Had-Had

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Had-Had ist ein mythischer Vogel, der nach der Tempellegende, auf die sich auch die Freimaurer beziehen, ein Bote der Feuergeister für die Königin von Saba ist. Had-Had gibt ihr zu erkennen, dass ihr nicht Salomon, sondern der Tempelbaumeister Hiram zum Gatten bestimmt ist. Hiram stammt aus dem Geschlecht Kains, Salomon aus der Linie von Abel bzw. Seth. Die Tempellegende beschreibt den (gescheiterten) Versuch, diese beiden Strömungen zu vereinigen, was schon in der atlantischen Zeit misslungen war und zum Untergang der Atlantis durch schwarzmagische Kräfte geführt hatte.

„In der atlantischen Zeit wurde ein Versuch gemacht, diese zwei Klassen zu vereinigen, doch führte das zur schwarzen Magie der schlimmsten Art. Darauf wird hingedeutet in der Bibelstelle: «Die Söhne Gottes vermählten sich mit den Töchtern der Menschen.»

Die Ankunft der Königin von Saba bedeutet den Versuch der Gegenwart. Die Wissenschaft, die durch Hiram dargestellt ist, kann sich jetzt mit der Seelenweisheit vereinigen, die symbolisiert wird durch die Königin von Saba. Die Amme ist der in die Zukunft schauende Prophet, der Vogel Had-Had ist ein Geist der Intelligenz, die zur Seele herabsteigt und sie von der Offenbarung, wie sie durch Salomo dargestellt wird, hinwendet zur selbsterworbenen Erkenntnis, die ihren Ausdruck findet in Hiram.

Der Tempel stellt die Erdenentwickelung dar. Salomo ist gleich einem Spiegel, der die kosmische Weisheit widerspiegelt, ohne irgendwelche eigene Anstrengung. Hiram andererseits sieht das Bild und arbeitet es aus. Er besitzt nicht die Fähigkeit, direkt aus der göttlichen Quelle zu schöpfen; er ist die materielle Erkenntnis, die das gegenständlich machen kann, was Salomo nur sehen kann.

Darum wird Balkis, die Seele, unzufrieden und löst ihre Verbindung mit Salomo, als sie die Schönheit Hirams erkennt, und sie gewinnt den Ring von Salomos Hand zurück, als er trunken ist.

Daß Hiram den Tau-Hammer schwingt, um auf Balkis' Wunsch die Arbeiter herbeizurufen, stellt symbolisch dar, auf welche Weise alle großen, weltbewegenden Ereignisse zustande gebracht wurden, wenn sie wie die Ameisen jahrelang arbeiteten, um einen bestimmten Zweck zu erreichen: durch die Macht der Massensuggestion. Diese wurde angewendet, so daß sie zur Arbeit sich einfanden wie auf eigenen Antrieb. Es würde Unrecht sein, jetzt eine solche Kraft anzuwenden, aber zu jener Zeit waren die Menschen nicht so individualisiert [wie heute], und wenn Tempel gebaut werden sollten, die dem Fortschritt der Menschheit dienen sollten, brauchten die Priester damals ganz mit Recht solche Mittel, um ihren Zweck zu erreichen. Die Kreuzzüge und Jeanne d' Ares Heer sind andere Beispiele von solcher Massensuggestion. Manchmal sind Fanatiker, die zum Teil ohne inneres Gleichgewicht sind, sehr stark in dieser Richtung.

Als Hiram sich in das Feuer wirft, trifft er unterwegs Tubal-Kain. Der führt Hiram zum Mittelpunkt der Erde (wo die Ich-Pflanze wächst; Kain war ein Ackerbauer), und dort finden sie Kain in seinem unschuldigen Zustand. Kain gibt dem Hiram einen neuen Hammer und ein neues Wort.“ (Lit.:GA 265, S. 395f)

Charles William Heckethorn, dessen Schilderung auch Rudolf Steiner gut bekannt war, beschreibt die Szene so:

„Bald darauf ging Balkis eines Tages in Begleitung ihres Gefolges außerhalb Jerusalems spazieren und begegnete unterwegs Hiram, der allein und in Gedanken versunken war. Die beiden gestanden einander ihre Liebe. Als Had-had (der bei der Königin von Saba das Amt eines Boten der Feuergeister versehende Vogel) Hiram in der Luft das mystische T-Zeichen machen sah, umflog er sein Haupt und ließ sich dann auf seinem Handgelenk nieder. Da rief Sarahil, die einstige Amme der Königin: «Die Weissagung ist erfüllt! Had-had erkennt den Gatten, den die Feuergeister für Balkis bestimmt haben und dessen Liebe allein sie annehmen darf!» Das Paar zögerte nun nicht länger, sich zu verloben und beriet dann über die weiteren Maßregeln. Hiram sollte Jerusalem zuerst verlassen und sich nach Arabien begeben, wohin Balkis ihm folgen wollte, sobald es ihr gelungen sein werde, die Wachsamkeit des Königs zu täuschen und zugleich ihre Verlobung mit ihm rückgängig zu machen. Beides gelang ihr, als Salomo sich eines Tages berauschte; sie zog ihm den Verlobungsring vom Finger. In seiner Eifersucht gab er den drei Gesellen, die den Guß des ehernen Meeres verdorben hatten, den Wink, daß ihm die Beseitigung des Nebenbuhlers erwünscht wäre. Vor der geplanten Abreise erschien Hiram nochmals im Tempel und hier wurde er von den Dreien erschlagen. Doch gelang es ihm vor dem Aushauchen des letzten Seufzers, das goldne Dreieck, das er um den Hals trug und auf dem das Meisterwort eingraviert war, in einen tiefen Brunnen zu werfen. Die Mörder hüllten den Leichnam ein, begruben ihn auf einem einsamen Hügel und pflanzten einen Akazienzweig aufs Grab.“ (Lit.: Heckethorn, S. 392f)

In einer Origanalhandschrift von Rudolf Steiner heiußt es entsprechend:

„Bald darauf erging sich die Königin mit ihrer Amme (Amme steht symbolisch für eine prophetische Person) vor den Toren der Stadt. Sie begegneten Hiram Abiff. In dem Augenblicke, als die beiden Frauen den Baumeister erblickten, flog aus den Lüften der Vogel Had-Had auf den Arm der Königin von Saba. Die prophetische Amme deutete dieses dahin, daß die Königin von Saba nicht für Salomo, sondern für Hiram Abiff bestimmt sei. Von diesem Augenblicke an dachte die Königin nur mehr daran, wie sie das Verlöbnis mit Salomo lösen könne. Es wird weiter erzählt, daß nun «im Rausche» dem König der Verlobungs-Ring vom Finger gezogen wurde, so daß sich nun die Königin für die dem Hiram Abiff bestimmte Braut betrachten konnte. (Es liegt das Bedeutungsvolle diesem Zug der Legende zugrunde, daß in der Königin von Saba zu sehen ist die alte Sternenweisheit, die bis in jene Zeitepoche verbunden war den alten atavistischen Seelenkräften, die in Salomo symbolisiert sind. Die okkulten Legenden drücken in den Symbolen von weiblichen Personen die Weisheit aus, welche sich mit dem männlichen Teil der Seele vermählen kann. Mit der Zeit Salomos ist die Epoche eingetreten, in welcher diese Weisheit übergehen soll von den atavistischen alten Kräften an die neu erworbenen Erden- Ich-Kräfte. Der «Ring» ist immer das Symbol des «Ich». Salomo wird noch im Besitz eines nicht voll-menschlichen Ich gedacht, sondern eines solchen, welches nur der Widerschein ist des «höheren Ichs» der Engel im atavistischen Traum-Hellseher-Bewußtsein. Der «Rausch» deutet darauf hin, daß dieses Ich wieder verloren wird innerhalb der halbbewußten Seelenkräfte, durch die es erworben ist. Hiram ist erst im Besitze eines real-menschlichen «Ich».)

Von diesem Zeitpunkte an ergreift den König Salomo eine heftige Eifersucht gegen seinen Baumeister. Es haben es daher drei verräterische Gesellen leicht, das Ohr des Königs für eine Tat zu finden, durch welche sie Hiram Abiff verderben wollen. Sie sind dessen Gegner, weil sie von ihm zurückgewiesen werden mußten, als sie den Meistergrad und das Meisterwort verlangten, für die sie nicht reif sind.“ (Lit.:GA 265, S. 367)

Literatur

  1. Charles William Heckethorn: Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren, Autorisierte deutsche Ausgabe, bearbeitet von Leopold Katscher, Leipzig, Rengersche Verlagsbuchhandlung 1900 (neu verlegt im Anaconda Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-86647-087-3) [1]
  2. Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende, GA 93 (1991)
  3. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org


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