Lilien (Lilium)

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Liliengewächse
LiliumBulbiferumCroceumBologna.jpg

Feuer-Lilie (Lilium bulbiferum)

Abteilung: Gefäßpflanzen (Tracheophyta)
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Liliengewächse
Liliaceae
Juss.
Lilium auratum virginale
Die heilige Königin Chrodechild empfängt von einem Engel die Fleur-de-Lys und überreicht sie ihrem Mann, dem merowingischen König Chlodwig I. (Darstellung aus dem Stundenbuch des Duke of Bedford, um 1423).

Lilien (Lat. Lilium) sind eine aus etwa 110 verschiedenen Arten bestehende Gattung aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Lilien sind ausdauernde, aufrecht wachsende Zwiebelpflanzen mit meist sehr auffälligen Blüten. Die Blütenhülle ist ein zweikreisiges Perigon, wobei alle Blütenhüllblätter einander in Form, Farbe und Größe annähernd gleichen. Jeder der beiden Kreise besteht aus drei nicht miteinander verwachsenen Blütenhüllblättern von weißer, gelber, oranger, rötlicher bis purpurner oder grünlicher Farbe. Die 3- bzw. 6-zähligen Büten sind ein Abbild der Merkur-Bewegung, des sog. Merkur-Hexagramms[1].

Lilien sind ein häufig gebrauchtes Symbol für Reinheit und Keuschheit, für die Jungfräulichkeit der Seele, also für den vollständig zum Geistselbst verwandelten Astralleib. In der Alchemie steht die Lilie für den Mercurius - darauf deutet auch Goethe im Osterspaziergang von Faust I hin:

Da ward ein Roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die Junge Königin im Glas,
Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte, wer genas!
                                  (Lit.: Goethe, S 38 [1])

Rudolf Steiner erläutert dazu:

"Es ist dies ein technischer Ausdruck der Alchimie: Lilie bedeutet Merkur. Im Sinne der theosophischen Weltanschauung ist Merkur das Sinnbild der Weisheit, welcher der Mensch zustrebt, und Lilie jener Bewußtseinszustand, in dem der Mensch sich befindet, wenn er das Höchste erreicht, sich selbst gefunden hat. Die Vermählung des Männlichen mit dem Weiblichen in der menschlichen Seele ist hier dargestellt. «Im lauen Bad» heißt im Sinne der Alchimie «freigeworden vom Feuer der Begierden». Wir sprechen in der Theosophie von Ahamkara, dem menschlichen Ich- Streben, was das Höchste umfassen will. Dieses zunächst in Selbstheit strebende menschliche Prinzip wird in der Alchimie als Leu dargestellt, der frei geworden von der Selbstheit, von Begierden und Leidenschaften, sich mit der Lilie vereinen darf. Wenn man auch nicht mehr viel wußte im Mittelalter von der wahren Alchimie, so hatte man doch die Bezeichnungen konserviert. Alle höheren Wahrheiten stehen im Ätherglanz vor uns, wenn wir, freigeworden von stürmischen Begierden, von dem Leu der Begierden, die abgekühlt sind im lauen Bad, uns ihnen nahen. Dann kann der Menschengeist die Lilie finden, das Ewig-Weibliche, das uns hinanzieht; er kann die Vereinigung haben mit diesen Wahrheiten der geistigen Welten. Das ist ein Weg, den die Seelen immer gegangen sind, in vollster Klarheit. Mystiker ist derjenige, der Klarheit, Höhe, Reine der Anschauungen anstrebt." (Lit.: GA 53, S. 334)

"Also Goethe hat sehr wohl studiert, wie man dazumal verfahren ist, wie man den «roten Leu» - das Quecksilberoxyd, Schwefelquecksilber - behandelt hat, wie man die verschiedenen Chemikalien zusammengemischt und ihren Prozessen überlassen hat, wie man Arzeneien daraus fabriziert hat. Das alles aber entsprach nicht mehr der alten Weisheit. Goethe kennt auch die Ausdrucksweise. Man hat durchaus das, was man darzustellen hatte, in Bildern dargestellt. Die Verbindungen von Stoffen hat man wie eine Vermählung dargestellt. Daher sagt er:

Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas —

Das war ein Kunstausdruck. Wie in der heutigen Chemie Kunstausdrücke sind, so nannte man dazumal, wenn gewisse Substanzen einen gewissen Zustand und Farbe erreicht haben, «die junge Königin»." (Lit.: GA 273, S. 14)

Als Fleur-de-Lys (auch oder Fleur-de-Lis: „französische Lilie“, „Lilienblume“, „Lilienblüte“) war die Lilie das bekannte Symbol der französischen Könige. Nach der in verschiedenen Variationen überlieferten Legende nach soll sie dem Merowingerkönig Chlodwig I. (* 466; † 511), dem Begründer des Frankenreichs bzw. seiner Gattin Chrodechild, bei seiner Taufe nach der Schlacht von Zülpich (496) von einem von Gott gesandten Engel überreicht worden sein. Die Kapetinger leiteten davon später den Anspruch ab, das ihr Königtum unmittelbar von Gott und ohne Vermittlung des Papstes oder Kaisers eingesetzt sei.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Ernst-Michael Kranich: Pflanze und Kosmos, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1976