Preis (Wirtschaft)

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Der Preis (mhd. prīs; von lat. pretium) ist der beim tatsächlichen Verkauf konkret realisierte Wert eines wirtschaftlichen Gut. Er wird üblicherweise in Geldeinheiten ausgedrückt, beim Tauschhandel bzw. Bartergeschäften hingegen direkt durch andere Waren mit eigenem Wert. In der freien Marktwirtschaft wird der Preis vorwiegend durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Volkswirtschaftlich entscheidend ist bei der Preisbildung nicht der Austausch der Güter als solcher, sondern der Austausch der damit verbundenen Werte, die sich beim Kauf und Verkauf konkret als Preis realisieren.

"Wenn wir irgendwo drinnenstehen im volkswirtschaftlichen Prozeß, und der volkswirtschaftliche Prozeß, ich möchte sagen, irgendwo beim Kauf und Verkauf sich abspielt, so haben wir im Kauf und Verkauf im wesentlichen Wertaustausch, Austausch von Werten. Sie finden keinen anderen Austausch als den von Werten. Eigentlich ist es falsch, wenn man von Güteraustausch spricht. Im volkswirtschaftlichen Prozeß ist das Gut, ob es nun modifiziertes Naturprodukt ist oder modifizierte Arbeit, ein Wert. Was getauscht wird, sind Werte. Darauf kommt es an. So daß Sie sich also sagen müssen: Wenn irgendwo sich Kauf und Verkauf abspielen, so werden Werte ausgetauscht. - Und dasjenige, was nun herauskommt im volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn Wert und Wert gewissermaßen aufeinanderprallen, um sich auszutauschen, das ist der Preis. Sie finden den Preis erscheinen niemals anders, als daß Wert an Wert stößt im volkswirtschaftlichen Prozeß. Daher kann man auch über den Preis gar nicht nachdenken, wenn man etwa an den Austausch von bloßen Gütern denkt. Wenn Sie einen Apfel um, ja, ich weiß nicht, sagen wir fünf Pfennige kaufen, dann können Sie ja sagen, Sie tauschen ein Gut aus gegen ein anderes Gut, den Apfel gegen fünf Pfennige. Auf diese Weise kommen Sie aber nie zu einer volkswirtschaftlichen Betrachtung. Denn der Apfel ist irgendwo gepflückt, ist dann befördert worden, es ist vielleicht um ihn herum noch manches andere geschehen. Das ist die Arbeit, die ihn modifiziert hat. Sie haben es nicht zu tun mit dem Apfel, sondern mit dem von Menschenarbeit veränderten Naturprodukt, das einen Wert darstellt. Und man muß immer ausgehen vom Wert in der Volkswirtschaft. Ebenso haben Sie es bei den fünf Pfennigen mit einem Wert und nicht mit einem Gut zu tun; denn diese fünf Pfennige sind doch wohl nur das Zeichen dafür, daß vorhanden ist in dem Menschen, der sich den Apfel kaufen muß, ein anderer Wert, den er eintauscht dafür." (Lit.: GA 340, S. 33f)

Rudolf Steiner hat in eine knappe Formel gefasst, wann ein im sozialen Sinn «richtiger Preis» vorliegt:

"Ich habe also in den «Kernpunkten der sozialen Frage» als Formel das Folgende angegeben: Ein richtiger Preis ist dann vorhanden, wenn jemand für ein Erzeugnis, das er verfertigt hat, so viel als Gegenwert bekommt, daß er seine Bedürfnisse, die Summe seiner Bedürfnisse, worin natürlich eingeschlossen sind die Bedürfnisse derjenigen, die zu ihm gehören, befriedigen kann so lange, bis er wiederum ein gleiches Produkt verfertigt haben wird. Diese Formel ist, so abstrakt sie ist, dennoch erschöpfend. Es handelt sich ja beim Aufstellen von Formeln eben darum, daß sie wirklich alle konkreten Einzelheiten enthalten. Und ich meine, für das Volkswirtschaftliche ist diese Formel wirklich so erschöpfend wie, sagen wir, der Pythagoräische Lehrsatz erschöpfend ist für alle rechtwinkeligen Dreiecke. Nur handelt es sich darum: ebenso wie man in diesen hineinbringen muß die Verschiedenheit der Seiten, so muß man unendlich viel mehr in diese Formel hineinbringen. Aber das Verständnis, wie man in diese Formel den ganzen volkswirtschaftlichen Prozeß hineinbringt, das ist eben Volkswirtschaftswissenschaft." (Lit.: GA 340, S. 82)

Zur Kritik

"Steiner hat einfach Unrecht, wenn er ganz oben meint, der Preis köme auf dem Markt durch Angebot und Nachfrage zustanden... Das ist nicht nur in modernen Volkswirtschaften nicht der Fall, es ist auch nie so gewesen... Tatsächlich wird im Unternehmen von je her eine Kostenkalkulation aufgestellt und ein Kostenpreis ermittelt. Dann schlägt der Unternhemer einen Gewinn auf entsprechend für ihn realistischer Weise ins Auge gefassten Gewinnerwartung, den er sich dann als Profit einstreicht. Dass Angeobt und Nachfrage den Preis direkt bestimmen, ist nur beim Buchmacher an der Börse so und bei einem noch einzuführenden Gleichgewichtszins." (Joachim Stiller)

Anmerkung dazu aus anthroposophischer Sicht

Natürlich bildet sich ein Marktpreis allüberall - jederzeit. Verknappung erhöht die Preise und Überproduktion senkt die Preise (siehe zu letzterem etwa den weltweiten Ölmarkt). Daneben gibt es aber noch den Preis des militärisch-industriellen Komplexes (und des öffentlichen Beschaffungswesens). Dieser bildet sich nie nach einem reinen Marktpreis, sondern wird tatsächlich beeinflusst durch vielerlei Lobbyabsprachen. Besonderheiten gibt es noch bei der monopolistischen und bei der oligopolistischen Preisbildung zu beachten. Auch z.B. der Bodenpreis kennt für gewöhnlich nur eine Richtung, nämlich den nach oben, da es sich bei ihm um ein nicht vermehrbares Gut handelt. Schließlich gibt es im nackten Kapitalismus noch den "Preis" der Ware Arbeitskraft. Hier hat Rudolf Steiner sehr recht, Arbeit kann man (im engeren Sinne) nicht bezahlen - sie ist unbezahlbar. Doch im nicht regulierten Kapitalismus kommt es immer wieder zu atypischen Preisbildungen der fälschlichen "Ware" Arbeitskraft, die im Normalfall zum "ehernen Lohngesetz" nach Lassalle tendiert. (Michael Heinen-Anders)

Anmerkung dazu aus goetheanistischer Sicht

"Letzteres ist vor allem dann der Fall, wenn die Gewerkschaften geschwächt sind und die Flächentarivferträge ausgehebelt werden. Das führt automatisch zu Dumpinglöhenen. Das ist einer der Gründe, warum eine "zu frühe" Einführung des Bedinungslosen Grundeinkommens (BGE) so verherrende Konsequenzen haben könnte, weil damit fast unweigerlich eine Aufhebung der Flächentarivferträge verbunden wäre. Das ist eine ökonomische Tatsache. Vielleicht ist gerade das einer der Gründe, warum das BGE nicht zuletzt auch von neolibaralen und wirtschaftsliberalen Kräften so nachhaltig propagiert wirid." (Joachim Stiller)

Siehe auch

Literatur

  • Rudolf Steiner: Die Kernpunkte der sozialen Frage (Edition Rudolf Steiner, Dornach 1996)
  • Rudolf Steiner: Nationalökonomischer Kurs, GA 340 (2002), ISBN 3-7274-3400-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Ulrich Baßeler/Jürgen Heinrich/Burkhard Utecht: Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, 19. Auflage, Schäffer Poeschel Vlg., Stuttgart 2010
  • Heinz J. Bontrup: Volkswirtschaftslehre - Grundlagen der Mikro- und Makroökonomie, R. Oldenbourg Vlg., München - Wien 2004
  • N. Gregory Mankiw/Mark P. Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 4. Auflage, Schäffer Poeschel Vlg., Stuttgart 2008
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