Nikotin

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Nikotin ist ein Alkaloid, das hauptsächlich in Tabakpflanzen, in geringeren Mengen auch in anderen Nachtschattengewächsen vorkommt und vom Menschen hauptsächlich durch das Rauchen in geringen Mengen in den Organismus aufgenommen wird. Eine Zigarette enthält etwa 12mg Nikotin, die aber nur teilweise in den Tabakrauch übergehen. In reiner Form ist Nikotin eine farblose, ölige Flüssigkeit, die sich an der Luft rasch braun verfärbt. Nikotin ist ein starkes Nervengift. Die tödliche Dosis für den erwachsenen Menschen liegt bei etwa einem Milligramm pro Kilogramm Körpermasse; Nikotin ist damit giftiger als Arsen oder Kaliumcyanid. Gelangt Nikotin in den Blutkreislauf, regt es die Ausschüttung von Adrenalin und der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin an. Nikotin steigert den Blutdruck und erhöht die Pulsfrequenz, wodurch nach Rudolf Steiner zugleich der Sauerstoffbedarf gesteigert wird. Da die Atemfrequenz aber nicht in gleichem Mass gesteigert wird, entsteht durch Nikotingenuß eine latente kleine Atemnot, die unterschwellige Angstzustände auslöst. Durch die Erhöhung der Herzfrequenz wird das Lebenstempo des Menschen überhaupt gesteigert, wodurch der Organismus stärker belastet wird. Eine gewisse positiv anregende Wirkung hat Nikotin bei Menschen mit zu trägem Pulssschlag, was sich seelisch so auswirkt, "daß er herumgeht und irgend etwas will, aber er weiß nicht, was er will. Die sind dann, wie man sagt, unbefriedigt im Leben." (Lit.: GA 348, S. 352) In diesen Fällen empfiehlt Rudolf Steiner sogar mäßigen Tabakkonsum.

"Bringe ich also Tabak in den menschlichen Organismus, so regt er zunächst die Blutzirkulation an. Das Blut wird lebhafter, zirkuliert lebhafter. Jetzt regt es aber nicht in demselben Maße die Atmung an. Die Atmungsstöße, die bleiben dieselben. Aber nun paßt der Blutkreislauf nicht mehr mit der Atmung zusammen. Die Folge davon ist, daß, während sich mit jedem Pulsschlag eine bestimmte Menge Sauerstoff mit dem Blut verbinden sollte, das Blut nicht genügend Sauerstoff erhält. Die Folge der Nikotinvergiftung ist also, daß das Blut zu große Mengen Sauerstoff aufnehmen will, das heißt, daß das Blut zu viel Sauerstoff beansprucht. Die Atmung gibt nicht so viel Sauerstoff her. Daher kommt es, daß eine ganz geringe Atemnot eintritt. Diese ganz kleine Atemnot verursacht nämlich bei jedem Atemzug ein Angstgefühl...

Die Folge davon ist, daß der Mensch ein viel zu schnelles Lebenstempo einschlägt und sich deshalb furchtbar rasch abnutzt. Und so wird derjenige, der eben für seine Leibesverhältnisse zu viel Nikotin in seinen Leib hineinbekommt, daran langsam zugrundegehen. Er geht eigentlich langsam zugrunde an allerlei inneren, das Herz beeinflussenden Angstzuständen. Bei solchen Menschen wird gewöhnlich die Nikotinvergiftung auch dadurch erkannt werden, daß man findet, ihre Gedanken kommen nicht mehr ganz in Ordnung. Sie urteilen gewöhnlich viel zu rasch. Sie steigern dann dieses viel zu rasche Urteilen manchmal bis zu Verfolgungswahngedanken. So also kann man sagen, daß tatsächlich der Nikotingenuß, wenn er als Genuß figuriert, die menschliche Gesundheit untergräbt. Wenn der Blutkreislauf zu schnell ist im Verhältnis zum Atmen, hat man es mit furchtbaren Angstzuständen zu tun, die aber nicht bewußt werden. Wenn aber einer einen zu schwachen Blutkreislauf von irgend etwas anderem hat, dann drückt sich das dadurch aus, daß er herumgeht und irgend etwas will, aber er weiß nicht, was er will. Die sind dann, wie man sagt, unbefriedigt im Leben. Und wenn man also solch einen Menschen hat, dann kann man sagen: Es ist sogar gut, ihm etwas Nikotin beizubringen, ihn durch Nikotin zu heilen. Und da ihm das Rauchen angenehm ist, so braucht man ihm nicht Nikotin als Medizin zu geben, sondern man kann ihm sogar anraten, er solle rauchen, wenn er früher kein Raucher war." (Lit.: GA 348, S. 250ff)

Nach Auskunft des anthroposophischen Arztes Werner Christian Simonis lindert regelmässiges Rauchen auch die unterschwellige Aggressivität eines Menschen. Dies berichtet jedenfalls Hermann Keimeyer. In seinem Buch "Genuss aus dem Gift?" schildert W. Chr. Simonis denn auch eine entsprechende Legende über die kriegerischen Sioux-Indianer, denen zur Steigerung ihrer Friedfertigkeit durch ihren "Großen Geist" der Tabak und die (aus roter Erde geformte) Pfeife dargeboten wurde (Vgl. W. Chr. Simonis, S. 71).

Sofern Tabakgenuß nicht zum Suchtverhalten führt, hat er keinen störenden Einfluss auf den geistigen Schulungsweg.

"Wenn man sich hinsetzen muß und irgendwie ein schweres Buch liest, da wird das Blut angeregt. Sobald man sich anstrengen muß, um etwas zu verstehen, wird das Blut angeregt. Aber das wollen ja die Leute heute nicht mehr. Die wollen nicht sich anstrengen, um etwas zu verstehen. Das ist etwas, was den Leuten ganz zuwider ist. Sie wollen nichts verstehen! Und dadurch, wenn sie nichts verstehen wollen, wird ihr Blut dick gemacht. Das dicke Blut geht dann langsamer, und die Folge davon ist, daß sie fortwährend ein Mittel brauchen, um dieses tatsächlich immer dicker werdende Blut in Gang zu bringen. In Gang wird es gebracht, wenn sie den Glimmstengel, den Nikotinstengel in den Mund stecken; aber dünner wird es nicht, nur die Blutzirkulation wird immer schwerer. Und die Folge kann dann sein, daß sie in einem Alter, wo das noch nicht der Fall zu sein brauchte, allerlei Alterserscheinungen kriegen.

Man sieht daraus, wie der menschliche Körper außerordentlich fein in seiner Tätigkeit ist. Nicht nur, wenn man das Blut untersucht, bekommt man etwas heraus, sondern man bekommt auch etwas heraus, wenn man die Art und Weise, wie sich ein Mensch verhält, ob er langsam oder schnell denkt, untersucht.

Also Sie sehen, meine Herren: Derjenige, der etwas wissen will über die Wirkung des Nikotins, der muß eben den ganzen Blutkreislauf und die Atmung genau kennen." (Lit.: GA 348, S. 254)

Doch das Rauchen ist viel weniger schädlich als der Alkohol, und bisweilen sogar hilfreich. "So, wenn Rudolf Steiner als selbstverständlich die völlige Enthaltung vom Alkohol voraussetzte, vom Rauchen jedoch sagte, es störe die okkulte Entwicklung nicht und halte im Gegenteil gewisse Dämonen fern, worüber ich lange nachdachte." (Rudolf Treichler: Wege und Umwege zu Rudolf Steiner. In: E.Beltle & K.Vierl [Hrsg]: Erinnerungen an Rudolf Steiner (2001), S. 261).

Der Name des Nikotins leitet sich von dem französischen Diplomaten und Gesandten am portugiesischen Hof Jean Nicot, sieur de Villemain (1530 in Nîmes; † 1604 in Paris) ab, der den Tabak als Heilpflanze nach Frankreich brachte, wo sich dadurch der Tabakkonsum schon sehr früh weit verbreitete.

Literatur

  • Rudolf Steiner: Über Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre, GA 348 (1997)
  • Werner Christian Simonis: Genuss aus dem Gift?, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1979
  • Rudolf Treichler: Wege und Umwege zu Rudolf Steiner. In: Erika Beltle/Kurt Vierl (Hrsg.): Erinnerungen an Rudolf Steiner, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2001, S. 261
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