Schamgefühl

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Das Schamgefühl, die Scham (ahd. scama, von german. skamo „Schuld, Beschämung“) ist ein Gefühl, das aus der Bloßstellung des natürlicherweise oder durch kulturelle Konvention als unzulänglich empfundenen eigenen körperlichen und/oder seelischen Wesens entspringt, oft begleitet von Ausdrucksreaktionen wie Erröten, Senken des Blicks und sich verhüllenden, an-sich-haltenden Gesten und psychosomatischen Reaktionen (z.B. Herzklopfen, Wärmegefühle, Schweißausbruch).

"Heute noch, wo sozusagen alles Spirituelle unter dem Schleier des Materiellen begraben liegt und erst wiedergefunden werden soll von der spirituellen Weltanschauung, selbst heute noch haben wir Vorgänge in uns, welche Erbstücke einer uralten Zeit sind, wo das Geistige noch mächtiger war, und die uns in bedeutsamer Weise zeigen können, wie das Geistige wirkt. Auf zweierlei mache ich da gewöhnlich aufmerksam: auf das Schamgefühl und auf das Furcht- und Schreckgefühl. Es sei im voraus bemerkt, daß es leicht sein wird, Ihnen alle die hypothetischen Erklärungsversuche für diese beiden Erlebnisarten hier aufzuzählen. Das geht uns aber hier nichts an; und wenn jemand das dagegen einwenden wollte, so soll er nur nicht glauben, daß der Geistesforscher diese Hypothesen nicht auch kennt.

Über das Schamgefühl können wir sagen: Wenn der Mensch sich schämt, so ist es, wie wenn er bewirken wollte, daß seine Umgebung etwas nicht sieht, was in ihm geschieht, es ist wie etwas verbergen wollen, was im Schamgefühl des Menschen vor sich geht. Und was bewirkt dieses seelische Erlebnis physisch im Menschen? Es treibt die Schamröte ins Gesicht, das Blut steigt ins Gesicht, Was geschieht also unter dem Eindrucke eines seelisch-geistigen Ereignisses, wie es das Schamgefühl ist? Eine Umwandlung, eine andere Zirkulation des Blutes! Das Blut wird von innen nach der Peripherie, nach außen hin getrieben. Das Blut wird in seinem Laufe - das ist eine physikalische Tatsache - geändert durch eine geistig-seelische Tatsache!" (Lit.: GA 112, S. 123f)

"Das Schamgefühl zeigt Zustände, wo wir, was sichtbar ist, auslöschen möchten, wo wir unser Ich auslöschen möchten. Der Mensch will das Ich schwach und schwächer machen, so daß es für das Äußere nicht mehr wahrnehmbar wird. Der Mensch braucht da etwas, um sich zu verlieren, ein Aufgehen im All, in der Weltenseele oder, wenn man will, in der Umgebung, so daß das, was wir unser Ich nennen, nicht nach außen sichtbar werden will." (Lit.: GA 56, S. 200f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Erkenntnis der Seele und des Geistes, GA 56 (1985), ISBN 3-7274-0560-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, GA 112 (1984), ISBN 3-7274-1120-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
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