Altar

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Altar der Johanneskirche der Christengemeinschaft in Dresden.

Ein Altar (von spätlat. altar[e], aus lat. altaria „[Aufsatz auf dem] Opfertisch, Brandaltar“, von alta ara „hoher Altar“, „Feuer-Aufsatz“) ist eine Opferstätte oder ein Opfertisch, wo Gottheiten verehrt und ihnen Opfer dargebracht werden. Die ursprünglichste, schon im Neolithikum gebräuchliche Form ist der Plattenaltar, der aus einer möglichst ebenen unregelmäßigen Steinplatte bestand, die im Heiligtum auf dem Boden lag oder in diesen eingelassen war. Später entstanden Bankaltäre und Tischaltäre, wie sie etwa ab 3800 v. Chr. in monolithischer Form in den neolithischen Tempeln auf Malta errichtet wurden. Als in der Zeit des Urchristentums der bewusste Kontakt mit den Toten immer mehr verlorenging, nahmen die Altäre die Form eines Sarges bzw. Sarkophags an.

„Das machte so unendlich bedeutsam, so unendlich heilig und tief gerade die Art des Gottesdienstes der ersten Christen, daß die ersten Christen diejenigen waren, die am lebendigsten fühlten, wie ihnen der unmittelbare psychische Zusammenhang mit den Toten verloren gegangen war. Aber sie ersetzten das, was ihnen auf diese Art verloren gegangen war, durch jene heiligen Gefühle, die sie bei ihren Gottesdiensthandlungen durch ihre Seele ziehen ließen, wenn sie über den Gräbern der Toten ihre Opfer verrichteten, ihre Messen lasen, kurz, ihre gottesdienstlichen Handlungen ausübten. Und im Grunde genommen ist durch diesen Übergang herbeigeführt überhaupt die Tatsache, daß in der Zeit, in der man das Bewußtsein für die Toten ersterben fühlt, die Altäre die Form des Sarges annehmen, daß man also in dem Gefühl für die Überreste gerade in dieser Form - nicht wie bei den alten Ägyptern - den pietätvollen Gottesdienst oder Geistesdienst verrichtete.“ (Lit.:GA 130, S. 188f)

Altargestaltung in der Christengemeinschaft

Wandtafelzeichnung zum Vortrag vom 3. September 1921 aus GA 343 (Tafel 4)

Für die Priester der Christengemeinschaft machte Rudolf Steiner folgende Angaben für die Gestaltung des Altars:

„Ausgestaltung des Altares? Ja nun, nicht wahr, mir scheint, daß zunächst der Altar doch so ausgestaltet werden sollte, daß er durch seine Richtigkeit auf der einen Seite, durch seine Einfachheit aber auf der anderen Seite wirkt. Das Wesentliche eines Altares würde ja natürlich in seiner allereinfachsten Form das folgende sein: Man hat natürlich eine Art von Tisch, und es ist gut, wenn, weil es sich ja um das Opfer handelt, dieser Tisch auch dasjenige bleibt, als was er gedacht war, eigentlich eine Grabstätte; also man hat eine Grabstätte in Tischesform, zu der Stufen hinaufführen. Man hat nun einen Leuchter, in dem Lichter in der Weise angeordnet sind, daß rechts drei und links drei Lichter sind und in der Mitte eines, das erhöht ist. Man hat sieben Lichter am Altar stehen, und über den sieben Lichtern in irgendeiner Weise den dreieinigen Gott, das heißt, den Gott in den drei Gestalten. Da handelt es sich schon darum, daß wir wirklich uns etwas beziehen auf dasjenige, was in der Zeit des Mysteriums von Golgatha ausdrückt das Aufnehmen des Todes in die Vatergewalten, so daß wir also gut tun, wenn wir - natürlich ohne daß Aberglaube oder Götzendienst sich einmischt - dem Vater die Gestalt des alten Mannes lassen; der Christus wird schon am besten dargestellt, wie er seit dem sechsten Jahrhundert dargestellt wird, auch für die heutige Zeit noch, weil es für diese Zeit doch gilt, daß der Gegensatz des Christentums gegen frühere Empfindungen scharf hervorgehoben wird. Sie wissen ja, daß von Buddha erzählt wird, daß er zu seiner Lehre dadurch gekommen sei, daß er den Anblick eines Leichnams hatte. Nach der Darstellung, die gewöhnlich gegeben wird, ging eigentlich aus diesem Anblick des Leichnams die Buddhalehre hervor, weil Buddha das Entsetzen hatte vor dem Leichnam, weil er zurückschreckte vor dem Leichnam. Unter den mannigfaltigen Dingen, die . . . [Lücke in der Nachschrift], ist das ein richtiges, daß sechs Jahrhunderte ungefähr nach dem Mysterium von Golgatha die Menschen frohlockend zu dem Leichnam am Kreuze hingeschaut haben, während 600 Jahre vor dem Mysterium von Golgatha der Buddha mit Abscheu sich von dem Leichnam abgewendet hat. Diese Erinnerung, auch nur in der Empfindung, ist doch etwas, was auch heute noch hingestellt werden sollte, wenn es sich um die Darstellung der Dreieinigkeit handelt. Aus Gründen, die wir auch schon angeführt haben, wurde der Geist [dargestellt] in Form der Taube, des unschuldigen Flügelwesens. Das ist ja ungefähr das, worauf es beim Altar ankommt. Alles übrige ist dann zum Teil für das heutige Bewußtsein zu weitgehend oder aber es ist Rankenwerk. Was natürlich wenn möglich angestrebt werden müßte, ist, das Sanktissimum zu haben, das heißt also die Monstranz, die ich aufgezeichnet habe, worin sich die geweihte Hostie befindet, und das ist ja etwas, was vor dem Beginne und vor dem Schluß des Meßopfers auch durchaus sachgemäß geschieht, daß man zu dem, was geschehen soll durch das Meßopfer, hinzufügt das Anschauen der geweihten Hostie, der konsekrierten Hostie.

Der Altar wird natürlich mit Tüchern belegt sein, die nun wiederum so durch die Jahresentwickelung gehen, wie ich das für das Priestergewand gezeigt habe. Der Altar soll so ausgestattet sein, daß er im wesentlichen in der Färbung der Tücher, mit denen er bedeckt ist, mit dem Priestergewand, mit dem äußerlichen Meßgewand übereinstimmt. Es ist dann natürlich darauf zu sehen, daß die Geräte, die man hat, der Kelch und die Monstranz, eben auch geweiht sind, dann aber auch nur mit Geweihtem berührt werden. Das ist wohl das wesentlichste, was darüber zu sagen ist.“ (Lit.:GA 343a, S. 626f)

Die rechte und linke Seite des Altars haben dabei während der Weihehandlung eine unterschiedliche Bedeutung. Die rechte Seite (von der Gemeinde aus gesehen links) spricht mehr zum Verstand, die linke Seite (aus Sicht der Gemeinde rechts) wendet sich an das Gemüt:

„Das ist so: Gehen Sie aus von der Evangelienlesung an der rechten Seite des Altars, [das heißt von den Gläubigen aus gesehen links], so- verkünden Sie - in der Auffassung, daß die Verkündigung über Kreuz geht - dahin, wohin das Auge schaut; rechts aktiv, links passiv. Die übrigen Dinge richten sich danach, ob man mehr zum Gemüt spricht, dann spricht man links, oder zum Verstande, dann spricht man rechts. Die Wandlung ist an der rechten Seite des Altares, das heißt links von den Gläubigen [aus gesehen].

Emil Bock: Die "Wandlung ist an das Denken gerichtet?

Rudolf Steiner: Die Wandlung ist an das Gemüt gerichtet. Das Meßbuch liegt an der rechten Seite. Die Wandlung selbst geschieht in der Mitte. Das Buch liegt, wo das Evangelienbuch liegt. Aber um sie zu verstehen, dazu gehört die höchste Klarheit. Die Handlung ist schon an das Gemüt gerichtet. Sie müssen auch da die Sache so betrachten, daß Sie unterscheiden müssen, ob bei einer Handlung mehr der Gläubige in Betracht kommt wie bei der Evangelienlesung, oder der Priester, der ja immer nach der anderen Seite sieht. Was für den Gläubigen rechts und links ist, ist es ja nicht für den Priester. Das Licht kommt aus dem Osten. Also handelt es sich darum, daß dem entweder die Urauffassung zugrundeliegt, daß man den Altar selbst nach Osten legt, oder die neuere Auffassung, daß man den Kirchenchor im Osten hat. Das Richtige ist, den Altar nach Osten zu orientieren, daß der Altar der Osten der Kirche ist und daß der Gläubige nach Osten schaut. Schon in der allerersten Zeit des Christentums war der Altar im wesentlichen immer errichtet über dem Grabe irgendeines Begründers einer Gemeinde oder eines Märtyrers, so daß eigentlich in der christlichen Kirche nie ein anderer Altar war als ein solcher, der gedacht war als ein Grabstein. Man liest die Messe über dem Grabe einer verehrten Person. Der Altar hat auch die Form eines Grabsteines, ist also fest gedacht.“ (Lit.:GA 344, S. 209f)

Literatur

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Weblinks

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