Westeuropa

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vorschlag des Ständigen Ausschusses für geografische Namen zur Abgrenzung der Regionen Europas.

Westeuropa ist ein im Westen Europas gelegener politisch-geographischer Raum, der je nach Definition unterschiedlich eingegrenzt wird. Im Kern handelt es sich um jene Gebiete, die im Osten an Mitteleuropa und im Süden an Südeuropa angrenzen und damit das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, Irland, Frankreich, Belgien und die Niederlande umfasst.

Im politisch weitesten Sinn zählen zu Westeuropa alle Staaten Europas mit Ausnahme der Ukraine, Georgien, der Republik Moldau (Moldawien), Weißrussland, Russland, Armenien und Aserbaidschan.

Eine besondere Prägung erfuhr das Geistesleben Westeuropas durch die lateinische Sprache.

„Mit der Sprache, die sich aus dem Romanischen umgestaltete im Westen Europas, die aber den romanischen Duktus, wenn ich so sagen darf, behielt, mit dieser Sprache wurde tatsächlich nicht nur eine Sprache, sondern ein ganzer Geist übertragen. Denn in der Sprache lebt mit ungeheurer Suggestionskraft ein Geist. Und dieser Geist wirkte überwältigend. Und der Einzug jetzt des romanischen Geistes auf den Flügeln der romanischen Sprache, der vollzog sich von der Karolingerzeit bis ins 15. Jahrhundert hinein. Und da tritt das Eigentümliche ein, daß nun Westeuropa ganz verschieden ist von den Verhältnissen in Mitteleuropa. In Westeuropa ist fertig dasjenige, was die Sprache, die sich allmählich aus einem romanischen Elemente heraus gebildet hat, suggestiv in den Menschenseelen bewirkt hat, als von unten herauf. Das, was im breiten Volkstum lag, in dem, was ich eben geschildert habe als die seßhaften Bauern, dieses seßhafte Bauerntum mit seinem alten atavistischen Hellsehen - selbst wenn diese Leute Christen geworden waren - , mit dem Herauftragen ihres, nicht Glaubens, sondern unmittelbaren Anschauens dessen, was in den geistigen Welten war, das trat ja für die Leute, die da oben herrschten oder administrierten, überall nicht hervor. Aber eine Oberschicht bildete sich gerade im Westen Europas, welche suggestiv, indem sie die Sprache bildete, auch nach unten wirkte. Wir brauchen diese Oberschichte nicht nach dem zu betrachten, wie sie administrierte und was sich da für Rechts- und Verwaltungsverhältnisse herausbildeten; aber wir haben sie doch als solche zu betrachten, die als Beamtenschicht, als Sprachenschicht die Sprache hineintrug in die Unterschicht und mit der Sprache das ganze suggestive Element, das sich als ein Gleichförmiges ausbreitete über ein gewisses Territorium, bevor das Volk von unten herauf gegen das reagierte, was sich als Herrscherschicht gebildet hatte. Denn wir sehen bis zum 15. Jahrhundert das, was sich als Herrscherschicht gebildet hatte, seine verschiedenen Manipulationen machen; und das, was unten ist, das kümmert sich so lange nicht darum, bleibt frei, bis eben Zusammenstöße kommen. Das, was herrscht, hat eben, nicht wahr, die Tendenz, immer mehr und mehr an sich zu ziehen. Bis das Land so weit war, daß die Bauernschaft, das ursprüngliche Volkstum, zurückreagierte, war schon das sprachliche Element mit seiner suggestiven Kraft energisch wirksam gewesen. Und Sie können es gerade in Westeuropa urphänomenal bezeichnend finden, sehen, wie da die breite Volksmasse reagiert, die noch in ihrer alten Geistigkeit drinnen war, in ihrer atavistischen Geistigkeit.

Der Sendbote, der Genius dieser Volksmasse, das ist die Jungfrau von Orleans. Mit der Jungfrau von Orleans tritt auf, was, nachdem die Sprache durch ihre Suggestivkraft gewirkt hat, dann erst die Reaktion des Volkstums von unten ist, was das französische Königtum zwingt, mit dem Volke zu rechnen. Sie sehen, bis ins 15. Jahrhundert, bis zum Auftreten der Jungfrau von Orleans, die eigentlich Frankreich gemacht hat als Frankreich, romanische Überflutung, dann Auftreten des Volksboten. So daß noch an dieser Art des Auftretens des Volkstums durch die Seherwissenschaft der Jeanne d'Arc sich zeigt, wie das, was natürlich überall in diesem Volkstum gelebt hat, reagiert nach oben und da eigentlich erst für die äußere Geschichte «Geschichte» wird...

Und dadurch wurde von unten herauf dasjenige hineingeflutet in das französische Wesen, was Volkskraft war. So ist das zustande gekommen.

Das war nicht so in Mitteleuropa. Da übte keine Sprache eine solche suggestive Gewalt aus. Da waren alle andern Verhältnisse ähnlich, aber es war nichts, was zusammenschweißte eine größere Stammesmenge durch die suggestive Kraft der Sprache zu einer Volkskraft.“ (Lit.:GA 180, S. 316ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Mysterienwahrheiten und Weihnachtsimpulse. Alte Mythen und ihre Bedeutung, GA 180 (1980), ISBN 3-7274-1800-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.