Christian Heinrich Pander

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christian Heinrich von Pander, nach einem verschollenen Ölbild von Julie Wilhelmine Hagen-Schwarz aus dem Dom-Museum Riga

Christian Heinrich von Pander, auch Heinz Christian Pander, lettisch Kristiāns Heinrihs fon Panders (* 12. Julijul. / 23. Juli 1794greg.[1] in Riga; † 10. Septemberjul. / 22. September 1865greg. in St. Petersburg), war ein deutsch-baltischer Mediziner, Embryologe, Zoologe und Paläontologe und zählt zu den innovativsten Naturwissenschaftlern des frühen 19. Jahrhunderts.

Leben und Werk

Christian Heinrich von Pander stammte aus einer deutschen Kaufmannsfamilie in Riga. Sein Vater war der wohlhabende Banquier Johann Martin Pander (1765–1842), sein Großvater ein bekannter Kaufmann. Pander besuchte das deutschsprachige Gymnasium in Riga und studierte von 1812 bis 1814 Medizin an der deutschsprachigen Dorpater Universität, wo er den Anatomen und Physiologen Karl Friedrich Burdach hörte und sich mit Karl Ernst von Baer befreundete. Er promovierte nach Studienaufenthalten ab 1814 in Berlin und Göttingen 1817 an der Universität Würzburg bei Wikipedia:Ignaz Döllinger, wo er sich 1816 eingeschrieben hatte.

Künstlerische Lebendrekonstruktion eines „Conodonten-Tiers“.

Mit seiner Dissertation von 1817 begründete Pander das bis heute in der Embryologie verwendete revolutionäre Keimblattmodell, das die Embryogenese als Entwicklung dreier Keimblätter, des Ekto-, Meso- und Entoderms (von Pander noch seröses Blatt, Gefäßblatt und Schleimblatt genannt) beschreibt. Bewusst an Goethes Metamorphosenlehre anknüpfend, zeigte Pander, dass die Embryonalentwicklung weder gemäß der Präformationslehre auf der Ausfaltung von bereits Vorhandenem, noch auf der Formung aus Ungeformtem (Epigenese), sondern auf der Ausdifferenzierung embryonaler Membranen beruht. In seinem embryologischen Werk Ueber Entwickelungsgeschichte der Thiere (2 Bde. Königsberg 1828/1837) baute Karl Ernst von Baer das von seinem Freund Pander entwickelte Modell unter Einbeziehung weiterer Tiergruppen bis hin zum Menschen aus.

Darüber hinaus beschäftigte sich Pander schon vor Darwin in den 1820er Jahren mit der Evolution der Lebewesen und hielt eine unbeschränkte Umbildung der Arten für möglich. Gemeinsam mit Eduard d’Alton unternahm Pander 1818/1819 eine Studienreise nach Süd- und Westeuropa (Spanien, Portugal, Niederlande, Großbritannien, Frankreich). Die Reise diente der vergleichenden Anatomie, insbesondere der Säugetiere und Vögel, und mündete in ein 14bändiges Werk zur Vergleichenden Osteologie, das Darwin in seiner Origin of Species als Vorläufer seiner eigenen Arbeit erwähnte.

1856 beschrieb Pander die rätselhafte Gruppe der ausgestorbenen, fossilen frühkambrischen Conodonten erstmals wissenschaftlich.

Christian Heinrich von Pander, der bereits seit den frühen 1820er Jahren an einer schweren, „fiebrigen“, nicht weiter bekannten Krankheit, vielleicht an Malaria, litt, starb im September 1865 in St. Petersburg.

Siehe auch

Schriften

Zeichnung des Hühnerembryos aus Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Hühnchens im Eye (Tafel VIII)

Embryologische Schriften

  • Dissertatio inauguralis sistens historiam metamorphoseos quam ovum incubatum prioribus quinque diebus subit. Würzburg 1817. (lateinische Dissertation Panders) archive.org
  • Beiträge zur Entwickelungsgeschichte des Hühnchens im Eye, Würzburg 1817 (deutsche Dissertation Panders mit Stichen d'Altons) archive.org
  • Les textes embryologiques de Christian Heinrich Pander (1794–1865) (herausgegeben und kommentiert von Stéphane Schmitt). Brepols, Turnhout 2003, ISBN 2-503-52180-0 (dreisprachige Neuausgabe der embryologischen Texte: Dissertatio inauguralis sistens historiam metamorphoseos quam ovum incubatum prioribus quinque diebus subit und Beiträge zur Entwickelungsgeschichte des Hühnchens, jeweils im lateinischen bzw. deutschen Original mit französischer Übersetzung).

Vergleichend anatomische Schriften

  • (mit Eduard Joseph d'Alton) Vergleichende Osteologie, 14 Bände, Bonn: Weber, 1821–1838 Archive
    • Band I, 1: Das Riesen-Faulthier, Bradypus giganteus, abgebildet, beschrieben und mit den verwandten Geschlechtern verglichen, Bonn 1821 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 2: Die Skelete der Pachydermata, Bonn 1821 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 3: Die Skelete der Raubthiere, Bonn 1822 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 4: Die Skelete der Wiederkäuer, Bonn 1823 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Bände I, 5 und I, 6: Die Skelete der Nagethiere (Teil 1 und 2), Bonn 1823, 1824 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 7: Die Skelete der Vierhänder, Bonn 1824 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 8: Die Skelete der zahnlosen Thiere, Bonn 1825 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 9: Die Skelete der Robben und Lamantine, Bonn 1826 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 10: Die Skelete der Cetaceen, Bonn 1827 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 11: Die Skelete der Beutelthiere, Bonn 1828 (gem. mit E. J. d'Alton)
    • Band I, 12: Die Skelete der Chiropteren und Insectivoren, Bonn 1831 (nur von den beiden d'Altons, Vater und Sohn)
    • Band II, 1: Die Skelete der Straußartigen Vögel, Bonn 1827 (nur von Eduard d’Alton d. J.)
    • Band II, 2: Die Skelete der Raubvögel, Bonn 1838 (nur von den beiden d'Altons)

Geologisch-paläontologische Schriften

  • Beiträge zur Naturkunde aus den Ostseeprovinzen Rußlands, Dorpat 1820 Archive
  • Beiträge zur Geognosie des Russischen Reiches, St. Petersburg 1830
  • Fossile Fische der Russisch-Baltischen Gouvernements, mehrere Bände, Sankt Petersburg: Akademie der Wissenschaften, 1856–1860
    • Band 1: Monographie der fossilen Fische des Silurischen Systems des russisch-baltischen Gouvernements, St. Petersburg 1856
    • Band 2: Ueber die Placodermen des Devonischen Systems, St. Petersburg 1857
    • Band 3: Über die Ctenodipterinen des devonischen Systems , St. Petersburg 1858 Archive
    • Band 4: Über die Saurodipterinen, Dendrodonten, Glyptolepiden und Cheirolepiden des Devonischen Systems, St. Petersburg 1860

Literatur

  • Ernst Loesch: Heinrich Christian Pander, sein Leben und seine Werke. Eine biographische Studie. In: Biologisches Zentralblatt Bd. 40 (1920) Nr. 11/12, S. 481–502
  • Boris Jewgenjewitsch Raikow: Christian Heinrich Pander, ein bedeutender Biologe und Evolutionist. Frankfurt am Main: Kramer, 1984 (= Senckenberg-Buch, 62), ISBN 3-7829-1097-4 (russ.: Христиан Пандер - выдающийся биолог-эволюционист. Москва 1964).
  • Thomas Schmuck: Baltische Genesis. Die Grundlegung der Embryologie im 19. Jahrhundert. Aachen 2009 (=Relationes Bd. 2) (über Pander: S. 84–114).
  • Thomas Schmuck: Metamorphosen. Christian Heinrich Pander (1794-1865) und die Evolution. In: O. Riha, M. Fischer (Hgg.): Naturwissenschaften als Kommunikationsraum. Aachen 2011 (=Relationes Bd. 6), S. 369–398.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag im Taufregister des Doms zu Riga. In: Staatliches Historisches Archiv Lettlands Raduraksti. Abgerufen am 27. September 2011.


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Christian Heinrich Pander aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.