Francis Bacon

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Porträt von Francis Bacon. Frans Pourbus (1617), Łazienki-Palast, Warschau
Signatur von Francis Bacon

Francis Bacon, 1. Viscount of St. Albans, 1. Baron Verulam (Baron Baco von Verulam; lat. Baco oder Baconus de Verulamio; * 22. Januar 1561 in London; † 9. April 1626 in Highgate) war ein englischer Philosoph, Staatsmann und Wegbereiter des Empirismus in den Naturwissenschaften.

Leben

Francis Bacon wurde am 22. Januar 1561 in London als der jüngere der beiden Söhne aus der zweiten Ehe von Sir Nicholas Bacon (1509–1579), Lord Keeper of the Great Seal unter der Regentschaft von Elisabeth I. geboren. Mit 13 Jahren kam er aufs Trinity College in Cambridge. Anfang der 90er Jahre diente er bei Robert Devereux, der ihn förderte, als politscher Berater. 1593 fiel Bacon allerdings bei Elisabeth I. in Ungnade. Sein politischer Aufstieg begann erst unter Jakob I. 1607 wurde er zum Generalstaatsanwalt (Solicitor General) und 1618 zum Lordkanzler berufen und erhielt den erblichen Adelstitel Baron Verulam. Um 1614 schrieb er die Nova Atlantis, die allerdings erst 1627, ein Jahr nach seinem Tod, veröffentlicht wurde. 1620 erschien das Novum organon scientiarum. 1621 wurde Bacon zum Viscount St. Alban erhoben. Wenig später wurde er wegen Bestechlichkeit verurteilt. Das Strafmaß, das im Ermessen des Königs stand, betrug jedoch nur vier Tage. Im Alter von 45 Jahren heiratete er Alice Barnham (1592–1650); dennoch hielten sich Gerüchte über seine Homosexualität. Als er 1626 kinderlos starb, erloschen seine Adelstitel.

Reinkarnation

Nach Angaben Rudolf Steiners war Francis Bacon der wiedergeborene Kalif Harun al Raschid.

„Harun al Raschid verkörperte sich wieder, begründete in seiner Wiederverkörperung den Impuls des Materialismus, erschien als Baco von Verulam. Die Universalität Bacos von Verulam ist von Harun al Raschid, aber auch das, was an Intellektuellem, an Materialismus in Bacon lebt, ist von Harun al Raschid. Bacon erschien als der wiederverkörperte Harun al Raschid. Sein Ratgeber, der den anderen Weg gemacht hat, erschien in dem gleichen Zeitalter als Amos Comenius.“ (Lit.:GA 240, S. 305)

Werk

„Bacon hatte nur Sinn und Verständnis für die Einzelheiten der Natur. Durch Sammeln desjenigen, was durch die räumliche und zeitliche Mannigfaltigkeit als Gleiches oder Ähnliches sich hindurchzieht, glaubte er zu allgemeinen Regeln über das Naturgeschehen zu kommen. Goethe spricht über ihn das treffende Wort: «Denn ob er schon selbst immer darauf hindeutet, man solle die Partikularien nur deswegen sammeln, damit man aus ihnen wählen, sie ordnen und endlich zu Universalien gelangen könne, so behalten doch bei ihm die einzelnen Fälle zu viele Rechte, und ehe man durch Induktion, selbst diejenige, die er anpreist, zur Vereinfachung und zum Abschluss gelangen kann, geht das Leben weg, und die Kräfte verzehren sich.» Für Bacon sind diese allgemeinen Regeln Mittel, durch welche es der Vernunft möglich ist, das Gebiet der Einzelheiten bequem zu überschauen. Aber er glaubt nicht, dass diese Regeln in dem Ideengehalte der Dinge begründet und wirklich schaffende Kräfte der Natur sind. Deshalb sucht er auch nicht unmittelbar in der Einzelheit die Idee auf, sondern abstrahiert sie aus einer Vielheit von Einzelheiten. Wer nicht daran glaubt, dass in dem einzelnen Dinge die Idee lebt, kann auch keine Neigung haben, sie in demselben zu suchen. Er nimmt das Ding so hin, wie es sich der bloßen äußeren Anschauung darbietet. Bacons Bedeutung ist darin zu suchen, dass er auf die durch den gekennzeichneten einseitigen Platonismus herabgewürdigte äußere Anschauungsweise hinwies. Dass er betonte, in ihr sei eine Quelle der Wahrheit. Er war aber nicht im Stande, der Ideenwelt in gleicher Weise zu ihrem Rechte gegenüber der Anschauungswelt zu verhelfen. Er erklärte das Ideelle für ein subjektives Element im menschlichen Geiste. Seine Denkweise ist umgekehrter Platonismus. Plato sieht nur in der Ideenwelt, Bacon nur in der ideenlosen Wahrnehmungswelt die Wirklichkeit. In Bacons Auffassung liegt der Ausgangspunkt jener Denkergesinnung, von welcher die Naturforscher bis in die Gegenwart beherrscht sind. Sie leidet an einer falschen Ansicht über das ideelle Element der Erfahrungswelt. Sie konnte nicht zurechtkommen mit der durch eine einseitige Fragestellung erzeugten Ansicht des Mittelalters, die dahin ging, dass die Ideen nur Namen, keine in den Dingen liegenden Wirklichkeiten seien.“ (Lit.:GA 006, S. 36ff)

Idolenlehre

In seinem wissenschaftstheoretischen Hauptwerk, dem Novum Organum (1620), unterschied Bacon vier Arten von «Idolen», die den Menschen an der wahren Erkenntnis hindern.

„Da haben wir die Sehnsucht, alles, was über das Sinnlich-Wahrnehmbare hinausgeht, als bloße Idole zu behandeln. Sie wissen, vier Arten von Idolen hat Bacon angenommen. Wir haben sie angeführt: Idola tribus, Idola specus, Idola fori, Idola theatri, vier Arten. Dadurch drückt sich durch Bacons Geist im Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraums die eine Tendenz aus, alles, alles nur zu bauen auf eine Erkenntnis, die durch sinnliches Anschauen und durch Begriffe gewonnen ist, die sich wiederum aus der sinnlichen Anschauung ergeben. Alles, was über die sinnliche Anschauung hinausgeht, ist Idol, dessen Inhalt sich eigentlich in Worten erschöpft.“ (Lit.:GA 272, S. 283)

„Der Menschheit mußte einmal gesagt werden: Eure Sprache bildet Worte, aber diese Worte hat nur eine abgelaufene Zeit, welche in Vorurteilen, in Aberglauben lebte, als Bezeichnungen für Reales gehalten. In Wahrheit müßt ihr euch frei machen von dem Inhalt der Worte, denn Worte bedeuten Idole. - Damit hat Bacon, Baco von Verulam, auch im Auftrag der geistigen Welt, eingeleitet die Verkennung der Sprache in unserem neueren nachatlantischen Zeitraum, die Austreibung des Gefühls in der Menschheit, daß in der Sprache Spirituelles enthalten ist. Alle Gehaltsbegriffe, Gemeinsamkeitsbegriffe nannte er Idole, und er unterschied diese Idole in verschiedene Gattungen; denn er hat das gleich sehr gründlich gemacht.

Erstens, sagte er, haben die Menschen solche Worte, mit denen sie glauben, etwas Reales bezeichnen zu können, die einfach dadurch entstehen, daß die Menschen zusammenleben müssen: Vorurteile, Idole des Stammes, des Volkes, Idola tribus. Dann versucht der Mensch, wenn er die Welt begreift, irrtümlich Geistiges hineinzumischen in seine Anschauungsweise. Das, was im Menschen als Erkenntnis entsteht, entsteht wie in einer Höhle; aber indem er die Außenwelt in diese Höhle hereinspediert, bildet er Worte für das, was er erkennen will. In diesen Worten liegt wiederum der Hinweis auf Unwirkliches. Das sind die Idole der Höhle: Idola specus. Dann entstehen Idole, das heißt Bezeichnungen für Nichtigkeiten, für Nichtreales dadurch, daß die Menschen nicht nur in Stämmen, in Völkern durch das Blut zusammen sind, sondern daß sie sich selbst Gemeinschaften machen, in denen sie dies oder jenes verwalten - sie verwalten ja immer mehr und mehr, und zuletzt wird alles verwaltet werden; der Mensch wird dahin kommen, daß er nicht in der Welt gehen darf, ohne daß an seiner linken Seite ein Arzt und an seiner rechten Seite ein Polizeimann ist, damit er vollständig «verwaltet» ist, nicht wahr* Nach Bacon werden dadurch auch gewisse Irrealitäten geschaffen. Diese Irrealitäten, die da geschaffen werden und in den Worten ihren Ausdruck finden, das sind die Idole des Marktes, des Zusammenlebens auf dem Markte: Idola fori. Und dann sind die Idole da, die entstehen durch die Wissenschaft, welche bloße Namen sucht. Das sind natürlich fürchterlich viele Idole. Denn nehmen Sie alle unsere Zyklen mit dem, was sie bezeichnen von Spirituellem, und legen Sie sie Bacon vor, so sind alle Worte für die spirituellen Dinge solche Idole. Diese Idole, das sind eigentlich die gefährlichsten, meint Bacon, weil man darinnen besonderen Schutz zu haben glaubt, nämlich ein wirkliches Wissen: das sind die Idola theatri. Das ist das innere Theater, das sich der Mensch aufbaut, eine Art Spektakel von Begriffen, ebenso unwirklich wie die Figuren auf dem Theater. Alles, was in Worten ausdrückbare Idole sind, gehört diesen vier Gattungen an.“ (Lit.:GA 170, S. 267f)

„Die Menschheit ist heute schon sehr weit fortgeschritten auf der Bahn, alles dasjenige, was nicht sinnlich wahrnehmbar ist, für Idole zu halten. Bacon ist der große Inaugurator der Idolwissenschaft. Begreiflich muß es daher sein, daß derselbe Kopf, der also die Menschen hinweisen sollte auf den Idolcharakter der Sprache, benutzt werden mußte von der geistigen Weit, um zu inaugurieren auch in praktischer Beziehung dasjenige, was gewissermaßen wie ein materialistisches Paradies auf Erden erscheint. Man mußte allerdings das so einkleiden, daß es wirklich einen paradiesartigen Charakter hat, aber einen paradiesartigen Charakter für die materialistische Gesinnung, die auftreten mußte in der fünften nachatlantischen Zeit. Daher mußte wie ein Gegenbild das praktische Ideal dastehen. Eine Zeit, welche so über die Sprache denkt, die muß ihr Ideal sehen darinnen, das Mechanische bis hinaus in die nächsterreichbaren Himmelssphären zu suchen. Daher entstehen aus demselben Kopf heraus, aus dem die Lehre von den Idolen gekommen ist, die Ideale des Materialismus des fünften nachatlantischen Zeitraums. Ein heute noch unerfülltes Ideal, wir finden es bei Bacon: künstlich Wetter zu machen. Man wird es machen! Auch dieses Ideal aus der «Nova Atlantis» des Bacon wird sich noch erfüllen. Wir lesen bei Bacon zuerst den Hinweis auf lenkbare Luftschiffe, wir finden zuerst bei ihm die Idee des Tauchbootes. So weit sind wir ja inzwischen schon. Es ist Bacon, Baco von Verulam, der große Inaugurator auch der praktischen Materialistik, bis zu diesen praktischen Mechanismen, die für die fünfte nachatlantische Zeit gelten.“ (S. 269f)

Siehe auch

Literatur

Werke

  • De dignitate et augmentis scientiarum oder Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften (1605)
  • Novum Organum oder Novum Organon (1620)
  • Instauratio magna (engl.: The Great Instauration) (1620)
  • An Advertisement Touching an Holy War. London, 1622
  • History of the reign of Henry VII. London, 1622
  • Essays oder Praktische und Moralische Ratschläge (1597 und 1625)
  • Neu-Atlantis (engl.: New Atlantis) (1626)

Neuere Ausgaben

  • The Works, 14 Vol., collected and edited by James Spedding, Robert Leslie Ellis and Douglas Denon Heath. London 1857-1874. Reprint: Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1961, ISBN 978-3-7728-0023-8
  • The Oxford Francis Bacon [OFB], General Editors: Graham Rees and Lisa Jardine
  • (1996), vol. VI, ed. G. Rees: Philosophical Studies c. 1611 - 1619
  • (2000), vol. IV, ed. M. Kiernan: The Advancement of Learning
  • (2004), vol. XI, ed. G. Rees and M. Wakely: The Instauratio Magna: Part II. Novum Organum
  • (2000), vol.XIII, ed. G. Rees: The Instauratio magna: Last Writings
  • (2000), vol. XV, ed. M. Kiernan, The Essayes or Counsels, Civill and Morall.
  • Neues Organon. Lateinisch-deutsch. Hrsg. von Wolfgang Krohn. 2 Bde., Philosophische Bibliothek, Band 400a und 400b. Meiner, Hamburg 1990, ISBN 978-3-7873-0757-9 und 978-3-7873-0758-6
  • The Major Works , Oxford University Press, 2002, ISBN 0-19-284081-9 (preisgünstige umfangreiche Auswahl)
  • Neu-Atlantis, übers. von Günther Bugge, hrsg. von Jürgen Klein. Ditzingen 2003: Reclam, ISBN 3-15-006645-X
  • Essays oder praktische und moralische Ratschläge,übers. von E.Schücking, hrsg. von L.L. Schücking, Nachwort von Jürgen Klein. Ditzingen : Reclam, 2005, ISBN 3-15-008358-3

Sekundärliteratur

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