Michael (Erzengel)

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Margarita Woloschin: Erzengel Michael
Michael als Seelenwäger (Altar des Jüngsten Gerichtes im Hôtel-Dieu in Frankreich)
Ikone des Erzengels Michael (Byzanz um 1390)
Erzengel Michael
Michael, Raphael und Gabriel führen Tobias (Botticini 1470)
Erzengel Michael (Michaelsbrunnen Mettingen)

Michael (hebr. מיכאל; arab. ميكائيل/ميكا „Mika'il/Mikaal“; zu deutsch: „Wer ist wie Gott?“) ist der vierte der vier führenden Erzengel und trägt das flammende Schwert. Er ist der Bezwinger Satans und wägt die Seelen am Tag des Jüngsten Gerichts. Das Feuer ist sein Element, seine Farbe ist rot. Nach katholischer Auffassung steht er im Osten vor dem Thron Gottes. Die Sonnensphäre ist Michaels geistige Heimat und die Erdentwicklung im Dienste des Christus so zu fördern, dass sich das menschliche Ich so reich als möglich entfalten kann, ist seine hauptsächlichste Aufgabe.

„Der vierte, welcher die Kräfte der anderen in sich enthält und seine eigene Kraft hinzufügt, strahlt sein Licht von dem Osten aus in rosafarbiger Nuance und goldenem Glanze. Er leitet und lenkt die Entwickelung der Erde und wirkt deshalb in die Zukunft hinein. Eine erhabene, siegreiche Gestalt, welche die Eigenschaften der drei anderen in sich trägt, wird er mit dem Namen des Michael genannt. So stehen da die vier mächtigen Erzengel und leiten die Weltenvorgänge. Ein jeder von ihnen ist verbunden mit einem der vier Glieder im Menschen, denn in jedem der planetarischen Zustände wurde eines dieser Glieder in der Anlage entwickelt. Der vierte leitet die Ausbildung des menschlichen Ich. Er ist am innigsten mit der Menschheit verbunden und ist der direkte Diener des mächtigen Sonnengeistes.“ (Lit.:GA 265, S. 337)

Michael als Verwalter der kosmischen Intelligenz

Nach Rudolf Steiner ist Michael der Verwalter der kosmischen Intelligenz, die wesenhafte Offenbarung des göttlichen Denkens:

"Das alte hebräische Wort Michael sollte eigentlich mit dem Wort Gottschauer übersetzt werden; Gottverkünder würde ganz dasselbe bedeuten wie Gabriel; Gottwoller ganz dasselbe bedeutet wie Raphael. Während wir in der physischen Welt wirken durch unsere drei Seelenkräfte, wirken die Wesen der höheren Hierarchien durch Wesenheiten selber. Indem wir wirken durch Vorstellen, Fühlen, Wollen, wirkt ein Gott durch Michael, Gabriel und Raphael. Und das bedeutet für einen Gott dasselbe: Ich wirke durch Michael, Gabriel, Raphael, – was für unsere Seele bedeutet: Ich wirke durch Denken, Fühlen und Wollen." (Lit.: GA 272, S. 203)

Sehr eindringlich hat Rudolf Steiner das Wesen und Wirken Michaels in der Michael-Imagination geschildert. Demnach ist das flammende Schwert Michaels aus Meteoreisen geschmiedet.

Michaelzeitalter

Michaels gegenwärtige Erzengel-Regentschaft begann nach Rudolf Steiner im November 1879 und endet ca. 2300 n. Chr.

Michael als das Antlitz Christi

"Und es gibt viele solcher Wesenheiten, welche dem gleichen Range angehören. Aber diese besondere Wesenheit, die esoterisch unter dem Namen Michael bekannt ist, ist so erhaben über ihre Gefährten, wie die Sonne erhaben ist über die Planeten, über Venus, Merkur, Jupiter, Saturn und so weiter.

Er, Michael, ist die hervorragendste und die bedeutendste Wesenheit in der Hierarchie der Erzengel. Die alten Hebräer nannten Michael «Das Antlitz Gottes». Wie ein Mensch sich durch seine Gesten und durch den Ausdruck seines Antlitzes offenbart, so wurde in der Mythologie der Alten Jehova durch Michael verstanden. Jehova gab sich dem Eingeweihten auf solche Weise kund, daß der Eingeweihte etwas erfassen konnte, was er mit seinem gewöhnlichen Fassungsvermögen niemals vorher hätte begreifen können, nämlich, daß Michael das Antlitz des Jehova sei. So sprachen die alten Hebräer von Jehova-Michael: Jehova, der Unnahbare, zu dem man nicht gelangen konnte, wie man nicht zu eines Menschen Gedanken, zu seinen Leiden und Sorgen, die hinter seinem äußeren Ausdruck liegen, gelangen kann. Michael ist die äußere Offenbarung des Jahve oder Jehova, wie man beim Menschen die Offenbarung seines Ich auf seiner Stirn und seinem Antlitz erkennt.

Und so können wir sagen, daß Jehova sich durch Michael, einen der Erzengel, offenbarte. Die Erkenntnis dessen, den wir als Jahve beschrieben haben, war nicht bloß auf die alten Hebräer beschränkt, sie war viel weiter verbreitet. Und wenn man die letzten fünf Jahrhunderte vor der christlichen Ära untersucht, so findet man, daß während dieser ganzen Zeit eine Offenbarung durch Michael stattfand. Wir können diese Offenbarung in einer anderen Form in Plato, Sokrates, Aristoteles entdecken, in der griechischen Philosophie, sogar in den alten griechischen Tragödien während der fünf Jahrhunderte vor dem Ereignis von Golgatha.

Wenn wir uns mit Hilfe der okkulten Erkenntnisse bemühen, hineinzuleuchten in dasjenige, was tatsächlich sich ereignete, so können wir sagen, daß Christus-Jehova die Wesenheit ist, welche die Menschheit durch ihre ganze Evolution hindurch begleitet hat. Aber während der Epochen, die einander folgen, offenbart sich Christus-Jehova immer durch verschiedene Wesenheiten desselben Ranges wie Michael. Er wählt sozusagen immer ein anderes Antlitz, mit welchem er sich der Menschheit zuwendet. Und je nachdem der eine oder der andere aus der Hierarchie der Erzengel gewählt wird, um der Vermittler zu sein zwischen Christus-Jehova und der Menschheit, werden den Menschen sehr verschiedene Ideen und Auffassungen, Impulse des Fühlens, Impulse des Wollens und so weiter offenbart." (Lit.: GA 152, S. 36f)

"Michael hat sich die Kraft erobert, wenn die Menschen ihm entgegenkommen mit all dem, was in ihren Seelen lebt, diese so zu durchdringen mit seiner Kraft, daß sie die alte materialistische Verstandeskraft, die bis dahin in der Menschheit groß geworden ist, umwandeln können in spirituelle Verstandeskraft, in geistige Verstandeskraft. Das ist die objektive Tatsache; sie hat sich vollzogen. Wir können davon sprechen : Michael ist in ein anderes Verhältnis zur Menschheit getreten, als dasjenige war, in dem er früher gestanden hat, seit dem November 1879. Aber es ist erforderlich, daß man dem Michael dient. Was ich damit meine, es wird am klarsten werden, wenn ich Ihnen das Folgende auseinandersetze.

Sie wissen, bevor das Mysterium von Golgatha sich auf der Erde vollzogen hat, schauten die alttestamentlichen Juden hinauf zu ihrem Jahve oder Jehova. Diejenigen, die aus der jüdischen Priesterschaft mit vollem Bewußtsein zu Jahve schauten, waren sich bewußt, daß sie nicht unmittelbar mit ihrem Menschenerkennen herandringen konnten zu Jahve. Sogar der Name galt als unaussprechlich, und wenn der Name ausgesprochen werden sollte, wurde nur ein Zeichen gemacht, das ähnlich ist gewissen Zeichenzusammenhängen, die wir durch unsere Eurythmie aufsuchen. Aber diese Priesterschaft war sich auch klar darüber, daß sich der Mensch dem Jahve durch Michael nähern könne.

Diese Priesterschaft nannte Michael das Antlitz des Jahve oder des Jehova. So wie wir einen Menschen kennenlernen, wenn wir in sein Antlitz blicken, wie wir aus der Milde seines Antlitzes einen Schluß auf die Milde der Seele, aus der Art, wie er uns anschaut, auf seinen Charakter ziehen, so wollte die alttestamentliche Priesterschaft aus dem, was sich in die Seele hereinschlich an atavistischen Hellschauungen in Träumen, von dem Antlitz des Jahve, von dem Michael schließen auf Jahve, den zu erreichen der Menschheit doch nicht möglich war. Diese Priesterschaft stand richtig zu Michael und Jahve oder Jehova; sie stand richtig zu Michael, weil sie sich bewußt war, daß, wenn sich der Mensch der damaligen Zeit zu Michael wendete, er durch Michael diejenige Kraft, die Jahve-Kraft oder Jehova-Kraft finden würde, welche zu suchen dem Menschen der damaligen Zeit ziemte.

Andere seelische Menschheitsregenten traten seither an die Stelle des Michael; aber seit dem November 1879 ist Michael wiederum aufgetreten, und er kann rege gemacht werden im menschlichen Seelenleben, wenn man die Wege zu ihm sucht. Und diese Wege sind heute die Wege geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. Man könnte ebensogut sagen die «Michaelswege», wie man sagen kann «die Wege geisteswissenschaftlicher Erkenntnis». Aber gerade seit jener Zeit, da Michael auf diese Weise in ein Verhältnis zu den menschlichen Seelen eingetreten ist, um wiederum ihr unmittelbarer Inspirator durch drei Jahrhunderte zu werden, hat am allerstärksten auch die dämonische Gegenkraft eingesetzt, nachdem sie sich vorher vorbereitet hatte. So ging ein Ruf durch die Welt, der während unserer sogenannten Kriegs-, aber in Wirklichkeit Schreckensjahre zu einem großen Welt-Unverstand geworden ist, der jetzt die Herzen und Seelen der Menschen durchzieht.

Was wäre denn aus dem alttestamentlichen Judenvolk geworden, wenn es, statt sich dem Jahve durch Michael zu nähern, hätte unmittelbar an Jahve herandringen wollen? Es wäre aus ihm geworden ein intolerantes, volksegoistisches Volk, ein Volk, das nur an sich hätte denken können. Denn Jahve ist der Gott, der mit allem Natürlichen zusammenhängt und im äußeren geschichtlichen Menschenwerden prägt er sein Wesen aus in dem Generationenzusammenhang der Menschen, wie er sich im Volkswesen ausspricht. Nur dadurch, daß dazumal das althebräische Volk durch Michael dem Jahve sich nähern wollte, hat es sich davor bewahrt, so volks-egoistisch zu werden, daß dann nicht einmal der Christus Jesus aus der Mitte dieses Volkes hätte hervorgehen können. Denn dadurch, daß es sich mit der Michael-Kraft, wie diese Kraft damals war, durchdrang, dadurch imprägnierte sich das jüdische Volk nicht mit Kräften, die einen so starken Volksegoismus abgegeben hätten, als wenn man sich unmittelbar an Jahve oder Jehova gewendet hätte.

Heute nun ist Michael wieder der Weltregent, aber die Menschheit ist genötigt, sich zu ihm in einer neuen Weise zu verhalten. Denn jetzt soll Michael nicht das Antlitz Jahves sein, sondern das Antlitz des Christus Jesus. Jetzt sollen wir uns durch Michael dem Christus-Impuls nähern. Aber die Menschheit hat vielfach sich dazu noch nicht hindurchgerungen; die Menschheit hat atavistisch bewahrt die alten Empfindungsqualitäten, durch die man sich dem Michael so genähert hat wie damals, als er noch der Vermittler zu Jahve war. Und so hat heute die Menschheit noch ein falsches Verhältnis zu Michael, und in einer charakteristischen Erscheinung kommt dieses falsche Verhältnis zu Michael zum Vorschein.

Wir haben während der kriegerischen Jahre immer wiederum die Weltlüge vernommen: Freiheit den einzelnen, selbst den kleinsten Nationen. Diese Gesinnung, die eine lügenhafte ist, weil heute in dieser Michaelzeit nicht Menschen-Gruppen, sondern Menschen-Individualitäten es sind, worauf es ankommt, diese Lüge ist nichts anderes als die Bestrebung, jedes einzelne Volk nicht mit der neuen Michael-Kraft zu durchdringen, sondern mit der alten der vorchristlichen Zeit, mit der Michael-Kraft des Alten Testamentes zu durchdringen. So paradox es klingt, es besteht heute unter den Völkern der sogenannten zivilisierten Menschheit die Tendenz, dasjenige, was im alttestamentlichen Judenvolk berechtigt war, luziferisch umzubilden und zum innersten Wirkungsimpuls jedes einzelnen Volkes zu machen. Mit alttestamentlicher Gesinnung möchte man heute aufbauen Polenreiche, Amerikareiche, Franzosenreiche und so weiter. Dem Michael zu folgen bestrebt man sich so, wie es richtig war ihm zu folgen vor dem Mysterium von Golgatha, wo man finden sollte durch ihn den Jahve, einen Volksgott. Heute sollen wir durch ihn den Christus Jesus finden, den göttlichen Führer der ganzen Menschheit. Dann aber müssen wir Empfindungen und Vorstellungen suchen, die nichts zu tun haben mit irgendwelchen menschlichen Unterschieden auf der Erde; aber die können wir nicht an der Oberfläche suchen, die müssen wir suchen da, wo das Menschlich-Geistige und Seelenhafte pulsiert, das heißt, wir müssen sie auf geisteswissenschaftlichem Wege suchen. Und so liegen die Dinge, daß man sich entschließen muß, auf geistes-wissenschaftlichem Wege, das heißt auf michaelischem Wege den wirklichen Christus zu suchen, der nur gesucht und gefunden werden kann auf dem Boden geistigen Wahrheitsstrebens." (Lit.: GA 195, S. 26ff)

"Michael, jener Geist, der in der Sonne lebte, der der wichtigste Diener des Christus-Geistes in der Sonne war, der erlebte zur Zeit des Mysteriums von Golgatha dieses von der anderen Seite her. Die Menschheit auf der Erde hat das Mysterium von Golgatha so erlebt, daß sie den Christus ankommen sah. Michael und die Seinen, die damals noch in der Sonne waren, haben es so erlebt, daß sie Abschied nehmen mußten von dem Christus.

Nun, meine lieben Freunde, man muß schon auf seine Seele wirken lassen die beiden Pole dieses alles überragenden kosmischen Ereignisses: das Hosianna auf der Erde, die Ankunft des Christus auf der Erde, und den Abschied von den Scharen des Michael oben auf der Sonne. Das gehört zusammen.

Aber Michael erlebte eine große Metamorphose gerade in unserem Zeitalter. Sein Regierungsbeginn bedeutet ein Dem-Christus-Nachziehen auf die Erde herunter und wird in der Zukunft bedeuten ein Voranschreiten vor den Taten des Christus auf Erden. Man wird wiederum verstehen lernen, was es heißt: Michael geht vor dem Herrn her. Wie im Alten Testament - vor Oriphiel war ja auch eine Michaelzeit - die Eingeweihten Asiens drüben davon gesprochen haben, daß Michael vor Jahwe einhergeht, wie das Antlitz als vorderster Teil eines Menschen vor ihm hergeht, so sprachen sie von Michael als dem Antlitz Jahwes, und so müssen wir lernen von Michael zu sprechen als von dem Antlitz Christi." (Lit.: GA 346, S. 95f)


Michaels Verhältnis zum Menschen (Michaels Blick)

„Seit dem Ende des letzten Drittels des 19- Jahrhunderts können die Menschen in bewußter Weise dem Geiste Michael begegnen. Aber Michael ist eben eine eigenartige Wesenheit. Michael ist eine Wesenheit, die eigentlich nichts offenbart, wenn man ihr nicht aus emsiger geistiger Arbeit von der Erde aus etwas entgegenbringt. Michael ist ein schweigsamer Geist. Michael ist ein in sich verschlossener Geist. Während andere der regierenden Erzengel vielredende Geister sind - im geistigen Sinne natürlich -, ist Michael ein durchaus verschlossener Geist, ein wenig redender Geist, der höchstens spärliche Direktiven gibt. Denn das, was man von Michael erfährt, ist eigentlich nicht das Wort, sondern -wenn ich mich so ausdrücken darf - der Blick, die Kraft des Blickes. Und das beruht darauf, daß eigentlich Michael sich am meisten zu tun macht mit demjenigen, was die Menschen aus dem Geistigen heraus schaffen. Er lebt in den Folgen des von den Menschen Geschaffenen. Die anderen Geister leben mehr mit den Ursachen, Michael lebt mehr mit den Folgen. Die anderen Geister impulsieren im Menschen dasjenige, was der Mensch tun soll. Michael wird der eigentlich geistige Held der Freiheit sein. Er läßt die Menschen tun, aber nimmt dann das, was aus Menschentaten wird, auf, um es weiter fortzutragen im Kosmos, um dasjenige, was Menschen damit noch nicht wirken können, weiterzuwirken im Kosmos. Man hat anderen Wesenheiten aus der Hierarchie der Archangeloi gegenüber das Gefühl: von ihnen kommen die Impulse, das oder jenes zu tun; im größeren oder geringeren Grade kommen von ihnen die Impulse. Aber Michael ist derjenige Geist, von dem zunächst nicht Impulse kommen, weil seine wirklich repräsentative Herrschaftsperiode diejenige ist, die jetzt kommt, wo die Dinge aus der menschlichen Freiheit kommen. Wenn aber der Mensch aus seiner Freiheit heraus, angeregt durch das Lesen des Astrallichtes, bewußt oder unbewußt dies oder jenes tut, so trägt Michael das, was menschliche Erdentat ist, in den Kosmos hinaus, daß es kosmische Tat wird. Er kümmert sich um die Folgen, andere Geister mehr um die Ursachen. Aber Michael ist nicht nur ein verschlossener, schweigsamer Geist, Michael kommt, indem er an den Menschen herantritt, mit einer deutlichen Abweisung von vielem an den Menschen heran, in dem der Mensch heute noch auf Erden lebt. So zum Beispiel alles das, was sich im Menschen- oder im Tierleben oder im Pflanzenleben an Erkenntnissen bildet, die auf die vererbten Eigenschaften gehen, die auf dasjenige gehen, was sich in der physischen Natur forterbt, das ist so, daß es einem vorkommt: Michael stößt es abweisend von sich. Er will damit zeigen, daß solche Erkenntnisse dem Menschen für die geistige Welt nichts fruchten können. Nur was der Mensch unabhängig von dem rein Vererbbaren in der Menschheit, in der Tierheit, in der Pflanzenheit findet, das läßt sich vor Michael hinauftragen. Und da bekommt man nicht die so vielsagende abweisende Handbewegung, sondern man bekommt den zustimmenden Blick, der einem sagt: Das ist gerecht gedacht vor der Lenkung des Kosmos. - Denn das ist dasjenige, was man immer mehr und mehr erstreben lernt: gewissermaßen zu sinnen, um durchzustoßen bis zum Astrallichte, zu schauen die Geheimnisse des Daseins und dann vor Michael hinzutreten und den zustimmenden Blick zu bekommen, der einem sagt: Das ist richtig, das ist gerecht vor der Lenkung des Kosmos. “ (Lit.:GA 233a, S. 93f)

Die siegende Michael-Kraft im Menschen

„Dieses Sich-Aufschwingen dazu, daß man von den Gedanken über das Geistige so erfaßt werden kann wie durch irgend etwas Physisches in der Welt: das ist Michael-Kraft! Vertrauen haben zu den Gedanken des Geistigen, wenn man die Anlage dazu hat, sie überhaupt aufzunehmen, so daß man weiß: Du hast diesen oder jenen Impuls aus dem Geistigen. Du gibst dich ihm hin, du machst dich zum Werkzeug seiner Ausführung. Ein erster Mißerfolg kommt - macht nichts! Ein zweiter Mißerfolg kommt - macht nichts! Und wenn hundert Mißerfolge kommen - macht nichts! Denn kein Mißerfolg ist jemals ausschlaggebend für die Wahrheit eines geistigen Impulses, dessen Wirkung innerlich durchschaut und ergriffen ist. Denn erst dann hat man Vertrauen, das richtige Vertrauen zu einem geistigen Impuls, den man in einem bestimmten Zeitpunkt faßt, wenn man sich sagt: Hundert Male habe ich Mißerfolg gehabt, das kann mir aber höchstens beweisen, daß für mich in dieser Inkarnation die Bedingungen zur Realisierung dieses Impulses nicht gegeben sind. Daß dieser Impuls aber richtig ist, das schaue ich durch seinen eigenen Charakter. Und wenn es auch erst nach der hundertsten Inkarnation sein wird, daß für diesen Impuls die Kräfte zu seiner Realisierung mir erwachsen - nichts kann mich überzeugen von der Durchschlagskraft oder Nichtdurchschlagskraft eines geistigen Impulses als dessen eigene Natur. - Wenn Sie sich dies im Gemüte des Menschen als das große Vertrauen für irgend etwas Geistiges ausgebildet denken, wenn Sie sich denken, daß der Mensch felsenfest halten kann an etwas, was er als ein geistig Siegendes durchschaut hat, so festhalten kann, daß er es auch dann nicht losläßt, wenn die äußere Welt noch so sehr dagegen spricht, wenn Sie sich dies vorstellen, dann haben Sie eine Vorstellung von dem, was eigentlich die Michael-Kraft, die Michael-Wesenheit von dem Menschen will, denn dann erst haben Sie eine Anschauung von dem, was das große Vertrauen in den Geist ist. Man kann irgendeinen geistigen Impuls zurückstellen, selbst für die ganze Inkarnation zurückstellen, aber hat man ihn einmal gefaßt, so darf man niemals wanken, ihn in seinem Inneren zu hegen und zu pflegen; dann allein kann man ihn aufsparen für die folgenden Inkarnationen. Und wenn auf diese Weise das Vertrauen zu dem Geistigen eine solche Seelenverfassung begründet, daß man in die Lage kommt, dieses Geistige als so real zu empfinden wie den Boden unter unseren Füßen, von dem wir wissen, daß, wenn er nicht da wäre, wir mit unseren Füßen nicht auftreten könnten, dann haben wir ein Gefühl in unserem Gemüte von dem, was eigentlich Michael von uns will.“ (Lit.:GA 223, S. 117f)

Der Aufstieg Michaels zum Zeitgeist

Siehe auch: Erzengel-Regentschaften

Die besondere Bedeutung des gegenwärtigen Michael-Zeitalters liegt darin, dass Michael vom Erzengel-Rang zum Urengel-Rang eines Zeitgeists aufsteigt und dadurch eine alle Völker übergreifende spirituelle Vertiefung der ganzen Menschheit anregen kann.

"Wenn wir von der Hierarchie der Archangeloi sprechen, kann man sagen, die lösen sich zwar so ab, wie ich gesagt habe. Aber der höchste im Range, gleichsam der Oberste ist derjenige, der in unserem Zeitalter die Herrschaft zu führen beginnt, ist Michael. Er ist einer aus der Reihe der Archangeloi, aber er ist gewissermaßen der Fortgeschrittenste. Nun gibt es eine Entwicklung, und die Entwickelung umfaßt alle Wesen. Alle Wesen sind in einer sich steigernden Entwickelung, und wir leben in dem Zeitalter, wo Michael, der Oberste von der Natur der Archangeloi, übergeht in die Natur der Archai. Er wird allmählich übergehen in eine leitende Stellung, wird eine leitende Wesenheit, wird Zeitgeist, leitende Wesenheit für die ganze Menschheit.

Das ist das Bedeutsame, das ist das ungeheuer Wichtige unseres Zeitalters, daß wir begreifen, daß das, was in allen vorhergehenden Epochen noch nicht da war, für die ganze Menschheit nicht da war, nun sein kann, werden muß ein Gut für die ganze Menschheit. Was bisher bei einzelnen Völkern auftrat - spirituelle Vertiefung -, kann nun etwas sein für die gesamte Menschheit." (Lit.: GA 152, S. 60)

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze. Der Erkenntnisweg der Anthroposophie - Das Michael-Mysterium, GA 26, 1998 (1924/25), ISBN 3-7274-0260-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Vorstufen zum Mysterium von Golgatha , GA 152 (1990), ISBN 3-7274-1520-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Sendung Michaels. Die Offenbarung der eigentlichen Geheimnisse des Menschenwesens, Zwölf Vorträge, Dornach 21. November bis 15. Dezember 1919, GA 194, Dornach 1994, als Taschenbuch TB 737 ISBN 3727473703
  4. Rudolf Steiner: Weltsylvester und Neujahrsgedanken, GA 195, Dornach 1986
  5. Rudolf Steiner: Der Jahreskreislauf als Atmungsvorgang der Erde und die vier großen Festeszeiten, GA 223 (1990), ISBN 3-7274-2231-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Die Michael-Imagination. Geistige Meilenzeiger im Jahreslauf, Ein Vortrag, gehalten in Stuttgart am 15. Oktober 1923, Einzelausgabe aus GA 229, Dornach 1980
  7. Rudolf Steiner: Mysterienstätten des Mittelalters, GA 233a (1991), ISBN 3-7274-2335-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  9. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band I: Faust, der strebende Mensch , GA 272 (1981) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  10. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V, GA 346 (2001), ISBN 3-7274-3460-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  11. Johannes W. Schneider: Michael - und seine Verehrung im Abendland, Rudolf-Geering-Verlag, Goetheanum, Dornach 1981
  12. Aus Michaels Wirken. Eine Legendensammlung von Nora Stein von Baditz mit Betrachtungen von Ita Wegman und einem Beitrag von Herbert Hahn, J. Ch. Mellinger Vlg. Stuttgart, 1988 (1929), ISBN 3880690049
  13. Flensburger Hefte Nr. 26: Michael, Flensburger Hefte Vlg., Flensburg 1989, Inhaltsverzeichnis
  14. D. Johannes Tamayo Salazar: Gotische Hymne auf den Erzengel Michael, aus: Anamesis sive commemoratio Sanctorum hispanorum, Tome III, Lugduni 1655, Übersetzung von Joachim Schultz, Verlag Walter Keller, o.J.
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