Leviathan

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gustave Doré: Die Vernichtung des Leviathan, 1865

Leviathan (hebr. לִוְיָתָן liwjatan, "der sich Windende", auch "Walfisch") ist ein in der Bibel mehrmals genanntes Meeresungeheuer, das als Mischung eines Krokodils, eines Drachen, einer Schlange und eines Wals beschrieben wird. Nach der Zuordnung des Peter Binsfeld aus dem 16. Jahrhundert entspricht es als Dämon dem Laster des Neids. Gelegentlich - etwa im Werk des Thomas Hobbes: "Leviathan" - wird ihm auch die Deutung als Geist und Inbegriff des absolutistischen Staates (Absolutismus) gegeben.

Buch Hiob

Eine ausführliche biblische Beschreibung des Leviathan findet sich im Buch Hiob:

„25 Kannst du den Leviatan fangen mit der Angel und seine Zunge mit einer Fangschnur fassen? 26 Kannst du ihm ein Binsenseil an die Nase legen und mit einem Haken ihm die Backen durchbohren? 27 Meinst du, er wird dich lang um Gnade bitten oder dir süße Worte geben? 28 Meinst du, er wird einen Bund mit dir schließen, dass du ihn für immer zum Knecht bekommst? 29 Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine Mädchen anbinden? 30 Meinst du, die Zunftgenossen werden um ihn feilschen und die Händler ihn verteilen? 31 Kannst du mit Spießen spicken seine Haut und mit Fischerhaken seinen Kopf? 32 Lege deine Hand an ihn! An "den" Kampf wirst du denken und es nicht wieder tun!“

Hi 40,25-32 LUT

Und weiter:

„1 Siehe, jede Hoffnung wird an ihm zuschanden; schon wenn einer ihn sieht, stürzt er zu Boden. 2 Niemand ist so kühn, dass er ihn zu reizen wagt. - Wer ist denn, der vor mir bestehen könnte? 3 Wer kann mir entgegentreten und ich lasse ihn unversehrt? Unter dem ganzen Himmel ist keiner! 4 Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß, wie mächtig und wohlgeschaffen er ist. 5 Wer kann ihm den Panzer ausziehen, und wer darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen? 6 Wer kann die Tore seines Rachens auftun? Um seine Zähne herum herrscht Schrecken. 7 Stolz stehen sie wie Reihen von Schilden, geschlossen und eng aneinander gefügt. 8 Einer reiht sich an den andern, dass nicht ein Lufthauch hindurchgeht. 9 Es haftet einer am andern, sie schließen sich zusammen und lassen sich nicht trennen. 10 Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. 11 Aus seinem Rachen fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus. 12 Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und Binsenfeuer. 13 Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen Flammen. 14 Auf seinem Nacken wohnt die Stärke, und vor ihm her tanzt die Angst. 15 Die Wampen seines Fleisches haften an ihm, fest angegossen, ohne sich zu bewegen. 16 Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie der untere Mühlstein. 17 Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und vor Schrecken wissen sie nicht aus noch ein. 18 Trifft man ihn mit dem Schwert, so richtet es nichts aus, auch nicht Spieß, Geschoss und Speer. 19 Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz. 20 Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie Spreu. 21 Die Keule achtet er wie einen Strohhalm; er spottet der sausenden Lanze. 22 Unter seinem Bauch sind scharfe Spitzen; er fährt wie ein Dreschschlitten über den Schlamm. 23 Er macht, dass die Tiefe brodelt wie ein Topf, und rührt das Meer um, wie man Salbe mischt. 24 Er lässt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei Silberhaar. 25 Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht. 26 Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle stolzen Tiere.“

Hi 41,1-26 LUT

Am Ende der Zeiten wird der HERR Leviathan vernichten:

„Zu der Zeit wird der HERR heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviatan, die flüchtige Schlange, und den Leviatan, die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten.“

Altes Testament: Jes 27,1 LUT

Gnosis

In der Kosmologie der gnostischen Sekte der Ophiten umwindet Leviathan als Ouroborosschlange (von griech. οὐροβóρος „Schwanzfresser“) die Planetensphären und trennt sie von der Tierkreisregion, die bereits den Übergang zur höheren Lichtwelt bildet. Leviathan ist hier zugleich der Herr und König der geschaffenen Welt und die Weltseele, die alle Dinge durchdringt.[1]

Anmerkungen

  1. vgl. Rudolph, S 76ff

Siehe auch

Literatur

  1. Kurt Rudolph: Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005 ISBN 3-525-52110-3