Fulbertus von Chartres

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Notre-Dame de Chartres (Westfassade) in ihrer heutigen Gestalt

Fulbertus von Chartres (* um 950 in Italien oder Frankreich, vermutlich in Aquitanien oder in der Diözese Laudun (= Laon), † 10.4. 1028 in Chartres) war in Reims Schüler des Gerbert von Aurillac und begründete um 990 die Schule von Chartres. Er war nicht nur Lehrer, sondern auch Baumeister und legte den Grundstein für die erste Kathedrale aus Stein in Chartres. 1003 wurde Fulbertus Kanzler der Kirche von Chartres, Schatzbewahrer der St. Hilariuskirche in Poitiers und 1006 wahrscheinlich auf Betreiben König Roberts, seines früheren Mitschülers, Bischof von Chartres. Fulbertus starb 1028, noch ehe die erste Kathedrale aus Stein vollendet war. Fulbertus war einer der einflußreichsten Theologen des 11. Jahrhunderts. Seine Schüler waren u. a. Berengar von Tours und Adelmann von Lüttich.

Fulbertus wirkte ganz im platonischen Sinn und galt seinen Schülern geradezu als der "verehrenswürdige Sokrates". Mit Fulbertus "Akademie" begann das goldene Zeitalter der Schulen von Chartres. In seiner Amtszeit wurde die Kathedralschule zu einem führenden geistigen Zentrum nördlich der Alpen, dessen Blütezeit 200 Jahre währte, um schließlich um 1250 von der aristotelisch geprägten Scholastik abgelöst zu werden.

Als Fulbert in Chartres einlangte, stand nur eine verwitterte, der Jungfrau Maria geweihte Holzkirche auf dem Hügel. Fulbertus verstand es, die Menschen zur Bauarbeit hierher zu ziehen und die entsprechenden finanziellen Mittel aufzutreiben – etwa von König Knut von Dänemark. Bald wurde eine erste hölzerne Kathedrale errichtet, die aber schon nach drei oder vier Jahren vom Blitz getroffen wurde und in Flammen aufging. Und so begann Fulbertus von neuem Mittel zu sammeln – diesmal für eine Kathedrale aus Kalksteinblöcken. Der Bau der romanischen Kathedrale, die heute noch als Unterkirche erhalten ist, begann im Jahre 1020). Im Laufe von 350 Jahren sollte dreizehnmal das Feuer in Chartres wüten, doch immer wieder erstand die Kathedrale wie der Phönix aus der Asche.

Fulbertus zeichnete sich vor allem auch durch seine tief innige Verehrung der Heiligen Jungfrau aus. Er erklärte ihren Namen als »maris stella«, Stern des Meeres: so wie der Polarstern die Seeleute sicher durch die stürmische See leitet, so führt der Geistesstern der Maria den Menschen auf seiner Entwicklungsbahn. In seinem berühmten Marien-Sermon erzählt er auch die Legende von Theophilus, der sich dem Teufel verschrieben hat und nur dadurch gerettet werden kann, dass er sich in inbrünstiger Reue an die Jungfrau Maria wendet – "das Ewig-Weibliche zieht uns hinan". Das Faustmotiv wird hier ähnlich wie bei Goethe erlebt. Es geht also um die Verwandlung des Astralleibs zum wieder jungfräulich reinen Geistselbst. Nur in der jungfräulich reinen Seele kann das Geisteslicht geboren werden.

Die Umbildung der Seele kann beginnen, wenn die dafür nötigen Bildekräfte frei geworden sind. Daher fängt das Schulalter mit etwa 7 Jahren an, weil nun die grundlegende Bildung des physischen Körpers abgeschlossen ist und ätherische Bildekräfte frei werden, um nun formend in der Seele wirken. Alle Bildung, die die menschliche Seele zur Weisheit führt, beruht letztlich darauf, dass die Ätherkräfte formend die Seele ergreifen. Dafür ist eine geordnete Siebenzahl von Ätherkräften nötig, die in der Schule von Chartres durch die Pflege der Sieben Freien Künste entfaltet wurden.

Jubiläum 1006 - 2006

Die Französische Regierung ehrte Fulbertus im Jahre 2006 mit der Jubiläumsfeier „Célébration nationale du Millénaire de Fulbert, Chartres 1006-2006“ aus, deren Höhepunkt am 8. September 2006 die Einweihung der renovierten Fulbert-Unterkirche und die anschließende Uraufführung des Marienoratoriums Stella Maris von Helge Burggrabe unter der Schirmherrschaft der Botschafter Frankreichs und Deutschlands war.

Siehe auch

Literatur

  1. J. P. Migne: Patrologiae cursus completus, series Latina, Bde. 141, 189-278 (Briefe, Reden, Traktate, liturg. Stücke), Paris 1878-1890
  2. Karl Heyer: Das Wunder von Chartres, 4. Auflage, Orient-Occident Verlag, Stuttgart 1982, S 55 - 64
  3. René Querido: Vision und Morgenruf in Chartres, Novalis Verlag, Schaffhausen 1989, S 33 - 42
  4. Frank Teichmann: Der Mensch und sein Tempel, Bd. 4: Chartres - Schule und Kathedrale, Urachhaus Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 978-3878386889

Weblinks