Mikro- meso- und makrosozial

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Als mikrosozial werden Aufgaben im sozialen Organismus angesehen, die nur auf einen sehr begrenzten Personenkreis Einfluß haben, etwa die Errichtung einer Leih- und Schenkgemeinschaft, die Bildung einer Bürgschaftsgemeinschaft oder die Begründung einer Kommune. Es kommt dabei im wesentlichen auf die Wirkungen von Mensch zu Mensch an.

Als mesosozial werden Aufgaben und Projekte des sozialen Organismus verstanden, die zwischen mikrosozial und makrosozial angesiedelt sind.

Beispiele dafür sind die Kapitalneutralisierung in wirtschaftlichen Unternehmen, die Etablierung weiterer einzelner Einrichtungen, die auf die Umgebung ausstrahlen, etwa eine Waldorfschule, eine Bürgschaftsbank, der Zusammenschluß mehrerer, etwa sozialer Einrichtungen zu einem Gesamtprojekt, z.B. auch etwa die Sammatzer Arbeits- und Lebensgemeinschaft (SAL)[1] oder auch die Achberger Unternehmensaufbauinitiative "Aktion Dritter Weg"[2].

Als makrosozial werden Einrichtungen für die Gesamtgesellschaft innerhalb des Konzepts der Sozialen Dreigliederung angesehen, wie etwa die Verwirklichung von plebiszitären Elementen (Volksinitiative, Volksbegehren, Volksentscheid) im Rahmen der Staatsverfassung. Darüber hinaus versteht man darunter die Gesellschaftsgestaltung in Form der Dreigliederung des sozialen Organismus als "Totalität" (Habermas) - "wie aus einem Guß".

(griech. μικρός mikrós ‚klein‘, ‚eng‘) (griech. μακρός makros = ‚groß‘, ‚weit‘, ‚lang‘) (griech. μέσω mesó = Mitte (mesós), mittig, mittel, inmitten, mittleres, zwischen)

Die Herkunft dieser Begriffe ist unklar. 2016 machte Friedrich Glasl auf einem Symposion folgende Zuordnungen, und fügte noch ein "mega-sozial" hinzu:

  • mikro-sozial: Face to face, Kleingruppe, Familie
  • meso-sozial: Organisationseinheit, Tochterunternehmen, Gesamte Organisation
  • makro-sozial: großer Konzern, Stadt, Kanton, Land, Interessensverbände ...
  • mega-sozial: staatliche Bündnissysteme
  • Matruschka-Effekt: Gekoppelte mi-me-ma-Dynamiken[3]

Für Dieter Brüll bedeutet mesosoziale Dreigliederung die innere Dreigliederung von Einrichtungen, wie z.B. einer Waldorfschule.[4]

Herkömmlich wird zwischen Mikrosoziologie und Makrosoziologie unterschieden, wobei die Mikrosoziologie soziales Handeln und Interaktionen zwischen Individuen ins Auge faßt (sowie ihre Bedingungen und Folgen usw.), die Makrosoziologie mehr die größeren Zusammenhänge, Strukturen der Gesellschaft. Ein mittleres Feld dazwischen, bzw. mit einem sowohl-als-auch ist dasjenige der Institutionen und Organisationen. Organisationen sind das Thema einer "speziellen" Soziologie, der Organisationssoziologie.

Entsprechend unterscheidet die Volkswirtschaftslehre zwischen Mikroökonomie und Makroökonomie. Organisationen werden mehr von der Betriebswirtschaftslehre behandelt. Daneben gibt es die Institutionenökonomie, die Neue Institutionenökonomik sowie eine spezielle Mesoökonomische Interaktionstheorie.

Wenig bekannt dürfte sein, daß neben Mikrokosmos und Makrokosmos in der Philosophie auch ein Mesokosmos thematisiert wird, der den Gegenstandsbereich der für die Menschen anschaulichen Objekte bezeichnen soll[5].

Zitat

„Und es ist in höchstem Maße eine auch heute realistische Sicht der Dinge, wenn man davon ausgeht, daß das Vertrauen in die Richtigkeit und Möglichkeit des geordneten Rückzugs durch den praktischen Beweis der möglichen gesellschaftlichen Selbstregelung von Problemen durch freie Träger gestärkt wird. Denn nicht aus blanker Bosheit der Politiker, sondern aus der Situation der Unfähigkeit zur gesellschaftlichen Selbstregelung sind ja häufig die betreffenden Problemfelder in die Staatszuständigkeit verwiesen worden: man denke an die Entstehung des modernen Sozialstaats aus der Antisozialität des kapitalistischen Wirtschaftlebens heraus. An dieser Stelle erweist sich die abstrakte Gegenüberstellung des makrosozialen, mesosozialen und mikrosozialen Aspekts als eine Unmöglichkeit. So richtig es ist, daß die Dreigliederung als ein Konzept für Großzusammenhänge, also für Gesellschaften, Staaten und Völker gedacht ist, so lebt doch die makrosoziale Veränderung vom praktischen Nachweis der Lebensfähigkeit freier mesosozialer Strukturen im Geistesleben und entsprechender assoziativer Strukturen im Wirtschaftsleben. Diese wiederum werden sich aber nicht verstärkt entwickeln lassen, wenn nicht die "Keimkräfte der sozialen Dreigliederung" im mikrosozialen Bereich gepflegt werden, weil gerade hier jenes "empfindende Unterscheidungsvermögen" für die drei Kraftströme des sozialen Leben, von dem in den "Kernpunkten" in so eindrucksvoller Weise die Rede ist, sich bilden kann. Im Wahrnehmungsvermögen für die Problematik des Mitmenschen als fähigem, mündigem und bedürftigen Wesen und den sich daraus ergebenden praktischen Folgen und Fähigkeiten gewinnt der Dreigliederungsimpuls Lebenskräfte und stellt jene menschliche Relevanz unter Beweis, an der heute - nach dem Ausverkauf der Ideologien - soziale Konzepte immer mehr gemessen werden.[FN30] Im Wahrnehmungsvermögen für die Problematik des Mitmenschen als fähigem, mündigem und bedürftigen Wesen und den sich daraus ergebenden praktischen Folgen und Fähigkeiten gewinnt der Dreigliederungsimpuls Lebenskräfte und stellt jene menschliche Relevanz unter Beweis, an der heute - nach dem Ausverkauf der Ideologien - soziale Konzepte immer mehr gemessen werden.[FN31]

[30] Vgl. zu diesem Thema: Christof Lindenau: Menscheninteresse. Vom übenden Umgang mit der sozialen Frage. In: Smit, Kühlewind, Lindenau, Treichler: Freiheit erüben. Stuttgart 1988.

[31] Eine solche Strategie kann allerdings nur gelingen, wenn die jeweiligen Schritte den Kontext mit dem Ziel der grundlegenden gesellschaftlichen Umgestaltung wahren. Eine bloße "Insel"- und "Oasen"-Strategie würde zu kurz greifen. Vgl. dazu Rudolf Steiner in: Entwicklungsgeschichtliche Unterlagen zur Bildung eines sozialen Urteils, GA 185a, Vortrag vom 22. November 1918.“ (Lit.: Christoph Strawe, Soziale Dreigliederung 1989, S. 10 (Doppelseite digital)[6])

Siehe auch

Literatur

  • Dieter Brüll: Der anthroposophische Sozialimpuls. Ein Versuch seiner Erfassung. Novalis Vlg., Schaffhausen 1984 (Neuauflage: Verlag für Anthroposophie, Dornach 2012)
  • Lex Bos / Dieter Brüll / Arnold C. Henny: Gesellschaftsstrukturen in Bewegung. Soziale Dreigliederung in Theorie und Praxis, Achberger Vlg., Achberg 1976
  • Sylvain Coiplet: Die soziale Dreigliederung oder - Wie werden Einrichtungen menschlich?, 2003 Volltext (Kritik)
  • Werner Breimhorst: Mesodreigliederung, 2005 Volltext (Kritik)
  • Joachim Stiller: Die Pyramide als Schlüssel soziologischer Systemtheorie

Einzelnachweise

  1. Triados.de
  2. Vgl. Michael W. Bader: Jenseits von Kommunismus und Kapitalismus. Theorie und Praxis des Wirtschaftsmodells der Achberger Schule, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2016
  3. Symposium: Friedrich Glasl: Die Praxis systemischer Konfliktbearbeitung in Organisationen, Witten, 11. März 2016
  4. Dreigliederung.de
  5. Mesokosmos - Artikel in der deutschen Wikipedia.
  6. Sozialimpulse.de