Jüngling zu Nain

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Der Jüngling zu Nain wird im Lukas-Evangeliums erwähnt. Er lebt in Naïn (arab. نين‎ Na'in, wörtlich ‚bezaubernd‘; hebr. ניין Najin), einer Kleinstadt an der Grenze zwischen Galiläa und Samarien, die etwa 20 km südwestlich des Sees Genezareth und 7 km südwestlich des Berges Tabor liegt. Der Jüngling wird als ein Sohn der Witwe bezeichnet und durch den Christus von den Toten auferweckt. Seine Auferweckung war eine Einweihung, die aber, anders als bei Lazarus, erst in seiner nächsten Inkarnation wirksam wurde.

„11 Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. 12 Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. 13 Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn und er sprach zu ihr: Weine nicht! 14 Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! 15 Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. 16 Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht. 17 Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen umliegenden Land.“

Lukas-Evangelium: 7,11-17 LUT

Rudolf Steiner hat darauf hingewiesen, dass dieser Jüngling in einem früheren Erdenleben der Jüngling zu Sais gewesen war. In ihm war die ganze ägyptisch-chaldäische Kultur lebendig und diese feierte durch die Erweckung und die damit verbundene Einweihung des Jünglings zu Nain ihre Auferstehung.

"Was wir über die «Auferweckung des Jünglings zu Nain» lesen, enthält das Geheimnis von dem fortwirkenden Christentum. Während bei der Heilung der Tochter des Jairus, die ich Ihnen vorgestern wenigstens andeutungsweise erklären konnte, die damit verknüpften Geheimnisse so tiefe sind, daß der Christus Jesus nur einige der Menschen mitnimmt, die den Heilungsvorgang ansehen konnten, und ihnen dann den Auftrag gibt, daß es nicht erzählt werden solle, sehen wir eine andere Auferweckung sich so abspielen, daß sie dann gleich erzählt wird. Das eine war ein Heilungsvorgang, der voraussetzte, daß der, der ihn vollzog, tief hineinschaute in die Vorgänge des physischen Leibes. Das andere war eine Auferweckung, eine Initiation. Diejenige Individualität, die in dem Leibe des Jünglings zu Nain enthalten ist, sollte eine Initiation ganz besonderer Art erfahren. Es gibt verschiedene Arten von Initiation oder Einweihung. Die eine Art besteht darin, daß der Betreffende, der eingeweiht worden ist, unmittelbar nach dem Einweihungsvorgange in sich aufleuchten sieht die Erkenntnisse der höheren Welten, daß er hineinschauen kann in die Vorgänge und Gesetze der geistigen Welten. Eine andere Art der Initiation kann aber so stattfinden, daß zunächst in die betreffende Seele nur der Keim hineinversenkt wird, so daß sie dann noch eine Inkarnation abzuwarten hat; dann tritt dieser Keim heraus, und es wird dann in der späteren Inkarnation der Betreffende ein Initiierter im ausdrücklichen Sinne.

Eine solche Initiation wurde mit dem Jüngling zu Nain vollzogen. Damals wurde seine Seele bei dem Ereignis von Palästina umgewandelt; da hatte sie noch nicht das Bewußtsein, hinaufgestiegen zu sein in die höheren Welten. Erst in der nächsten Inkarnation keimten die Kräfte heraus, die damals in diese Seele gelegt waren. - Es können hier in einem exoterischen Vortrage nicht die Namen genannt werden, welche damals in Betracht kamen, es kann nur darauf hingewiesen werden, daß später in einem gewaltigen Religionslehrer diejenige Individualität erwachte, welche der Christus Jesus in dem Jüngling zu Nain auferweckt hatte, und daß auf diese Weise in späterer Zeit ein neuer Lehrer des Christentums erstehen konnte mit den Kräften, die damals in seine Seele versenkt worden waren.

So hat der Christus dafür gesorgt, daß auch später eine Individualität erscheinen konnte, die das Christentum weiterbrachte. Und diese Individualität, die in dem Jüngling zu Nain auf erweckt wurde, ist dazu berufen, später immer mehr und mehr das Christentum mit den Lehren von Reinkarnation und Karma zu durchdringen, jene Lehren mit dem Christentum zu verbinden, welche damals, als der Christus selber auf der Erde wandelte, noch nicht ausdrücklich als Weisheitslehren verkündet werden konnten, weil sie damals erst gefühlsmäßig in die Menschenseelen hineinversenkt werden mußten." (Lit.: GA 114, S. 196f)

Näheres dazu hat Steiner in einer esoterischen Stunde ausgeführt:

"Der Jüngling zu Nain aus dem Lukas-Evangelium ist kein anderer als der Jüngling zu Sais; bis in die Namen ist der Unterschied zwischen der geistigen Umgebung des dritten und des vierten Kulturzeitalters hineingeheimnist. Wissen wollte der Jüngling zu Sais unvorbereitet von den Geheimnissen der geistigen Welt; er wollte werden wie die anderen Eingeweihten ein «Sohn der Witwe», der Isis, die da trauerte um ihren verlorenen Gemahl Osiris. Da er aber unvorbereitet war, da er hier auf dem physischen Plan selber das Bild der Isis enthüllen und die himmlischen Geheimnisse schauen wollte, so verfiel er dem Tode. Kein Sterblicher konnte zu der Zeit den Schleier der Isis lüften. In dem Jüngling zu Sais symbolisiert sich die ohnmächtige Weisheit der ägyptischen Zeit.

Er wird wiedergeboren, er wächst heran als der Jüngling zu Nain, er ist wiederum ein «Sohn der Witwe», wiederum stirbt er im Jünglingsalter. Und der Christus Jesus naht sich, als der Tote aus dem Stadttor getragen wird. Und «viel Volk aus der Stadt» war mit seiner Mutter; es ist die Schar der ägyptischen Eingeweihten. Sie alle sind Tote, die einen Toten begraben. «Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen». Es jammerte ihn der Mutter, die dasteht gleichsam als Isis, welche war die Schwester und Gemahlin des Osiris. Und er sprach: «Jüngling, ich sage dir, stehe auf!» «Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und er gab ihn seiner Mutter.» - Sie ist ja auf die Erde herabgestiegen, die frühere Isis; ihre Kräfte können jetzt auf der Erde selbst erlebt werden. Der Sohn wird der Mutter wieder geschenkt, es ist nun an ihm, sich völlig mit ihr zu verbinden. «Und die Umstehenden priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden». Denn in dem Jüngling zu Nain hatte der Christus Jesus durch die Art der Initiation, welche diese Auferstehung darstellt, einen Keim gesenkt, der erst in seiner nächsten Inkarnation zur Blüte kommen konnte.

Ein großer Prophet, ein gewaltiger Religionslehrer ist aus dem Jüngling zu Nain geworden! Im dritten nachchristlichen Jahrhundert trat zunächst in Babylonien auf Mani oder Manes, der Begründer des Manichäismus." (Lit.: GA 264, S. 228f)[1]

Die nächste Inkarnation, auf die Steiner hinweist, ist die als Mani oder Manes, dem Begründer des Manichäismus. Später wurde Mani als der „reine Tor“ Parzival wiedergeboren.

"Untertauchen mußte gleichsam noch einmal alles, was in jener Inkarnation als Manes an altem und neuem Wissen aus dieser Seele heraufgekommen war. Als der «reine Tor» mußte er dem äußeren Wissen der Welt und dem Wirken des Christus- Impulses in seinen Seelenuntergründen gegenüberstehen. Er wird wiedergeboren als Parzival, der Sohn der Herzeleide, der von ihrem Gatten verlassenen tragischen Gestalt. Als Sohn dieser Witwe verläßt nun auch er die Mutter. Er zieht hinaus in die Welt. Nach mancherlei Irrfahrten gelangt er dazu, zum Hüter des Heiligen Grals erkoren zu werden." (Lit.: GA 264, S. 230)

Anmerkungen

  1. Nach Gedächtnisnotizen von Elisabeth Vreede ohne Orts- und Datumangabe.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001), ISBN 3-7274-1140-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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