Das Buch mit den sieben Siegeln

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Bamberger Apokalypse, Tafel 4, Das Buch mit den sieben Siegeln in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß (Offb 5,1 LUT).

Das Buch mit den sieben Siegeln wird im 5. Kapitel der Apokalypse des Johannes beschrieben. Die sieben Siegel weisen nach Rudolf Steiner auf die Erkenntnisstufe der Imagination hin.

„1 Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. 2 Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? 3 Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen. 4 Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. 5 Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel. 6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. 8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, 9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen 10 und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden. 11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Gestalten und um die Ältesten her, und ihre Zahl war vieltausendmal tausend; 12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob. 13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! 14 Und die vier Gestalten sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.“

Offb 5,1-14 LUT

Als das Lamm Gottes die ersten vier Siegel öffnet, erscheinen die vier apokalyptischen Reiter. Danach, bei der Öffnung des fünften Siegels, zeigen sich die Seelen derer, die um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen umgebracht worden waren.

„1 Und ich sah, dass das Lamm das erste der sieben Siegel auftat, und ich hörte eines der vier Wesen sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! 2 Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm wurde eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft und um zu siegen. 3 Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich das zweite Wesen sagen: Komm! 4 Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben. 5 Und als es das dritte Siegel auftat, hörte ich das dritte Wesen sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6 Und ich hörte etwas wie eine Stimme mitten unter den vier Wesen sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden! 7 Und als es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme des vierten Wesens sagen: Komm! 8 Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: der Tod, und die Hölle zog mit ihm einher. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit Schwert und Hunger und Tod und durch die wilden Tiere auf Erden. 9 Und als es das fünfte Siegel auftat, sah ich unten am Altar die Seelen derer, die umgebracht worden waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen. 10 Und sie schrien mit großer Stimme: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? 11 Und ihnen wurde gegeben einem jeden ein weißes Gewand, und ihnen wurde gesagt, dass sie ruhen müssten noch eine kleine Zeit, bis vollzählig dazukämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch getötet werden sollten wie sie.“

Off 6,1-11 LUT

Mit der Öffnung des sechsten Siegels erfolgt der große Durchbruch in die geistige Welt, der sich durch ein Erdbeben ankündigt. Die irdisch-sinnliche Welt mit Sonne, Mond und Sternen darüber verschwindet vor dem geistigen Blick. Der ganze Himmel weicht zurück wie eine Buchrolle, die zusammengerollt wird.

„12 Und ich sah: Als es das sechste Siegel auftat, da geschah ein großes Erdbeben, und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, 13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von starkem Wind bewegt wird. 14 Und der Himmel wich wie eine Schriftrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihren Orten. 15 Und die Könige auf Erden und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Gewaltigen und alle Sklaven und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen der Berge 16 und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! 17 Denn es ist gekommen der große Tag ihres Zorns und wer kann bestehen?“

Off 6,12-17 LUT

Danach erscheinen die 144.000 Versiegelten aus dem Volk Israel. Sie erhalten das Siegel des Heiligen Geistes, d. h. sie nehmen das Geistselbst (Manas), den durch das Ich verwandelten Astralleib, in sich auf (Off 7,1-8 LUT). Anschließend kommt eine ungezählte Schar aus allen Stämmen und Volkern der Erde, die mit weißen Gewändern angetan sind, Palmzweige in ihren Händen tragen und Gott und das Lamm anbeten (Off 7,9-17 LUT).

Mit der Öffnung des siebenten Siegels tritt schließlich für eine halbe Stunde eine große Stille im Himmel ein. Danach erscheinen die Engel mit den sieben Posaunen. Die Imaginationen verschwinden und gehen nach einer Phase der völligen Leere und Stille des Bewusstseins in die Inspiration über (Off 8,1-5 LUT).

Die sieben Siegel, die bei der Öffnung des Buches erbrochen werden müssen, sind gemäß der okkulten Tradition allerdings nicht identisch mit den sieben apokalyptischen Siegeln, die nach den Entwürfen von Rudolf Steiner von Clara Rettich für den 1907 in München abgehaltenen Kongress der Föderation Europäischer Sektionen der Theosophischen Gesellschaft gestaltet wurden. Diese Siegel spannen vielmehr einen wesentlich weiteren Bogen und geben die imaginativ geschauten astralischen Urbilder der gesamten Menschheitsentwicklung auf der Erde in sinnbildlicher Form wieder. Die Öffnung des Buches mit den sieben Siegeln und der Übergang in das Zeitalter der Posaunen wird hier durch das dritte apokalyptische Siegelbild dargestellt.

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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