartungen und Wahrheitsbeweise des Christentums und des Islam in Bahá’u’llás Kitáb-i-Íqán. Studien zum Bahá’ítum. Band 4, Bahá’í-Verlag, Hofheim 2004, ISBN 3-87037-409-8.
  •  Udo Schaefer: Heilsgeschichte und Paradigmenwechsel. Zwei Beiträge zur Bahá’í-Theologie (= Studien zum Bahá’ítum. 1). 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Bahá’í-Verlag, Hofheim 2002, ISBN 3-87037-389-X.
  •  Nader Saiedi: Logos and Civilization. Spirit, History and Order in the Writings of Bahá’u’lláh. University Press of Maryland, Bethesda 2000, ISBN 1-883053-63-3.
  •  Moojan Momen: Relativism, A Theological and Cognitive Basis for Bahá’í. Ideas about God and the Spiritual World (= Lights of ‘Irfán. 12). 2011, S. 367–399 (irfancolloquia.org).

Geschichte

Gemeindeordnung

  •  Tajan Tober: Ein neues Ius Divinum? Zur Theologie des Rechts der Bahá’í (= Schriften zum Staatskirchenrecht. 40). Peter Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-56235-2.
  •  Emanuel V. Towfigh: Die rechtliche Verfassung von Religionsgemeinschaften. Eine Untersuchung am Beispiel der Bahai (= Ius Ecclesiasticum. Beiträge zum evangelischen Kirchenrecht und zum Staatskirchenrecht. 80). Mohr Siebeck, Tübingen 2006, ISBN 3-16-148847-4 (Voransicht, books.google.de).
  •  Udo Schaefer: Grundlagen der Gemeindeordnung der Bahá’í (= Studien zum Bahá’ítum. 3). Bahá’í-Verlag, Hofheim 2003, ISBN 3-87037-404-7.

Studien zum Bahaitum

  •  Karen Reitz-Koncebovski: Edelsteine ans Licht bringen. Beitrag zur Pädagogik. In: Studien zum Bahá’ítum. 7, Bahá’í-Verlag, Hofheim 2006, ISBN 3-87037-448-9.
  •  Stephan Anis Towfigh: Das Bahá’ítum und die Medizin. Ein medizinhistorischer Beitrag zum Verhältnis von Religion und Medizin. In: Medizingeschichte im Kontext. 12, Peter Lang, Frankfurt am Main, u. a. 2006, ISBN 3-631-56233-0.

Periodika

  •  Schriftenreihe der Gesellschaft für Bahá’í-Studien. Bahá’í-Verlag, Hofheim (2003–2006).
  •  Zeitschrift für Bahá’í-Studien. Bahá’í-Verlag, Hofheim, ISSN 1865-5955 (2007–2012).
  •  The Journal of Bahá’í Studies. (ab 1988, Inhaltsübersicht und Onlineartikel, bahai-studies.ca).
  •  Bahá’í Studies Review. (ab 1991, Inhaltsübersicht, intellectbooks.co.uk).
  •  Online Journal of Bahá’í Studies. (2007–2008, Inhaltsübersicht und alle Artikel Online, oj.bahaistudies.net).
  •  Beiträge des ‘Irfán-Kolloquiums. ‘Irfán-Studien zum Bahá’í-Schrifttum. Bahá’í-Verlag, Hofheim (ab 2004).
  •  Lights of ‘Irfán. Papers Presented at the ‘Irfán Colloquia and Seminars. Bahá’í Distribution Service, Wilmette (ab 2000).

Weblinks

Portal
 Wikipedia:Portal: Bahai – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bahai
Commons-logo.png Commons: Bahá'í Faith - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Bahá’i Holy Places in Haifa and the Western Galilee. Abgerufen am 29. Mai 2012.
  2. In der aktuellen Fachliteratur findet sich neben Bahaitum auch der Begriff Bahāʾī-Religion, insbesondere dort, wo zwischen dem Bahaitum als übergeordnetem kulturellen Phänomen und der Religion der Bahai als Teil davon differenziert wird (analog zu Judentum und Jüdische Religion); der Duden kennt auch noch den veralteten Begriff Bahaismus; arab. البهائية‎ al-bahā'iyya, eng. Bahá’í Faith, Bahaism.
  3. Ausnahmen sind der Vatikan und (vermutlich) Nordkorea. Siehe  Peter Smith: An Introduction to the Baha’i Faith. Cambridge University Press, Cambridge 2008, S. 95.
  4.  Classification of religions: Conclusion. In: Encyclopedia Britannica. (https://www.britannica.com/topic/classification-of-religions/Conclusion).
  5. Deutsche Schreibweise nach Duden, persisch بهائی‎ bahāʾī, zu deutsch: von Baha, Baha zugehörend, wobei Baha für den religiösen Titel des Religionsstifters steht und zu deutsch Herrlichkeit bedeutet.
  6.  Christopher Buck: Islam and Minorities: The Case of the Bahá’ís. In: Studies in Contemporary Islam. 5, Nr. 1–2, 2003, S. 83–106 (christopherbuck.com).


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