Kriyashakti

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Kriyashakti ist die Selbsthervorbringungskraft über die der Mensch vor dem Sündenfall verfügte; sie ist eine Form der Shakti, der Kundalini- oder Schlangen-Kraft, die die aktive weibliche Urkraft des Universums ist. Als Folge der luziferischen Versuchung ging diese Kraft mit der Geschlechtertrennung verloren. In der sechten Wurzelrasse wird der Mensch diese Selbstreproduktionskraft auf neue Weise wiedererlangen.

Kriyashakti vor der Zeit der Geschlechtertrennung

"Wir haben es also zu tun mit einer Kraft auf der Erde, die die Macht der Selbsthervorbringung hat: Kriyashakti. Diese ist heute auf der Erde nur noch in den allerhöchsten Mysterien vorhanden. Damals hatte sie jeder in sich. Durch diese Kraft konnte der Mensch sich selber fortpflanzen; sie wurde damals in zwei Hälften gespalten. Dadurch entstanden die zwei Geschlechter auf der Erde.

Die ganze Kraft der Selbsthervorbringung zog Jehova aus der Erde heraus und setzte sie im Monde neben die Erde hin. Dadurch besteht der Zusammenhang zwischen der Reproduktionksraft und den Mondenwesen. Nun haben wir den Menschen mit der geschwächten Reproduktionskraft, aber noch nicht mit der Möglichkeit, sich zu vergeistigen. Dieses waren die Vorgänger der jetzigen Menschheit. Zu ihnen kamen nun die Mondadepten. Sie sagten ihnen: Ihr müßt nicht Jehova folgen, er wird euch nicht zur Erkenntnis kommen lassen; aber ihr sollt Erkenntnis erlangen. - Das ist die Schlange. Die Schlange steht dem Weibe gegenüber, denn das Weib hatte die Kraft, sich aus sich selbst heraus fortzupflanzen. Jetzt sagt Jehova: Der Mensch ist geworden wie unsereiner - und bringt nun den Tod in die Welt und alles, was damit zusammenhängt.

«Luzifer» nennt man die Mondadepten; sie sind die Geber dessen, was menschliche Intellektualität ist. Das gaben sie dem Astral- und dem physischen Körper, sonst hätte die Monade in diese nicht einziehen können und die Erde wäre dann ein planetarisches Denkmal von Jehovas Größe geworden. Durch das Eingreifen des luziferischen Prinzips wurde die menschliche Selbständigkeit, die Geistigkeit gerettet. Jehova hat dann, damit der Mensch sich nicht ganz vergeistige, die Selbsthervorbringungskraft halbiert. Was aber auch verlorengegangen wäre, wenn Jehova allein gearbeitet hätte, das tritt nun in der sechsten Wurzelrasse wieder ein; da wird der Mensch so vergeistigt sein, daß er Kriyashakti, die schöpferische Reproduktionskraft wieder erlangen wird. Er wird imstande sein, seinesgleichen wieder hervorzubringen. So wurde die Menschheit über eine Klippe hinübergerettet.

Der Mensch trägt also durch Jehovas Macht die Möglichkeit in sich, zu erstarren. Wenn man die drei unteren Körper beobachtet, so haben diese den Keim in sich, zum physischen Zustand der Erde zurückzukehren. Die oberen Teile: Atma, Buddhi, Manas haben erst in den Menschen einziehen können dadurch, daß die Schlange hinzukam. Der Mensch bekam dadurch neues Leben und die Kraft, bei dem irdischen Planeten zu verbleiben. Aber die Fortpflanzungskraft wurde zweigeschlechtlich und dadurch ist Geburt und Tod in die Welt gekommen; vorher gab es noch nicht Geburt und Tod." (Lit.: GA 93a, S. 184f)

Das Reproduktionsorgan der Zukunft

"In der Entwickelung folgten aufeinander Hörorgan, Wärmeorgan, Sehorgan. Das Sehorgan ist noch ganz auf der Stufe, daß es nur aufnehmen kann. Das Ohr nimmt schon aus dem Ton, zum Beispiel aus dem Glockenton, das innerste Wesen wahr. Die Wärme muß uns von dem Wesen selbst zuströmen. Das Auge hat nur ein Bild, das Ohr hat die Wahrnehmung des innersten Wesens. Das Wahrnehmen der Wärme ist ein Aufnehmen einer Ausstrahlung. Ein Organ wird nun auch das aktive Organ zum Auge werden. Das ist heute veranlagt in der Zirbeldrüse, Epiphyse, welches Organ den Bildern, die das Auge heute erzeugt, Wirklichkeit verleihen wird. Diese beiden Organe, Zirbeldrüse und Schleimkörper, müssen sich als aktive Organe zum Sehorgan (Auge) und Wärmeorgan (Herz) hinzuentwikkeln. Die Phantasie ist heute die Anlage zu dem späteren Schaffen. Jetzt hat der Mensch höchstens die Imagination. Später wird er magische Kraft haben. Das ist die Kriyashakti. Diese Kraft entwickelt sich in demselben Maße, in dem sich physisch die Zirbeldrüse entwickelt.

In dem gegenseitigen Verhältnis von Ohr und Kehlkopf haben wir ein Vorbild. Das Denken wird dann später durchdrungen von der Wärme, und noch später lernt der Mensch selbst schaffen. Zuerst lernt er ein Bild schaffen; dann Ausstrahlung schaffen, hinaussenden; dann Wesenheiten schaffen. Die Freimaurerei nennt diese drei Kräfte: Weisheit, Schein (Schönheit) und Gewalt. (Siehe «Goethes Märchen».)

Die Wärme hat ihr Leben auf dem Shushuptiplan. Diese in bewußter Weise zu verwerten, ist dem möglich, der das Leben der Wärme kennt und beherrscht, wie der Mensch heute das Leben der Luft in gewisser Weise beherrscht. In der Entwickelung muß sich der Mensch jetzt nähern den Kräften des Shushuptiplanes (Buddhi- Manas). Die fünfte Unterrasse (Kulturperiode) hat hauptsächlich die Aufgabe, Kama-Manas zu entwickeln. Manas findet man in allem, was in den Dienst des Menschengeistes gestellt ist. Doch im Grunde genommen steht alles dies jetzt im Dienste von Kama. Die höchsten Errungenschaften des Geistes sind in den Dienst von Kama gestellt. Unsere Zeit hat die höchsten Kräfte in den Dienst dieser Bedürfnisse gestellt, die das Tier auch ohne diese Errungenschaften befriedigt.

Jetzt muß aber auch schon Buddhi-Manas entwickelt werden. Der Mensch muß etwas mehr lernen als Sprechen. Es muß sich mit dem Sprechen eine andere Kraft verbinden, wie wir das in den Schriften von Tolstoj finden. Es kommt dabei nicht so sehr auf das an, was er sagt, sondern daß hinter dem, was er sagt, eine elementare Kraft steht, die etwas von dem Buddhi-Manas hat, das in unsere Kultur hineinkommen muß." (Lit.: GA 93a, S. 48f)

Der Kehlkopf wird sich derart künftig so zu einem neuen Reproduktionsorgan umbilden, dass der Mensch durch das Wort zeugend sein wird.

"Der Mensch war früher auf einer Erde, welche glutflüssig war. Er ist erst allmählich durch viele Verkörperungen hindurch zu seinem heutigen Körper gekommen, und er wird sich noch durch viele Inkarnationen hindurch weiter entwickeln. Vor allem wird eine Umgestaltung des Kehlkopfes und des Herzens vor sich gehen. Das werden in Zukunft die Reproduktionsorgane sein. Heute verkörpern sich die Gedanken, Gefühle und Empfindungen nur in Worten, die die Regungen meiner Seele in diesem Raum durch Schwingungen zu Ihrem Ohr gelangen lassen und in Ihren Seelen ähnliche Gedanken und Empfindungen wecken. Später wird der Mensch Wärme und zuletzt Licht schaffen, so wie er jetzt seine Gedanken in Worten der Luft mitteilt. So wie der Mensch in der Vergangenheit heruntergestiegen ist aus einer Licht- und Wärmesphäre, so wird er in Zukunft selbst Wärme und Licht schaffen.

Auf dem ersten apokalyptischen Siegel ist dies dargestellt. Der Anfangs zustand der Menschheit, als die Erde noch in einem Zustande der Glutflüssigkeit war, ist dargestellt dadurch, daß die Füße des Menschen auf dem Bild in einem feurigen Metallfluß sind, der Zukunftszustand ist dargestellt durch das feurige Schwert, welches aus dem Munde des Menschen hervorgeht. Ein solches Bild wirkt nicht bloß auf die Imagination, sondern auch auf den Willen des Menschen, wenn wir in dieser Weise den großen Kräften der Natur zuschauen. Denn dieselbe Kraft, die als Urkraft im Willen des Menschen lebt, lebt auch in der ganzen äußeren Welt. Lernen wir unseren Willen schulen, dann lebt in uns Weltenwille, dann wird unser Wille eins werden mit dem Willen, der die Natur durchströmt. Das lernt der Mensch durch die selbstlose Hingabe an die okkulten Schriftzeichen." (Lit.: GA 98, S. 52f)

"Wie geschieht die Umwandlung der Gedanken in Bilder? In der Rosenkreuzerschule sagt der Lehrer dem Schüler: Sieh dir die Pflanze an. Mit der Wurzel strebt sie in den Boden, der Stengel steigt gerade auf, oben ist die Blüte und die Frucht. Und nun vergleiche die Pflanze mit dem Menschen. Bei oberflächlichem Denken könnte man versucht sein, die Blüte mit dem Kopfe des Menschen, und was an der Pflanze unten ist, mit den Füßen des Menschen zu vergleichen. In Wahrheit ist der Kopf der Pflanze die Wurzel, und was die Pflanze keusch nach oben dem Lichte zuhält, die Befruchtungsorgane, das ist beim Menschen gerade umgekehrt. Die Blüte hat diese Organe zum Lichte gewendet. Stelle dir das Ganze genau vor; würdest du die Befruchtungsorgane der Pflanze nicht nach oben halten, sondern zum Mittelpunkt der Erde hin, würden sie durchdrungen werden von Begierde und Leidenschaft. So haben wir im Menschen die umgekehrte Pflanze, die aber zugleich durchzogen ist mit Begierden und Leidenschaften. Dadurch ist der Menschenleib Fleisch und der Pflanzenleib, der keusche, ein noch nicht zum Fleische entwickelter Leib.

Und nun sieh dir das Tier an: Es steht zwischen Pflanze und Mensch. Pflanze, Tier, nach oben der Mensch, bilden das Kreuz, das durch die ganze Natur geht. Nun sagt man dem Schüler: Sieh dir an die Pflanze, wie sie den Kelch nach oben kehrt, von der Sonne geküßt wird, vom Strahl des Lichtes, genannt die heilige Liebeslanze. Der Mensch hat den Pflanzenleib mit dem von Begierde durchdrungenen Fleisch vertauschen müssen, aber es steht ihm ein hohes Ideal vor Augen.

Hier müssen wir das menschliche Herz und den Kehlkopf betrachten. Es gibt im Menschen zweierlei Organe, solche, welche auf dem Wege sind, unvollkommen zu werden, und nach und nach abfallen werden, und solche, die erst in der Ausbildung begriffen sind. Alle niederen Organe, die sexuellen Organe, werden abfallen. Herz und Kehlkopf dagegen sind Organe, die erst in der Zukunft ihre Vollendung haben werden, erst in der Zukunft ihre Entwickelung finden werden.

Ich spreche zu Ihnen. Meine Gedanken sind in mir. Ich kleide sie in Worte. Diese kommen aus dem Kehlkopf heraus, bringen Tonschwingungen hervor, und dadurch teilen sich meine Gedanken Ihrer Seele mit. Der Kehlkopf ist der Apparat, die Luftwellen zu machen, und das, was in der Seele ist, da hinauszubringen. Wenn jemand einen Apparat erfinden könnte, durch den die Wellen verfestigt werden könnten, dann könnten Sie meine Gedanken, meine Worte aufklauben. In der Zukunft wird der Kehlkopf nicht nur die Worte hervorbringen, sondern er wird einstmals das schöpferische, das Zeugungsorgan sein, das dem Menschen ähnliche Wesen hervorbringen wird.

In gewissen Zeiten, da war noch nicht die pflanzliche Natur des Menschen durchdrungen von der begierdevollen Fleischesqualität. Gerade diejenigen Organe, die sich am spätesten aus der tierischen Natur entwickelt haben, gehen zuerst wieder weg; das sind die Fortpflanzungsorgane. Diese waren lange da als Pflanzenorgane, als der Mensch schon in Fleisch da war. Deshalb sind in Sammlungen Bilder von Hermaphroditen mit Pflanzenorganen zu sehen. Wenn in der Bibel erzählt wird vom Feigenblatt der Eva, so ist in Wahrheit unter diesem Symbole zu verstehen, daß diese Organe die letzten waren, welche sich im Fleische entwickelt haben. So muß in die religiösen Urkunden eingedrungen werden. Die Sexualorgane sind untergehende Organe, dagegen ist der Kehlkopf in voller Umbildung begriffen, und wenn der Mensch wieder keusch geworden sein wird, wird sich der Kehlkopf der geistigen Sonne wieder zuwenden. Der Kelch der Pflanze entwickelte sich zu der leidenschafterfüllten Fleischesform, und wieder wird der Kehlkopf zum keuschen, reinen Kelche, der vom Geiste befruchtet wird, der der heiligen Liebeslanze entgegengehalten wird. Das ist auch das Symbol des Heiligen Gral, sein hohes Ideal." (Lit.: GA 98, S. 22ff)

Eng damit verbunden ist also das Geheimnis des Heiligen Grals. In einem überlieferten Gespräch mit Johanna Gräfin Keyserlingk zeigte Steiner darüber hinaus auch die Verbindung der Gralsburg zum dem in der Apokalypse des Johannes als Zukunftsvision geschilderten Neuen Jerusalem auf: Die Gralsburg existiere wirklich in der ätherischen Welt. Das neue Jerusalem sei das Urbild, wie es in Zukunft sein werde[1].

In Zusammenhang damit steht auch das Phänomen der Ätherisation des Blutes, das bedeutet, dass, ausgehend vom Herzen als Zentrum des Blutkreislaufes, fortwährend im Wachzustand des Menschen in geringsten Mengen die feinsten physischen Blutbestandteile in ätherische Substanz umgewandelt werden. Vom Herzen zum Kopf hin steigt ein Strom ätherisierten Blutes auf und umspielt und umleuchtet die Zirbeldrüse. Diese Ätherkräfte durchdringen das Gehirn und strahlen sogar über den Kopf hinaus aus und erscheinen bei genügender Stärke dem imaginativen Blick in der Kopfaura als Heiligenschein). Nur durch diese Ätherkräfte sind wir überhaupt in der Lage, Gedanken zu fassen, die nicht völlig an die egoistischen Bedürfnisse des Organismus gebunden sind. Seit auf Golgatha das Blut des Christus vergossen wurde, kann sich die Christuskraft mit diesem Ätherstrom vereinigen.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Koberwitz 1924, herausgegeben v. Adalbert Graf Keyserlingk Stuttgart 1974, S 82

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a (1987), ISBN 3-7274-0935-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98 (1996), ISBN 3-7274-0980-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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