Or

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die 10 Sephiroth, die sich aus dem göttlichen Urlicht Ain Soph Aur nach dem Zimzum in Form immer kleiner werdender konzentrischer Kreise (Igulim) herausbildeten, umgeben von dem umgebendenn Licht (Or Makif). Jeder Kreis enthält inneres Licht (Or Pnimi), das zugleich umgebendes Licht für die innen liegenden, kleineren Kreise ist.

Or oder Aur (hebr. אור, Licht, Aura; plural: Oros/Orot hebr. אורות, Lichter) ist ein zentraler Begriff der jüdischen Kabbala. Aus dem grenzenlosen göttlichen Urlicht Ain Soph Aur - der Aura des Ain Soph - ist, insbesondere nach der Lehre Isaak Lurias (1534-1572), durch schrittweise Einschränkung (Tzimtzum) die ganze Schöpfung hervorgegangen.

Nachdem sich das Urlicht zurückgezogen hatte, wurde es zum umgebenden Licht (hebr. אור מקיף Or Makif), welches als feiner Strahl (hebr. קו Kav, „Linie [des Lichts]“) in den leeren Raum (hebr. חלל chalal) fiel. Nach dem Bilde Gottes wurde aus diesem Licht zuerst die urbildliche Gestalt des Adam Kadmon (aramäisch: אדם קדמון) geschaffen. Dann trat das innere Licht (hebr. אוֹר פנימה Or Pnimi) aus seinem Mund, seinen Augen und aus seiner Stirn, und es entstanden daraus die 10 Sephiroth (סְפִירוֹת) in Form konzentrischer Kreise (hebr. עִגּוּלים Igulim). Das umgebende Licht war reicher und schöpfungsmächtiger als das innere Licht. Die weiter außen liegenden und daher größeren Kreise stehen dem umgebenden Licht näher und das sie erfüllende Licht ist daher ebenfalls von höherer Qualität und Lebendigkeit. Das innere Licht bildet zugleich für die weiter innen liegenden, kleineren Kreise wiederum ein umgebendes Licht. Jede Sephira - bis auf die innerste (Malchuth) - ist somit zugleich Spender und Empfänger von schöpferischem Licht[1].

Die 10 Sephiroth, aus denen sich der Lebensbaum der Kabbala aufbaut, sind aus dem Licht gestaltet, das in ein Gefäß (hebr. כלי‎, qli‎) eingeschlossen und dadurch begrenzt und geformt ist - denn das Licht an sich ist undifferenziert und entstammt dem ursprünglichen, grenzenlosen Licht (Ain Soph Aur). Nach der Lehre Isaak Lurias konnten die inneren sechs Sephiroth, von Chesed abwärts bis Jesod, der Gewalt des göttlichen Lichts nicht standhalten. Es kam zum Bruch der Gefäße (Schvirat ha-Kelim) und ihre Scherben blieben in der Welt erhalten als leere, geistverlassene "Schalen" (Qlīpōt) und bildeten derart die Grundlage des Bösen.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Karl Erich Grözinger: Jüdisches Denken. Theologie - Philosophie - Mystik: Band 2: Von der mittelalterlichen Kabbala zum Hasidismus, Campus Verlag, Frankfurt/Main 2005, S 626ff