Kosmische Intelligenz

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Die Kosmische Intelligenz, das Weltendenken, das die Weltgedanken hervorbringt, ist die Ursprungsquelle unseres Denkens, unserer irdisch-menschlichen Intelligenz. Die kosmische Intelligenz lässt sich ganz knapp so charakterisieren:

„Intelligenz sind die gegenseitigen Verhaltensmaßregeln der höheren Hierarchien. Was die tun, wie sie sich zueinander verhalten, wie sie zueinander sind, das ist kosmische Intelligenz.“ (Lit.:GA 237, S. 168)

Die Träger der kosmischen Intelligenz

Der Gedankengehalt der Welt

Durch unser menschliches Denken bringen wir in unserem Bewusstsein die Gedanken zur Erscheinung, die ihrer Wirklichkeit nach der Welt angehören, deren Teil auch wir selbst sind.

„Der Materialist gibt nicht zu, daß die Gedanken, die wir an der Natur heranbilden, zuvor in dieser enthalten sind. Er glaubt, daß wir sie in sie hineinlegen.

Die Rosenkreuzer des Mittelalters stellten ein Glas Wasser vor den Neophyten und sagten zu ihm: Damit dieses Wasser im Glas sein kann, muß es jemand hineingetan haben. Ebenso verhält es sich aber mit den Ideen, die wir in der Natur finden. Sie müssen hineingelegt worden sein durch die göttlichen Geister, die Gehilfen des Logos.

Die Gedanken, die wir aus der Welt ziehen, finden sich in Wahrheit in ihr. Alles, was wir schaffen, ist notwendigerweise darin eingeschlossen.“ (Lit.:GA 94, S. 34)

Die Gedanken sind in der ganzen Welt ausgebreitet, sie sind die in den Dingen waltenden Kräfte. Aber sie schweben nicht frei in der Welt herum, sondern werden getragen bzw. ausgeströmt von geistigen Wesen.

„Es ist ja ein Vorurteil der gegenwärtigen sogenannt aufgeklärten Menschheit, daß ihre Gedanken nur in den Köpfen drinnenstecken. Wir würden nichts von den Dingen durch Gedanken erfahren, wenn diese Gedanken nur in den Köpfen der Menschen wären. Derjenige, der da glaubt, daß die Gedanken nur in den Köpfen der Menschen seien, der unterliegt, so paradox das klingt, demselben Vorurteil, wie einer, der glaubt, daß der Schluck Wasser, mit dem er sich den Durst löscht, auf seiner Zunge entstanden ist und nicht aus dem Wasserkrug in seinen Mund hineingeflossen ist. Es ist im Grunde genommen ebenso lächerlich zu behaupten, die Gedanken entstehen im Menschenkopfe, wie es lächerlich ist zu sagen - wenn ich meinen Durst mit einem Trunk Wasser lösche, den ich im Krug habe - , das Wasser sei in meinem Mund entstanden. Die Gedanken sind eben durchaus in der Welt ausgebreitet. Die Gedanken sind die in den Dingen waltenden Kräfte. Und unser Denkorgan ist eben nur etwas, was aus dem kosmischen Reservoir der Gedankenkräfte schöpft, was die Gedanken in sich hereinnimmt. Wir müssen also von Gedanken nicht so sprechen, als ob sie etwas wären, das nur dem Menschen angehört. Wir müssen von Gedanken so sprechen, daß wir uns bewußt sind: Gedanken sind die weltbeherrschenden Kräfte, die überall im Kosmos ausgebreitet sind. Aber diese Gedanken fliegen deshalb doch nicht frei herum, sondern sie sind immer getragen, bearbeitet von irgendwelchen Wesenheiten. Und, was das Wichtigste ist, sie sind nicht immer von denselben, nicht immer von den gleichen Wesenheiten getragen.“ (Lit.:GA 222, S. 45f)

Naturgesetze sind, wie auch viele Physiker betonen, etwas Geistiges. So schreibt etwa Walter Heitler, der maßgeblich an der quantenmechanischen Beschreibung chemischer Bindungen beteiligt war und auch eine Reihe naturphilosophischer und wissenschaftskritischer Bücher veröffentlichte, in denen er die Gefahren einer einseitig mechanistisch-reduktionistischen Weltsicht aufzeigte:

„Ein mathematisch formuliertes Gesetz ist etwas Geistiges. Wir können es so nennen, weil es menschlicher Geist ist, der es erkennt. Der Ausdruck Geist mag heute, wo ein überbordender Materialismus und Positivismus seine zum Teil recht üblen Blüten treibt, nicht sehr populär sein. Aber eben deshalb müssen wir uns darüber klar werden, was Naturgesetz und Naturerkenntnis ist. Die Natur folgt also diesem nicht-materiellen geistigen Element, dem Gesetz. Folglich sind auch geistige Elemente in der Natur selbst verankert. Zu diesen gehört die Mathematik, die zur Formulierung des Gesetzes nötig ist, sogar hohe und höchste Mathematik. Anderseits ist der Forscher der begnadet ist, eine Entdeckung zu machen in der Lage, eben dieses die Natur durchdringende geistige Element zu durchdringen. Und hier zeigt sich die Verbindung zwischen dem menschlichen, erkennenden Geist und den in der Natur existierenden transzendenten Elementen. Am besten sehen wir die Sache, wenn wir uns der Platonischen Ausdrucksweise bedienen, obwohl Plato diese Art von Naturgesetz noch nicht kannte. Demnach wäre das Naturgesetz ein Urbild, eine «Idee» - im Sinne des griechischen Wortes Eidea - dem die Natur folgt und die der Mensch wahrnehmen kann. Das ist es dann, was man den Einfall nennt. Durch dieses Urbild ist der Mensch mit der Natur verbunden. Der Mensch, der es erkennen kann, die Natur, die ihm als Gesetz folgt.“

Walter Heitler: Naturwissenschaft ist Geisteswissenschaft, S. 14f.

Die physikalischen Gesetze, die dem rationalen Verstand zugänglich sind, bilden nur die unterste Schicht. Höhere Gesetze gestalten das Lebendige. Heitler bezieht in diesem Zusammenhang auch die Sphärenharmonie mit ein.

„Soweit wir bis jetzt gesehen haben, beheimatet die Welt der Transzendenz die mathematischen und physikalischen Gesetze, die wir mit dem Organ unseres Verstandes erfassen. Sie ist unendlich viel reicher, reicher auch besonders an vielem, was dem rationalen, analysierenden Verstand nicht zugänglich ist - wie wir in den folgenden Kapiteln sehen werden. Wir haben allen Grund, bescheiden zu sein vor dem, was wir nicht kennen; unsere heutigen Erkenntnisse mögen noch so groß sein - was wir nicht können, ist noch viel größer. Könnte es nicht sein, daß die «Harmonie der Sphären» auch in der Welt der Transzendenz ihre Heimat hat (gleichgültig, wie es mit den Keplerschen Verhältnissen steht) und nicht bloß Phantasie ist, aber daß uns heute das Erkenntnisorgan fehlt, sie zu erkennen?“

Walter Heitler: Die Natur und das Göttliche, S. 46

Naturgesetze beschreiben die einseitig räumliche und zeitliche Ordnung des kosmischen Geschehens, die nur eine schattenhafte Offenbarung der viel umfassenderen geistigen Weltordnung ist, die auch eine moralische Dimension mit umfasst. In Wirklichkeit kommt es nicht auf die Naturgesetze als solche an, sondern auf die geistigen Wesen, die die naturgesetzlich erscheinenden Wirkungen durch ihre Taten hervorbringen. Aus geisteswissenschaftlicher Sicht sind Naturgesetze Gedanken von Elementarwesen, die auf dem physischen Plan denken, aber ihren Körper in der Astralwelt haben. Diese Gedanken sind aber zugleich die wirksamen Kräfte in der Natur. (Lit.:GA 93a, S. 218) Die eigentlichen dirigierenden geistigen Wesenheiten hinter den Naturgesetzen sind die Geister der Umlaufzeiten. Sie gehören zur Hierarchie der Urengel und verwirklichen die Vorgaben der Elohim. In der biblischen Schöpfungsgeschichte werden sie Jom (hebr. יום, Tag) bzw. in der Mehrzahl Jamim oder Schöpfungstage genannt, die als Diener der Elohim im Licht weben. In der Gnosis wurden sie als Äonen bezeichnet. Als Zeitgeister regeln sie den gesetzmäßigen Ablauf des Schöpfungsgeschehens. Sie leiten dabei die Elementarwesen, die ihrerseits als Naturkräfte wirken, in ihrem Tun. (Lit.:GA 136, S. 44ff)

Übergang der kosmischen Intelligenz von den Elohim zu den Archai im 4. Jh. n. Chr.

Bis etwa zum 4. Jahrhundert n. Chr. waren die Exusiai, die Geister der Form, die in der Genesis als Elohim bezeichnet werden, die Träger der kosmischen Intelligenz. Dann ging diese Aufgabe auf die Archai, die Geister der Persönlichkeit über. Dieser Übergabeprozess begann schon in vorchristlicher Zeit und vollendete sich erst im 14. Jahrhundert. Dadurch wurde auch der Zugang des Menschen zur Gedankenwelt ein anderer. Empfing man früher die Gedanken von außen wie die Sinneswahrnehmungen, so traten sie nun immer mehr im Inneren auf und kamen dadurch zunehmend in den Besitz der Persönlichkeit.

„Wenn wir uns an die übersinnliche Welt wenden, dann finden wir durch die übersinnliche Forschung, daß die Gedanken, durch die sich die Menschen die Welt begreiflich machen, draußen im Kosmos getragen wurden - ich könnte auch sagen: ausgeströmt wurden; irdische Ausdrücke passen wenig für diese erhabenen Vorgänge und Wesenhaftigkeiten -, daß also diese Gedanken getragen, ausgeströmt waren bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert von den Wesen jener Hierarchien, die wir als Exusiai oder Formwesen bezeichnen (siehe Schema Seite 47).

Wenn ein alter Grieche aus der Wissenschaft seiner Mysterien heraus sich hat Rechenschaft geben wollen darüber, woher er eigentlich seine Gedanken hat, so hat er das in der Art tun müssen, daß er sich sagte: Ich wende meinen geistigen Blick hinauf zu jenen Wesen, von denen mir geoffenbart wird durch die Mysterienwissenschaft als den Wesen der Form, als den Formkräften, Formwesen. Das sind die Träger der kosmischen Intelligenz, das sind die Träger der kosmischen Gedanken. Sie lassen die Gedanken durch die Weltenereignisse strömen, und sie geben diese menschlichen Gedanken an die Seele ab, die sich diese Gedanken erlebend vergegenwärtigt. - Wer etwa durch eine besondere Initiation sich in jenen alten Zeiten des griechischen Lebens in die übersinnliche Welt eingelebt hatte und bis zum Erleben dieser Formwesen gekommen war, der schaute diese Formwesen, und er mußte, um sich von ihnen das rechte Bild, die richtige Imagination zu machen, ihnen etwa als ein Attribut beigeben die durch die Welt strömenden, leuchtenden Gedanken. Er sah als alter Grieche diese Formwesen etwa wie von ihren Gliedern ausgehen lassend leuchtende Gedankenkräfte,

Zeichnung aus GA 222, S. 47 (Tafel 2)

die dann in die Weltenprozesse hineingehen und da als die weltschöpferischen Intelligenzmächte weiter wirken. Er sagte etwa: Die Kräfte der Form, die Exusiai, sie haben im Weltenall, im Kosmos, den Beruf, die Gedanken durch die Weltenvorgänge zu ergießen. - Und so wie die sinnliche Wissenschaft das Tun der Menschen beschreibt, indem sie dies oder jenes notifiziert, was die Menschen einzeln oder miteinander tun, so müßte eine übersinnliche Wissenschaft beschreiben, wenn sie die Tätigkeit der Formkräfte für das charakterisierte Zeitalter ins Auge faßt, wie sich diese übersinnlichen Wesen gegenseitig die Gedankenkräfte zuströmen lassen, wie sie voneinander sie empfangen, und wie in diesem Zuströmenlassen und in diesem Empfangen eingegliedert sind jene Weltenvorgänge, die dann nach außen sich dem Menschen als die Naturerscheinungen darstellen.

Nun kam in der Entwickelung der Menschheit eben jenes 4. nachchristliche Jahrhundert heran. Und das brachte für diese übersinnliche Welt das außerordentlich bedeutsame Ereignis, daß die Exusiai - die Kräfte, die Wesenheiten der Form - ihre Gedankenkräfte abgaben an die Archai, an die Urkräfte oder Urbeginne (siehe Schema).

Es traten damals die Urbeginne, die Archai, in den Beruf ein, den früher die Exusiai ausgeübt hatten. Solche Vorgänge gibt es eben in der übersinnlichen Welt. Das war ein ganz hervorragend wichtiges kosmisches Ereignis. Die Exusiai, die Formwesen, behielten sich von jener Zeit an lediglich die Aufgabe zurück, die äußeren Sinneswahrnehmungen zu regeln, also mit besonderen kosmischen Kräften alles das zu beherrschen, was in der Welt der Farben, der Töne und so weiter vorhanden ist. So daß derjenige, der in diese Dinge hineinschaut, für das Zeitalter, das nun nach dem 4. nachchristlichen Jahrhundert heraufkam, sagen muß: Er sieht, wie die weltbeherrschenden Gedanken übergeben werden an die Archai, an die Urbeginne, und wie das, was Augen sehen, Ohren hören, in seiner mannigfaltigen Weltgestaltung, in seiner ständigen Metamorphosierung das Gewebe ist, das da weben die Exusiai, die früher den Menschen die Gedanken gegeben haben, die also jetzt ihnen die Sinnesempfindungen geben, während ihnen die Urbeginne jetzt die Gedanken geben.“ (Lit.:GA 222, S. 46ff)

„Solche Dinge sind mit gründlichen Umwandlungen der Menschenseelen verknüpft. Ich sage, daß diese übersinnliche Tatsache sich zugetragen hat im 4. nachchristlichen Jahrhundert; doch ist das ja nur annähernd gesagt, denn das ist sozusagen nur ein mittlerer Zeitpunkt, während diese Übergabe eben lange Zeiten hindurch gespielt hat. Sie hat sich schon in den vorchristlichen Zeiten vorbereitet und war erst vollendet im 12., 13., 14. nachchristlichen Jahrhundert. Das 4. Jahrhundert ist sozusagen nur der mittlere Zeitpunkt, den man angegeben hat, um auf etwas Bestimmtes im geschichtlichen Werden der Menschheit hinzudeuten.

Nun, damit sind wir gleichzeitig in jenem Zeitpunkt der Menschheitsentwickelung, in dem sich für den Menschen überhaupt der Ausblick in die übersinnliche Welt völlig zu verdunkeln beginnt. Es hört das Bewußtsein der Seele auf, übersinnlich zu schauen, wahrzunehmen, indem sich diese Menschenseele hingibt der Welt...

Indem die Gedankenwelt übergeht von den Formwesen zu den Urbeginnen, von den Exusiai zu den Archai, empfindet der Mensch die Gedanken seiner eigenen Wesenheit mehr, weil die Archai um eine Stufe näher dem Menschen leben als die Exusiai. Und wenn der Mensch beginnt, übersinnlich zu schauen, dann hat er den folgenden Eindruck. Dann sagt er: Nun ja, da ist diese Welt, die ich als die sinnliche überschaue. Sagen wir, das Gelbe (siehe Schema Seite 50) ist die meinen Sinnen zugewendete Seite, das Rote ist die Tafel 3 schon verborgene, von den Sinnen abgewendete Seite. Das gewöhnliche Bewußtsein weiß von den hier in Betracht kommenden Verhältnissen überhaupt nichts. Aber das übersinnliche Bewußtsein hat durchaus die Empfindung: Wenn hier der Mensch ist (siehe SchemaS. 50), dann sind zwischen dem Menschen und den Sinneseindrücken Angeloi, Archangeloi und Archai; die sind eigentlich diesseits der sinnlichen Welt. Man sieht sie nur nicht mit den gewöhnlichen Augen, aber sie liegen eigentlich zwischen dem Menschen und dem

Zeichnung aus GA 222, S. 50

ganzen Sinnesteppich. Und die Exusiai, Dynamis, Kyriotetes sind eigentlich erst jenseits; die werden zugedeckt durch den Sinnesteppich. So daß also der Mensch, der ein übersinnliches Bewußtsein hat, die Gedanken, nachdem sie an die Archai übergeben sind, als an sich herankommend empfindet. Er empfindet sie so, als ob sie jetzt mehr in seiner Welt lägen, während sie früher hinter den Farben, dem Roten, dem Blauen, das an den Dingen ist, drinnen waren, gewissermaßen durch das Rote, das Blaue, oder auch durch das Cis oder durch das G herankamen. Er fühlt sich seit dieser Übergabe in einem freieren Verkehr mit der Gedankenwelt. Das ruft ja auch die Illusion hervor, als ob der Mensch die Gedanken selber machte.“ (S. 49f)

Der hemmende Einfluss zurückgebliebener Elohim

„Nun ist es aber in der Entwickelung des Weltenalls so, daß immer mit dem Fortschreiten der geistigen Wesenheiten einzelne geistig-kosmische Wesenheiten zurückbleiben. Also indem die geistigen Wesenheiten im allgemeinen fortschreiten, bleiben gewisse geistige Wesenheiten zurück. Und so sind auch in diesem Zeiträume, also in den ersten christlichen Jahrhunderten, Geister der Form zurückgeblieben.

Was heißt das: damals sind Geister der Form zurückgeblieben? Das heißt, gewisse Geister der Form haben sich nicht dazu entschließen können, die Gedankenwelt an die Urbeginne, an die Archai abzugeben, sie haben sie für sich behalten. Und so haben wir unter den geistigen Wesenheiten, die über dem Menschengeschehen walten, die richtig entwickelten Urkräfte mit dem Besitz der Gedankenwelt, und wir haben zurückgebliebene Geister der Form, zurückgebliebene Elohimwesenheiten, welche nun auch noch die Gedankenwelt verwalten. Dadurch entsteht in der geistigen Strömung, die über der Menschheit waltet, ein Zusammenwirken von Urkräften, von Archai, und von Geistern der Form, von elohistischen Wesenheiten. Die Menschen sind dann dem Folgenden ausgesetzt: Der eine, der durch sein Karma richtig dazu geeignet ist, der empfängt die Impulse seines Denkens durch die Archai. Dadurch wird sein Denken, obwohl es objektiv bleibt, sein persönlicher Besitz. Er arbeitet immer mehr und mehr die Gedanken als seinen persönlichen Besitz aus. Andere kommen nicht dazu, die Gedanken als ihren persönlichen Besitz auszuarbeiten. Sie übernehmen die Gedanken entweder durch die Vererbungsverhältnisse von ihren Eltern und Voreltern, oder sie übernehmen sie als konventionelle Gedanken, die innerhalb ihrer Volksgemeinschaft, Stammesgemeinschaft und so weiter herrschen.“ (Lit.:GA 222, S. 60)

„So daß wir das europäische Geschichtsleben von dieser Zeit, vom 4. Jahrhundert an durchsetzt sehen, ich möchte sagen, von einem fortwährenden geistigen Kampfe. Es kämpfen um ihr in dem Weltgeschehen ihnen zugefallenes rechtmäßiges Gut die Archai mit den zurückgebliebenen Exusiai, mit den Geistern der Form. Alles, was da im Mittelalter geschieht in westöstlicher Richtung und in ostwestlicher Richtung, was da an Völkerzügen durcheinander wallt und webt, was sich da gegenseitig bekämpft, von den Hunnenkämpfen bis zu den Türkenkämpfen, von der Völkerwanderung bis zu den Kreuzzügen, wo alles immer eine west-östliche oder ost-westliche Richtung hat, alles das ist das sinnlichphysische, das geschichtliche Abbild eines Geisteskampfes, wie ich ihn eben charakterisiert habe, der sich hinter den Kulissen der Weltgeschichte abspielt. Man begreift eben das geschichtliche Geschehen auf der Erde erst dann in seiner Wirklichkeit, wenn man in ihm ein Abbild sieht von dem, was in der übersinnlich-geistigen Welt zwischen den Wesenheiten der höheren Hierarchien sich abspielt.“ (S. 61f)

Augustinus von Hippo erlebte diese Auseinandersetzungen als inneren Seelenkampf:

„Diese Persönlichkeit, die mit der Seele hineinverstrickt ist in jenen Kampf, das ist Augustinus, der katholische Kirchenvater. Ich habe Ihnen seinen Seelenkampf von den verschiedensten Seiten her geschildert. Wenn man aber diesen Seelenkampf als das irdische Abbild eines kosmisch-übersinnlichen Geschehens ansieht, dann merkt man in diesem Geist, der sich in der Jugend zu dem Manichäertum hinneigt, der dann im strengsten Sinne römisch-katholisch gläubig wird, man sieht in diesem Hin- und Hergerissensein einer Seele das irdische Abbild, den irdischen Abglanz von etwas, was sich kosmisch hinter der Menschheitsentwickelung abspielt. Augustinus neigt zu den Manichäern in der Zeit, als er noch verstrickt ist mit seiner Seele in die Impulse der Geister der Form. Sie bringen ihm alles Gute aus früheren Zeiten in die Seele hinein, doch es paßt nicht mehr für Seelen seiner Zeit. Aber durch das, was er durch die zurückgebliebenen Geister der Form erhalten hat an guten, an vorzüglichen alten Kulturgütern, ist er behindert, mit voller Entfaltung seiner Einzelpersönlichkeit die neue Form der Gedanken zu übernehmen, wie sie übermittelt werden kann durch die nun für die Gedanken berechtigt gewordenen Geister der Persönlichkeit, die Archai. Und er kann das nur übernehmen, indem er sich ganz und gar dem Dogma der Kirche übergibt.“ (S. 64)

Der Aufstieg der Archai zu schöpferischen Geistern der Form

Als neue Träger der kosmischen Intelligenz steigen die Archai sehr rasch selbst in die Rangordnung der Geister der Form auf. Das ist ein bedeutsamer Übergang, denn sie steigen dadurch zugleich von der dritten in die zweite Hierarchie auf und werden dadurch zu schöpferischen Wesenheiten. Als solche sind sie die Impulsatoren der Geisteswissenschaft, die in unseren Tagen als neue Offenbarung der geistigen Welt in Erscheinung tritt.

„Sie erinnern sich, wie ich in diesen Tagen ausgeführt habe, daß zum Allerwichtigsten, zum Allerwesentlichsten in der Erkenntnis der gegenwärtigen Zeit gehört, daß die Menschheit gewissermaßen vor einer neuen Offenbarung steht. Es ist diejenige Offenbarung, die geschehen soll, und in gewisser Beziehung auch schon geschieht, durch die Geister der Persönlichkeit, welche, wenn man sich so ausdrücken will, zu der Würde von Schöpfern aufsteigen, während wir als Schöpfer im Weltengange der Menschheit bisher nur haben ansprechen können diejenigen Geister, welche in der Bibel die Elohim genannt werden, die wir die Geister der Form nennen. Etwas Schöpferisches also wird auftauchen innerhalb desjenigen, was der Mensch beim Verfolgen der Außenwelt bemerken kann.“ (Lit.:GA 187, S. 164f)

„Wenn wir alles das, was wir da geisteswissenschaftlich betrachten können, ins Auge fassen, so können wir die Geister der Form eben schöpferische Geister nennen. Ihnen verdankt der Mensch vor allen Dingen sein Dasein, so wie er als Erdenmensch ist. Bis zu unserem Zeitalter aber waren die Geister der Persönlichkeit nicht schöpferische Geister. Sie waren Geister, welche verschiedene Angelegenheiten vom geistigen Reiche aus ordneten. Sie können ja nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft» über die Tätigkeit dieser Geister der Persönlichkeit. Aber es beginnt die Zeit, wo sie zunächst wirklich einzugreifen haben in das Schöpferische der Menschheitsentwickelung. Später werden sie auch in das Schöpferische der anderen Reiche einzugreifen haben. Es findet ja Entwickelung statt im Hierarchischen. Die Geister der Persönlichkeit steigen zu einer schöpferischen Tätigkeit auf. Das weist überhaupt hin auf ein bedeutsames Geheimnis in der Menschheitsentwickelung. Wer nicht in oberflächlicher Naturbetrachtung, wie sie heute gang und gäbe ist, die Menschheitsentwickelung zu umfassen sucht, sondern wer sie mit geisteswissenschaftlichen Impulsen innerlich anschaut, der weiß, daß seit dem Beginne der jetzt oft von verschiedenen Gesichtspunkten besprochenen fünften nachatlantischen Zeit in dem Menschen etwas zu ersterben beginnt. Mit diesem Ersterben, ich möchte sagen, mit diesem Abgelähmtwerden von etwas in unserer Natur, mit dem hängt im Grunde unser ganzer Fortschritt auch im Seelischen und Geistigen zusammen.

Wir sind nicht mehr in demselben Sinne lebendige Menschenwesen, wenn ich es kraß ausdrücken will, wie es die Menschen vor Jahrhunderten oder gar vor Jahrtausenden waren. Die hatten stärkere Vitalität in sich, stärkere Kraft in sich, Kraft, die vom bloßen Leiblichen ausging. Der Mensch kennt ja das Sterben nur, wenn es in der radikalen Form des Auf hörens des Erdenlebens auftritt. Allein, Sie wissen aus den geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß in uns fortwährend etwas stirbt. Und wenn nicht fortwährend etwas stürbe, so hätten wir kein Bewußtsein. Bewußtsein hängt zusammen gerade mit dem Ersterben von etwas in uns. Aber dieses Ersterben, dieser Prozeß des Ersterbens, der ist jetzt stärker, als er zum Beispiel im ersten christlichen Jahrhundert oder gar in den vorchristlichen Jahrhunderten war. Dasjenige, was im Menschen von den schöpferischen Geistern als Geistern der Form herrührte, das beginnt, wenn ich so sagen darf, stark zu sterben, und neues Schöpferisches muß der Menschennatur eingefügt werden, Schöpferisches, das zunächst vom Geistigen auszugehen hat. Es ist in der Tat so, daß dem Menschen, der sich nicht dagegen sträubt, von unserem Zeitalter ab schöpferische Kräfte aus dem Geiste heraus zufließen. Diese schöpferischen Kräfte sucht Geisteswissenschaft zu verstehen. Sie sucht das, was hereindringt aus Welten, die bisher nicht ihre Impulse in die Menschheitsentwickelung einfließen ließen, was als neues Geistiges in die Zeitentwickelung eintritt, denkend, schauend zu erfassen. Und das ist eigentlich, was im wirklich modernen Sinne orientierte Geisteswissenschaft ist. Also die tritt nicht auf wie irgendein anderes, sei es wissenschaftliches oder sonstiges Programm, sondern die tritt gewissermaßen auf, weil die Himmel neue Offenbarungen den Menschen zusenden, und weil diese neuen Offenbarungen verstanden werden sollen.

Wer nicht in diesem Sinne die Aufgabe der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft versteht, der versteht sie überhaupt nicht. Denn diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft würde schweigen, wenn sie nicht Neues, eben erst Hereinbrechendes, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, von den Himmeln der Menschheit sich Offenbarendes zu verkünden hätte.

Und was sich offenbart durch den Schleier der Erscheinungen, das ist der Ausdruck eines neuen schöpferischen Prinzips, das besorgt wird durch die Geister der Persönlichkeit. Damit hängt es zusammen, daß gerade dieses unser Zeitalter, von dem wir ja sagten, daß es begonnen habe mit dem fünfzehnten nachchristlichen Jahrhundert, als seine charakteristische Eigenschaft die Ausprägung der Impulse der Persönlichkeit hat. Die Persönlichkeit will sich, wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, auf die eigenen Füße stellen, und wird das immer mehr und mehr wollen in das dritte Jahrtausend hinein. Dann werden andere Impulse nach Vollendung der Persönlichkeit auftreten.“ (Lit.:GA 186, S. 272f)

Diese Wirkung der zu schöpferischen Wesenheiten aufgestiegenen Archai offenbart sich schon in dem reinen Denken, das aus der allen Menschen gemeinsamen Ideenwelt schöpft, wie es Rudolf Steiner bereits in seiner «Philosophie der Freiheit» beschrieben hat. Dort heißt es:

„Jeder Mensch umspannt mit seinem Denken nur einen Teil der gesamten Ideenwelt, und insofern unterscheiden sich die Individuen auch durch den tatsächlichen Inhalt ihres Denkens. Aber diese Inhalte sind in einem in sich geschlossenen Ganzen, das die Denkinhalte aller Menschen umfaßt. Das gemeinsame Urwesen, das alle Menschen durchdringt, ergreift somit der Mensch in seinem Denken. Das mit dem Gedankeninhalt erfüllte Leben in der Wirklichkeit ist zugleich das Leben in Gott.“ (Lit.:GA 4, S. 250)

Dass mit dem „gemeinsame Urwesen, das alle Menschen durchdringt“ tatsächlich auf die Archai hingewiesen wird, erhellt sich aus Rudolf Steiners Antwort auf eine diesbezügliche Frage von Walter Johannes Stein:

„Da durfte ich an Rudolf Steiner einmal die Frage richten nach diesem Wesen, und er gab mir die Antwort: «Das ist eine Art Gruppenseele der Menschheit, das ist der älteste der Archai, der eben auf dem Wege ist, ein Geist der Form zu werden.»“ (Lit.: Thomas Meyer (Hg.): Walter Johannes Stein - Rudolf Steiner. Dokumentation eines wegweisenden Zusammenwirkens, S. 284)

Die ahrimanischen Gegenspieler und ihre Aufgabe

Den Geistern der Persönlichkeit, die in unserer Zeit zu schöpferischen Geistern der Form aufsteigen und dadurch die Impulsatoren der modernen anthroposophischen Geisteswissenschaft sind, stehen durch die sich immer weiter ausbreitende Maschinenwelt ahrimanische Geister der Finsternis gegenüber.

„Sehen Sie, wenn heute gefragt wird, wieviel Menschen auf Erden sind, so sagt man gewöhnlich: 1500 Millionen, nicht wahr. Das würde die Konsequenz haben, daß auch auf der Erde nur so viel Arbeit geleistet wird, als diese 1500 Millionen Menschen leisten. Das ist aber nicht der Fall, sondern es ist heraufgezogen seit dem Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraums die Möglichkeit, daß außer den 1500 Millionen Menschen auf der Erde, von denen man gewöhnlich spricht, noch fünfhundert weitere Millionen Arbeitskraft da sind. Das ist durch die Maschinen! Wenn alle Maschinenarbeit heute verrichtet würde von Menschen, so müßten fünfhundert Millionen Menschen diese Arbeit verrichten.

Sie sehen daraus, daß gewissermaßen Menschenarbeit auf der Erde einen Ersatz gefunden hat, daß etwas da ist, was wie Menschen wirkt, aber nicht Mensch aus Fleisch und Blut ist. Diese Tatsache ist außerordentlich wichtig für die Gesamtmenschheitsentwickelung. Diese Tatsache hängt mit anderen Tatsachen in der Entwickelung der Gegenwart zusammen. Die fünfhundert Millionen Menschen, die eigentlich nicht als Menschen von Fleisch und Blut vorhanden sind, aber als Arbeiter - die Arbeit leisten die Maschinen geradeso, wie wenn Menschen sie leisten würden -, diese menschlichen Arbeitsleistungen, die geben Gelegenheit, daß sich die finsteren Geister verwirklichen können innerhalb unserer Menschheitsentwickelung, jene finsteren Geister, die Gegner sind derjenigen Geister der Persönlichkeit, die die neuen Offenbarungen bringen.

So haben wir auf der einen Seite die für ein neues Hellsehen hereinbrechenden neuen Offenbarungen der Himmel, und auf der anderen Seite haben wir, aus dem Unterirdischen gewissermaßen herauskommend, die Körperlichkeit für die Gegner, für gewisse dämonische Geister, für Geister der Finsternis, welche sich nun nicht durch Menschen von Fleisch und Blut verwirklichen, aber die doch unter uns wandeln dadurch, daß menschliche Kräfte ersetzt werden durch Mechanismen, durch Maschinen.“ (Lit.:GA 186, S. 274f)

Das von den ahrimanischen Geistern der Finsternis angeregte mechanistische Denken hat aber durchaus auch eine notwendige positive Aufgabe in unserer Zeit:

„...in der Offenbarungswelt hat ein jegliches Ding zwei Seiten, und Sie dürfen nicht deshalb sagen: Weil das so ist, haben sich die mechanistischen Vorstellungen in die Menschheitsentwickelung hereingeschlichen als etwas, was man meiden müsse. - Nein, das wäre durchaus falsch! So gefährlich die mechanistischen Vorstellungen sind, weil sie gewissen Geistern der Finsternis Gelegenheit geben, aufzutreten gegen die sich offenbarenden Geister der Persönlichkeit, so gefährlich diese mechanistischen VorStellungen, namentlich die mechanistische Ordnung, von der sie genommen sind, sind, so wohltätig auf der andern Seite ist gerade dieses Denken, welches sich anlehnt an solche mechanistischen Vorstellungen. Denn das ist die Aufgabe der neueren Zeit, daß sich unser Seelenvermögen rüstet mit diesen Vorstellungen, die ja auch im modernen naturwissenschaftlichen, überhaupt im modernen Denken leben, daß wir uns durchdringen mit diesen Vorstellungen, aber dann diese Vorstellungen in den Dienst der neuen Offenbarung der Himmel stellen. Mit andern Worten, die mechanistischen Vorstellungen haben die Menschheit gelehrt, in klaren, scharfen Konturen zu denken. So, wie innerhalb der mechanistischen Vorstellung, ist früher nicht gedacht worden. Die Vorstellungen älterer Zeiten hatten immer verschwommene Konturen. Wer die Geistesgeschichte der Zeit verfolgt, der weiß dieses. Selbst wenn man scharfe Geister wie Plato studiert, ihre Begriffe haben verschwommene Konturen. In scharfen Gedankenkonturen zu denken, das hat sich der Mensch erst anerziehen können dadurch, daß er in die Einseitigkeit verfallen ist, sich mechanistische Weltvorstellungen zu bilden. Die einseitigen mechanistischen Vorstellungen sind außerordentlich arm an Weltinhalt; sie enthalten im Grunde genommen nur das Tote. Aber sie sind ein Erziehungsmittel außerordentlicher Art; das ist ja auch heute zu merken. Eigentlich scharf denken können nur diejenigen Menschen heute, welche sich gewisse naturwissenschaftliche Vorstellungen angeeignet haben. Die anderen sind versucht, verschwommen zu denken.

Nun obliegt aber dieser Erziehung, die sich die Menschheit angeeignet hat durch scharf konturiertes Denken, sich hinzuwenden nach der neuen Geistesoffenbarung, und die geistigen Welten nun in ebensolcher Klarheit aufzufassen, wie man gewohnt worden ist, die naturwissenschaftliche Welt aufzufassen. Das ist es, was das moderne intellektualistische Gewissen fordert und ohne das die Menschheit nicht auskommen wird, ohne das sie ihre wichtigsten Fragen nicht wird lösen können, die in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft auftreten: Scharfes Denken, herangezogen an den modernsten naturwissenschaftlichen Vorstellungen, angewendet aber auf die geistige Welt, die sich neu offenbart. Das ist im Grunde genommen auch die Konfiguration der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft.“ (Lit.:GA 186, S. 275ff)

Darauf deuten auch die an Ahriman gerichteten Worte der Maria im 11. Bild von Rudolf Steiners zweitem Mysteriendrama «Die Prüfung der Seele»:

Von dir entspringen die Gedankenkräfte,
Die Ursprung zwar der Wissens-Truggebilde,
Doch auch des Wahrheitssinnes Führer sind.
Es gibt nur Ein Gebiet im Geisterland,
In dem das Schwert geschmiedet werden kann,
Vor dessen Anblick du verschwinden mußt.
Es ist das Reich, in dem die Menschenseelen
Sich aus Verstandeskräften Wissen bilden
Und dann zur Geistesweisheit umgestalten.
Und kann ich mir in diesem Augenblicke richtig
Das Wahrheitswort zum Schwerte schmieden,
So wirst du diesen Ort verlassen müssen. (Lit.:GA 14, S. 264f)

Sonnenintelligenz und Planetenintelligenz

Die kosmische Intelligenz entfaltet sich in dem Zusammenspiel der Planetenintelligenzen mit der Sonnenintelligenz, die unter der Herrschaft Michaels stand. Wir blicken dabei auf die Hierarchie der Erzengel. Michael, als Führer der Sonnenintelligenz, leitete die gesamte kosmische Intelligenz. Während der gesamten Erdentwicklung bestand aber ein gewisser Gegensatz zwischen der Sonnenintelligenz und den planetarischen Intelligenzen unter der Führung Oriphiels und etwa ab dem 8. Jahrhundert begannen sich die Plantetenintelligenzen deutlich von Michael zu emanzipieren und gerieten schließlich in Opposition zu ihm:

"Nun besteht ein gewisser Gegensatz - der immer bestand, seitdem es eine Erdenentwickelung gegeben hat - zwischen den Intelligenzen aller Planeten und der Sonnenintelligenz. Es ist eben auf der einen Seite die Sonnenintelligenz, auf der anderen Seite sind die Planetenintelligenzen. Und immer war es so, daß die Sonnenintelligenz vorzugsweise unter der Herrschaft des Michael stand, die anderen planetarischen Intelligenzen dagegen unter den anderen Erzengeln. Also sagen wir (es wird an die Tafel geschrieben):

Sonnenintelligenz
Planetenintelligenzen

Aber es war immer so, meine lieben Freunde, daß man nicht sagen konnte, Michael verwalte die Sonnenintelligenz allein. Sondern die ganze kosmische Intelligenz ist spezifiziert in Sonnenintelligenz und in den planetarischen Intelligenzen: Merkur, Venus, Mars und so weiter. Die kosmische Intelligenz wird von den einzelnen Wesen der Archangeloi-Hierarchie mitverwaltet, aber über allen zusammen waltet immer wieder Michael, so daß die gesamte kosmische Intelligenz von Michael verwaltet wird. Selbstverständlich, jeder Mensch war auch früher ein Mensch, als Michael die kosmische Intelligenz verwaltete und als nur ein Strahl in den einzelnen Menschen hineinkam, so daß der Mensch sich doch als Mensch auf der Erde fühlen konnte und der einzelne Mensch nicht bloß Umhüllung der allgemeinen kosmischen Intelligenz war. Das aber rührt von der Sonne her; alle menschliche Intelligenz rührt her von Michael in der Sonne.

Nur als diese Jahrhunderte heraufkamen, das 8., 9., 10. Jahrhundert, da geschah es eben, daß die planetarischen Intelligenzen Rechnung trugen dem Umstande, daß die Erde sich verändert hatte, daß auch die Sonne sich verändert hatte. Ja, das, was da draußen vor sich geht, was die Astronomen beschreiben, das ist nur die Außenseite. Sie wissen: Alle elf Jahre ungefähr haben wir eine Sonnenfleckenperiode; die Sonne scheint so auf die Erde, daß gewisse Stellen dunkel sind, daß gewisse Stellen fleckig sind. Das war nicht immer so. Die Sonne glänzte in sehr alten Zeiten als eine gleichförmige Scheibe herunter, Sonnenflecken waren nicht da. Und die Sonne wird nach Tausenden und Tausenden von Jahren wesentlich viel mehr Flecken haben als heute, sie wird immer fleckiger. Das ist immer die äußere Offenbarung dessen, daß die Michael-Kraft, die kosmische Kraft der Intelligenz immer mehr abnimmt. In dem Vermehren der Sonnenflecken durch die kosmische Entwickelung zeigt sich der Verfall der Sonne; immer mehr zeigt sich das Matterwerden, das Altwerden der Sonne im Kosmos. Und an dem Auftreten einer genügend großen Anzahl von Sonnenflecken erkannten die anderen planetarischen Intelligenzen, daß sie nicht mehr von der Sonne beherrscht sein wollen. Sie nahmen sich vor, die Erde nicht mehr von der Sonne abhängig sein zu lassen, sondern direkt vom gesamten Kosmos. Das geschieht durch die planetarischen Ratschlüsse der Archangeloi. Namentlich unter der Führung des Oriphiel geschieht diese Emanzipierung der planetarischen Intelligenz von der Sonnenintelligenz. Es war ein vollständiges Trennen von bis dahin zusammengehörigen Weltgewalten. Die Sonnenintelligenz des Michael und die planetarischen Intelligenzen gerieten nach und nach in kosmische Opposition zueinander." (Lit.: GA 237, S. 170f)

Die kosmische Intelligenz steigt auf die Erde herab

Die Gesamtheit der kosmischen Intelligenz stand unter der Verwaltung Michaels. Doch seit dem Herabstieg des Christus auf die Erde sah Michael, wie ihm die Herrschaft über die kosmische Intelligenz allmählich entfiel. Rudolf Steiner spricht davon, dass es auch ein äußeres Zeichen dafür gibt, dass die Kraft der kosmischen Intelligenz immer mehr abnimmt: Die Sonnenflecken, die sich in einem 11-jährigen Zyklus zeigen. Früher gab es die viel weniger und in Tausenden von Jahren wird die Sonne, sagt Rudolf Steiner, noch wesentlich mehr dunkle Flecken zeigen.Die kosmische Intelligenz strömte nun immer mehr aus den Himmeln herab auf die Erde und wurde hier von den Menschen in Besitz genommen. Und so fingen etwa ab dem 8., 9. nachchristlichen Jahrhundert die Menschen an, sich eigene Gedanken zu bilden. Damit ging aber viel von dem Bewusstsein für den kosmischen Ursprung der Intelligenz verloren. Eine der Folgen davon war, dass auf dem Konzil von Konstantinopel (869) die alte Anschauung von der Trichotomie – der Mensch bestehe aus Leib, Seele und Geist – für ketzerisch erklärt wurde. Nun sagte man, der Mensch bestehe aus Leib und Seele, und die Seele habe einige geistige Eigenschaften. Die ganze Scholastik ist dann ein Ringen nach Klarheit über diese herabströmende kosmische Intelligenz.

„Die ganze Scholastik ist ein Ringen der Menschen nach Klarheit über die hereinströmende Intelligenz. Kein Wunder, daß das Hauptinteresse derer, die um Michael waren, sich gerade dem zuwendete, was da als Scholastik auf Erden sich entfaltete. Man sieht in dem, was Thomas von Aquino und seine Schüler, was andere Scholastiker geltend machen, die irdische Ausprägung dessen, was dazumal Michael-Strömung war. Michael-Strömung: Verwaltung der Intelligenz, der lichtvollen, der spirituellen Intelligenz.“ (Lit.:GA 237, S. 111)

Zugleich beginnt die Auseinandersetzungen mit den arabischen Denkern über die persönliche Unsterblichkeit. Dazu kommt nun die Auseinandersetzung zwischen den Nominalisten und den Realisten. Anders als die franziskanischen Nominalisten, blieben Thomas von Aquin und seine Schüler Michael treu auch nachdem die kosmische Intelligenz auf die Erde herabgesunken war. Sie vergaßen deren kosmischen Ursprung nicht. Die irdisch gewordene Intelligenz droht nun immer mehr von Ahriman ergriffen zu werden. Unter seinem Einfluss wird der Intellekt unpersönlich kalt. Das arabistische und nominalistische Denken, das dann weiter in das neuzeitliche wissenschaftliche Denken mündet, bereitet Ahriman den Weg, auf dem er Michael endgültig die kosmische Intelligenz entreißen will.

Begründung der Michael-Schule im 15. Jh.

Um sich für den Kampf gegen Ahriman zu rüsten, sammelt Michael zu Beginn des 15. Jahrhunderts seine Getreuen um sich und begründet die übersinnliche Michael-Schule. Unter den Scharen Michaels wirkte ganz besonders Alanus ab Insulis, aber auch viele andere, die der Schule von Chartres angehört hatten. Sie wirkten zusammen mit den großen Denkern des Dominikanerordens, die mittlerweile auch schon wieder über die Todesschwelle in das geistige Dasein übergegangen waren. Aristoteliker und Platoniker wirkten zusammen. Alle Seelen versammelten sich, die prädestiniert sind, der anthroposophischen Bewegung anzugehören. All das geschieht zu der Zeit, in der sich auf Erden die Rosenkreuzer-Mysterien zu entfalten beginnen.

„Da entstand unter der Führung des Michael etwas - wir müssen ja irdische Ausdrücke gebrauchen -, was man nennen könnte eine übersinnliche Schule. Was einstmals Michael-Mysterium war, dasjenige, was in den alten Michael-Mysterien verkündet worden war den Eingeweihten, was jetzt anders werden mußte, weil die Intelligenz vom Kosmos ihren Weg auf die Erde gefunden hatte, das faßte in ungeheuer bedeutsamen Zügen Michael selber für diejenigen zusammen, die er jetzt sammelte in dieser übersinnlichen Michael-Schule im Beginne des 15. Jahrhunderts. Da wurde alles dasx wieder lebendig in übersinnlichen Welten, was einstmals in den Sonnenmysterien als Michael-Weisheit gelebt hat. Da wurde dann in einer grandiosen Weise zusammengefaßt, was in aristotelischer Fortsetzung Piatonismus war und durch Alexander den Großen hinübergebracht war nach Asien, hinuntergebracht war nach Ägypten. Es wurde auseinandergesetzt, wie da drinnen noch die alte Spiritualität lebte. Da nahmen alle die Seelen, die immer mit jener Strömung verbunden waren, von der ich jetzt schon durch einzelne Stunden spreche, jene Seelen, die eben prädestiniert sind, der anthroposophischen Bewegung anzugehören, ihr Karma für die anthroposophische Bewegung zu gestalten, an jener übersinnlichen Lehrschule teil. Denn alles, was da gelehrt wurde, wurde unter dem Gesichtspunkte gelehrt, daß nun auf andere Art in der Menschheitsentwickelung unten, durch Eigenintelligenz der menschlichen Seele, das Michaelsmäßige ausgebildet werden müsse.“ (Lit.:GA 237, S. 112f)

Die Intelligenz wird im Nerven-Sinnessystem verankert

Noch ein gewaltiges Ereignis spielt sich zu dieser Zeit ab, wie es sich ähnlich nur in sehr großen Zeitabständen in der Geschichte der Menschheit und des Kosmos ereignet. Die höchsten HierarchienSeraphim, Cherubim und Throne – leiten die kosmische Intelligenz bis in die physische Struktur des Sinnes-Nervensystems des Menschen hinein. Ein Ereignis, das sich in der geistigen Welt wie ein ungeheures Gewitter ausnimmt, mit zuckenden Blitzen und mächtig rollendem Donner. Vergleichbares hatte sich zuletzt in der atlantischen Zeit abgespielt, als die höchsten Hierarchien, die die Fähigkeit haben, unmittelbar ins Physische zu wirken, die kosmische Intelligenz den menschlichen Herzen einpflanzten. Bis zum 15. Jahrhundert war der Mensch dann im Grunde ein Herzensmensch. Nachher ist er erst ein Kopfmensch geworden. Mitten hinein in diese Umbruchszeit fällt die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz.

„Es war wieder ein Ereignis geschehen, welches sich heute noch nicht deutlich zeigt, erst im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden sich zeigen wird, und darin besteht, daß der Mensch vollständig umgestaltet wird. Der Mensch war vorher ein Herzensmensch. Der Mensch ist nachher ein Kopfmensch geworden. Die Intelligenz wird seine Eigenintelligenz. Das ist, vom Übersinnlichen aus gesehen, etwas ungeheuer Bedeutsames. Alles das wird da gesehen, was an Macht und Kraft im Bereich der ersten Hierarchie liegt, im Bereich der Seraphim und Cherubim, die dadurch ihre Macht und Kraft äußern und offenbaren, daß sie das Geistige nicht nur im Geistigen verwalten, wie die Dynamis, die Exusiai, die Kyriotetes, sondern das Geistige hineintragen in das Physische, das Geistige zum Schöpferischen des Physischen machen. Diese Seraphim, Cherubim und Throne, sie hatten Taten zu vollbringen, die, wie gesagt, nach Äonen nur sich wiederholen. Und man möchte sagen: was von Michael den Seinigen in der damaligen Zeit gelehrt worden ist, das wurde unter Blitzen und Donnern da unten in den irdischen Welten verkündet. Verstanden sollte das werden, denn diese Blitze und Donner, meine lieben Freunde, sollten Begeisterung werden in den Herzen, in den Gemütern der Anthroposophen! Und derjenige, der wirklich den Drang zur Anthroposophie hat, der hat - heute noch unbewußt, die Menschen wissen noch nichts davon, sie werden es schon kennenlernen -, der hat heute die Nachwirkungen in seiner Seele davon, daß er damals im Umkreis des Michael jene himmlische Anthroposophie aufnahm, die der irdischen voranging. Denn die Lehren, die Michael gab, waren solche, die damals vorbereiteten, was auf Erden Anthroposophie werden soll.“ (Lit.:GA 237, S. 116f)

Das Gabriel-Zeitalter (1510-1879)

Im nun folgenden Gabriel-Zeitalter wird insbesondere die Gehirnstruktur weiter ausgebildet. Hinter der Stirn wird ein Organ ausgebildet, das zunächst die Grundlage für das logisch-aristotelische materialistisch naturwissenschaftliche Denken bildet. Gabriel wirkt dabei vornehmlich über die Fortpflanzungs- und Vererbungskräfte. Seit das Michael-Zeitalter 1879 begonnen hat, werden diese organbildenden Kräfte allmählich frei und können nun dem spirituellen Denken dienen, das uns zur erneuerten platonischen Ideenschau führt. Daraus wird sich auch das künftige Reinkarnationsgedächtnis entwickeln, von dem Rudolf Steiner verschiedentlich gesprochen hat. (Lit.:GA 146, S. 83ff)

Gabriel wirkt also mit seinen Mondenkräften vom Physischen bis ins Geistige hinauf. Genau umgekehrt ist es mit den Michael-Sonnenkräften. Diese werden zuerst im Geistigen ergriffen, sind aber so stark, dass sie auch bis ins Physische hinunterwirken.

Die Scheidung der Geister im Reich der Hierarchien

Dass die kosmische Intelligenz aus dem Sonnenreich auf die Erde herabgestiegen ist, blieb nicht ohne Folgen für die höheren Hierarchien. (Lit.:GA 130, S. 326ff)

Die Archai, die Zeitgeister oder Geister der Persönlichkeit, haben im positiven Sinne sehr stark in die irdische Entwicklung eingegriffen seit der ägyptisch-babylonischen Zeit. Ab dem Jahr 1250 ist das anders geworden, die Archai greifen nicht mehr so stark unmittelbar in das irdische Geschehen ein, sondern wirken mehr in den höheren Welten. Das hängt äußerlich zusammen mit einer Änderung der Stellung der Erdachse um diese Zeit, was auch die Jahreszeiten beeinflusst hat, die früher gleichmäßiger verteilt waren. Zugleich übernehmen aber seit dem Asuras, böse Geister der Persönlichkeit, auch Geister des Egoismus genannt, ihren Platz und wecken in einzelnen menschlichen Persönlichkeiten den bewussten Willen zum Bösen, wie er erst seit dem Bewusstseinsseelen-Zeitalter möglich ist. Beispiele sind etwa die Borgia-Päpste, die Konquistatoren und überhaupt die sich unter den Herrschenden immer stärker ausbreitende macchiavellistische Gesinnung.

Nun gab es auch eine Scheidung der Geister in der Hierarchie der Erzengel. Je mehr Michael die Herrschaft über die kosmische Intelligenz entglitt und je weniger dadurch die Sonne äußere Offenbarung dieser kosmischen Intelligenz war, was sich äußerlich durch die Zunahme der Sonnenflecken zeigte, desto mehr begannen sich die planetarischen Intelligenzen, namentlich unter der Führung Oriphiels, von der Sonnenintelligenz zu emanzipieren. Sie wollten vor allem die Erde nicht mehr von der Sonne abhängig sein lassen, sondern unmittelbar vom ganzen Kosmos. Die Sonnenintelligenz Michaels und die von den anderen sechs führenden Erzengel verwalteten planetarischen Intelligenzen gerieten nach und nach in kosmische Opposition zueinander. Wenn man bedenkt, welch entscheidenden Einfluss die Sonnen- und Planetenwirkungen auf das Leben der Pflanzen, Tiere und Menschen haben, bis in die Wachstumsformen und Organbildungen hinein, kann man vielleicht die ganze Schwere dieser Tatsache erahnen.

Daran schließt sich nun aber auch eine Scheidung der Geister im Reich der Angeloi. Die eine Schar blieb der Michael-Sphäre treu. Eine andere Schar wandte sich der Erdenintelligenz und damit zugleich der planetarischen Intelligenz zu. Das Erschütternde daran ist aber, dass das gar nicht eine so ganze freie Entscheidung des einzelnen Engels ist, sondern dass das sehr wesentlich vom Verhalten des Menschen abhängt. Menschen, die ganz im Irdischen verhaftet sind und keine zeitgemäße geistige Entwicklung anstreben, zwingen auch den sie leitenden Engel in ein viel stärker erdgebundenes Dasein hinein, während geistig Strebende ihren Engel entlasten, indem sie mehr und mehr geistige Aufgaben übernehmen, die früher ihr leitender Engel zu verwalten hatte.

Ist ein Mensch soweit entwickelt, dass er überhaupt keiner irdischen Verkörperung mehr bedarf, so wird sein Engel frei und kann zum Archangelos aufsteigen. Das war bei Gautama Buddha der Fall. Sein Engel ist aufgestiegen in die Hierarchie der Volksgeister und füllt jetzt den Platz aus, den einstmals Michael hatte. Michael wiederum kann dadurch zum Zeitgeist, also in die Hierarchie der Geister der Persönlichkeit aufsteigen. (Lit.:GA 152, S. 72ff)

Das Karma kommt in Unordnung

All das hat für den Menschen weitere Folgen. Unser Engel überblickt die ganze Kette unserer aufeinanderfolgenden irdischen Verkörperungen, solange wir selbst noch nicht dazu fähig sind. Er leitet, zwar mithilfe noch viel Höherer Hierarchien, aber doch in letzter Instanz, unseren Schicksalsweg gemeinsam mit den anderen leitenden Engeln unserer Mitmenschen. Wenn es nun zu einer immer Stärkeren Scheidung der Geister im Reiche der Angeloi kommt, so kann das nicht ohne Folgen für das Karma bleiben. Der karmische Ausgleich gerät in Unordnung. Namentlich zwischen ganz materiell verhafteten Menschen einerseits, und geistig Strebenden anderseits. Wir können aber als Menschheit insgesamt und auch als einzelnes Individuum unsere Erdenaufgabe nur in rechter Weise erfüllen, wenn bis zum Ende unserer irdischen Verkörperungen, das nicht mehr gar so ferne liegt, unsere karmische Schuld ausgeglichen ist. Es wird wesentlicher Impulse der geistig strebenden Menschen bedürfen, um dieses Ziel zu erreichen. Anthroposophie soll uns wesentlich dabei helfen, unser Karma wieder in Ordnung zu bringen.

Die Erneuerung des Mysteriums von Golgatha im Ätherischen

Je weiter das Gabriel-Zeitalter gediehen war, desto mehr erstarkte unter dem ahrimanischen Einfluss die materialistische Gesinnung. Die zweite Kreuzigung des Christus im Ätherischen im 19. Jahrhundert führt zu einer Aufhebung des Bewusstseins des Engelwesens, durch das sich der Christus seit Golgatha offenbart.

„«Die Samen von irdischem Materialismus»die seit dem 16. Jahrhundert in die geistige Welt in immer größerem Maße von den durch die Pforte des Todes schreitenden See-len hinaufgetragen wurden und immer mehr Dunkelheit bewirkten, bildeten die «schwarze Sphäre des Materialismus». Diese schwarze Sphäre wurde von Christus im Sinne des manichäischen Prinzips in sein Wesen aufgenommen, um sie umzu-wandeln. Sie bewirkten in dem Engelwesen, in dem sich die Christus-Wesenheit seit dem Mysterium von Golgatha offenbarte, den «geistigen Erstickungstod». Dieses Opfer des Christus im 19. Jahrhundert ist vergleichbar dem Opfer auf dem physischen Plan im Mysterium von Golgatha und kann als die zweite Kreuzigung des Christus auf dem Ätherplan bezeichnet werden. Dieser geistige Erstickungstod, der die Aufhebung des Bewußtseins jenes Engelwesens herbeiführte, ist eine Wiederholung des Mysteriums von Golgatha in den Welten, die unmittelbar hinter der unsrigen liegen, damit ein Wiederaufleben des früher verborgenen Christus-Bewußtseins in den Seelen der Menschen auf Erden stattfinden kann. Dieses Wiederaufleben wird zum hellseherischen Schauen der Menschheit im 20. Jahrhundert.152“ (Lit.:GA 46)

Die Menschen trugen diese materialistische Gesinnung durch die Pforte des Todes in einem Maße, wie das in früheren Zeitaltern völlig unmöglich war. Sie gingen dadurch in eine geistige Welt ein, von der sie nichts wussten und der sie kein Verständnis entgegenbrachten. Da trat ihnen der Christus in der erdnahen geistigen Sphäre, in die er durch die Himmelfahrt eingetreten war, entgegen, aber sie stießen ihn zurück:

„Und den Anstrengungen dieser durch die Pforte des Todes gegangenen Seelen ist es gelungen, den Christus, wir können nicht anders sagen als: zu vertreiben aus der spirituellen Welt.“ (Lit.:GA 152, S. 71)

Der Christus wurde geradezu hinausgestoßen! Aber dadurch erfüllte sich an ihm das ewige Gesetz der spirituellen Welt: Was in der höheren, spirituellen Welt verschwindet, das ersteht aufs neue in der niederen Welt. Der Christus musste sich noch enger mit der irdischen Welt verbinden – und gerade dadurch wird ab dem 20. Jahrhundert die Erkenntnis des ätherischen Christus möglich. Michael ist der Führer zu dieser Schau und er führt uns damit zugleich der Möglichkeit entgegen, unser Karma wieder in Ordnung zu bringen. Einstmals wurde unser Schicksal von Jahve und dessen Geboten bestimmt – jetzt liegt unser Schicksal in den Händen des Christus und er allein vermag uns zu helfen, unsere Schicksalsfäden zu entwirren.

Literatur

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