Eine freie Initiative von Menschen bei ![]() ![]() ![]() ![]() mit online Lesekreisen, Übungsgruppen, Vorträgen ... |
![]() |
Use Google Translate for a raw translation of our pages into more than 100 languages. Please note that some mistranslations can occur due to machine translation. |
Homunculus: Unterschied zwischen den Versionen
imported>Odyssee |
imported>Odyssee |
||
Zeile 81: | Zeile 81: | ||
in die physische Welt. Wenn man das alles genau verfolgen | in die physische Welt. Wenn man das alles genau verfolgen | ||
könnte, würde selbst im einzelnen jede Wendung | könnte, würde selbst im einzelnen jede Wendung | ||
beweisend sein für das, was gemeint ist." {{Lit|{{G|057| | beweisend sein für das, was gemeint ist. Bei Proteus und | ||
Nereus sucht Homunculus Kundschaft, wie er hineindringen | |||
kann in die physische Welt. Es wird ihm gezeigt, wie | |||
er sich die Elemente der Materie herumgliedern kann, und | |||
wie bei ihm die geistigen Eigenschaften sind, das heißt, wie | |||
die Seele sich nach und nach hineinbegibt in die physischsinnlichen | |||
Elemente, durch das hindurch, was sich abgespielt | |||
hat in den Reichen der Natur. Es wird uns gezeigt, wie die | |||
Seele wieder zu durchlaufen hat die Zustände des mineralischen, | |||
des pflanzlichen, des tierischen Reiches, um hinauf | |||
sich zu gestalten zum Menschen: | |||
<center>Im weiten Meere mußt du anbeginnen!</center> | |||
das heißt im Mineralischen. Dann mußt du durchgehen | |||
durch das pflanzliche Reich. Goethe erfindet sogar einen | |||
Ausdruck dafür, den es sonst nicht gibt. Er läßt den Homunculus | |||
sagen: | |||
<center>Es grunelt so, und mir behagt der Duft!</center> | |||
Es wird ihm angedeutet, wie er den Weg zu machen hat bis | |||
dahin, wo allmählich sich um ihn herum ein physischer Leib | |||
bildet. Zuletzt tritt der Moment der Liebe ein. [[Eros]] wird | |||
das Ganze vollenden. Thales gibt den Rat dazu: | |||
<center><poem> | |||
Gib nach dem löblichen Verlangen, | |||
Von vorn die Schöpfung anzufangen! | |||
Zu raschem Wirken sei bereit! | |||
Da regst du dich nach ewigen Normen, | |||
Durch tausend abertausend Formen, | |||
Und bis zum Menschen hast du Zeit. | |||
</poem></center> | |||
Denn wenn der Homunculus in die physische Welt eingetreten | |||
ist, verliert er seine Eigenschaften. Das Ich wird | |||
sein Beherrscher: | |||
<center><poem> | |||
Nur strebe nicht nach höheren Orden: | |||
Denn bist du erst ein Mensch geworden, | |||
Dann ist es völlig aus mit dir. | |||
</poem></center> | |||
So sagt Proteus; das heißt, aus mit dir, dem astralischen | |||
Leibe, der noch nicht in das Menschenreich eingedrungen ist. | |||
Die ganze Goethesche Naturanschauung von der Verwandtschaft | |||
aller Wesen, von ihrer metamorphosischen | |||
Entwickelung aus dem Unvollkommenen zum Vollkommenen, | |||
tritt hier im Bilde auf. Der Geist kann in der Welt | |||
zunächst nur keimartig sein. Er muß sich in die Materie, in | |||
die Elemente ausgießen, in sie untertauchen, um aus ihnen | |||
erst höhere Gestalt anzunehmen. Homunculus zerschellt | |||
am Muschel wagen der Galatee. Er löst sich in die Elemente | |||
auf. Der Moment wird in wunderbarer Weise dargestellt, | |||
wo wirklich der astralische Leib sich umgliedert hat mit | |||
einem Leibe aus physischer Materie und nun als Mensch | |||
leben kann. | |||
Das sind Erlebnisse, die Faust durchmacht, während er | |||
in einem andern Bewußtseinszustand, in einem dem Leibe | |||
entrückten Zustand ist. Reif wird er nach und nach, die | |||
Geheimnisse zu schauen, die hinter dem physisch-sinnlichen | |||
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 57 Seite: 349 | |||
Dasein liegen. Und jetzt kann er schauen, wie das, was in | |||
dem Reiche des «längst nicht mehr Vorhandenen» ist, der | |||
Geist der Helena, verkörpert vor ihm auftritt. Wir haben | |||
den dritten Akt des zweiten Teils des «Faust», die Wiederverkörperung | |||
der Helena. Goethe stellt geheimnisvoll, wie | |||
er es damals mußte, die Idee der Wiederverkörperung hin: | |||
wie aus den drei Reichen sich zusammenschließen Geist, | |||
Seele und Leib, um einen Menschen zu bilden, und vor uns | |||
steht die wiederverkörperte Helena." {{Lit|{{G|057|347ff}}}} | |||
</div> | </div> | ||
Version vom 4. April 2014, 19:22 Uhr

Von den Alchemisten wurden die in der stofflichen Natur waltenden Kräfte noch wesenhaft als astralische Erscheinung erlebt. Auch der Homunculus ist eine derart erlebte astrale Wesenheit.
Der Homunculus (lat. Menschlein, griech. anthroparion) ist nach vor allem im späteren Mittelalter verbreiteten alchemistischen Vorstellungen ein künstlich in der Retorte erzeugtes Menschlein. Das Wort selbst, als verkleinerte Form des lateinischen Wortes homo (Mensch), ist schon bei Cicero, Plautus und Apuleius belegt (Lit.: Handwörterbuch, Homunculus).
Historische Zeugnisse
Erste Zeugnisse über die Herstellung von Homuculi finden sich schon in frühchristlicher Zeit. So berichtet Clemens Romanus um 250 n. Chr., dass schon Simon Magus einen Menschen geschaffen hätte, indem er zuerst Luft in Wasser, dann dieses in Blut und schließlich das Blut in Fleisch verwandelt habe (Lit.: Völker, Nachwort). Im 4. Jahrhundert schreibt Zosimos aus Panopolis, eingekleidet in Traumvisionen, über den anthroparion. Im ersten Buch der De occulta Philosophia berichtet Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535), wie sich durch magische Künste aus einem einer Bruthenne unterlegten Ei eine menschliche Gestalt erzeugen ließe, die man den wahren «Alraun» nenne (Lit.: Biedermann, S 223). In den späteren mittalterlichen Schriften wird der Homunculus meist als Nebenprodukt bei der Herstellung des Steins der Weisen genannt.
Rudolf Steiner hat nachdrücklich betont, dass die Erzeugung des Homunculus keineswegs als materielle Urzeugung missverstanden werden darf:
"Wenn man im Mittelalter trachtete, in der Retorte den Homunkulus darzustellen, so war dieser Gedanke der Darstellung eines Wesens aus Ingredienzien nicht als Urzeugung gedacht. Man dachte noch nicht das Weltall als Mechanismus, als Totes. Deshalb glaubte man an die Möglichkeit, aus dem allgemeinen Lebendigen ein spezielles Lebendiges herausholen zu können. Aber an eine Zusammenfügung des Unlebendigen zum Lebendigen dachte eigentlich das mittelalterliche Gemüt noch nicht." (Lit.: GA 221, S. 125)
In dem Paracelsus zugeschriebenen Buch De generatione rerum naturalum (als erstes Buch enthalten in De Natura Rerum [1]) ist die Erzeugung eines künstlichen Menschleins "außerthalben weiblichs Leibs" genau beschrieben: Wird der männliche Same vierzig Tage lang in ein hermetisch abgedichtetes Gefäß eingeschlossen und im venter equinum, einem gelinden Wärmebad, das aus der Gärungswärme von Pferdemist gespeist wird, "putreficiert", so erzeugt sich aus sich selbst heraus ein menschenähnlichen Wesen, "doch durchsichtig on ein corpus". Wird dieses mit menschlichem Blut, dem "arcanum sanguinis humani", 40 Wochen lang ernährt, so entsteht "ein recht lebendig menschlich kint, das von einem weib geboren wird, doch vil kleiner. Dasselbig wir ein homunculum nennen".
Hier wird schon deutlich, dass der Homunculus, von dem die Alchemisten sprachen, überhaupt nicht als physisches (on ein corpus), sondern als astralisches Wesen gedacht war :
"Denen, die während des Mittelalters von dem Homunculus sprachen, war er nichts anderes als eine bestimmte Form des astralischen Leibes." (Lit.: GA 057, S. 347)
Dieses reine Seelenwesen verfügt nicht nur über Seelenfähigkeiten, die ähnlich denen des Menschen sind, sie sind sogar bis zur Hellsichtigkeit gesteigert:
"Paracelsus versichtert ausdrücklich in jener Abhandlung «De generatione rerum», durch gewisse Vorgänge wäre man imstande, etwas zu erzeugen, was zwar keinen Körper hat, was aber Fähigkeiten hat, die ähnlich sind den menschlichen Seelenfähigkeiten, nur sich bis zur Hellsichtigkeit steigern. Also Paracelsus dachte an gewisse Hantierungen, die den Menschen dahin bringen, vor sich ein körperloses Wesen zu haben, das aber so wie der Mensch eine Art Verstandestätigkeit, eine Art Intellektualität, ja sogar in höherer Steigerung entfaltet." (Lit.: GA 273, S. 68)
Der Homunculus in Goethes Faust-Tragödie
Datei:Faust Homunculus.jpg Goethe, der bekanntlich das Bild des Homunculus im zweiten Teil seiner Faust-Tragödie gebraucht, war sich sehr wohl bewusst, dass es sich dabei nicht um ein physisches, sondern um ein astrales Wesen handelt. Gleich zu Beginn der ganzen Schilderung wird schon auf den Lichtcharakter des Homunculus hingewiesen und zugleich auch auf das Geheimnis des Kohlenstoffs gedeutet, der der wahre Stein der Weisen ist:
Schon hellen sich die Finsternisse; |
Später wird der Homunculus als leuchtendes Zwerglein beschrieben und weiter heißt es dann:
Er ist, wie ich von ihm vernommen, |
Die Szenen der Klassischen Walpurgisnacht zeigen, wie das Seelenflämmchen des Homunkulus durch die Naturkräfte und Naturwesen nach und nach seine Leiblichkeit erhält:
"Das ist die Charakteristik des astralischen Leibes; und Homunculus selbst sagt von sich:
ein astralisches Gebilde, das nicht stille stehn kann, das in fortwährenden Tätigkeiten sich ausleben muß. Er muß hingeführt werden in solche Sphären, wo er wirklich Geist und Leib miteinander vereinigen kann.
Und nun sehen wir das, was Faust da durchmacht, die Menschwerdung, dargestellt in der klassischen Walpurgisnacht. Da werden uns vorgeführt die Summen von all den Kräften und Wesenheiten, die hinter der physisch-sinnlichen Welt wirken; und fortwährend werden hineinverwoben Geister aus der physischen Welt, die ihre Seele so weit ausgebildet haben, daß ihre Seele zusammengewachsen ist mit der geistigen Welt, daß sie gleichzeitig auch" in der geistigen Welt bewußt sind. Solche Gestalten sind die beiden griechischen Philosophen Anaxagoras und Thales. Von ihnen will dieser Homunculus sich sagen lassen, wie man entstehen kann; wie man, wenn man geistig ist, zu einer physischen Gestaltung vordringen kann. Und mitwirken sollen alle die Gestalten, die uns in dieser klassischen Walpurgisnacht vorgeführt werden, die Gestalten der Verwirklichung des astralischen Leibes, der reif ist zum Eintritt in die Sinnlichkeit, in die physische Welt. Wenn man das alles genau verfolgen könnte, würde selbst im einzelnen jede Wendung beweisend sein für das, was gemeint ist. Bei Proteus und Nereus sucht Homunculus Kundschaft, wie er hineindringen kann in die physische Welt. Es wird ihm gezeigt, wie er sich die Elemente der Materie herumgliedern kann, und wie bei ihm die geistigen Eigenschaften sind, das heißt, wie die Seele sich nach und nach hineinbegibt in die physischsinnlichen Elemente, durch das hindurch, was sich abgespielt hat in den Reichen der Natur. Es wird uns gezeigt, wie die Seele wieder zu durchlaufen hat die Zustände des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches, um hinauf sich zu gestalten zum Menschen:
das heißt im Mineralischen. Dann mußt du durchgehen durch das pflanzliche Reich. Goethe erfindet sogar einen Ausdruck dafür, den es sonst nicht gibt. Er läßt den Homunculus sagen:
Es wird ihm angedeutet, wie er den Weg zu machen hat bis dahin, wo allmählich sich um ihn herum ein physischer Leib bildet. Zuletzt tritt der Moment der Liebe ein. Eros wird das Ganze vollenden. Thales gibt den Rat dazu:
Gib nach dem löblichen Verlangen,
Von vorn die Schöpfung anzufangen!
Zu raschem Wirken sei bereit!
Da regst du dich nach ewigen Normen,
Durch tausend abertausend Formen,
Und bis zum Menschen hast du Zeit.
Denn wenn der Homunculus in die physische Welt eingetreten ist, verliert er seine Eigenschaften. Das Ich wird sein Beherrscher:
Nur strebe nicht nach höheren Orden:
Denn bist du erst ein Mensch geworden,
Dann ist es völlig aus mit dir.
So sagt Proteus; das heißt, aus mit dir, dem astralischen Leibe, der noch nicht in das Menschenreich eingedrungen ist. Die ganze Goethesche Naturanschauung von der Verwandtschaft aller Wesen, von ihrer metamorphosischen Entwickelung aus dem Unvollkommenen zum Vollkommenen, tritt hier im Bilde auf. Der Geist kann in der Welt zunächst nur keimartig sein. Er muß sich in die Materie, in die Elemente ausgießen, in sie untertauchen, um aus ihnen erst höhere Gestalt anzunehmen. Homunculus zerschellt am Muschel wagen der Galatee. Er löst sich in die Elemente auf. Der Moment wird in wunderbarer Weise dargestellt, wo wirklich der astralische Leib sich umgliedert hat mit einem Leibe aus physischer Materie und nun als Mensch leben kann.
Das sind Erlebnisse, die Faust durchmacht, während er in einem andern Bewußtseinszustand, in einem dem Leibe entrückten Zustand ist. Reif wird er nach und nach, die Geheimnisse zu schauen, die hinter dem physisch-sinnlichen Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 57 Seite: 349 Dasein liegen. Und jetzt kann er schauen, wie das, was in dem Reiche des «längst nicht mehr Vorhandenen» ist, der Geist der Helena, verkörpert vor ihm auftritt. Wir haben den dritten Akt des zweiten Teils des «Faust», die Wiederverkörperung der Helena. Goethe stellt geheimnisvoll, wie er es damals mußte, die Idee der Wiederverkörperung hin: wie aus den drei Reichen sich zusammenschließen Geist, Seele und Leib, um einen Menschen zu bilden, und vor uns steht die wiederverkörperte Helena." (Lit.: GA 057, S. 347ff)
Der Homunculus und das Phantom des Antimons
"Wenn die alten Ärzte sprachen von der Erzeugung des Homunkulus, so ist das im Grunde genommen so, daß sie in ihrem noch vorhandenen Hellsehen so etwas schauen konnten, wie es das «Phantom» des Antimons ist. Da erschien ihnen in dem Bildeprozeß, den sie äußerlich in ihrem Laboratorium vollführten, während das Antimon seine Kräfte entfaltete, hineinprojiziert aus ihrem eigenen Wesen dasjenige, was diese Antimonkräfte als albuminisierende Kräfte bekämpft. Dasjenige, was sonst zurückbleibt im menschlichen Organismus, das projizierten sie hinaus, und da sahen sie den Homunkulus, der da erschien, während sich der Prozeß abspielte, in welchem das Antimon seine verschiedenen Formen annimmt." (Lit.: GA 312, S. 362f)
Literatur
- Hans Biedermann: Lexikon der magischen Künste, VMA-Verlag, Wiesbaden 1998, ISBN 3-928127-59-4
- Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Walter de Gruyter, 1932
- Klaus Völker (Hg.): Künstliche Menschen, Suhrkamp, Phantastische Bibliothek, Frankfurt 1994, ISBN 3-518-38793-6
- Rudolf Steiner: Wo und wie findet man den Geist?, GA 57 (1984)
- Rudolf Steiner: Erdenwissen und Himmelserkenntnis, GA 221 (1998)
- Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band II: Das Faust-Problem, GA 273 (1981)
- Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin, GA 312 (1999)
![]() Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv. Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen. Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners. |
Weblins
- Paracelsus: De Natura Rerum - deutsch