Phänotyp

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Als Phänotyp (von griech. φαινόμενον, phainomenon = „Sichtbares, Erscheinung“ und τύπος, týpos, „Gestalt, Abbild, Muster“) oder Erscheinungsbild eines Organismus wird die Summe aller seiner morphologischen, physiologischen und verhaltensmäßigen Merkmale bezeichnet, die aus geisteswissenschaftlicher Sicht eine Widerspiegelung seiner leiblichen Wesensglieder - also des physischen Leibes, des Ätherleibs und des Astralleibs - sind. Der Phänotyp wird demgemäß zwar maßgeblich durch den Genotyp, also durch seine vererbte genetische Anlage, darüber hinaus aber auch durch Umwelteinflüsse und weitere epigenetische Faktoren bestimmt. Die individuelle Erscheinungsform des Menschen ist - unabhängig von vererbten Eigenschaften - unmittelbar durch sein Ich und sein in aufeinanderfolgen irdischen Inkarnationen erworbenes Karma bedingt.

Der Begriff der phänotypischen Variation beschreibt, wie weit der erscheinende Phänotyp durch den Genotyp vorherbestimmt ist.

Das gemeinsame arttypische ideelle Urbild, die archetypische begriffliche Urgestalt, die in jeder Pflanzen- oder Tierart gestaltend wirkt und dadurch sowohl den Phänotypus als auch den Genotypus bestimmt, ist aber der nur sinnlich-übersinnlich erfahrbare Typus, wie ihn Goethe erstmals in seiner Metamorphosenlehre beschrieben hat. Der Urtypus aller Pflanzen ist die Urpflanze, der Urtypus aller Tiere das Urtier und jeder individuelle Mensch ist sein eigener unverwechselbarer Typus, der sich im Laufe der Reinkarnationen immer deutlicher ausgestaltet.

"Dieser Typus ist in keinem Einzelorganismus in aller seiner Vollkommenheit ausgebildet. Nur unser vernunftgemäßes Denken ist imstande, sich desselben zu bemächtigen, indem es ihn als allgemeines Bild aus den Erscheinungen abzieht. Der Typus ist somit die Idee des Organismus: die Tierheit im Tiere, die allgemeine Pflanze in der speziellen. Man darf sich unter diesem Typus nichts Festes vorstellen. Er hat ganz und gar nichts zu tun mit dem, was Agassiz, Darwins bedeutendster Bekämpf er, einen «verkörperten Schöpfungsgedanken Gottes» nannte. Der Typus ist etwas durchaus Flüssiges, aus dem sich alle besonderen Arten und Gattungen, die man als Untertypen, spezialisierte Typen ansehen kann, ableiten lassen. Der Typus schließt die Deszendenztheorie nicht aus. Er widerspricht nicht der Tatsache, daß sich die organischen Formen auseinander entwickeln. Er ist nur der vernunftgemäße Protest dagegen, daß die organische Entwicklung rein in den nacheinander auftretenden, tatsächlichen (sinnlich wahrnehmbaren) Formen aufgeht. Er ist dasjenige, was dieser ganzen Entwicklung zugrunde liegt. Er ist es, der den Zusammenhang in dieser unendlichen Mannigfaltigkeit herstellt. Er ist das Innerliche von dem, was wir als äußerliche Formen der Lebewesen erfahren. Die Darwinsche Theorie setzt den Typus voraus.

Der Typus ist der wahre Urorganismus; je nachdem er sich ideell spezialisiert: Urpflanze oder Urtier. Kein einzelnes, sinnlich-wirkliches Lebewesen kann es sein. Was Haeckel oder andere Naturalisten als Urform ansehen, ist schon eine besondere Gestalt; ist eben die einfachste Gestalt des Typus. Daß er zeitlich zuerst in einfachster Form auftritt, bedingt nicht, daß die zeitlich-folgenden Formen sich als Folge der zeitlich-vorangehenden ergeben. Alle Formen ergeben sich als Folge des Typus, die erste wie die letzte sind Erscheinungen desselben. Ihn müssen wir einer wahren Organik zugrunde legen und nicht einfach die einzelnen Tier- und Pflanzenarten auseinander ableiten wollen. Wie ein roter Faden zieht sich der Typus durch alle Entwicklungsstufen der organischen Welt. Wir müssen ihn festhalten und dann mit ihm dieses große, verschiedengestaltige Reich durchwandern. Dann wird es uns verständlich. Sonst zerfällt es uns wie die ganze übrige Erfahrungswelt in eine zusammenhanglose Menge von Einzelheiten. Ja selbst wenn wir glauben, Späteres, Komplizierteres, Zusammengesetzteres auf eine ehemalige einfachere Form zurückzuführen und in dem letzteren ein Ursprüngliches zu haben, so täuschen wir uns, denn wir haben nur Spezialform von Spezialform abgeleitet." (Lit.: GA 002, S. 103f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung, GA 2 (2002) ISBN 3-7274-0020-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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