Manifestation

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Manifestation {von lat. manifestare „handgreiflich machen“) bedeutet im weitesten Sinn das Sichtbarwerden eines zuvor Unsichtbaren, gestaltlos Geistigen bzw. Ideellen in greiflicher (sinnlicher bzw. materieller) Gestalt.

„Die Gnosis besteht eigentlich darin, daß sich die Menschen, die Gnostiker werden, bewußt sind: Man kann zu demjenigen, in dem die Seele urständet, zu dem Geistigen nur kommen durch Erkenntnis, durch klare, helle, lichtvolle Erkenntnis. - Aber es war schon die Zeit, in welcher sich doch im Dunkeln vorbereitete der Intellektualismus, die Zeit, in der man den Intellektualismus als den Feind des menschlichen Seelenbezuges zum Geistigen betrachtete. Man sah gewissermaßen prophetisch in die Zukunft, wie der Intellektualismus heranrückt, man sah gewissermaßen schon dieses Kommen des Intellektualismus, der die Welt vollständig entgeistigen, vollständig entgöttlichen wollte, wie ich das gestern charakterisiert habe. Man sah das, und man fühlte sich dem Intellektualismus als einer Gefahr gegenüber. Man wollte mit allen Fasern festhalten an einem Geistigen, das nicht erfaßt wird von dem Intellektualismus. Das ist ungefähr der Seelenkampf, den Basilides ausgefochten hat, der Gnostiker, der sich halten wollte an dasjenige, was sich im Jahreslaufe offenbaren will. Er sagte sich: Wenn der Mensch sich ganz überläßt seinem fortfließenden Intellekt, so trennt er sich von dem göttlich-geistigen Kosmos; er muß sich halten an dasjenige, was in der Umgebung liegt, die durch den göttlich-geistigen Kosmos zustandegekommen ist; er muß sich halten an das, was im Weltenkreislauf das ehrwürdige Bild des kosmischen Schaffens hat, also des Wirkens des Göttlichen im Materiellen; er muß sich halten an das Jahr. - Und Basilides tut das folgende: Er schaut hinauf - aber bei ihm ist es eigentlich nur noch Tradition, also nicht mehr in innerer imaginativer Anschauung wie in alten Zeiten, wie ich das charakterisiert habe als das Lesen in den Sternenbewegungen —, er schaut hinauf und sagt: Zu allerletzt verfließt der geistige Blick; wenn wir empfinden, gewahr werden, wie der geistige Blick verfließt, dann reden wir von dem unbekannten Gott, von dem Gott, der in keine Worte und Begriffe zu fassen ist, von dem ersten Aon, und aus diesem unbekannten Gotte manifestiert sich, offenbart sich heraus — dieser Begriff der Manifestation, der später die Dinge verunziert, ist bei Basilides noch gar nicht in der gleichen Weise zu verstehen, wie wir heute «Manifestation» verstehen, man sollte nicht sagen «es manifestiert sich», sondern «es gestaltet sich heraus», ganz individuell sich gestaltend -, aus dem unbekannten Gotte gestaltet sich dasjenige heraus, was der Nous ist, der auch bei Anaxagoras auftritt, gewissermaßen die erste Schöpfung des unbekannten Gottes. Das ist das erste Prinzip, das im Menschen sein Abbild hat, wenn der Mensch sich seinem Verstand, aber jetzt nicht dem [intellektuellen] Verstand, sondern dem Ihnen in diesen Tagen charakterisierten lebendigen Verstand hingegeben hat, den die Menschen noch hatten innerhalb der griechischen Philosophie [bis Plato], und den in abgeschwächter Form Aristoteles noch hatte.“ (Lit.:GA 343a, S. 269f)

Der Kunstbegriff bei Joachim Stiller

Aus dem bisher Gesagten entwickelte Joachim Stiller einen eigenen Kunstbegriff, den er aber in erster Linie nur auf die Bildende Kunst angewendet wissen will, denn bei der Literatur und der Musik wird es schwierig:

Definition: Kunst ist die Manifestation des Bildhaften.

Einen ähnlichen Kunstbegriff im engeren Sinne gab es bereist vorher, aber da sollte die Kunst durchweg nur die "Materialisation" des Bildhaften sein. Stiller hingegen hält hier den Begriff der "Manifestation" für den einzig wesensgemäßen.

Literatur

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