Isis entschleiert

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Isis entschleiert (Isis Unveiled) ist ein Grundlagenwerk der Theosophie und das wichtigste Werk von Helena Petrovna Blavatsky. Es erschien am 29. September 1877 beim Verlag J.W. Bouton in New York. Wesentliche Mitarbeit an der Herausgabe leisteten Henry Steel Olcott und Alexander Wilder. Die erste Auflage von 1000 Exemplaren war innerhalb von zehn Tagen vergriffen. „Die Verkaufszahlen sind einmalig für einen Titel dieser Art“([1], Seite 471) schrieb The American Bookseller im Oktober 1877. Die zweite Auflage erschien bereits im November desselben Jahres, das Buch wurde seitdem mehrmals nachgedruckt. ([1], Seiten 10, 13, 471f.)

Inhalt

Das Werk setzt sich in zwei Teilen auf rund 1250 mit den Grundlagen der Theosophie auseinander. Der erste Teil befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen und der wissenschaftlichen Kritik an theosophischen Vorstellungen und Esoterik, der zweite Teil befasst sich mit religiösen und religionskritischen Aspekten. Es kritisiert auch Materialismus und blindes Dogma in der Religion.

Band 1

Der erste Band, betitelt The 'Infallibility' of Modern Science (Die 'Unfehlbarkeit' der modernen Wissenschaft), befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen und der wissenschaftlichen Kritik an theosophischen Vorstellungen und Esoterik. Er beginnt mit einer Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Naturwissenschaft (Charles Darwin, Thomas Henry Huxley), deren materialistische Ausrichtung Blavatsky kritisiert. Im Anschluss behandelt sie alternative Lehren wie den Spiritismus, den Mesmerismus und die Kabbala sowie die von diesen postulierten verborgenen Kräfte der Natur. Dabei versucht die Autorin esoterische Kosmologie und Naturwissenschaft in Einklang zu bringen. Sie behauptet, „der einzig mögliche Schlüssel zum Absoluten in Wissenschaft und Theologie“ sei in dem uralten Wissen zu finden, das von Indien an das alte Ägypten übermittelt worden sei. Nach Indien sei es durch Überlebende von Atlantis weitergegeben worden, die nach dem Untergang ihres Kontinents auf einer Insel gelebt hätten, die durch ein Tunnelsystem mit den verschiedensten Weltgegenden verbunden gewesen sei. Blavatsky setzte ein zyklisches Geschichtsbild, nach dem die Menschheit früher bereits eine höhere Entwicklungsstufe erreicht habe als heute. Sie berief sich dabei auf Veröffentlichungen des Oxforder Sprach- und Religionswissenschaftlers Friedrich Max Müller, der für eine Gleichwertigkeit alter indoarischer und moderner westlicher Kultur argumentierte.[2]

Band 2

Der zweite Band (Theology) behandelt religiöse und religionskritische Aspekte und ist eine durchweg polemische Abrechnung mit der katholischen Kirche und ihrer Lehre, wobei sich Blavatsky in einem separaten Kapitel in Hasstiraden nur über Jesuiten ergeht. Sie rechtfertigt ihre hasserfüllten Attacken, indem sie behauptet, nur sie würde die reine Lehre Jesu verstehen, weshalb sich ihre vernichtende Kritik nur gegen die „Verfälschung in bösartiger kirchlicher Lehre“ richte. Kritisiert werden weiterhin Materialismus und blindes Dogma in der Religion. Außerdem kritisierte sie das Judentum: Den Semiten, der „am wenigsten spirituellen Rasse“, sei es nie gelungen, eine Sprache zu entwickeln, in der sich höhere moralische oder intellektuelle Ideen formulieren ließen: Alles an Wert im Judentum sei von den Ariern übernommen worden. Mit diesen antisemitischen Urteilen, mit denen sie gleichzeitig das Christentum, das auf dem Judentum aufbaute, delegitimieren will, schließt sich Blavatsky an den Mainstream der europäischen Rassentheorien des 19. Jahrhunderts an.[3] Sie postuliert, dass sich von allen Religionen der Hinduismus und der Mahayana-Buddhismus am reinsten erhalten hätten, weil diese sich schon geografisch vorteilhaft in der Nähe des Himalaya entwickelt hätten, wo sie den Ursprung der wahren Lehre verortet, die ein geheimes Wissen aller Völker enthalte. Den heiligen Schriften des arischen Indiens, speziell der Veden und Puranas, maß sie deshalb eine fundamentale Bedeutung für ihre eigene im Entstehen begriffene synkretistische Religion des Neuen Zeitalters bei.

Das Buch diskutiert oder zitiert unter anderen Plato, Plotin, die Bibel, Pythagoras, Ammonius Saccas, Porphyrios, Iamblichus, Proklos, Apollonius von Tyana, das Popol Vuh, Paracelsus, Louis Jacolliot, Marco Polo, Friedrich Max Müller, Buddhistische, Hinduistische, Chinesische und andere Fernöstliche, Persische, Babylonische, Syrische, Gnostische, Altamerikanische, Kabbalistische, Griechische und Ägyptische Literatur.

Zitate

Aber trotz diesen vielleicht zu großen Zugeständnissen, behaupte ich, dass Isis entschleiert eine Masse von originalen und bisher nie enthüllten Informationen zu okkulten Themen enthält. (...) ich verteidige die Ideen und Lehren in ihm, ohne Angst, der Eingebildetheit angeklagt zu werden, da weder Ideen noch Lehren meine sind, wie ich immer erklärt habe; und ich behaupte, dass beide von größtem Wert für Mystiker und Studenten der Theosophie sind.“ (aus My Books, Helena Blavatsky, 1891)

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 Hank Troemel (Hrsg.): Helena Petrovna Blavatsky. Isis entschleiert. Aquamarin Verlag, Grafing 2003, ISBN 3-89427-244-9.
  2. Isaac Lubelsky: Mythological and Real Race Issues in Theosophy. In: Olav Hammer, Mikael Rothstein (Hrsg.): Handbook of the Theosophical Current. Brill, Leiden 2013, S. 341 f.
  3. Isaac Lubelsky: Mythological and Real Race Issues in Theosophy. In: Olav Hammer, Mikael Rothstein (Hrsg.): Handbook of the Theosophical Current. Brill, Leiden 2013, S. 342.

Literatur

  • Helena P. Blavatsky: Isis entschleiert, ein Meisterschlüssel zu den alten und modernen Mysterien, Wissenschaft und Theologie. Adyar-Reprint, Edition 3 Masques, Burgh-Haamstede 1999, ISBN 3-927837-59-8.
  • Band 1: Wissenschaft
  • Band 2: Theologie
  • Hank Troemel (Hrsg. und Übers.): Isis entschleiert. Aquamarin-Verlag, Grafing 2003, ISBN 3-89427-244-9. (Gekürzte Ausgabe)

Weblinks

Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Isis entschleiert aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.