Erröten und Erbleichen

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Beim Erröten und Erbleichen greift das Ich über das Blut in den physischen Leib. Vermittelnd wirken dabei der Astralleib und der Ätherleib.

"Einen Anflug von dem Einflüsse des Ich auf den physischen Leib kann man sehen, wenn durch gewisse Erlebnisse z. B. Erröten oder Erbleichen eintreten. Hier ist das Ich in der Tat der Veranlasser eines Vorganges im physischen Leib." (Lit.: GA 013, S. 76)

Beim Erbleichen, etwa aus Furcht, zieht sich der Astralleib zusammen und stärkt dadurch das Selbstgefühl. Beim Erröten, etwa aus Scham ist es genau umgekehrt: der Astralleib dehnt sich aus und das Selbsgefühl wird herabgedämpft. Der Astralleib wirkt weiter auf den Ätherleib, namentlich auf den Wärmeäther, und von hier auf das Blut bzw. die Blutwärme.

"Angenommen, Sie stehen einem Ereignisse gegenüber, das Sie in Angst und Schrecken versetzt. Wenn Sie dies nicht vom materialistischen Standpunkte betrachten, sondern den Astralleib mit in Betracht ziehen, dann wird das Bleichwerden als Ausdruck erscheinen für Kraftströmungen im Menschen. Warum wirkt die Seele in dieser Weise auf die Verteilung des Blutes? Weil die Seele anstrebt, in sich einen Willensmittelpunkt zu schaffen, um von hier nach außen wirken zu können. Es ist förmlich ein Sammeln des Blutes im Mittelpunkt, um von da nach außen wirken zu können. Das ist mehr oder weniger bildlich gemeint. Bei der Scham ist es umgekehrt, wir erröten; das Blut strömt von innen zur Peripherie. Das Schamgefühl zeigt Zustände, wo wir, was sichtbar ist, auslöschen möchten, wo wir unser Ich auslöschen möchten. Der Mensch will das Ich schwach und schwächer machen, so daß es für das Äußere nicht mehr wahrnehmbar wird. Der Mensch braucht da etwas, um sich zu verlieren, ein Aufgehen im All, in der Weltenseele oder, wenn man will, in der Umgebung, so daß das, was wir unser Ich nennen, nicht nach außen sichtbar werden will. Hier haben Sie eine Polarität, die auf wichtige Zustände des Ätherleibes und des Astralleibes hinweist. Dies sind zwei Fälle, wo die Kräfte des Astralleibes nach außen sichtbar werden. Angst und Scham drücken sich in körperlichen Zuständen aus. Wenn Sie das bedenken, so werden Sie begreifen, daß alle seelischen Vorgänge eine Wirkung haben können in den Vorgängen des Organismus. So ist es wahr, so lehrt es die Geheim Wissenschaft; es gibt da einen Zusammenhang, wenn das auch zunächst dem Menschen nicht zum Bewußtsein kommt." (Lit.: GA 056, S. 200f)

Für die hellsichtige Betrachtung, aber auch für die künstlerisch-malerische Darstellung des Menschen, ist das Inkarnat, die durch das Blut und die Pigmentierung mitbedingte Hautfärbung, von wesentlicher Bedeutung.

"In diesem Hellsehen spielt das Inkarnat eine besondere Rolle. Für das äußere Anschauen eines Menschen ist es ein Fertiges, für den, der übersinnlich schaut, ändert sich dem Inkarnat gegenüber das Erleben im Betrachten. Es ist da für ihn ein Mittelzustand. Es kommt, indem man das Hellsehen, das sich auf die übrigen Gebiete der Welt erstreckt, so auf die menschliche Gestalt hinwendet, daß das so ruhige Inkarnat pendelt zwischen Gegensätzen und dem Mittelzustand. Man nimmt Erblassen wahr und Erröten, das so ist, wie wenn es Wärme ausstrahlte. In diesem, daß man den Menschen erblassen und erröten sieht, ist der Mittelzustand drinnen. Mit solchem In-Bewegung-Erleben ist verbunden, daß man weiß, man taucht unter auch in das äußere Wesen des Menschen, nicht nur in seine Seele, in sein Ich. Man taucht unter in das, was er durch seine Seele ist in seinem Leib, durch das Inkarnat. Das ist etwas, was einen hinführt in die Beziehung zwischen künstlerischem Auffassen und übersinnlicher Erkenntnis. Denn das, was so beweglich wird im Auffassen des Inkarnats, liegt unbewußt im künstlerischen Schaffen des Inkarnats. Der Künstler braucht sich dessen nur subtil bewußt zu sein. Nur dadurch aber, daß er dies zu erleben vermag, wird ein Künstler in die Lage kommen, das feine, lebendige Vibrieren in die Mitte des Inkarnats zu legen..." (Lit.: GA 291a, S. 292)

In der Meditation wird die Willeskraft vom Herzen und vom Blutkreislauf gelöst, so wie sich dabei auch die Sprache, durchtränkt von Gefühlen, vom Kehlkopf und das Denken sich vom Gehirn löst. Wir benützen damit geistig, willkürlich und bewusst die gleiche Kraft, die sonst im Erbleichen und Erröten körperlich, unwillkürlich und unbewusst wirkt.

"Dann wird noch eine dritte Kraft durch die Meditation selbständig. Nicht nur das Gehirn und den Kehlkopf, sondern auch die Blutzirkulation und das Herz ergreift sie. In schwacher Form wirkend, fühlen wir sie beim Erröten und Erblassen. Da greift ein Seelisches in die Pulsation des Blutes ein und geht bis zum Herzen. Diese Seelenkraft kann herausgezogen werden aus der Pulsation des Blutes und eine selbständige Seelenkraft werden. Dieses geschieht durch Meditation, da wo der Wille sich mit der Meditation verbindet. Wir meditieren: Im Lichte erstrahlet Weisheit. - Aber wir fassen den Entschluß, unser Wollen so damit zu verbinden, daß wir mitgehen wollen mit dieser strahlenden Weisheit in der Evolution der Menschheit. Wenn wir zu solcher Willensmeditation kommen, dann erreichen wir, daß die Willenskräfte in die Seele einströmen. Diese Kräfte kann man erfassen und herausziehen aus dem Blute - man kann sie zwar nicht ganz herausziehen -, dann bilden sie eine hellseherische Kraft, durch die wir hinauskommen über unsere Erde. Wir lernen unsere Erde erkennen als einen wiederverkörperten Planeten, der sich neu verkörpern wird und wir Menschen mit ihm. So wachsen wir durch die geistig-seelische Welt hinein in den Makrokosmos. In gewisser Weise erfahren wir, wie das Leben zwischen Tod und Geburt entgegengesetzt sein muß dem Leben in einer Inkarnation. Denn was der Mensch da nach dem Tode erlebt, befreit vom Körper, das erfährt ja der Initiierte." (Lit.: GA 150, S. 63f)

Literatur

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