Agnostizismus

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Thomas Henry Huxley prägte maßgeblich den Begriff des Agnostizismus.

Der Agnostizismus (von griech. ἀγνοεῖν a-gnoein „nicht wissen“) bezeichnet eine Alltagsüberzeugung oder auch begründete philosophische Ansicht, dass bestimmte Annahmen – insbesondere solche theologischer Art, welche die Existenz oder Nichtexistenz einer höheren Instanz, beispielsweise eines Gottes, betreffen – entweder ungeklärt oder grundsätzlich nicht zu klären sind. Der Begriff wurde maßgeblich von dem britischen Biologen und Anatom Thomas Henry Huxley (1825-1895) geprägt.

Agnostizismus ist eine Weltanschauung, die insbesondere die prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens betont. Die Möglichkeit der Existenz transzendenter Wesen oder Prinzipien wird nicht bestritten. Agnostizismus ist sowohl mit Theismus als auch mit Atheismus vereinbar, da der Glaube an Gott möglich ist, selbst wenn man die Möglichkeit der Gewissheit bezüglich seiner Existenz verneint. Die Frage „Gibt es einen Gott?“ beantworten Agnostiker dementsprechend nicht mit „Ja“ oder „Nein“, sondern mit „Ich weiß es nicht“, „Es ist nicht geklärt“, „Es ist nicht beantwortbar“ oder „Es ist nicht relevant“.

„Dieser Agnostizismus ist, man möchte sagen in seiner Reinkultur, entstanden aus denselben Untergründen auf philosophischem Gebiete, aus denen heraus Darwin zum Beispiel auf naturwissenschaftlichem Gebiete gearbeitet hat: aus der Denkweise der westlichen Welt. Man kann ihn in dieser seiner Reinkultur insbesondere studieren bei solchen Geistern wie etwa Herbert Spencer. Will man sagen, worinnen das Wesen dieses Agnostizismus besteht, so wird man dies vielleicht am besten in der folgenden Art tun. Dieser Agnostizismus will eine Art Philosophie, eine Art Weltanschauung sein, und er will durchaus aus naturwissenschaftlichen Voraussetzungen heraus arbeiten. Dabei läßt er nur gelten dasjenige an menschlicher Erkenntnismethodik, dessen sich auch die Naturwissenschaft auf ihren verschiedenen begrenzten und beschränkten Gebieten bedient. Diese Naturwissenschaft verfolgt die einzelnen Erscheinungen der Natur in ihren gesetzmäßigen Zusammenhängen; sie durchsetzt dasjenige, was sie sich da an Ideen über die einzelnen Naturerscheinungen ausbildet, wohl auch mit allerlei Hypothesen über Ursächlichkeiten; aber sie lehnt es ab — und auf ihrem Gebiete wohl auch mit Recht —, aufzusteigen von der sinnlichen Betrachtung im Experiment, in der Beobachtung und von dem, was sich dem Verstände, der an die Sinnlichkeit gebunden ist, aus Experiment und Beobachtung ergibt, zu irgendwelcher Ausgestaltung von Erkenntnissen, die auf das Übersinnliche gehen. Sie faßt die Erscheinungen, besser gesagt eigentlich nur die Erscheinungsgebiete, zusammen und stellt dasjenige hin, was sie auf diese Weise an gesetzmäßigen Zusammenhängen der Erscheinungen ergründen kann.“ (Lit.:GA 78, S. 8f)

„Dieser Agnostizismus wird dann auch auf das seelische Gebiet ausgedehnt. Es wird gesagt: Man kann wohl ergründen, wie dasjenige, was als Vorstellungen in unserem Bewußtsein auftritt, sich aneinandergliedert, sich gegenseitig hält und trägt, wie sich Gefühle an diese Vorstellungen angliedern, wie eine Willenswelt aus unbekannten Tiefen in diese Vorstellungswelt hineinwirkt, wie diese Vorstellungen angeregt werden durch Reize, die von den sinnlichen Wahrnehmungen herkommen. Man kann aber nicht demjenigen, was nun fortströmt innerhalb des Wechselspiels der Vorstellungen, der Tingierung dieses Wechselspiels mit dem Gefühl, der Durchpulsung desselben Wechselspiels mit Willenskräften, man kann nicht dem, was da fortströmt und was das Bewußtsein zusammenfaßt in dem Worte «Ich», man kann dem nicht so beikommen, daß etwa die Aspirationen des Menschen auf Erkenntnis einer unsterblichen, einer ewigen Seele durch eine Wissenschaft dieser Seele befriedigt werden können — Agnostizismus auf naturwissenschaftlichem Gebiete, Agnostizismus auf dem Gebiete des psychologischen, des seelischen Lebens.“ (Lit.:GA 78, S. 10)

„Von sehr vielen Menschen wird alles Religiöse kategorisch abgelehnt. Nur allzu leicht wird man als religiöser Spinner, esoterischer Schwarmgeist oder naiver Spökenkieker eingestuft, sobald man von Göttern und Engeln zu sprechen beginnt. Hier sind viele Menschen tief verletzt durch all das, was von der Kirche ausging. Und sie sind zu Recht enttäuscht, denn entweder man hat man sie zum Glauben an unhaltbare Dinge zu überreden versucht, oder man hat ihnen nichts von alledem nahegebracht, so daß die natürliche Nähe zum Geistigen in der Welt nicht ausgebildet werden konnte. Man kann sagen: Die Kirche hat viele von uns zu Atheisten und Materialisten gemacht und hat damit ungeheuren Schaden angerichtet, gerade in Mitteleuropa. Unzählige Seelen können den Weg zum Geist nicht mehr finden, weil das Kirchen-Christentum ihnen die Unvorgenommenheit ausgetrieben hat.“ (Lit.: Hans Bonneval, S. 193)

Literatur

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