Gericht Gottes

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Ani kniet vor dem Totenrichter Osiris
(aus dem Totenbuch des Ani, ca. 1300 v. Chr.)
Hieronymus Bosch. Das Jüngste Gericht (Mittelteil, etwa 1482 bis 1516)
Peter Paul Rubens: Das Jüngste Gericht (1617)

Das Gericht Gottes (hebr. דין Din) ist eine regligiöse Vorstellung, die ursprünglich schon bei Zarathustra zu finden ist, dessen Lehren im Zend Avesta überliefert wurden und die Grundlage des Zoroastrismus bilden. Hier wird bereits ein Totengericht erwähnt, im Christentum später Partikulargericht genannt, und ein Weltgericht am Ende der Zeiten, wenn das ewige Reich des Ahura Mazdao nach dem Sieg über die Mächte der Finsternis erichtet wird, dem im Christentum das Jüngste Gericht entspricht. Das Totengericht ist auch aus den altägyptischen Jenseitsvorstellungen bekannt. In Babylon war der Gottkönig als oberster Richter der diesseitige Vertreter der göttlichen Weltordnung. Der Begriff des Gottesgerichts fand von hier aus Eingang ins Judentum, ins Christentum und auch in den Islam.

Nach dem Alten Testament sitzt Jahve mehrmals zu Gericht über die sündige Menschheit, insbesonders über die Feinde des Volkes Israel. So heißt es beispielsweise:

„5 Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, 6 da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen 7 und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. 8 Aber Noah fand Gnade vor dem HERRN.“

Genesis: 1 Mos 6,5-8 EU

„13 Gott sprach zu Abram: Du sollst wissen: Deine Nachkommen werden als Fremde in einem Land wohnen, das ihnen nicht gehört. Sie werden dort als Sklaven dienen und man wird sie vierhundert Jahre lang hart behandeln. 14 Aber auch über das Volk, dem sie als Sklaven dienen, werde ich Gericht halten und nachher werden sie mit reicher Habe ausziehen.“

Genesis: 1 Mos 15,13-14 EU

„10 Wer gegen den Herrn streitet, wird zerbrechen, der Höchste lässt es donnern am Himmel. Der Herr hält Gericht bis an die Grenzen der Erde. Seinem König gebe er Kraft und erhöhe die Macht seines Gesalbten.“

1. Buch Samuel: 1 Sam 2,10 EU

„9 Ich sah immer noch hin; da wurden Throne aufgestellt und ein Hochbetagter nahm Platz. Sein Gewand war weiß wie Schnee, sein Haar wie reine Wolle. Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder waren loderndes Feuer. 10 Ein Strom von Feuer ging von ihm aus. Tausendmal Tausende dienten ihm, zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht nahm Platz und es wurden Bücher aufgeschlagen.“

Daniel: Dan 7,9-10 EU

Im Neuen Testament geht das Richteramt auf den Christus über.

„21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. 22 Auch richtet der Vater niemand, sondern er hat das Gericht ganz dem Sohn übertragen, 23 damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“

Johannesevangelium: Joh 5,21-23 EU

„4 Dann sah ich Throne; und denen, die darauf Platz nahmen, wurde das Gericht übertragen. Ich sah die Seelen aller, die enthauptet worden waren, weil sie an dem Zeugnis Jesu und am Wort Gottes festgehalten hatten. Sie hatten das Tier und sein Standbild nicht angebetet und sie hatten das Kennzeichen nicht auf ihrer Stirn und auf ihrer Hand anbringen lassen. Sie gelangten zum Leben und zur Herrschaft mit Christus für tausend Jahre.“

Offenbarung des Johannes: Off 20,4 EU

In der Kabbala wird die fünfte Sephira am Sephiroth-Baum Din (hebr. דין, Gericht, Recht; die strafende und richtende Macht Gottes) oder häufiger auch Geburah (hebr. גבורה, Strenge, Stärke, Gerechtigkeit) genannt. Ihr steht mit der Sephira Chesed die göttliche Güte oder Gnade gegenüber. In Din oder Geburah liegt für die Kabbalisten auch die Wurzel des Bösen, wenn sie einseitig das Übergewicht erlangen. Von manchen Kabbalisten, insbesonders auch von Isaak Luria, wird angedeutet, dass in der Ausscheidung von Din bzw. Gevurah aus dem unbegrenzten göttlichen Licht, dem Ain Soph, sogar ein wesentlicher Grund für den Schöpfungsprozess zu sehen ist. Nur durch das strenge Gericht gibt es die Möglichkeit zu trennen und zu scheiden - und das ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass überhaupt eine in Einzelheiten geschiedene Schöpfung entstehen konnte. Zugleich führte der Schöpfungsprozess dabei zu einer Läuterung, zu einer Katharsis des göttlichen Urlichts, das so gesehen das Gute und das Böse gleichermaßen in sich trug.[1] Denn trüge Gott ursprünglich nicht auch das Böse in gewisser Weise in sich, so mangelte ihm etwas, was nach Ansicht der Kabbalisten seiner Vollkommenheit widerspräche.

Anmerkungen

  1. Gerold Necker: Einführung in die lurianische Kabbla, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, Frankfurt am Main Leipzig 2008 ISBN 978-3458710080, S 81ff