Kav

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Die 10 Sephiroth, die sich aus dem göttlichen Urlicht Ain Soph Aur nach dem Tzimtzum in Form immer kleiner werdenden konzentrischen Schalen herausbilden.

Kav oder Qav (hebr. קו, „Linie [des Lichts]“) ist nach der Lehre des Kabbalisten Isaak Luria der feine Strahl des schöpferischen Lichtes, der nach dem Zimzum, dem Prozess der Zusammenziehung und Selbstbeschränkung Gottes, aus dem grenzenlosen Urlicht Ain Soph Aur hervorgegangen ist und zuerst, noch vor der eigentlichen Schöpfung, nach dem Bild Gottes die Gestalt des Adam Kadmon und dann, indem es nun vom Haupt des Adam Kadmon aus Mund und Augen und Stirne hervorbrach, schrittweise auf dem Pfad des flammenden Schwerts die 10 Sephiroth entstehen ließ.

Nicht von allen Seiten, sondern nur in einem feinen Strahl durfte sich ein winziger Teil des göttlichen Urlichts durch einen dünnen Kanal in den kreisförmigen Leerraum ergießen, in dem die Schöpfung stattfinden sollten, denn sonst wäre der Zimzum wieder aufgehoben worden. So drang der Strahl von einem Ausgangspunkt an der Peripherie bis zum Mittelpunkt des Kreises vor, nicht weiter, wobei sich die Kraft des Lichts immer mehr abdämpfte.

Das Licht (hebr. אור, or) ergoss sich in Gefäße (hebr. כלי‎, qli oder kli‎; Plural: כלים, keilim oder kelim), etwa vergleichbar den kristallenen Schalen der Planetensphären der griechischen Kosmologie, und wurde dadurch begrenzt und geformt zu immer kleiner werdenden konzentrischen Schalen oder Kreisen (hebr. עִגּוּלים Igulim), deren unterste und kleinste, Malchuth (Reich), unserer Erdenwelt entspricht.

Die inneren sechs Sephiroth, von Chesed abwärts bis Jesod, hielten der Gewalt dieses zum Strahl geformten göttlichen Lichts jedoch nicht stand. So kam es zum Bruch der Gefäße (Schvirat ha-Kelim) und ihre Scherben blieben in der Welt erhalten als leere, geistverlassene "Schalen" (Qlīpōt) und bildeten fortan die Grundlage des Bösen.

Kreis (עִגּוּל igul) und Gerade (hebr. ישר, yosher oder joscher) sind die bestimmenden geometrischen Gestaltungselemente im Schöpfungsprozess. Sie finden sich wieder in den beiden üblichen Darstellungsformen des Sephiroth-Baums. Sein erstes bzw. zweites Entwicklungsstadium, in dem es zum Bruch der Gefäße kommt, wird durch ein System konzentrischer Kreise dargestellt. Im dritten Stadium, dem der Wiederherstellung, erscheint der Sephiroth-Baum in aufgerichteter Gestalt mit drei tragenden Säulen. Diese Form entspricht dem aufgerichteten, moralisch aufrechten Menschen (hebr. אדם ישר adam jashar).