Morgenstern

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Als Morgenstern (griech. Φώσφορος, Phosphoros, „Lichtträger“, „Lichtbringer“; lat. Lucifer) wird im esoterischen Sinn der Merkur bezeichnet, der maßgeblich die zweite Hälfte der Erdentwicklung bestimmt.

Christus verus Lucifer

Hauptartikel: Christus verus Lucifer

Ausgehend von den Aussagen im Neuen Testament in Off 22,16 EU und 2 Petr 1,19 EU wurde der Christus selbst, der sich durch das Mysterium von Golgatha mit der Erde verbunden hat, als Morgenstern bezeichnet, wofür der später nicht mehr verstandene Ausspruch «Christus verus Lucifer» geprägt wurde.

„17 Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. 18 Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. 19 Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.“

2. Brief des Petrus: 1,17-19 EU

Rudolf Steiner erläutert dazu:

"In den ersten Zeiten des Christentums hatte man einen Spruch, der lautete: «Christus verus Lucifer», Christus ist der wahre Lichtträger —, denn Lucifer heißt Lichtträger. Warum wird Christus der wahre Lichtträger genannt? Weil jetzt durch ihn berechtigt worden ist, was früher unberechtigt war. Früher war es ein Auseinanderreißen; die Menschen waren noch nicht reif zur Selbständigkeit. Jetzt waren die Menschen durch den Ich-Impuls, den sie durch den Christus Jesus bekommen haben, so weit, daß sie trotz des Ichs sich in Liebe zueinander entwickeln konnten. So wurde das, was Luzifer sozusagen vorausnehmend der Menschheit geben wollte, als diese noch unreif war, durch den wahren Lichtträger, durch den Christus Jesus, der Menschheit gebracht. Er brachte den Impuls zur Verselbständigung, aber auch die geistige Liebe, die zusammenführt, was nicht blutsverwandt ist. Durch ihn kam die Epoche, wo die Menschheit heranreifte zu dem, was Luzifer früher schon bewirken wollte. Dieser Ausspruch: «Christus verus Lucifer» ist später nicht mehr verstanden worden. Derjenige allein, der ihn richtig versteht, lernt die ersten Lehren des Christentums kennen." (Lit.: GA 104, S. 148)

Der Morgenstern aus astronomischer Sicht

Aus astronomischer Sicht wird generell das hellste Gestirn, das vor Sonnenaufgang am Morgenhimmel erscheint, als Morgenstern bezeichnet. In der Regel handelt es sich dabei nicht um den Merkur, sondern um die Venus, die jeweils für etwa sechs bis acht Monate am morgendlichen Himmel erscheint, um dann für etwa drei Monate für das freie Auge ob ihrer Sonnennähe unsichtbar zu werden, und danach für weitere sechs bis acht Monate als Abendstern (griech. Ἕσπερος, Hesperos; lat. Hesperus) zu erglänzen. Aufgrund der synodischen Umlaufzeit der Venus von etwa 583,92 Tagen dauert der gesamte Zyklus rund 19 Monate. Ursprünglich hielt man den Abendstern und den Morgenstern für eigenständige Gestirn und auch nach der Entdeckung ihrer Identität hielt man in der Antike weiterhin an ihrer Trennung fest.

Auch der Merkur kann, allerdings weniger auffällig, als Morgenstern erscheinen und ist in Mitteleuropa im Herbst für max. zwei Monate am Morgenhimmel sichtbar.

Vertauschung von Merkur und Venus

Rudolf Steiner hat darauf hingewiesen, dass die mittelalterlichen Okkultisten Venus und Merkur bewusst aus Gründen der Geheimhaltung vertauscht hätten. Die ursprüngliche und jetzt okkulte Reihenfolge der Planeten bildet auch die Grundlage für die sogenannte Chaldäische Reihe, an der sich noch heute die Anordnung unserer Wochentage orientiert.

In seinen Vorträgen über «Die Apokalypse des Johannes» (GA 104) bemerkte Rudolf Steiner dazu:

"Hier komme ich an eine Stelle, wo wir sozusagen ein kleines Geheimnis lüften müssen, das im Grunde genommen nur an dieser Stelle gelüftet werden darf. Man hat nämlich im Okkultismus für diejenigen, die die Geisteswissenschaft nur mißbrauchen würden und namentlich in älteren Zeiten mißbraucht hätten, immer gehabt das, was man nennen möchte eine Maske. Man hat sich nicht direkt ausgedrückt, sondern hat hingestellt etwas, was die wahre Sachlage verhüllen sollte. Nun hat sich die mittelalterliche Esoterik nicht anders zu helfen gewußt als durch grobe Mittel. Sie hat den Merkur Venus genannt und die Venus Merkur. In Wahrheit müßten wir, wenn wir im Sinne der Esoterik sprechen wollen, wie es der Apokalyptiker getan hat, den Merkur als Morgenstern ansprechen. Er meint mit Morgenstern den Merkur: Ich habe deinem Ich gegeben die Richtung nach aufwärts, durch den Morgenstern, den Merkur. — Sie können auch noch in gewissen, wirklich die Sachlage treffenden Büchern des Mittelalters finden, daß die Sterne unseres Planetensystems so aufgezählt werden: Saturn, Jupiter, Mars, und auf die Erde folgen nicht wie jetzt Venus, Merkur, sondern umgekehrt Merkur, Venus. Daher heißt es hier: «Wie Ich von meinem Vater empfangen habe; und will ihm geben den Morgenstern.»" (Lit.: GA 104, S. 83)

Tatsächlich liegt dem okkulten System vermutlich nicht die äußere räumliche Anordnung der Planeten nach wachsender Distanz von der Erde bzw. von der Sonne zugrunde, die in der Antike auch noch nicht mit genügender Genauigkeit bestimmt werden konnte, sondern man orientierte sich an den Planetenrhythmen. Ordnet man die Planeten im geozentrischen System ausgehend von der Erde nach ihren siderischen Umlaufzeiten (das ist die Zeit, nach der der Planet wieder für die visuelle Beobachtung in der Nähe der selben Fixsterne steht), so ergibt sich die okkulte Reihung: Mond (27,3 Tage) – Merkur (88 Tage) – Venus (224,7 Tage) – Sonne (365,25 Tage = 1 Jahr) – Mars (687 Tage) – Jupiter (4332.6 Tage = ca. 12 Jahre) – Saturn (10759.2 Tage = ca. 30 Jahre).

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Apokalypse des Johannes, GA 104 (1985), ISBN 3-7274-1040-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Welt, Erde und Mensch , GA 105 (1983), ISBN 3-7274-1050-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen, GA 109 (2000), ISBN 3-7274-1090-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen, GA 136 (1996), ISBN 3-7274-1361-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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