Marienverehrung

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Die Marienverehrung, die Verehrung Marias, der Mutter des nathanischen Jesus, begann schon in frühchristlicher Zeit. Das Mitte des 2. Jahrhunderts entstandene apokryphe Protoevangelium des Jakobus schildert ausführlich die Herkunft Marias. Obwohl es nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurde, war es in der ganzen damaligen Kirche sehr beliebt und wurde viel gelesen. Im Anschluss an das Konzil von Ephesos (431), auf dem Maria zur Gottesgebärerin erklärt wurde, womit eigentlich die göttliche Natur Christi betont werden sollte, entwickelte sich ein immer reichere Marienverehrung. Im 5. Jahrhundert setzte Cyrill von Alexandrien ein Marienfest auf den 15. August fest, der traditionell als Tag der Entschlafung Mariens gilt[1][2]. Heute wird an diesem Tag der Himmelfahrt Marias gedacht. Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel wurde allerdings erst am 1. November 1950 durch Papst Pius XII. mit der Apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus (lat. Der unendlich freigiebige Gott) in konsequenter Fortsetzung des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis Mariens (1854) offiziell bekundet.

Über die Bedeutung des Marienkults im Mittelalter sagte Rudolf Steiner im Rahmen eines Vortrags über die Freimaurerei:

„Es gibt schon im ganzen Mittelalter eine großartige Vorbereitung für das Erzeugen des anderen Geschlechts im Manne auf geistige Weise. Der Mann erzeugt durch Konzentration in sich zuerst als Gedanke, was später in ihm als Sein entstehen soll. Daher entstand im ganzen Mittelalter als Vorbereitung dazu der Marien-Kultus. Der ist nichts anderes als die Konzentration zur Erzeugung des Weiblichen im Männlichen, während beim Weibe der Jesus-Kult dem gleichen Zweck dient. Der Marien-Kult hat aus dieser Grundlage seinen Ursprung.“ (Lit.:GA 93, S. 215)

Der „die ursprüngliche rauhe Seele des Germanen“ wurde dadurch in ihrer Frömmigkeit von einem bedeutsamen Element durchdrungen:

„... das war der Marienkultus und der sich daraus entwickelnde Frauendienst. Wer das nicht würdigt, weiß gar nichts von der Geschichte des Mittelalters.“ (Lit.:GA 51, S. 159)

Im Grunde handelt es sich dabei um eine christliche Erneuerung des alten Demeter- oder Isiskults. Es geht um das «Ewig Weibliche», von dem Goethe am Ende seines Faust II spricht, um die Jungfrau Sophia, wie sie in esoterischer Sprache genannt wird. Hingewiesen wird damit auf die vollständige Läuterung und Vergeistigung des Astralleibs zum Geistselbst.

„Und aus dem Kreise solcher in den ersten christlichen Jahrhunderten noch in das Christentum Eingeweihten ging zum Beispiel eine wunderbare Dichtung der ersten vier Jahrhunderte der christlichen Zeit hervor, eine wunderbare Dichtung, in der für die Menschheit zunächst hingestellt wurde das Eintreten des Christus auf der Erde, dann aber in ergreifenden Gestalten, ganz dramatisch - aber die Dichtung war eigentlich episch gehalten - in mächtigen Bildern die Menschen der Zukunft, der nächsten Zukunft hingestellt wurden, die mit ihrem Verständnisse nicht mehr hinaufreichen werden zu demjenigen, was sie verstehen sollten gerade zum Heil der Menschheitsevolution. Und nachdem in mächtigen Bildern gerade etwas von dem Sonnen-Ratschluß der Götter dargestellt war, den ich vorhin erwähnte, indem in ergreifender Weise geschildert wurde in diesem Epos das Heruntersteigen des Christus in den Menschen Jesus von Nazareth, war in einem dritten Teile geschildert, wie in einer neuen Metamorphose hereintreten sollte in die Menschheitsentwickelung ein Wiederaufleben des alten Demeter- und Isiswesens. Es ward geschildert, wie das Demeter- und Isiswesen geheiligt werden sollte in einer besonderen, gewaltig dargestellten Menschengestalt. Es wurde dargestellt wie etwas, das aus der Zukunft hereinspielen sollte, eine Art Gelöbnis der Menschheit.

Diese, ich möchte sagen, Dichterpriester der ersten vier christlichen Jahrhunderte stellten dar, wenigstens der Hervorragendste von ihnen, wie hereinspielen sollte in die weitere Erdenevolution ein gewisser Dienst, von all denjenigen geübt, welche zur Gelehrsamkeit, zum Geistesleben kommen sollten. Eine Art Sacrificium wurde hingestellt für denjenigen, der überhaupt in die Gelehrsamkeit, in das Geistesleben eintreten sollte. In diesem Epos ist dann ein jüngerer Mensch geschildert, der sich hineinfinden soll in das ganze Erfassen dieser Menschheitsevolution dieser Zeit: geschildert, wie er aber in seinen jungen Jahren eine Art Marienkultus entfalten sollte als Übergang von seinen jüngeren Jahren zu seinen späteren Jahren. Diese kultische Haltung, die über jeden Gelehrten, gelehrt werdenden, weise werdenden Menschen eigentlich kommen müsse, wenn die Menschheit die Verbindung finden sollte mit dem, was durch das Mysterium von Golgatha in die Menschheit gekommen ist, dieses Sacrificium, das wurde in lebendigen Farben dargestellt. Eine mächtige, farbenreiche Dichtung entstand in den ersten vier christlichen Jahrhunderten. Und zu denjenigen, die mehr oder weniger in der Atmosphäre dieser Dichtung lebten, gehörten auch Malerpriester, welche allerdings in der einfachen, popularisierenden Weise des Malens, aber doch in mächtigen, zu Herzen gehenden Bildern auch malerisch diese Szenen darstellten.

Diese Dichtung hat es gegeben. Diese Dichtung ist mit alledem, was positiv von der Gnosis hergerührt hat, von der späteren Kirche ausgerottet worden.“ (Lit.:GA 227, S. 287)

Literatur

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  1. 15. August im Ökumenischen Heiligenlexikon
  2. Maria - Assunta - „Aufnahme Marias in den Himmel“