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Homunculus: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 4. April 2014, 17:49 Uhr

Von den Alchemisten wurden die in der stofflichen Natur waltenden Kräfte noch wesenhaft als astralische Erscheinung erlebt. Auch der Homunculus ist eine derart erlebte astrale Wesenheit.
Der Homunculus (lat. Menschlein, griech. anthroparion) ist nach vor allem im späteren Mittelalter verbreiteten alchemistischen Vorstellungen ein künstlich in der Retorte erzeugtes Menschlein. Das Wort selbst, als verkleinerte Form des lateinischen Wortes homo (Mensch), ist schon bei Cicero, Plautus und Apuleius belegt (Lit.: Handwörterbuch, Homunculus).
Erste Zeugnisse über die Herstellung von Homuculi finden sich schon in frühchristlicher Zeit. So berichtet Clemens Romanus um 250 n. Chr., dass schon Simon Magus einen Menschen geschaffen hätte, indem er zuerst Luft in Wasser, dann dieses in Blut und schließlich das Blut in Fleisch verwandelt habe (Lit.: Völker, Nachwort). Im 4. Jahrhundert schreibt Zosimos aus Panopolis, eingekleidet in Traumvisionen, über den anthroparion. Im ersten Buch der De occulta Philosophia berichtet Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535), wie sich durch magische Künste aus einem einer Bruthenne unterlegten Ei eine menschliche Gestalt erzeugen ließe, die man den wahren «Alraun» nenne (Lit.: Biedermann, S 223). In den späteren mittalterlichen Schriften wird der Homunculus meist als Nebenprodukt bei der Herstellung des Steins der Weisen genannt.
Rudolf Steiner hat nachdrücklich betont, dass die Erzeugung des Homunculus keineswegs als materielle Urzeugung missverstanden werden darf:
"Wenn man im Mittelalter trachtete, in der Retorte den Homunkulus darzustellen, so war dieser Gedanke der Darstellung eines Wesens aus Ingredienzien nicht als Urzeugung gedacht. Man dachte noch nicht das Weltall als Mechanismus, als Totes. Deshalb glaubte man an die Möglichkeit, aus dem allgemeinen Lebendigen ein spezielles Lebendiges herausholen zu können. Aber an eine Zusammenfügung des Unlebendigen zum Lebendigen dachte eigentlich das mittelalterliche Gemüt noch nicht." (Lit.: GA 221, S. 125)
In dem Paracelsus zugeschriebenen Buch De generatione rerum naturalum ist die Erzeugung eines künstlichen Menschleins "außerthalben weiblichs Leibs" genau beschrieben: Wird der männliche Same vierzig Tage lang in ein hermetisch abgedichtetes Gefäß eingeschlossen und im venter equinum, einem gelinden Wärmebad, das aus der Gärungswärme von Pferdemist gespeist wird, "putreficiert", so erzeugt sich aus sich selbst heraus ein menschenähnlichen Wesen, "doch durchsichtig on ein corpus". Wird diese mit menschlichem Blut, dem "arcanum sanguinis humani", 40 Wochen lang ernährt, so entsteht "ein recht lebendig menschlich kint, das von einem weib geboren wird, doch vil kleiner. Dasselbig wir ein homunculum nennen".
Hier wird schon deutlich, dass der Homunculus, von dem die Alchemisten sprachen, überhaupt nicht als physisches (on ein corpus), sondern als astralisches Wesen gedacht war :
"Denen, die während des Mittelalters von dem Homunkulus sprachen, war er nichts anderes als eine bestimmte Form des astralischen Leibes." (Lit.: GA 057, S. 340)
Dieses reine Seelenwesen verfügt nicht nur über Seelenfähigkeiten, die ähnlich denen des Menschen sind, sie sind sogar bis zur Hellsichtigkeit gesteigert:
"Paracelsus versichtert ausdrücklich in jener Abhandlung «De generatione rerum», durch gewisse Vorgänge wäre man imstande, etwas zu erzeugen, was zwar keinen Körper hat, was aber Fähigkeiten hat, die ähnlich sind den menschlichen Seelenfähigkeiten, nur sich bis zur Hellsichtigkeit steigern. Also Paracelsus dachte an gewisse Hantierungen, die den Menschen dahin bringen, vor sich ein körperloses Wesen zu haben, das aber so wie der Mensch eine Art Verstandestätigkeit, eine Art Intellektualität, ja sogar in höherer Steigerung entfaltet." (Lit.: GA 273, S. 68)
Der Homunculus in Goethes Faust-Tragödie
Datei:Faust Homunculus.jpg Goethe, der bekanntlich das Bild des Homunculus im zweiten Teil seiner Faust-Tragödie gebraucht, war sich sehr wohl bewusst, dass es sich dabei nicht um ein physisches, sondern um ein astrales Wesen handelt. Gleich zu Beginn der ganzen Schilderung wird schon auf den Lichtcharakter des Homunculus hingewiesen und zugleich auch auf das Geheimnis des Kohlenstoffs gedeutet, der der wahre Stein der Weisen ist:
Schon hellen sich die Finsternisse; |
Später wird der Homunculus als leuchtendes Zwerglein beschrieben und weiter heißt es dann:
Er ist, wie ich von ihm vernommen, |
Der Homunculus und das Phantom des Antimons
"Wenn die alten Ärzte sprachen von der Erzeugung des Homunkulus, so ist das im Grunde genommen so, daß sie in ihrem noch vorhandenen Hellsehen so etwas schauen konnten, wie es das «Phantom» des Antimons ist. Da erschien ihnen in dem Bildeprozeß, den sie äußerlich in ihrem Laboratorium vollführten, während das Antimon seine Kräfte entfaltete, hineinprojiziert aus ihrem eigenen Wesen dasjenige, was diese Antimonkräfte als albuminisierende Kräfte bekämpft. Dasjenige, was sonst zurückbleibt im menschlichen Organismus, das projizierten sie hinaus, und da sahen sie den Homunkulus, der da erschien, während sich der Prozeß abspielte, in welchem das Antimon seine verschiedenen Formen annimmt." (Lit.: GA 312, S. 362f)
Literatur
- Hans Biedermann: Lexikon der magischen Künste, VMA-Verlag, Wiesbaden 1998, ISBN 3-928127-59-4
- Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Walter de Gruyter, 1932
- Klaus Völker (Hg.): Künstliche Menschen, Suhrkamp, Phantastische Bibliothek, Frankfurt 1994, ISBN 3-518-38793-6
- Rudolf Steiner: Wo und wie findet man den Geist?, GA 57 (1984)
- Rudolf Steiner: Erdenwissen und Himmelserkenntnis, GA 221 (1998)
- Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band II: Das Faust-Problem, GA 273 (1981)
- Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin, GA 312 (1999)
![]() Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
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Weblins
- Paracelsus: De Natura Rerum - deutsch