Testament Salomos

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Salomo empfängt die Königin von Saba. Gemälde von Giovanni Demin

Das Testament Salomos (kurz TestSal oder TSal) ist eine christlich-gnostische apokryphe Schrift, die auf das 4. Jahrhundert datiert wird, aber vermutlich auf einer früheren jüdischen Vorlage beruht, die von frühchristlichen Autoren überarbeitet wurde. Sie gilt als älteste christliche Dämonologie.

Inhalt

Die Rahmenhandlung der auf griechisch verfassten Schrift ist der salomonische Tempelbau, den eigentlichen Inhalt bildet aber eine umfangreiche Dämonologie. Sie ist weitgehend in der Ich-Form aus der Perspektive Salomos geschrieben. Zu Beginn erfährt man, dass Ornias, ein Dämon, dem Oberaufseher, der Salomos ganze Liebe besaß, jeden Tag bei Sonnenuntergang die Hälfte seines Lohnes und die Hälfte seiner Speisen wegnimmt und ihm überdies das Blut aus dem rechten Daumen saugt. Als Salomo dies erfährt, fleht er mit ganzer Seele zu Gott, dem HERRN Zebaoth, um Hilfe und erhält durch den Erzengel Michael einen Siegelring, mit dem er jeden Dämon kontrollieren kann. Salomo befiehlt nun eine Reihe von Dämonen zu sich, darunter Beelzebub, den Herrn der Dämonen, die weibliche Dämonin Onoskelis (die "Eselsfüßige", ein Beiname der Empusa der griechische Mythologie) und auch Asmodäus. Obizuth, "welcher am Haupte einem Weibe glich mit aufgelösten Haaren"[1], scheint mit der Kinder mordenden Lilith identisch zu sein[2]. Salomo befragt alle Dämonen über ihre Eigenschaften und welcher Engel ihr Herr sei und bestimmt die meisten von ihnen zur Mithilfe am Bau des Tempels.

„Als ich Salomo dieses vernommen hatte, pries ich Gott, und mich verwundernd über die Schutzreden der Dämonen, misstraute ich ihnen und glaubte ihren Äußerungen nicht, bis sie würden in Erfüllung gehen. Als sie aber eintrafen, da verstand ich sie, und ich schrieb bei meinem Tode dieses Testament für die Söhne Israels und übergab es ihnen, damit sie die Kräfte und Gestalten der Dämonen, so wie die Namen der Engel wüßten, durch welche die Dämonen bezwungen werden.“

Das Testament des Salomo: Übersetzung von F. A. Bornemann, S 41

Nachdem der Tempel schon der Vollendung nahe ist, kommen alle Könige der Erde, um den Bau zu bewundern, darunter auch die Königin des Südens (Königin von Saba), die eine mächtige Zauberin war. Noch fehlt der mächtige Schlussstein, doch alle Bauleute und alle Dämonen zusammen vermögen ihn nicht auf die Spitze des Tempels zu hieven. Da fängt Salomo noch den mächtigen Luftdämon Ephippas, der in Arabien sein Unwesen trieb und dessen Vater der Teufel selbst ist und der nur von dem bezwungen werden kann, "welcher von einer Jungfrau geboren und von den Juden gekreuzigt werden wird."[3] Ephippas, der Berge versetzen und Paläste zerstören kann, hebt den Stein mit Leichtigkeit in die Höhe und bringt zudem mit Hilfe des Dämons aus dem roten Meer auch noch die unbegrenzte Säule nach Jerusalem. Beide Dämonen beschwören mit einem Eid, von dieser Säule nicht zu weichen bis zum Ende der Welt: "Wenn aber eines Tages dieser Stein fällt, dann wird der Welt Ende sein!"[4]

Das Ende ist wenig rühmlich. Salomo begehrt eine Jebusiterin zur Frau. Doch die Priester dieses Volkes wollen in die Ehe nur einwilligen, wenn Salomo bereit ist, deren Gott Moloch zu verehren. Salomo verweigert dies zunächst, doch die listige Jungfrau sendet ihm fünf Heuschrecken, die er im Namen Molochs zerreiben soll. Als Salomo dies blind vor Leidenschaft tut, verdunkelt sich sein Geist und er wird zum Gespött der Götzen und Dämonen.

„Deswegen schrieb ich dieses mein Testament nieder, damit diejenigen, welche es zu sehen bekämen, durchgängig Gnade fänden bis in Ewigkeit. Betet und achtet auf das Ende und nicht auf den Anfang!“

Das Testament des Salomo: Übersetzung von F. A. Bornemann, S 56

Anmerkungen

  1. Bornemann, S 37
  2. Hurwitz, S 137f
  3. Bornemann, S 53
  4. Bornemann, S 55

Literatur

Textausgaben
  • F. A. Bornemann: Das Testament des Salomo, Aus dem Griechischen übersetzt, in: Zeitschrift für die historische Theologie 14/3 (1844), 9-56, bei google books, als PDF
  • Peter Busch: Das Testament Salomos. Die älteste christliche Dämonologie, kommentiert und in deutscher Erstübersetzung; 2006, Auszüge bei google books
  • Dennis C. Duling: Testament of Solomon, in: James H. Charlesworth (Hg.): The Old Testament Pseudepigrapha, Volume 1: Apocalyptic Literature and Testaments, The Anchor Yale Bible Reference Library, Doubleday, 1983, 935-987.
  • F. F. Fleck: Wissenschaftliche Reise durch das südliche Deutschland, Italien, Sicilien und Frankreick 2/3, Leipzig 1837, 111–140, Nachdruck in: Jacques Paul Migne (Hg.): Patrologia Graeca, Bd. 122, 1315–1358 nebst lateinischer Übersetzung.
  • Chester Charlton McCown: The Testament of Solomon, Untersuchungen zum Neuen Testament 9, Leipzig 1922, bei archive.org (Review von M. R. James)
Sekundärliteratur
  • Dennis C. Duling: The Testament of Solomon: Retrospect and Prospect, in: Journal for the Study of Pseudepigrapha 2 (1988), 87-112.
  • K. Preisendanz: Salomo, in: RE Suppl. 8 (1956), 660-704.
  • Eckard von Nordheim: Die Lehre der Alten, München 1973, S. 185 - 193, Auszüge bei google books

Weblinks

Textausgaben
 Wikisource: Übersetzung von Paul Rießler – Quellen und Volltexte
  • F. C. Conybeare: Translation, nach: Jewish Quarterly Review 9 (1898), 1-45.
Informationen