Cambridger Platoniker

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Henry More
Ralph Cudworth
Benjamin Whichcote

Als Cambridger Platoniker (Cambridge Platonists) bezeichnet man eine einflussreiche Gruppe von englischen Philosophen und Theologen des 17. Jahrhunderts, die für einen neuplatonisch geprägten christlichen Platonismus zur Abwehr atheistischer und mechanistischer Lehren eintraten. Sie befürworteten Gewissensfreiheit und Toleranz in konfessionellen Fragen. Man spricht auch von der „Cambridger Schule“ oder „Schule von Cambridge“, denn die vier führenden Vertreter dieser Richtung lehrten an der Universität Cambridge.

Die vier führenden Köpfe des Cambridger Platonismus waren Henry More (1614–1687), Ralph Cudworth (1617–1688), Benjamin Whichcote (1609–1683) und John Smith (1616–1652).

Lehre

Die Cambridger Platoniker stammen aus puritanisch-calvinistischem Milieu. Ihre philosophischen und theologischen Ansichten entwickeln sie in kritischer Auseinandersetzung mit dem puritanischen Denken, von dem sie sich mehr oder weniger deutlich distanzieren, da sie es für rigoristisch halten. Sie berufen sich auf die Lehre Platons, die sie – wie im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit allgemein üblich – im Sinne der neuplatonischen Tradition auffassen. Dabei knüpfen sie sowohl an den antiken Neuplatoniker Plotin als auch an den Neuplatonismus des Renaissance-Humanisten Marsilio Ficino an. Außerdem sind sie von den griechischen Kirchenvätern beeinflusst, unter denen sie Origenes bevorzugen. Ihr Verhältnis zu Aristoteles hingegen ist distanziert. Innerhalb des Neuplatonismus bilden sie eine rationalistische Richtung, denn sie legen größten Wert auf eine rationale Begründung ihres christlichen Glaubens und auf die restlose Vereinbarkeit von Vernunft und Spiritualität. Die These der Übereinstimmung von Wissenschaft und Religion leiten sie aus der Annahme ab, dass Gott die Welt vernünftig geordnet hat. Gott handelt stets in Übereinstimmung mit der Vernunft, also nicht voraussetzungslos und willkürlich. Daher ist die menschliche Vernunft zur Erkenntnis der Weltordnung befähigt. Unter anderem durch Selbstbetrachtung kann die Seele Einsicht in die Natur und die Eigenschaften des Göttlichen gewinnen. Zwar halten die Cambridger Platoniker eine göttliche Offenbarung, die den Bereich der Vernunft übersteigt, für möglich, doch sind sie davon überzeugt, dass die Inhalte einer solchen Offenbarung der Vernunft nicht widersprechen können. Somit ist auch die Offenbarung einer gewissen Überprüfung durch die Vernunft unterworfen. Einen Glauben, der sich nicht mit vernünftigem Erkenntnisstreben verbindet, lehnen sie ab.

Die Cambridger Platoniker legen besonderes Gewicht auf die Lehre von der Willensfreiheit und der sich daraus ergebenden Verantwortung des Individuums. Die fatalistische Vorstellung eines Verhängnisses, einer vorgegebenen schicksalhaften Notwendigkeit der Ereignisse und menschlichen Handlungen lehnen sie in jeder Form ab. Damit wenden sie sich einerseits theologisch gegen die calvinistische Vorstellung einer "doppelten Prädestination" (Vorherbestimmung der nicht Auserwählten zur Hölle schon vor ihrer Geburt), andererseits philosophisch gegen mechanistische Weltbilder und einen atheistischen und materialistischen Determinismus. Insbesondere argumentieren sie gegen die Weltanschauung ihres Hauptgegners Thomas Hobbes, der die Realität auf Körperliches reduziert, und gegen das System Spinozas, das sie für atheistisch halten. Ihre antimechanistische Grundhaltung führt sie auch zur Kritik am Cartesianismus, der Lehre von René Descartes. Sie schätzen Descartes' rationalistischen Ansatz, doch in der mechanistischen Naturauffassung der Cartesianer sehen sie einen letztlich zum Atheismus führenden Irrweg.

Siehe auch

Literatur

  • Gerald R. Cragg (Hrsg.): The Cambridge Platonists. University Press of America, Lanham (MD) 1968, ISBN 0-8191-4347-2 (Auszüge aus Werken der Cambridger Platoniker)
  • Graham Alan John Rogers: Die Cambridger Platoniker. In: Jean-Pierre Schobinger (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie des 17. Jahrhunderts, Band 3: England, 1. Halbband, Schwabe, Basel 1988, S. 240–290, ISBN 3-7965-0872-3 (mit umfangreicher Bibliographie)
  • Graham Alan John Rogers u. a. (Hrsg.): The Cambridge Platonists in Philosophical Context. Politics, Metaphysics and Religion. Kluwer, Dordrecht 1997, ISBN 0-7923-4530-4
  • Stefan Weyer: Die Cambridge Platonists. Religion und Freiheit in England im 17. Jahrhundert. Peter Lang, Frankfurt a. M. 1993, ISBN 3-631-45684-0

Weblinks

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