Urzelle des Wirtschaftslebens

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Die Urzelle des Wirtschaftslebens spricht sich nach Rudolf Steiner dadurch aus, dass jeder Mensch im Wirtschaftsleben in der Lage sein muss, für dasjenige, was er hervorbringt, so viel einzutauschen, dass er von dem Eingetauschten seine Bedürfnisse befriedigen kann, bis er ein gleiches Produkt wie das hervorgebrachte wieder hervorbringen kann. Daraus ergibt sich der in einer assoziativen Wirtsschaft festzulegende Preis für das Produkt. Eingerechnet muss dabei auch alles dasjenige werden, was abgegeben werden muss für jene, die nicht unmittelbar in der Gegenwart wirtschaftlich produktiv tätig sein können, z.B. für die Kinder und ihre Erziehung, für die Alten, Armen und Kranken usw.

„Diese Formel ist, so abstrakt sie ist, dennoch erschöpfend. Es handelt sich ja beim Aufstellen von Formeln eben darum, daß sie wirklich alle konkreten Einzelheiten enthalten. Und ich meine, für das Volkswirtschaftliche ist diese Formel wirklich so erschöpfend wie, sagen wir, der Pythagoräische Lehrsatz erschöpfend ist für alle rechtwinkeligen Dreiecke. Nur handelt es sich darum: ebenso wie man in diesen hineinbringen muß die Verschiedenheit der Seiten, so muß man unendlich viel mehr in diese Formel hineinbringen. Aber das Verständnis, wie man in diese Formel den ganzen volkswirtschaftlichen Prozeß hineinbringt, das ist eben Volkswirtschaftswissenschaft.“

Inhaltsverzeichnis

Die Urzelle der assoziativen Wirtschaft

" . . . In das Wirtschaftsleben hat sich hineingeschlichen dadurch gerade, daß der moderne Kapitalismus mit seiner Sehnsucht nach der Rente, der Konkurrenz des Kapitals, das Auf-den-Markt-werfen und Regeln nach Angebot und Nachfrage - es hat sich in dieses Wirtschaftsleben hineingeschlichen eine Verwaltungsart eben durch den Kapitalismus, die durch die Natur des Wirtschaftslebens nicht notwendig in diesem Wirtschaftsleben stehen muß. Denn was braucht man in diesem Wirtschaftsleben? Man braucht den Boden mit seiner Möglichkeit, Produkte für den Menschen hervorzubringen; man braucht im industriellen Wirtschaftsleben die Produktionsmittel; man braucht den Arbeiter an den Produktionsmitteln, den Handarbeiter auf der einen Seite, den geistigen Arbeiter auf der anderen Seite. Einzelne Menschen haben immer eingesehen, daß ein Wirtschaftsleben in sich vollendet ist, welches hat den Boden, welches hat den physischen und den geistigen Arbeiter. Deshalb haben stärkere Denker des Wirtschaftslebens, einer sogar, der in der Lage war, ein preußischer Minister zu werden, das Wort ausgesprochen: «Das Kapital ist das fünfte Rad am Wagen des Wirtschaftslebens.» Man kann sich nicht wegdenken aus dem Wirtschaftsleben den geistigen Verwalter der Produktionsmittel und des Bodens, man kann sich nicht wegdenken den physischen Arbeiter, man kann sich wegdenken, ohne daß die Wirtschaft gestört wird, das Wirken des Kapitals. Daß das eine volkswirtschaftliche Wahrheit ist, das empfindet der heutige Proletarier; er empfindet es durch das, was ihm das Wirtschaftsleben an Leib und Seele bringt. Was ist in einem Wirtschaftsleben drinnen, in dem wirklich nur dasjenige herrscht, was ich eben angeführt habe? Arbeit, geistige und physische und dasjenige, was die Produktionsmittel und der Boden liefern. Die Leistung entsteht, die notwendig macht im menschlichen Leben Gegenleistung, und es entsteht das Urgebilde des Wirtschaftslebens. Dieses Urgebilde des Wirtschaftslebens heute reinlich herauszuarbeiten, das ist vonnöten, damit soziale Erkenntnis möglich werde. Tritt der Mensch ein in das Wirtschaftsleben - er muß produzieren für sich und für die anderen Menschen. Das ist der Maßstab, daß er in seinen Leistungen sich und die anderen Menschen wirtschaftlich halten kann. Das ist die große Frage, so einfach sie klingt, für alles Wirtschaftsleben. Die große Frage für alles Wirtschaftsleben ist diese: Ich muß imstande sein, innerhalb des Wirtschaftslebens, welcher Art der Hervorbringung ich mich auch hingebe: - ich muß imstande sein, für dasjenige, was ich hervorbringe, so viel einzutauschen aus der übrigen Wirtschaft heraus, daß ich meine Bedürfnisse des Lebens aus dem Eingetauschten befriedigen kann, bis ich imstande bin, eine gleiche Produktion wie das Hervorgebrachte wieder hervorzubringen. Eingerechnet muß werden in dasjenige, was da in Betracht kommt, ich möchte sagen, als das Atom des Wirtschaftslebens, als das Urelement des Wirtschaftslebens, - eingerechnet muß werden alles dasjenige, was ich abgeben muß für die, welche nicht unmittelbar in der Gegenwart produktiv tätig sein können; eingerechnet muß werden alles dasjenige, was für die Kinder, für ihre Erziehung usw. notwendig ist; eingerechnet muß werden die Quote, die ich für Arme, Kranke, Witwen, als Altersunterstützung zu geben habe. Das alles ist einzurechnen in diese Urzelle des Wirtschaftslebens, die sich eben dadurch ausspricht, daß jeder Mensch im Wirtschaftsleben in die Lage kommen muß, für dasjenige, was er hervorbringt, so viel einzutauschen, daß er von dem Eingetauschten seine Bedürfnisse befriedigen kann, bis er ein gleiches Produkt wie das hervorgebrachte wieder hervorbringt. Man sieht es aber dieser Urzelle des Wirtschaftslebens an, daß sie nur geregelt werden kann, wenn sie in dem Kreislauf des Wirtschaftslebens nichts anderes drinnen hat, als die Leistungen selber; wenn man nichts anderes im Kreislauf des Wirtschaftslebens hat als dasjenige, was der einzelne arbeitet als seine Leistung, und was die anderen mit ihm als ihre Leistungen eintauschen können. Innerhalb dieses Kreislaufes des Wirtschaftslebens hat nicht Ort und Stelle all dasjenige, was man nennen kann «Kapital»; das dringt nur ein, um dieses Wirtschaftsleben zu stören und diesen Wirtschaftsprozeß zu verunreinigen. Der Wirtschaftsprozeß wird nur reinlich, wenn in ihm der durch das Leben aus seiner Urzelle des Wirtschaftslebens heraus gebotene Wertausgleich der Güter stattfinden kann..." (Aus einem Vortrag von Rudolf Steiner, Tübingen, 2. Juni 1919, zitiert nach Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Beiträge 103, S. 18f)

Aus dem Prinzip dieser Urzelle, wie sie Rudolf Steiner hier charakterisiert, ergibt sich keine Einkommensdifferenzierung wegen unterschiedlicher Leistungen aufgrund von Befähigung. Eine bessere Bezahlung eines besonders fähigen Mitarbeiters würde zu privater Kapitalbildung in der Hand dieses Mitarbeiters führen, wenn er es nicht einfach nur verschwendet für Luxusreisen usw. Er erhielte mehr für seine Arbeit, als er benötigt. Diese Kapitalweggabe aufgrund der Überbezahlung bedeutete auf der anderen Seite aber eine Verteuerung der Ware. Solche Kapitalbildung ginge daher zu Lasten der Gemeinschaft, und hat im eigentlichen Wirtschaftsprozeß aus der Urzelle heraus nichts zu suchen. Man staunt daher, daß z.B. Wolfgang Latrille eine Einkommensdifferenzierung von bis zu 1:10 vorschlägt[1]. Man kann solche Vorschläge nur als einen Rückfall in die Entgeltungsvorstellung bezeichnen, nach der ein Mitarbeiter danach bezahlt wird, was er dem Unternehmen wert ist, insofern seine Fähigkeiten knapp sind. Um einen fähigen Mitarbeiter nicht zu verlieren, zahlt man ihm mehr, als er für seinen Bedarf benötigt: Dadurch verteuern sich die Waren, die das Unternehmen anbietet, und auf der anderen Seite wird das Bankkonto des fähigen Mitarbeiters fetter: Das ist ein Vorgang, der zu falschen Preisen führt und das Wirtschaftsleben wenn nicht schädigt, so doch belastet.

„Dasjenige, was man heute ein Existenzminimum nennt, das ist noch immer auf das Lohnverhältnis hin gedacht. Diese Art des Denkens, die wird beim selbständigen Wirtschaftsleben nicht in derselben Weise stattfinden können. Da wird die Frage reinlich aus dem Wirtschaftsleben heraus gestellt werden müssen. Diese Frage wird sich dann so stellen, daß der Mensch, indem er irgendeine Leistung vollbringt, indem er irgend etwas hervorbringt, für diese Leistung so viel an anderen Menschheitsleistungen durch Austausch wird zu bekommen haben, als er nötig hat, um seine Bedürfnisse und die Bedürfnisse derjenigen, die zu ihm gehören, zu befriedigen, bis er ein neues, gleichartiges Produkt hervorgebracht hat. Dabei muß nur in Anrechnung kommen all das, was der Mensch für seine Familie an Arbeit und dergleichen zu leisten hat. Dann wird man eine gewisse, ich möchte sagen Urzelle des Wirtschaftslebens finden. Und dasjenige, was diese Urzelle des Wirtschaftslebens zu dem machen wird, was eben den Menschen seine Bedürfnisse wird befriedigen lassen, bis er ein gleichartiges, neues Produkt hervorbringt, das gilt für alle Zweige des geistigen und materiellen Lebens. Das wird so zu ordnen sein, daß die Assoziationen, die Koalitionen, die Genossenschaften von der Art, wie ich sie vorhin dargestellt habe, zu sorgen haben werden, daß diese Urzelle des Wirtschaftslebens bestehen kann. Das heißt, daß ein jegliches Produkt im Vergleich mit anderen Produkten denjenigen Wert hat, der gleichkommt den anderen Produkten, die man braucht zu Befriedigung der Bedürfnisse bis zur Herstellung eines neuen, gleichartigen Produkts. Daß diese Urzelle des Wirtschaftslebens heute noch nicht besteht, das beruht eben darauf, daß im Angebot und Nachfrage des heutigen Marktes zusammenfließen Arbeit, Ware und Recht und daß diese drei Gebiete in der Zukunft getrennt werden müssen im dreigeteilten, gesunden sozialen Organismus.“ (Lit.:GA 337a, S. 82f)

„Und gleichsam die Urzelle dieses Wirtschaftslebens, das nur auf Sachkenntnis und Fachtüchtigkeit gegründet sein soll, die Preisbildung, wie wird sie sich vollziehen müssen? Nicht durch den Zufall des sogenannten freien Marktes, wie es bisher in der Volkswirtschaft und in der Weltwirtschaft der Fall war! So wird sie sich vollziehen müssen, daß auf dem Boden von Assoziationen, die sachgemäß zwischen den einzelnen Produktionszweigen und den Konsumgenossenschaften entstehen, durch Menschen, die sachkundig und fachtüchtig aus diesen Genossenschaften hervorgehen, organisch das erreicht werde, vernünftig erreicht werde, was heute krisenhaft der Zufall des Marktes hervorbringt. Es wird in der Zukunft, wenn die Feststellung von Art und Charakter der menschlichen Arbeitskraft in den Rechtsstaat fällt, ungefähr innerhalb des Wirtschaftslebens sich zutragen müssen, daß der Mensch für irgend etwas, was er arbeitend vollbringt, so viel an Austauschwerten erhält, daß er seine Bedürfnisse dadurch befriedigen kann, bis er ein gleiches Produkt wieder hervorgebracht hat.“ (Lit.:GA 333, S. 85f)

„Man kann tatsächlich nichts anderes tun, als eine Umschichtung vornehmen im sozialen Leben, die es möglich macht, daß in der Zukunft tatsächlich Ware durch Ware sich reguliert, so daß ein genauer Index dasein wird, um den sich die Waren gruppieren in ihrem Wert. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, daß das, was der einzelne produziert, den Wert hat, welchen alle die Produkte haben müssen, die er braucht zu seiner Lebensgestaltung. Bei unserem arbeitsteiligen Organismus muß alle Sozialisierung ja darauf hinauslaufen, daß das, was der einzelne Mensch produziert im Verlauf des Jahres, gleichkommt dem, was er braucht für seine Lebenserhaltung. Werfen wir heraus das Lohn-, das Kapitalverhältnis, dann kriegen wir das reine Warenverhältnis. Das ist allerdings etwas, was ganz durchzudenken man sich entschließen muß. In dem Augenblick wird man finden, daß das ganz leicht ist.“ (Lit.:GA 337a, S. 51f)

„Sehen Sie, bei der heutigen Struktur der Gesellschaft läßt sich eigentlich gar nicht anders produzieren als im Hinblick auf den Profit. Das Prinzip, zu produzieren, um zu konsumieren, das muß erst geschaffen werden! Und von diesem Prinzip wird wiederum abhängen, ob in einer entsprechenden Weise Wege für eine Güterverteilung gefunden werden können. Es wird viel davon abhängen, daß man über einen großen Bereich hin, ich möchte sagen, eine wirtschaftliche Urzelle findet. Diese wirtschaftliche Urzelle - ich möchte wenigstens mit ein paar Worten kurz von ihr sprechen -, worin besteht sie denn? Geht man nicht vom Produzieren, sondern vom Konsumieren, von der Befriedigung der Bedürfnisse aus, so handelt es sich darum, daß wir erst zu einem praktikablen Ergebnis dessen kommen müssen, was im Sinne der Bedürfnisbefriedigung zu einer sachgemäßen Preisbildung führt. Das geschieht nämlich heute in anarchisch- chaotischer Weise durch Angebot und Nachfrage, und da steckt viel drinnen von der Unmöglichkeit, heute überhaupt zu etwas zu kommen. Mit der Formel von Angebot und Nachfrage wird man nicht zu dem Ziel kommen, zu produzieren, um zu konsumieren. Nicht wahr, um zu dem Ziel zu gelangen, ist es notwendig, daß das, was ich produziere, im Vergleich zu anderen Gütern so viel wert sein muß, daß ich dafür eintauschen kann, ganz gleich, wie sich der Tausch gestaltet, alle diejenigen Güter, die meine Bedürfnisse befriedigen bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich ein gleiches Produkt wie jetzt hervorgebracht habe. Dabei muß dann alles das mit eingerechnet werden, was man als Beitrag zu leisten hat für diejenigen, die zur Zeit nicht unmittelbar selbst produzieren können, also für Kinder, die erzogen werden müssen, für Arbeitsunfähige und so weiter. Wovon man also ausgehen muß, das ist, sich klar zu werden über diese wirtschaftliche Urzelle. Erst dadurch wird es möglich, auf wirtschaftlichem Boden eine gerechte Preisbildung zu erreichen, so daß man dann in der Zukunft nicht wiederum, wenn man auf der einen Seite mehr verdient, auf der anderen Seite mehr ausgeben muß, weil die Dinge selbstverständlich unter dem Einfluß des Mehrverdienstes teurer werden.“ (Lit.:GA 331, S. 128f)

Die praktischen Erfahrungen mit den Urzellen und den Preisen, die sich bilden, würden dann auch eine Pauschalisierung ermöglichen, was ein Mensch generell durchschnittlich bei gegebenen Wirtschaftsverhältnissen an Einkommen benötigt, um seinen Bedarf zu decken:

„Daß aber ein wirklich auf sich selbst gestelltes Wirtschaftsleben erst recht sorgen kann für Witwen und Waisen und so weiter, das habe ich in meinem Buche «Die Kernpunkte der Sozialen Frage» des breiteren ausgeführt. Ich habe es sogar vorhin schon angedeutet, daß eingerechnet werden muß in die wirtschaftliche Urzelle dasjenige, was ein jeder als Quote beizusteuern hat zu dem, was Witwen und Waisen, überhaupt sonstige nicht arbeitsfähige Menschen - wie in meinem Buche ausgeführt ist, auch für die Kinder, für die ich das Erziehungsrecht in Anspruch nehme -, zu bekommen haben. Der Maßstab dafür wird sich ergeben einfach aus der Lebenshaltung der übrigen Personen. Da man mit der wirtschaftlichen Urzelle einen Maßstab hat für die Lebenshaltung einer Person nach dem bestehenden wirtschaftlichen Gesamtwohlstande, so ist damit zu gleicher Zeit auch die Möglichkeit gegeben, einen Maßstab zu schaffen für das Leben derjenigen, die wirklich nicht arbeiten können.“ (Lit.:GA 337a, S. 91)

Es ist nicht ganz klar, ob Steiner hier mit dem Maßstab der Lebenshaltung "einer" Person, den Bedarf der einen leistungerbringenden Person für sich allein, im Unterschied zum Familienbedarf verstehen will, oder einen durchschnittlichen Familienbedarf. Sollen die Preise sich nicht aus Angebot und Nachfrage ergeben, sondern entsprechend den Bedarfen sich bilden, wird für die Regelung allerdings dann eine gewisse Pauschalierung notwendig werden, die von Steiner hier angedeutet ist. Es könnte da dann auch unterschiedliche Einkommensstufen oder -klassen geben. Eine unterschiedliche Entlohnung aufgrund unterschiedlicher Befähigung und daher anderem Leistungsausmaß läßt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Komponenten von Bedarf, Zeitbedarf, Leistung und Preis

Gemäß dem Konzept der Urzelle hat man zum Verständnis der Entstehung der Preise zunächst diese Urzelle selbst näher zu untersuchen, und nicht etwa z.B. Auswirkungen von Gesamtangebot einer Ware oder nachgefragtem Bedarf. Diese gehören zu den Faktoren, die auf die Urzelle einwirken, und erst über diese Einwirkung einen Einfluß auf den Preis einer Ware haben können.

Genauso hat die Bewertung einer Leistung in ihrer Inanspruchnahme zunächst keine Bedeutung für den Preis, da dieser sich aus Bedarf und Zeitbedarf für die Hervorbringung der Leistung ergibt. Wenn durch die Fähigkeit des Leistungserbringers die benötigte Zeit für die Produktion sich verringert, dann wird dadurch eine Ware nicht teurer, sondern billiger.

Bedarf

Der Bedarf besteht nicht nur in dem, was der Leistungserbringer für seinen Lebensunterhalt benötigt, sondern es gehört dazu auch der Unterhalt der Angehörigen, der abhängigen Familie. Man macht sich die Dimension dieser Preiskomponente nicht richtig klar, wenn man unter Mißachtung des Prinzips der Urzelle z.B. Krankenversicherung auf den Preis fiktiv aufschlägt, gewissermaßen, nachdem er schon der Urzelle entsprungen ist, ihn im Nachherein manipuliert. Der Aufpreis für eine Krankenversicherung kann nur ein Äquivalent sein für dasjenige am Bedarf, was für den Leistungserbringer wegen Krankheitsmöglichkeit veranschlagt werden muß.

Desgleichen entsteht auch die Preiskomponente für die Alterssicherung in der Urzelle selbst, und wird nicht im nachherein aufgeschlagen. In einer unentwickelten Wirtschaft gehören zur Familie auch die Kranken und Alten. Der Leistungserbringer muß für seine Ware einen Preis erhalten, der nicht nur die Kinder, sondern auch die nicht mehr tätigen Großeltern, sowie auch den beschäftigten Auszubildenden, und z.B. einen behinderten Onkel, der mit in der Familie lebt, ernähren kann.

Arbeiten im wirtschaftlichen Sinne (d.h. für familienfremden Bedarf) in solch einer Lebens- bzw. Hausgemeinschaft zwei Personen, dann erhöht sich dadurch selbstverständlich keineswegs der Bedarf für den Lebensunterhalt dieser Familie, abgesehen von den direkt produktionsbezogenen Bedarfen[2]. Wenn die Partnerin eines Schusters Kleider herstellt, und die Familie daher nicht nur Schuhe produziert, sondern Schuhe und Kleider, sind dadurch die Preise für Schuhe und Kleider verbilligt.

Ein differenzierter Bedarf, wie Wolfgang Latrille ihn vorschlägt, macht allerdings dann Sinn, wenn man bedenkt, dass der gebildetere Angestellte andere kulturelle und bildungsmäßige Interessen hat, als der vergleichsweise ungebildete angelernte Arbeiter. Zudem benötigt der qualifizierte Angestellte, über seinen Beruf hinaus auch einen Mehr-Bedarf für die notwendige Fortbildung und die Erlangung beruflicher und allgemeiner Information (z.B. durch Zeitungen und Zeitschriften). [3]

Zeitbedarf

Gemäß diesem Konzept der wirtschaftlichen Urzelle ist der Preis einer Ware umso höher, je mehr Zeit für ihre Produktion benötigt wird. Dafür ist es zunächst unerheblich, ob durch andere Produzenten die Ware billiger produziert werden kann, weil sie weniger Zeit dafür benötigen. Wenn der Schuster für ein paar Schuhe eine Woche benötigt, wird der Preis für diese paar Schuhe dem Bedarf für eine Woche Lebensunterhalt entsprechen müssen. Dabei ist es völlig egal, ob andere Schuster für das betreffende Wirtschaftsgebiet Schuhe gleicher Qualität an einem Tag schaffen können. Wenn man nun meint, ein Preis für die Schuhe, der 1 Woche Lebensunterhalt entspricht, sei zu hoch, worauf könnte sich so ein Urteil gründen?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, hat sich aber strikt am Prinzip der Urzelle zu orientieren, und nicht etwa an der Beobachtung, daß die Nachfrage nach preisgünstigen Schuhen höher ist als diejenige nach teuren.

Ein Grund dafür, daß der Schuster eine ganze Woche für ein paar Schuhe benötigt, könnte sein, daß der Schuster in Teilzeit arbeitet. Er arbeitet z.B. nicht wie die anderen Schuster "Vollzeit", angenommen 40 Stunde die Woche, sondern nur ein 1/7 davon, ca. 6 Stunden die Woche.

Fall 1. Die übrigen 6/7 verwendet der Schuster auf ein anderes Produktionsgebiet, er ist nämlich auch Schneider. Als Schneider arbeitet er ca. 34 Stunden die Woche.

Fall 2. Da der Schuster im fortgeschrittenen Alter ist, etwas altersschwach, kann er nicht mehr so schnell arbeiten wie in den besten Jahren. Er braucht die doppelte Zeit wie früher, arbeitet aber weiterhin "Vollzeit".

Fall 3. Da der Schuster im fortgeschrittenen Alter ist, etwas altersschwach, kann er nicht mehr 8 Stunden pro Tag arbeiten, er arbeitet 5 Tage á 4 Stunden, "Teilzeit", aber so schnell wie früher. Das Paar Schuhe ist nach einer Woche fertig wie in Fall 2.

Fall 4. Der Schuster ist jung und arbeitet auch am Wochenende sowie abends, insgesamt 100 Stunden die Woche. Das paar Schuhe ist gleichwohl erst in einer Woche fertig, da der Schuster das Produktionsverfahren während der Produktion der Schuhe optimiert.

Fall 5. Der Schuster benötigt 3,5 Tage für die Produktion der Schuhe. In den übrigen 3,5 Tagen widmet er sich der Aufgabe, das Produktionsverfahren zu optimieren, produziert in dieser halben Woche also keine Schuhe.

Fall 6. Der Schuster arbeitet nicht wie gewöhnlich 40 Stunden die Woche, sondern eine Zeitlang 80 Stunden die Woche, und lagert die zusätzlich produzierten Schuhe. Nach einem Jahr stehen 52 paar Schuhe im Lager. Im folgenden Jahr läßt er die 52 Paar von einem Händler abholen, und widmet sich ausschließlich der Kindererziehung, sowie Renovierung der Privatwohnung und dergleichen.

Fall 7. Wie 6, jedoch ohne private Haushaltsproduktion, und statt dessen 1 Jahr "Sabbatical".

Fall 8. Wie 7, jedoch anstatt 80 Stunden, arbeitet der Schuster nur 40 Stunden, es gibt also keine zusätzlichen 52 Paar, die ein Händler abholen kann. Trotzdem gönnt sich der Schuster ein Jahr sabattical.

Fall 9. Der Schuster hat einen Sohn, der im Betrieb mitarbeitet, der aber, obwohl fleißig, nicht sonderlich befähigt ist, sodaß ein Teil der Schuhe mit Fehlern behaftet sind, die in der Folge zum Schuster zwecks Reparatur zurückgebracht werden.

Leistung

Der oben angegebene Fall 9 ist von besonderem Interesse, weil an ihm deutlich wird, daß der Preis der Schuhe einmal vom Bedarf abhängt (denn durch die Zugehörigkeit des minderbefähigten Sohnes zur Familiengemeinschaft muß der Preis der Schuhe höher sein), als auch von der Leistung, die sich aus angewendeter Fähigkeit ergibt (die Minderleistung des Sohnes führt dazu, daß der Schuster generell seine Schuhe etwas teurer machen muß.)

Man könnte dies auf die Formel bringen, daß Bedarf und Leistung sich gegenseitig aufheben. Je höher die Leistung, desto geringer fällt der Bedarf aus. Nimmt man den Bedarf für den Lebensunterhalt für konstant an, ergibt sich ein Überschuß, wenn die Leistung höher ausfällt. Dies führt zur Bildung von Kapital. Die im Fall 6 aufgelagerten 52 paar Schuhe sind solches Kapital. Im Fall 4 kommt es durch die Verbesserung des Produktionsverfahrens zur Kapitalbildung. Im Fall 5 an sich genauso, jedoch wird es durch entsprechend höheren Bedarf wieder aufgebraucht, was in Fall 4 nicht der Fall ist.

Man kann bei solchen Überschüssen, die das Wort Leistung im eigentlichen Sinne erst verdienen (Überschuß-Leistung = Leistung - Bedarf) noch nicht von der Produktivkraft des Kapitals als solcher sprechen, denn dieses wird zunächst nur erst gebildet. Ist aber das bessere Produktionsverfahren für Schuhe erst einmal etabliert, generiert es dauerhaft (Überschuß-)Leistungen. Dies sind dann Leistungen des Kapitals, und nicht etwa die des Schusters, dessen Leistungen diesbezüglich mit Fertigstellung des Produktionsverfahrens abgeschlossen sind.

Problematisch wird es dann, wenn die Hauptleistung zur Erzeugung eines Wirtschaftsgutes auf Maschinen, Roboter und dergleichen übergeht. Die individuelle Leistung des Arbeiters ist so immer schwerer feststellbar, auch wird die Notwendigkeit zur Beschäftigung von Arbeitern mit gestiegener Produktivität immer weiter abnehmen. Daher wurde seitens von Gewerkschaften eine sogenannte Maschinensteuer angedacht. Doch der internationale Wettbewerb verhinderte bislang solche Ansätze. Dies ist einer der Hauptgründe weshalb heute vielfach ein Bedingungsloses Grundeinkommen angedacht wird.

Preis

Lohn und Preis im kapitalistischen System

Die Eigentümer eines typischen kapitalistischen Wirtschaftsbetriebes betrachten das Kapital, das aus Überschuß-Leistungen von Mitarbeitern gebildet wird, als ihr Eigentum, und verwenden es mit privater Verfügungsgewalt, soweit keine rechtlichen Einschränkungen gegeben sind. Soweit die Gewinne nicht als Investition im Betrieb bleiben, können sie den Eigentümern als Einkommen zukommen, oder sonstwie verwendet werden (Gründen einer Stiftung, Parteispenden, Förderung der Kunst etc). Auch der Staat bezieht zwangsweise aus solchen Überschüssen Gelder.

Entgegengesteuert wird dem in der etablierten Wirtschaftsordnung durch das Spiel von Angebot und Nachfrage in Verbindung mit dem Konkurrenzkampf. Der Versuch, am Markt zu bestehen, führt (zumindest im Ideal-Modell des vollkommenen Marktes) dazu, daß die eigenen Produkte möglichst billig abgegeben werden, um die Konkurrenz zu unterbieten.

Durch solche Verbilligung der Waren fließt Kapital an die Konsumenten ab. Auf der anderen Seite fließt Kapital ab durch bessere Bezahlung der Mitarbeiter. Würden diese entsprechend ihrer Leistung bezahlt, entstünde im Unternehmen deswegen keinerlei Kapital. Es wird also im Interesse der Eigentümer, oder gemäß anderen wirtschaftlichen Gesichtspunkten, dem Mitarbeiter nicht die volle Leistung entgolten. Dennoch gilt die Regel, daß je höher die (Überschuß-)Leistung, ein Mitarbeiter umso besser bezahlt wird. Man denkt sich die Arbeit auch als durch Angebot und Nachfrage geregelt, und ein Mitarbeiter hat einen "Preis", nämlich den, den ein anderes Unternehmen bereit wäre zu zahlen, um den Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Aus diesem Konglomerat von Fakten, Werten, Einstellungen und rechtlichen Regelungen ergibt sich die Vorstellung vom Lohn gemäß Leistung, bzw. die Idee der Beteiligung der Mitarbeiter am Überschuß der Leistungen je nach ihrem "Verdienst", und ihre erzwungene Umsetzung. Im Idealmodell der "freien Marktwirtschaft" führt dies zu optimaler Allokation, gerechten, angemessenen Preisen für Waren, und gerechten, angemessenen Einkommen.

Man muß daher die Entlohnung nach Leistung als Bestandteil eines Wirtschaftens innerhalb eines solchen kapitalistischen Systems ansehen, in dem die Preisbildung durch das Spiel von Angebot und Nachfrage auf den Märkten geregelt wird. Im Interesse des eigenen Profits bzw. aus wirtschaftlicher Überlebensnotwendigkeit sucht man Preise und Löhne zu manipulieren, um über den Bedarf hinaus zu konsumieren, um besser dazustehen als die Konkurrenz, oder um für die Zukunft vorzusorgen.

Lohn und Preis gemäß der wirtschaftlichen Urzelle

Einkommen und Warenpreise

In einer assoziativen Wirtschaft gemäß der Dreigliederungsidee des sozialen Organismus gibt es Arbeitslohn im Sinne einer preismäßigen Bezahlung des Einkaufs von Arbeit als Produktionsfaktor nicht mehr. Gegen die Weiterverwendung der Bezeichnung "Lohn" für das Einkommen, das ein am Wirtschaftsleben teilnehmender Produzent, oder auch "Gehalt", erhält, spricht aber nichts, soweit man sich darüber klar ist, daß darunter keine bezahlten Preise zu verstehen sind.

Wenn man an einem "Leistungslohn" festhalten will, dann kann das nur dadurch möglich sein, daß man den über den eigentlichen Bedarf hinausgehenden Betrag als eine Zahlung ansieht, die aus anderen Gründen gezahlt wird, nicht für eine erbrachte Leistung. Man muß sich dann aber darüber im Klaren sein, daß solche Zahlungen dazu führen, daß andernorts weniger Geld da ist.

Genauer ist zu untersuchen, inwieweit solche monetären Rückübertragungen der Leistungsüberschüsse von Mitarbeitern sich auf die Preisbildung auswirken, bzw. wie Verfälschungen der Preise durch solche Kapitalübertragungen vermieden werden können.

Generell ist mit solchen Übertragungen natürlich eine Verteuerung der Waren verbunden. Das ist aber auch sonst der Fall, wenn ein gebildetes Kapital nicht in niedrigere Preise abfließt, und insofern eigentlich unproblematisch. Es besteht jedoch die Besonderheit, daß durch solche höheren Einkommen als der Bedarf die Überschußleistungen von produzierenden Mitarbeitern wieder (teilweise) rückgängig gemacht werden. Es wird dadurch dem jeweiligen Betrieb und allgemein dem Wirtschaftsleben genau dort Kapital entzogen, wo es gebildet wird. Die Produktionsleistung eines Mitarbeiters wird durch seine Bezahlung über den Bedarf des Lebensunterhalts hinaus aus dem Wirtschaftsleben wieder hinausgestoßen.

Auf der anderen Seite hat ein Mitarbeiter, dem ein solches über seinen Bedarf hinausgehendes Einkommen zukommt, einen monetären Kontozuwachs. Dieses Geld ist da dann zunächst einmal nicht wirtschaftendes Kapital, sondern aus dem Wirtschaftsleben herausgefallen. Es wurde dem Betrieb aus Gründen entzogen, die keine wirtschaftlichen sein können.

Man muß daher zunächst ganz allgemein einen gewissen Schaden konstatieren, den die Wirtschaft erleidet (inwieweit dieser Vorgang ein vertretbarer ist, durch einen später eintretenden kompensatorischen Prozeß, hängt dann von der Verwendung des Zahlbetrages durch den Mitarbeiter ab). Aber wie wirkt sich dieser wirtschaftsfremde Zahlvorgang auf die Preisbildung aus?

Man hat gewöhnlich bei solcher Praxis im Unternehmen eine Hierarchie vorliegen, die durchaus auch gewollt sein kann. Je höher die Befähigung eines Mitarbeiters, desto mehr Befugnisse, auch Weisungsbefugnisse, wird man ihm im Betrieb übertragen. Es ist damit ein gewisser Status, eine Reputation usw. verbunden, die sich auch im Gehalt spiegelt. Die Vorstandssekretärin wird besser bezahlt als der Lagerarbeiter an der Rampe. Die Überprüfung, welchen Anteil der einzelne Mitarbeiter am Unternehmenserfolg hat, wird dabei üblicherweise gar nicht erst versucht.

Will man die Preise aus der Urzelle hervorgehen lassen, wäre es aber dann doch genauer zu untersuchen, welchen Leistungsbeitrag der einzelne Mitarbeiter erbringt. Lagerarbeitern will man aber von vornherein gar nicht erst im erörterten Sinne besondere Extrazahlungen zukommen lassen. Diese werden umso mehr gewährt, je höher die Position im Unternehmen ist. Denn nur das kann sich ein Unternehmen leisten. Würden Extrazahlungen auf alle Mitarbeiter ausgedehnt, wie sie an den angeblich besonders befähigten und außerordentliche Leistungen erbringenden Vorstand gezahlt werden, könnte der Betrieb nicht weiter funktionieren.

Wie will man die richtige Höhe solcher wirtschaftsfremden Zahlungen, die man dem Vorstand, Abteilungsleitern usw. gewährt, bestimmen können? Dies ist in keiner Weise möglich, da es nur Zahlungen aus den Überschüssen des Unternehmens sein können, nicht jedoch Zahlungen, die sich aus der Urzelle heraus ergeben. Diese hat gar nicht die Möglichkeit, einen Leistungslohn zu fixieren, sondern kann sich nur danach richten, was ein Mitarbeiter an Bedarf für Lebensunterhalt hat.

In willkürlicher Weise wird einigen Mitarbeitern mehr gezahlt, als sie zum Unterhalt benötigen, und das Geld wird aus dem allgemeinen Gewinn des Unternehmens genommen. Durch solchen Vorgang ist der Betrieb nicht mehr in der Lage, aus seinem Wirtschaften heraus gerechte Preise für seine Waren zu bestimmen. Die Preise müssen nicht nur höher sein, sondern sie sind geradezu willkürlich erhöht, je nach dem, was sich der Vorstand usw. an Extrazahlungen zukommen lassen zu können meint. Die Preisbildung durch die Urzelle ist auf Betriebsebene in dem gleichen Sinne ausgehebelt oder jedenfalls gestört, wie sie durch einen nicht leistungsbereiten, faulen Mitarbeiter in der Urzelle direkt gestört wird.

Ein Unternehmen, das die beschriebenen Extrazahlungen[4] an Mitarbeiter tätigt, arbeitet nicht ordentlich, genauso wie ein fauler Mitarbeiter nicht ordentlich arbeitet. Solche faulen Wirtschaftsbetriebe müssen in ihrer Minderleistung, die aus den beschriebenen, wirtschaftlich nicht gerechtfertigten Rückübertragungen resultieren, durch die allgemeine Wirtschaft mitgetragen werden. Es sind Betriebe, die sich erlauben, willkürlich Kapital der Wirtschaft zu entziehen, und nach Gutdünken versuchen, diese Beträge auf die Preise aufzuschlagen.

Da solche Unternehmen, die nicht die Einkommen nach Bedarf herausgeben, ihre Preise willkürlich setzen müssen, können die entsprechenden Preissignale von den Assoziationen, die die Preisverhältnisse zwischen den Waren überwachen und regelnd eingreifen, nicht richtig eingeschätzt werden. Je mehr solcher faulen Unternehmen in einem Wirtschaftsgebiet tätig sind, desto schwieriger wird es für die assoziative Wirtschaft insgesamt, für gerechte Preise zu sorgen[5].

Nun hat allerdings Rudolf Steiner selbst Überlegungen angestellt, die auf eine Orientierung des Einkommens an der erbrachten Leistung (im Sinne des "Wertschöpfungsbeitrags", wie es Strawe formuliert) hinauslaufen könnten (vgl. dazu den genannten Aufsatz von Strawe 1994).

"Durch soziale Einrichtungen, die in der Richtung des hier Dargestellten liegen, wird der Boden geschaffen für ein wirklich freies Vertragsverhältnis zwischen Arbeitleiter und Arbeitleister. Und dieses Verhältnis wird sich beziehen nicht auf einen Tausch von Ware (beziehungsweise Geld) für Arbeitskraft, sondern auf die Festsetzung des Anteiles, den eine jede der beiden Personen hat, welche die Ware gemeinsam zustande bringen." (Lit.: GA 023, S. 99)

(Festsetzung des Anteiles kann sich hier sowohl auf die Bedarfsanteile gemäß Urzelle, als auch auf die Leistungsanteile am gemeinsamen Produkt (Gewinnanteil) beziehen. Auf das andere Zitat, das Strawe in seinem Aufsatz (1994) anführt (S. 8f.), wo in den Ausführungen Steiners anscheinend diese Zweideutigkeit verlassen wird und plädiert wird für eine, man muß schon sagen, zumindest teilweisen Bezahlung nach Leistungsanteilen, wird unten unter Punkt 3.3.2 (Varianten von Leistungslöhnen und ihre Folgen) noch ausführlich eingegangen werden.)

Dies setzt allerdings zunächst einmal voraus, daß die Leistungsanteile, die in einer gemeinsam erbrachten Produktion enthalten sind, auch zugerechnet werden könnten. Aber auch wenn das möglich sein sollte, widerspricht es dem Prinzip der Urzelle, nämlich eine Leistung entsprechend so zu bezahlen, daß sie vom Mitarbeiter erneut erbracht werden kann, d.h. gemäß Deckung seines Bedarfs. Das Einkommen gemäß einem Wertschöpfungsbeitrag zu geben, steht dazu im Widerspruch. Wenn es aber möglich wäre, gemäß Wertschöpfungsbeitrag zu zahlen, würde dies notwendig kompensatorisch zu den höheren Einkommen für Mehrleister, ein geringeres Einkommen für Minderleister bedingen. Die Preise, die das Unternehmen bei einer solchen internen Verteilung für seine Waren festsetzen muß, stimmen dann mit den Preisen, die sich aus der Einkommensgabe nach Bedarf ergeben, überein, worauf auch Strawes Argumentation und die anderer Vertreter einer Leistungskomponente des Einkommens hinausläuft.

Es ist jedoch schwer zu sehen, wie bei Zugrundelegung solcher Wertschöpfungsbeiträge die Preisbildung noch funktionieren soll, da ja die Bestimmung der Wertschöpfung und der jeweiligen Mitarbeiteranteile die Preise, die die richtigen für die Waren sind, schon voraussetzt.

Da kommt wieder die Vorstellung in die Überlegungen hinein, daß ein Unternehmen am Markt einen Gewinn erziele, und das Erträgnis dann an die Mitarbeiter verteilt würde. Das Unternehmen hätte sich also vom Markt die Preise bestimmen lassen (Rückfall in die Angebot/Nachfrage-Steuerung). Man kann dies nur als eine logische Inkonsequenz ansehen, wenn es nicht gar bei näherer Untersuchung dem Prinzip der Urzelle als Preisbildner fundamental widerspricht und damit auch der assoziativen Wirtschaft.

Abgesehen davon, daß gezahlte Leistungseinkommen nicht so recht zur Urzelle passen wollen, sich aus ihr nicht ableiten lassen, was darauf hindeutet, daß es sich um nicht wirtschaftsbedingte Zahlungen handelt, entsprechen sie bzw. der über den Bedarf hinaus wegen Leistung gezahlte Betrag dem von Rudolf Steiner kritisierten Selbstversorgerprinzip, wie sich leicht zeigen ließe, und widersprechen darüber hinaus dem Gebot der Trennung von Arbeit und Einkommen (Soziales Hauptgesetz). Vgl. auch GA 340, S. 98: "Und wir dürfen nicht sagen, dass da unmittelbar im Arbeitsverhältnis ein Mehrwert entstünde." Woraus sich eindeutig ergibt, daß ein Leistungsüberschuß nicht bezahlt werden kann. Man kann da nur in die Richtung überlegen, ob nicht die angestellten Arbeiter in gewissen Hinsichten Mitunternehmer sind, sich selbst gewissermaßen im Betrieb angestellt haben. Ist man der Auffassung, der Unternehmer könne über den Betriebsgewinn als Eigentümer der durch den Betrieb realisierten Werte verfügen, indem er sich die entsprechenden Beträge auf sein privates Konto auszahlen läßt, würden dann Arbeitern als Mitunternehmern ebenso entsprechende Gewinnbeträge auf ihr privates Konto transferiert werden können, entsprechend den zustehenden Anteilen am Betriebsgewinn. Man muß solche Zahlungen aus dem Gewinn dann aber strikt unterscheiden von allem, was in der Urzelle an Preisbildung vorgeht und in Bedarfseinkommen resultiert. Und es ist jeder der Wirtschaft entzogene Betriebsgewinn ein Störfaktor für die Preisbildung, was schon implizit angedeutet wurde, andernorts aber noch näher ausgeführt werden wird. Indem man die Mitarbeiter zu Mitunternehmern macht, wird eine schlechte Sache, nämlich Gewinnausschüttung, nicht besser. Noch nicht einmal den guten Aspekt der gerechteren Verteilung kann man darin sehen, da sich ein Maß der gerechten Zuteilung nicht finden lassen wird. Ist ein auszuschüttender Gewinn gegeben, scheint ein gleicher Anteil für jeden Mitarbeiter inkl. dem Unternehmer selbst das einzig moralisch vertretbare zu sein. Das Problem, daß der Gewinn der Wirtschaft entzogen wird und nicht für Investitionen zur Verfügung steht, ist damit nicht gelöst, und dieses läßt sich nur dadurch lösen, daß eben kein Gewinn ausgeschüttet wird, denn es ist nicht möglich, betriebswirtschaftlich eine richtige Höhe zu bestimmen, bzw. sie kann betriebswirtschaftlich nur Null sein[6]. Volkswirtschaftlich darf sie nur Null sein, weil sonst die Waren des Betriebes überteuert sind, es sei denn, sie würde von den Assoziationen gewährt. Den Betrieben nach gewissen Gesichtspunkten gewährte Quoten von ihrem Gewinn zur Auszahlung auf private Konten könnte ein gangbarer Weg sein, solche Ausschüttungen in die Preisbildung zu integrieren, wie ja auch sonst auf die Preise so einiges wird aufgeschlagen werden müssen. Solche wirtschaftsfremden Vorgänge müssen aber insbesondere in ihrer Höhe der Willkür von Betriebseigentümern entzogen bleiben, da Kapital ausschließlich im Interesse des Gemeinwohls zu verwenden ist.

Der Ansatz, die Angestellten zu Mitunternehmern und eventuell auch Miteigentümern zu machen, führt dann weiter in die Richtung, auf die Unterscheidung zwischen Unternehmer und Arbeiter ganz zu verzichten. Dies löste auch das Problem des Wertetausches im Betrieb und die im Grunde unplausible Lösung Steiners für diesen, der Arbeiter verkaufe zwar nicht seine Arbeitskraft, sondern das Produkt derselben an den Unternehmer. Will man die Kritik zurückweisen können, wo denn da praktisch der Unterschied sei, wird es wohl darauf hinaus laufen zuzugestehen, daß es da um eine reichlich fiktive Sache geht, weshalb es auch noch keinem Dreigliederer bisher gelungen ist, diesen fiktiven Wertetausch zu beziffern, ohne Arbeit dann implizit doch wieder zur Ware zu machen.

Die Ursachen dieser Schwierigkeiten liegen wohl in dem eigentumsrechtlichen Unternehmer-Arbeiter-Verhältnis, das Steiner nicht damit aus der Welt geschafft hat, daß er die Umbenennung in Arbeitsleiter und Arbeitsleister vorschlug. Aus diesem rechtlichen Verhältnis quillt der Warencharakter der Arbeit heraus, und das läßt sich nicht mit fiktiven Überlegungen aus der Welt schaffen. Das Unternehmer-Arbeiterverhältnis im eigentumsrechtlichen Sinne wäre abzuschaffen, und daraus ergäbe sich dann der Wegfall des Warencharakters der Arbeit von allein, könnte man als These aufstellen. (Vgl. auch [7]).

Der Zusammenfall von Unternehmer und Arbeiter in eine Person ist bei den Solo-Unternehmern, d.h. Unternehmern ohne Angestellte, exemplarisch gegeben. Besonders aufschlußreich dürfte der Charakter von Dienstleistungen sein, die, je nachdem, besondere Aspekte des Warencharakters (bzw. des Nichtgegebenseins desselben) von Arbeit bzw. deren Produkten beleuchten. Vgl. auch Freier Mitarbeiter, Subunternehmer und Scheinselbständigkeit.

Da es hier lediglich darum geht, das Nichtzusammenpassen von Leistungseinkommen und Bedarfseinkommen gemäß Urzelle und die Folgen für die Preisbildung zu erörtern, kann das Thema Warencharakter der Arbeit hier nicht weiter verfolgt werden. Es ist aber z.B. wohl nicht allzu weit hergeholt, daß, wenn denn tatsächlich der Arbeiter dem Unternehmer sein Arbeitsprodukt verkauft, daß in diesem Arbeitsprodukt auch die Weisungsbefugnis und Befehlsgewalt, also ein Recht, enthalten sein müßte, denn der Arbeitgeber bezahlt den Arbeiter insbesondere auch dafür, ihn kommandieren zu dürfen. In diesem Sich-Kommandierenlassen liegt eine Leistung des Arbeiters. Arbeiter, die sich nicht darauf verstehen, werden entlassen bzw. gar nicht erst eingestellt. Aber wie kann diese Leistung eine Ware sein? Deshalb scheint der Versuch, das Arbeitsverhältnis im Betrieb so darzustellen, daß der Arbeiter sein Produkt verkaufe, nicht tragfähig zu sein, es sei denn, man wollte so etwas wie die Bereitschaft, sich kommandieren zu lassen, als Ware, bzw. Dienstleistung ansehen.

Einkommen und Bedarf

Die Preisbildung in der Urzelle geschieht gemäß der Bedarfe, für die Einkommen gegeben wird. Dadurch, daß für die Bedürfnisse ein Einkommen gegeben wird, können Leistungen erbracht werden. Bei den Überschußleistungen handelt es sich um die eigentliche Wertschöpfung, Kapitalbildung. Diese Leistungen liegen den Preisen zugrunde. Sie können daher nicht umgekehrt durch vorausgesetzte Preise bestimmt werden, wie sie Vertreter eines Leistungslohns annehmen müssen.

Dies gilt auch für die interne Verteilung innerhalb eines Unternehmens. Wenn der Gesamtleistungsbetrag eines Unternehmen nicht via erzielte Preise von außen bestimmt sein soll, dann ist auch die interne Verteilung in keiner Weise durch Leistungsbeiträge bestimmt, sondern ausschließlich durch den von den Mitarbeitern geltend gemachten Bedarf. Einen nicht vorhandenen Kuchen kann man nicht in berechtigte Anteile aufteilen[8]. Eine Einkommensdifferenzierung innerhalb des Unternehmens, die sich nicht an den Bedarfen orientiert ist nur möglich, wenn die Warenpreise bereits gegeben sind. Die Warenpreise sollen sich ja aber gerade erst aus dem ergeben, was die Mitarbeiter an Einkommen benötigen, (um es zu wiederholen, was das Prinzip der wirtschaftlichen Urzelle ausmacht, das von Rudolf Steiner klar definiert ist und an dem es nichts rum zu interpretieren gibt).

Eine Einkommensdifferenzierung nach Leistung ist daher ein sekundäres Spätphänomen, das jedenfalls für die erste Einrichtung einer assoziativen Wirtschaft mit dem Ziel von gerechten Warenpreisen zunächst erstmal gar keine Rolle spielt[9].

Ein anderes, fundamentaleres Problem ist die nähere, konkrete Bestimmung der Bedarfe der Mitarbeiter, da jedenfalls zunächst die Einkommen sich ausschließlich an diesen orientieren müssen, bis überhaupt erstmal Preise für die Waren da sind. Wenn die Preise, die gemäß gegebener Einkommen für Bedarfe genommen werden müssen, zu hoch sind, so ist das zwar eine unangenehme Sache, aber daraus ergibt sich doch nicht, daß sich die Bedarfe ändern, daß ein geringeres Einkommen für die Leistungserbringungen benötigt wird, oder etwa doch? Ändern sich die Bedürfnisse der Mitarbeiter, weil sich die Waren eines Betriebes wegen ihrer hohen Preise nicht oder schlecht verkaufen? Sind die Bedürfnisse variabel, je nach dem, was an Einkommen da ist? Der Lagerarbeiter von der Rampe fügt sich in eine bescheidene Lebenshaltung, während der Vorstandschef sich an einen großzügigen Lebensstil gewöhnt, euphemistisch als Repräsentationsaufwand bemäntelt, zu dem dann auch ein größerer Wagen gehört als derjenige, den der Lagerarbeiter fährt.

Das Problem der gerechten, richtigen Warenpreise wandelt sich in das Problem der Anerkennung geltend gemachter Bedürfnisse der Leistungserbringer. Hier tun sich Abgründe auf, die an dem Prinzip der Urzelle als Preisbildner zweifeln lassen, und es resultiert aus den Schwierigkeiten der Bedarfsbestimmung, bzw. der Schwierigkeit, geltend gemachte Bedarfe auch anzuerkennen (anerkennen zu können), auch die Tendenz, in die Auffassung, daß die Märkte mit dem Spiel von Angebot und Nachfrage letztlich doch die Preise diktieren, zurückzufallen, da sich daraus natürlich ein wohlfeiles Argument gegen scheinbar überzogene Gehaltsforderungen gewinnen läßt. Und was in keiner Weise etwas anderes ist, als an der Auffassung, Arbeit werde als Ware bezahlt, festzuhalten.

Ein nicht unüblicher Versuch, diesen Schwierigkeiten auszuweichen, anstatt sie zu lösen, besteht darin, die Behauptung aufzustellen (und dann entsprechend zu handeln), daß sich die Sachlage in der Tat so darstelle, allerdings weil die assoziative Wirtschaft noch nicht (vollständig) realisiert wäre. Man habe sich daher zunächst weiterhin mit dem Preisdiktat der Märkte abzufinden.

Wenn dies so wäre, würde dann aber eine evolutive Entwicklung des heutigen Kapitalismus hin zu einer assoziativen Wirtschaft ausgeschlossen sein, wenn diese sich aus den Urzellen des Wirtschaftslebens, wie dargestellt, aufbauen soll.

Die Polarität von Haushalt und Markt und die Urzelle

An dem Konzept der Urzelle, wie zunächst dargestellt, fällt auf die Außenvorlassung des Marktes und die Einbeziehung des Einkommens für die Familie, für diejenigen, deren Lebensunterhalt von dem Einkommen des Leistungserbringers mit abhängt.

Die Dimension des Familienanhangs, die Veranschlagung des Bedarfes im Grunde für einen ganzen, mehr oder weniger beliebig großen privaten (nicht der eigentlichen Wirtschaft zugehörigen) Haushalt läßt sich nicht runterbrechen auf eine pauschale Gewährung etwa eines Kinderzuschlags oder dergleichen. Die Dimension des Haushalts ist wie die Dimension des Marktes als ein Faktor anzusehen, der auf die Preisbildung in der Urzelle einwirkt. Da sich letztlich ja aber sowohl Haushalt als auch Markt aus der "Ur"zelle erst entwickeln, kann man auch von den beiden Polen Haushalt und Markt der Urzelle sprechen.

Es wäre gemäß solcher Auffassung ganz falsch, einer Bedarfskomponente, wie sie sich in der Urzelle bildet, einen Marktpreis als Korrektiv entgegen zu setzen. Man hat es vielmehr mit einer Polarität zu tun. Sowohl die Haushaltskomponente eines Warenpreises als auch die Marktkomponente bilden sich aus der Urzelle heraus, Haushalt und Markt sind Entwicklungen der Urzelle und wirken auf diese zurück.

Die Dimension des Marktes

"Man produziert immer mehr und mehr darauf los, man gründet Fabriken, man fragt nicht: Wieviel wird gebraucht? - wie es einmal der Fall war, als es Schneider im Dorf gab, die nur dann einen Anzug machten, wenn er bestellt wurde. Da war es der Konsument, der angab, wieviel erzeugt werden soll, jetzt wird für den Markt produziert, die Waren werden zusammengestapelt, soviel als nur möglich. Die Produktion arbeitet ganz nach dem Prinzip, nach dem die Natur schafft. Die Natur wird in die soziale Ordnung hinein fortgesetzt. Das wird zunächst immer mehr überhandnehmen. Aber hier betreten wir das Feld des Materiellen. Im äußeren Leben hat das geistige Gesetz, weil es eben für die geistige Welt gilt, keine Anwendung, und es entsteht etwas sehr Merkwürdiges. Da wir unter uns sind, können wir ja solche Dinge sagen. Die Welt freilich wird uns heute darin kein Verständnis entgegenbringen. Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, nicht im Sinne dessen, was in meinem Aufsatz «Geisteswissenschaft und soziale Frage»[10] ausgeführt worden ist, sondern man stapelt in den Lagerhäusern und durch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich - wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum - in sich selber vernichten wird. Es entsteht dadurch, daß diese Art von Produktion im sozialen Leben eintritt, im sozialen Zusammenhang der Menschen auf der Erde genau dasselbe, was im Organismus entsteht, wenn so ein Karzinom entsteht." GA 153, S. 174 (1914)

Ein Handel, der Austausch zweier Güter mit ihren Werten, ist noch kein Markt. Ein Minimalmarkt ist erst gegeben, wenn es mindestens zwei Güter auf der einen Seite gibt, gegenüber dem einen Gut auf der anderen Seite bzw. einem Geldbetrag, der für einen bestimmten wirtschaftlichen Wert steht[11]. Es wird gewählt, für welches Gut das Geld gegeben wird, darin besteht das marktmäßige. Weiterhin wird das eine Gut nicht gekauft, es bleibt liegen. Ein großer Markt hat notwendigerweise eine große Menge solcher liegenden Güter, die nicht unmittelbar getauscht werden, sondern darauf warten. Auf der anderen Seite gibt es Geld, das nicht unmittelbar sofort ausgegeben wird. Man hat es also mit einer Aufstauung von Waren zu tun, der Warenfluß vom Produzenten zum Konsumenten ist gestockt.

Gemäß den Prinzipien der assoziativen Wirtschaft werden auf den Märkten die Preise der Waren nicht verhandelt, sondern sie sind bereits mit ihren schon ermittelten Werten gegeben (vorbehaltlich einer von den Assoziationen zu veranlassenden Korrektur). Für einen Geldbetrag wird eine Ware ausgewählt, die andere bleibt liegen. In diesem Liegenbleiben der Waren (bzw. dem Liegenbleiben des Geldes bei gesuchten, fehlenden Waren) muß man den Einfluß der Märkte auf die Preisbildung suchen, nicht in dem Austausch zweier gehandelter Güter. Denn deren Wert ist bereits betragsmäßig gegeben, wird nur jetzt realisiert, und ändert sich keineswegs, z.B. falls der Händler den Käufer übervorteilt.

Gemäß dem gängigen Modell von der Preisbildung durch Angebot und Nachfrage würde die Übervorteilung des Kunden, durch den der Händler einen höheren Preis erzielt als gerechtfertigt ist, tendentiell zu einer generellen Preiserhöhung der entsprechenden Ware führen. Umgekehrt führt eine unangemessene Vergünstigung, um einen konkurrierenden Händler auszustechen, tendentiell zu einer generellen Preissenkung. Eine solche Betrachtungsweise der Preisbildung ist in einer assoziativen Wirtschaft nicht möglich.

"In der primitiven Wirtschaft ist die Dorfwirtschaft die einzige Wirtschaftsform. Dann geht es über zu den Märkten. Diese Benennungen sind volkswirtschaftlich viel richtiger, als man denkt. Solange der Markt da ist und Dörfer darum herum, so lange bedeutet der Markt, auch wenn er unter dem Prinzip von Angebot und Nachfrage steht, etwas wirtschaftlich viel weniger Schädliches - wenn nicht eben Halunken da sind, was eine persönliche Sache ist -, als wenn die Stadtwirtschaft dazukommt. Durch diese wird das gesamte Verhältnis zwischen Produzenten und Konsumenten radikal geändert. Dann haben wir nicht mehr Dörfer, die von selbst ihren Markt regulieren, sondern dann haben wir allen Möglichkeiten Tür und Tor geöffnet, welche bestehen, wenn das Verhältnis zwischen Konsumenten und Produzenten kein klares mehr ist, wenn es sich vermischt." GA 341, S. 46

"Sagen wir, irgendein Handwerker verfertigt irgend etwas in einem Dorf und er wird krank. Er wird, sagen wir, unter gewissen Verhältnissen, wenn er an einen ungeschickten Arzt kommt, drei Wochen im Bett liegen müssen und seine Dinge nicht verfertigen können. Da wird er den volkswirtschaftlichen Prozess sehr wesentlich stören; denn es werden durch drei Wochen hindurch, wenn der Betreffende, sagen wir, Schuhe verfertigt hat, die Schuhe nicht auf den Markt gebracht werden - Markt im weitesten Sinne verstanden. Nehmen wir aber an, er kommt an einen sehr geschickten Arzt, der ihn in acht Tagen gesund macht, so dass er nach acht Tagen wieder arbeiten kann, dann können Sie die Frage in ernsthaftem Sinn entscheiden: Wer hat denn dann durch diese vierzehn Tage hindurch die Schuhe fabriziert? Der Schuhmacher oder der Arzt? Eigentlich hat der Arzt die Schuhe fabriziert." GA 340, S. 85f.

"Da gibt es eine Tatsache, die spielt sich ab unmittelbar auf dem Markt bei Verkauf und Kauf, wenn ich dasjenige, was ich bekomme, gleich bezahle. Es kommt nicht einmal darauf an, dass ich es gleich mit Geld bezahle, ich kann es auch noch, wenn es Tauschhandel ist, mit der entsprechenden Ware bezahlen, die der Betreffende annehmen will. Es kommt darauf an, dass ich zunächst gleich bezahle, das heißt überhaupt zahle. Und jetzt haben wir wieder nötig, an dieser Stelle (siehe Zeichnung 4) von der gewöhnlichen trivialen Betrachtung zur volkswirtschaftlichen Betrachtung überzugehen. Es spielen nämlich in der Volkswirtschaft die einzelnen Begriffe fortwährend ineinander, und die Gesamterscheinung, die Gesamttatsache, ergibt sich aus dem Zusammenspiel der verschiedensten Faktoren. Sie können sagen: Es wäre ja auch denkbar, dass durch irgendeine Maßregel überhaupt niemand gleich bezahlen würde - dann gäbe es das Gleichzahlen nicht. Man würde also immer erst, sagen wir, nach einem Monat zahlen oder nach irgendeiner Zeit. Ja, es handelt sich nur darum, dass man dann in einer ganz falschen Begriffsbildung drinnen ist, wenn man sagt: Heute übergibt mir jemand einen Anzug und ich bezahle ihn nach einem Monat. Ich bezahle eben nach einem Monat nicht mehr diesen Anzug allein, sondern ich bezahle dann in diesem Moment etwas anderes: ich bezahle dasjenige, was unter Umständen durch eine Steigerung oder Erniedrigung der Preise etwas anderes ist, ich bezahle ein Ideelles dazu. Also der Begriff des A-tempo-Zahlens, der muss durchaus da sein, und der ist beim einfachen Kauf da. Und etwas wird eine Ware des Marktes dadurch, dass ich es gleich bezahle."

"Wert in der Volkswirtschaft kann ja nur entstehen - das haben wir schon ersehen können - im Austausch der Erzeugnisse, im Austausch der Waren oder überhaupt volkswirtschaftlicher Erzeugnisse. Auf eine andere Weise kann Wert nicht entstehen. Aber Sie können leicht einsehen : Wenn nur auf diese Weise Wert entstehen kann, und wenn der Preis des Wertes so zustande kommen will, wie ich das gestern auseinandergesetzt habe, dass berücksichtigt werden soll, wie für jemand, der ein Erzeugnis hervorgebracht hat, ein solcher Gegenwert für das Erzeugnis erhältlich sein soll, dass er die Bedürfnisse befriedigen kann, die er hat, um ein gleiches Erzeugnis wieder herzustellen - wenn das möglich sein soll, so müssen ja die Erzeugnisse sich gegenseitig bewerten. Und schließlich ist es ja nicht schwer, einzusehen, dass im volkswirtschaftlichen Prozess sich die Erzeugnisse gegenseitig bewerten. Es wird nur kaschiert dadurch, dass das Geld zwischen dasjenige tritt, was ausgetauscht wird. Aber das ist nicht das Bedeutsame an der Sache. An dem Geld hätten wir nicht das geringste Interesse, wenn es nicht das Austauschen der Erzeugnisse förderte, bequemer machte und auch verbilligte. Wir hätten Geld nicht nötig, wenn es nicht so wäre, dass derjenige, der ein Erzeugnis auf den Markt liefert - unter dem Einfluss der Arbeitsteilung -, zunächst sich nicht abmühen will, um dasjenige, was er braucht, da zu holen, wo es vorhanden ist, sondern eben Geld dafür nimmt, um dann sich wiederum in der entsprechenden Weise zu versorgen. Wir können also sagen: In Wirklichkeit ist es die gegenseitige Spannung, welche zwischen den Erzeugnissen eintritt im volkswirtschaftlichen Prozess, die mit der Preiserzeugung zu tun haben muss."

"Betrachten wir von diesem Gesichtspunkt aus einmal das sogenannte Lohnverhältnis, das Arbeitsverhältnis. Wir können nämlich gar nicht Arbeit gegen irgend etwas austauschen, weil es zwischen Arbeit und irgend etwas eigentlich keine gegenseitige Bewertungsmöglichkeit gibt. Wir können uns einbilden - und die Einbildung realisieren, indem wir eben das Lohnverhältnis eintreten lassen -, dass wir die Arbeit bezahlen; in Wirklichkeit tun wir es nicht. Was in Wirklichkeit geschieht, ist etwas ganz anderes. Was in Wirklichkeit geschieht, ist dieses: dass auch im Arbeits- oder Lohnverhältnis Werte ausgetauscht werden. Der Arbeiter erzeugt unmittelbar etwas, der Arbeiter liefert ein Erzeugnis; und dieses Erzeugnis kauft ihm in Wirklichkeit der Unternehmer ab. Der Unternehmer bezahlt tatsächlich bis zum letzten Heller die Erzeugnisse, die ihm die Arbeiter liefern - wir müssen schon die Dinge in der richtigen Weise anschauen -, er kauft die Erzeugnisse dem Arbeiter ab." GA 340, S. 97f.

So problematisch solche Auffassung der Leistungserbringung im Betrieb auch sein mag (das ist in diesem Zusammenhang nicht weiter zu erörtern (vgl. das oben schon dazu gesagte))[7]: man hat bei diesem Werteaustausch zwischen betriebsinternem Produkt und entsprechendem Einkommenswert keinen Marktprozeß, denn gemäß obiger Definition des Marktes fehlt die Wahlmöglichkeit, die Aufstauung, sowie die von Steiner angeführte Unmittelbarkeit (Sofortzahlung), wie sie für den Markt gilt.

Unter Berücksichtigung auch des haushaltsinternen Werteaustausches, wie von Steiner in dem Beispiel des kranken Schusters erläutert, der von seiner Krankheit je nach Leistung des Arztes früher oder später kuriert wird, gibt es dann drei Orte eines volkswirtschaftlichen Werteaustausches: haushaltsintern, betriebsintern und marktintern.

Es ist leicht zu sehen, daß sollen die haushaltsinternen Vorgänge nicht zu den eigentlich wirtschaftlichen gerechnet werden, auch das Marktgeschehen aus dem Gebiet des Wirtschaftens im engeren Sinne herausfallen muß. Auf dem Markt wird nicht mehr gewirtschaftet, sondern nur noch getauscht.

Markt und Händlertum

Gewürze auf dem Markt im marokkanischen Agadir

Der Handel, das Händlertum, ist der Marktsphäre zuzurechnen und ist nicht als produktiver Beruf im wirtschaftlichen Sinne zu verstehen. Ob Handel eine Dienstleistung im üblichen Sinne ist, darüber sei hier nichts ausgemacht. Er ist jedenfalls dazu da, das Liegenbleiben der Waren zu bekämpfen. Er transportiert die Waren von Ort zu Ort, um die Übergaben zwischen Produzenten und Konsumenten zu ermöglichen. Lagerung kann als ein zeitlicher Übergabeprozeß angesehen werden. Ein Produkt kann nicht immer genau dann fertig sein, wenn es auch gebraucht werden kann. All diese händlerischen Tätigkeiten und weitere wie das Maklertum etc. verursachen eine Menge Kosten, die gewissermaßen den Bedarf des Marktes darstellen und auf die Preise aufgeschlagen werden müssen. Dies ist für die Wirtschaft insgesamt nötig. Die Waren würden sonst liegen bleiben und könnten nicht verkauft werden, die erwirtschafteten Werte würden sich nicht realisieren lassen.

Trotz des Aufschlags auf die Preise, der wegen des Bedarfs des Marktes gemacht werden muß, führt das Marktgeschehen zu einer Verbilligung der Waren. Der Aufschlag ist viel geringer als das, was die Wirtschaft durch den Markt spart. In dieser Verbilligung hat man den Einfluß des Marktes auf die Preisbildung zu sehen. Je besser der Markt funktioniert, desto geringere Warenpreise. Die Verbilligung ist jedoch nicht für alle Waren gleichmäßig. Für einzelne Waren kann es auch zu einer Verteuerung kommen. Wobei Verbilligung oder Verteuerung nicht immer auch in entsprechenden Preisänderungen und schließlich erzielten Preisen zum Ausdruck kommen.

Im schließlich erzielten Preis sollten eigentlich präzise die enthaltenen Bedarfe aller am Warenherstellungsprozeß mit ihren Arbeitern und Arbeiterinnen beteiligten Haushalte (die Unternehmer hier eingerechnet als Arbeiter, die Haushalte versorgen), zuzüglich Aufschläge wie Steuern etc. enthalten sein, und abzüglich der Verbilligung durch die Marktprozesse. In den wenigsten Fällen werden die von den Assoziationen vorgegebenen Warenpreise dem exakt entsprechen können, auch wenn sie noch so gut, informiert durch Produzenten, Händler und Konsumenten, ihre Entscheidungen fällen. Notwendig wird es Abweichungen der tatsächlich realisierten Marktpreise von den vorgegebenen Preisen geben müssen. Diese Preissignale werden beobachtet und das fließt in die weitere Preisfeststellung oder auch in Einwirkungsversuche auf die Preisbildungsprozesse ein.

Eine Schwierigkeit besteht jedoch darin, daß mit diesen Abweichungen sich auch die Bedarfe der Haushalte ändern. Denn wenn für eine Ware, z.B. Benzin, die Preise stark unter die Veranschlagung sinken, dann sinken auch die Bedarfe der Haushalte, es wurde also zuviel Einkommen gezahlt. Generell stimmt aber zumindest idealerweise die auf den Märkten erzielte Preissumme mit der Einkommenssumme der Haushalte überein. Die Marktpreise sind daher nur die Kehrseite der Bedarfseinkommen, die Gesamtsumme ist die der Einkommen, die nach dem, was die Haushalte auf den Märkten gemäß ihrem Bedarf einkaufen, bestimmt sind.

Die Betriebe, wie Raffinerien oder Tankstellen, die direkt an der Produktion von Benzin beteiligt sind, sind vom Fallen des Benzinpreises in besonderer Weise betroffen. Werden tatsächlich die kritisierten Gewinnausschüttungen getätigt, sind diese natürlich zuerst zu kürzen. Dann aber und wenn sonst keine Einsparungen möglich sind, kommt der Betrieb unter Druck, die Haushaltseinkommen zu kürzen. Dies ist aber eigentlich nicht möglich, da diese sich am Bedarf orientieren, und auch müssen.

Solch ein Preisverfall einer Ware sollte eigentlich gar nicht eintreten, aber man mag sich Gründe vorstellen, die auch in einer gesunden Wirtschaft vorkommen. Die Assoziationen haben hier einzugreifen, und können, solange der Preis für Benzin selbst nicht wieder normalisiert werden kann, Ausgleichszahlungen an die betroffenen Betriebe zahlen, damit die Haushaltseinkommen weiterhin gedeckt sind. (Solche Ausgleichszahlungen werden aus einer allgemeinen Abgabe auf alle Preise finanziert.)

Eine dauerhafte Senkung des Benzinpreises sollte es eigentlich nicht geben, es sei denn, eine Verringerung und schließlich sogar tendentiell das ganze Wegfallen des Bedarfes liegt vor. Dies kann dann zu solchen Maßnahmen wie Betriebsschließungen und dergleichen führen, wodurch sich der Preis für Benzin dann wieder erhöht.

Funktioniert der Markt nicht richtig, können, abgesehen von den Maßnahmen der Assoziationen, die Betriebe selbst Marktmanagementfunktionen übernehmen oder unterstützend zuarbeiten. Das ist zwar weniger effizient, aber besser, als wenn der Absatz ins Stocken gerät oder gar ganz zum Erliegen kommt.

Die Dimension des Haushalts

Eine grundsätzliche Frage ist es, welchen Wert es hat, daß die Haushaltseinkommen von den Betrieben gezahlt werden, in denen die Arbeiter und Arbeiterinnen, die den Haushalten zugehören, tätig sind, wenn es sich bei den gezahlten Einkommen nicht um Lohn handelt, mit dem eingekaufte Arbeit entgolten wird. Die Zusammengehörigkeit von beruflicher Tätigkeit und einem Einkommen gemäß Haushaltsbedarf muß einen ökonomischen Sinn haben, auch wenn sich dieser nicht monetär ausdrücken läßt.

Man könnte ja sonst die Haushaltseinkommen nicht vor dem Wirtschaften geben, sondern im Nachherein auf die Warenpreise pauschal aufschlagen. In der Tat gibt es solche Aufschläge auf die Preise im nachherein auch, die in Haushaltseinkommen einfließen. Die Frage ist anscheinend nicht ganz einfach zu beantworten, oder wie könnte es sonst so viele Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens geben? Solch ein Einkommen würde aus Preisaufschlägen auf Waren gezahlt werden, wie auch natürlich die heutigen Sozialleistungen von Staats wegen, und sich von den Haushaltseinkommen, wie sie in einer assoziativen Wirtschaft vor dem Wirtschaften gezahlt werden sollen, fundamental unterscheiden. Welches ist der ökonomisch wesentliche Unterschied?

Welchen ökonomischen Unterschied macht es, um ein prominentes Beispiel zu nehmen, wenn ein Kindergeld nicht aus Preisaufschlägen nach dem Wirtschaften gezahlt wird (via Steuern oder Sozialkasse), sondern in den Haushaltsbedarf integriert ist und als Bedarfseinkommen von den Betrieben gezahlt wird?

Bei Zugrundelegung der heute noch herrschenden Auffassung, Arbeit werde als Ware eingekauft, ist die Frage leicht zu beantworten, da Elternteile mit Kindern für den Betrieb teurer wären, als alleinstehende Singles, und Betriebe daher Zurückhaltung übten, wenn ein Familienvater mit 16 Kindern um Anstellung nachsucht.

Nur wenn der Familienvater ein Gehalt fordert, das dem entspricht, was sich der Betrieb als Vorteil, monetär berechnet, von seiner Einstellung verspricht (nach Möglichkeit wird weniger als dieser Vorteil gezahlt), kann er den Job erhalten. Gleichwohl sollen von Staatswegen die Kinder nicht verhungern, und es wird der Lebensunterhalt dann z.T. aus der Staatskasse gezahlt, d.h. aus Geldern, die den Betrieben nach dem Wirtschaften abgezogen werden. Zum Teil mag die Finanzierung eines solchen kinderreichen Haushalts auch durch Gewinnbeteiligungen möglich sein, nicht notwendigerweise durch solche am eigenen Unternehmen, es können auch Aktien anderer Unternehmen sein, oder durch private Armutsfürsorge.

Man geht also von einer monetär berechenbaren Arbeitsleistung aus, und nur die kann der Betrieb selbst auch zahlen. Das übrige, was zur Finanzierung besonderer dadurch nicht gedeckter Haushaltsbedarfe notwendig ist, muß von woanders her kommen, gleichwohl aber erwirtschaftet sein. Der Betrieb, der den Familienvater beschäftigt, beteiligt sich schon daran mit den ihm auferlegten allgemeinen Steuern und Sozialabgaben, aber andere, ertragreichere Unternehmen schießen einen größeren Teil zu (entsprechende Gewinnbesteuerung vorausgesetzt).

Man glaubt nach der herrschenden ökonomischen Theorie, auf solche Art Arbeitskraft optimal zu allokieren. Die optimale Allokation würde gestört, wenn der Familienvater nicht ausschließlich aufgrund seiner monetär kalkulierten Leistung an den richtigen Platz in einem Betrieb käme. Gleiche Arbeit kann nur gleich bezahlt werden, sonst käme die gesamte Betriebsrechnung durcheinander. Daher kann ein Familienvater mit 16 Kindern grundsätzlich nicht besser bezahlt werden, als eine alleinstehende Person, wenn die Arbeitsleistung die gleiche ist.

Auch wenn man diese Auffassung für falsch hält, so ist sie doch aus ihren Voraussetzungen logisch und entbehrt nicht ökonomischer Plausibilität.

Die assoziative Wirtschaft sieht Arbeit jedoch nicht als Ware an und macht darüber hinaus geltend, daß dies allgemein gelten solle, bzw. ein menschenrechtliches Faktum ist. Die Bedarfe für die Haushaltseinkommen werden entsprechend nicht als Lohn aufgefaßt, in monetärer Hinsicht ist die Arbeit im Betrieb von der Betriebsrechnung abgekoppelt und kann nicht als Kosten in den Betriebsbilanzen auftauchen. Was in den Bilanzen als Posten steht, sind die gezahlten Haushaltseinkommen, und die wirken sich auf die Warenpreise aus, die genommen werden müssen.

Würde der Unterhalt für die 16 Kinder nicht vom Betrieb bezahlt, sondern von Staatswegen aus allgemeinen Aufschlägen, würde sich die Betriebsbilanz positiver darstellen, die Warenpreise niedriger ausfallen. Warum trotzdem die Haushalte nach Bedarf bezahlen, und dann sich z.B. im Nachherein von einer Ausgleichskasse der Assoziationen Zuschüsse zahlen lassen, wegen der vielen Familienväter im Betrieb? Worin besteht der ökonomische Sinn der vollen Haushaltsbedarfszahlungen vor dem Wirtschaften?

Ein volkswirtschaftlicher Grund wurde bereits genannt: Da gemäß dem Prinzip der Urzelle die gerechten Preise für Waren sich aus dem zusammensetzen, was die an ihrem Zustandekommen beteiligten Arbeiter (inkl. Unternehmer) mit ihren jeweiligen Haushalten an Lebensunterhalt benötigen, um die Waren erneut produzieren zu können, würde eine (Mit-)finanzierung im Nachherein über eine pauschale, wirtschaftsweite Abgabe notwendigerweise zu ungerechten, zu hohen oder zu niedrigen Preisen der Waren der jeweiligen Betriebe führen. Man muß dabei bedenken, daß es für die meisten Waren, bis sie zum Konsum kommen, eine lange Produktionskette gibt, an der unzählige Betriebe beteiligt sind. Werden jetzt Haushalte mit zu groß für die jeweiligen Betriebe erscheinenden Bedarfen betriebsextern bezuschußt, kommen aus all diesen Betrieben in der Produktionskette nicht mehr die richtigen Preise heraus. Auch wenn die Assoziationen im Interesse gleicher Preise für bestimmte Güter auf regional zu bestimmenden Gebieten im nachherein für Ausgleiche sorgen, damit für die gleiche Ware keine unterschiedlichen Preise bestehen, müssen dort für solchen Ausgleich die richtigen Preise, wie sie aus den Betrieben "herauskommen", erstmal da sein. Werden sie im vornherein manipuliert durch betriebsexterne Zahlungen in die Haushalte hinein, sodaß diese dann gegenüber den Betrieben einen geringeren Bedarf geltend machen müssen, ist das Prinzip der Urzelle ausgehebelt und es ist dann nicht absehbar, wie man auf künstliche Weise sich dann mit Manipulationen den gerechten Preisen dann noch soll annähern können, da man sie nicht kennt.[12]

Eine andere Frage als diese volkswirtschaftliche ist der betriebswirtschaftliche Aspekt an der Sache. Unter dem Thema Dimension des Haushalts soll jedoch nun erstmal untersucht werden, ob es für die Haushalte bzw. die Arbeiter und Arbeiterinnen einen Unterschied macht, woher das Geld für den Lebensunterhalt kommt.

Natürlich ist es jeweils eine individuelle Angelegenheit, über die nur durch Befragung etwas ausgemacht werden kann. Die Hauptsache für jeden Haushalt wird aber wohl meist sein, daß überhaupt genug Geld da ist, egal von woher. Es könnte also auch Schenkungsgeld sein. Die Haushalte in gewissen Hinsichten als Organe oder Zellen des Geisteslebens anzusehen, liegt ohnehin nahe.

Wenn man davon ausgeht, daß Zahlungen nach dem Wirtschaften in die Haushalte hinein eigentlich nur Schenkungsgeld sein können, die Zahlungen vor dem Wirtschaften jedoch immer Kaufgeld sind, gäbe es eine interessante Lösungsmöglichkeit für das Problem unterschiedlich großer Familienhaushalte: Sie könnten zum Teil durch Schenkungsgeld finanziert werden.

Alternativ könnten es Zahlungen sein, die aus der Ersparnis durch das Marktmanagement kommen. Denn diese Ersparnis ist nicht dem Wirtschaften in den Betrieben zuzurechnen, wie oben dargestellt. Im Unterschied zu den Schenkungsgeldern, die von den Betrieben erwirtschaftet werden, hätte man einen Teil der Haushaltseinkommen aus einer anderen "Wertquelle" zu bewerkstelligen, die jedoch ziffernmäßig in der Buchrechnung so nicht auftaucht. Es ist in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung so, als hätten die Betriebe selbst das erwirtschaftet, was aus der Ersparnis des Marktmanagements kommt. Aus dieser Wertquelle könnten die Gelder geschöpft werden, um einen Teil der Haushaltseinkommen zu finanzieren. Denn da es ein Kreislauf ist, könnte man das Marktmanagement auch als eine Verlängerung der Haushalte ansehen. Man würde die Haushaltsdimension das komplette Marktgeschehen umfassen lassen, und die Wertaustauschgrenze direkt an die Betriebe (Waren ab Werk, wie man es nennt), heranschieben. (In solcher Sichtweise hätte man eine metamorphosierte Selbstversorgung der Haushalte, die aber durch ihre Integration in die Volkswirtschaft als Marktmanagement unschädlich gemacht wäre.)

Dann hätte man eine Art Anspruch für die Haushalte auf die Gelder begründet, und diese müssten nicht um Schenkungsgelder bitten.

Sowohl diese als auch die Lösung via Schenkungsgelder würde jedoch an der Grundformel der Urzelle, wie sie Steiner konzipiert hatte, eine Modifikation vornehmen müssen: Es müßte davon abgekommen werden, daß der richtige Preis, der aus der Urzelle entsteht, sich zwingend 1:1 mit dem Bedarf des im Grunde beliebig großen Haushaltes, der zu einem Leistungserbringer gehört, ändert. Der richtige Preis in der Urzelle würde sich nunmehr ergeben aus dem Bedarf der Haushalte abzüglich des Betrages, den die Haushalte nicht benötigen, da sie von woanders her auch Einkommen beziehen, betriebsfremdes Einkommen. Damit die Urzelle als Preisbildner weiter funktionieren kann, muß den Assoziationen sowohl die Größe dieses betriebsfremden Einkommens eines jeden Haushaltes bekannt sein, als auch die jeweiligen Verhältnisse dieser Beträge zu den Einkommen aus betrieblicher Tätigkeit. Eine einfache Angabe gegenüber dem Betrieb: Wir benötigen soundso viel, genügt nicht mehr, denn es muß den Assoziationen bekannt sein, weshalb. Es wird deshalb auch die Beliebigkeit des Warenkorbes eingeschränkt werden müssen, sowohl hinsichtlich Volumen, als auch der Zusammensetzung nach, (wobei selbstverständlich ein genügend großer Betrag für völlig freie (Bedarfs-)Verwendung, sowie auch die Sparmöglichkeit für die Haushalte erhalten bleibt).

Wenn z.B. pauschal 500 Euro pro Kind an Einkommen gegeben würde für Erziehungskosten wie Schulgeld, Kindergarten, Tagesstätte oder Haushaltshilfe wg. Kinderbetreuung, so würden z.B. diese 500 an kinderlose Paare nicht gegeben werden können, aber auch nicht für das Finanzieren des Studiums von erwachsenen Kindern, die noch mit im Haushalt leben.

Falls so eine Studiums-Finanzierung von Erwachsenen vorgesehen werden soll, müßte es sich um einen besonderen Posten, verschieden von dem für die Erziehungskosten für kleine Kinder und Jugendliche handeln, da in vielen Fällen die erwachsenen Kinder eines Haushalts, statt einem Studium nachzugehen, bereits berufstätig sein werden und damit auch betriebliches Einkommen in den Haushalt hineinbringen. Es wäre also nicht möglich, bei den Studiengeldern eine pauschale Gleichbehandlung der Haushalte vorzunehmen. Daher muß so ein Posten im Warenkorb nach anderen, individuelleren und konkreteren Kriterien gewährt werden wie die Erziehungsgelder. Usw.

Hausarbeit und Erziehungsarbeit

Ist die Haus- und Erziehungsarbeit in ihrem Lebensunterhalt abhängig von dem Einkommen eines "Haushaltsvorstands", der auswärts in einem Betrieb arbeitet und deshalb ein Einkommen für sich und für "die Seinen", seine "abhängigen", seinem oder ihrem Familien"anhang" erhält, so kann diese Abhängigkeit der Haushaltsmitglieder von dem- oder derjenigen, dem oder der das Einkommen auf das Konto gezahlt wird, auch manche weniger schöne Züge aufweisen.

Patriachalistische Verhältnisse und Einstellungen als überwunden angenommen (der Haushaltsvorstand könnte auch eine Frau sein, was in diesem Zusammenhang auf das gleiche hinausliefe), kann es daher im allgemeinen aus Sicht des Haushalts nur zu begrüßen sein, wenn seine Einkommen nicht ausschließlich aus Betriebseinkommen bestehen, und sogar intern teilweise den Tätigkeiten der Hausarbeit, Erziehungsarbeit, und auch Beziehungsarbeit und dergleichen zugeordnet werden können. Volkswirtschaftlich ist diese Zuordnung sinnvoll, da in diesen Arbeiten, auch wenn es sich noch um keine volkswirtschaftlichen im eigentlichen Sinne handelte, die schließlich mögliche Entstehung von Wirtschaftswerten vorbereitet wird.

Mit einem Teil solcher Leistungen kann der Haushalt mit seinen Mitgliedern aber auch indirekt den Wertetausch seiner Mitglieder in externen Betrieben beeinflussen, wie Rudolf Steiner an dem oben angeführten Beispiel von dem kranken Schuster, der je nach Fähigkeit des Arztes früher oder später kuriert wird, erläutert hat.

Es ist oftmals so, daß die Leistung eines Arbeiters in einem Betrieb dadurch höher ist, daß ihm vom Haushalt her der Rücken frei gehalten oder auch gestärkt wird, um die unzähligen und kaum im einzelnen identifizierbaren Zuarbeitungen mit einer Redewendung zu benennen. Ein Teil der Produktionsleistung in den Betrieben oder auch bei negativer Bilanz Minderleistung hat ihre Ursache letztlich nicht in den Arbeitsleistern in den Betrieben selbst, sondern hat ihren Ursprung im Haushalt, in den im Haushalt lebenden Mitgliedern, bzw. entsteht aus dem gemeinschaftlichen Leben dort heraus, zu dem auch die Nachbarschaft usw. dazu gehören kann.

Aus solcher Sicht sind die Waren und Dienstleistungen, die die Haushaltsmitglieder haushaltsextern in Betriebszusammenhängen produzieren, eine Gemeinschaftsleistung des Haushalts, deren jeweilige Anteile daran, die die Haushaltsmitglieder produzieren, genausowenig monetär bestimmbar sind, wie die "Leistungsanteile" der Mitarbeiter bei der betrieblichen Warenproduktion.

Das Problem des richtigen Preises, wie er aus der Urzelle herauskommen soll, wandelt sich unter solchen Gesichtspunkten in die Frage des richtigen Verhältnisses zwischen den Bedarfseinkommen aus Betriebstätigkeit und den Bedarfseinkommen, die aus anderen Quellen, letztlich aber aus einer Umlage[13], die von der Wirtschaft insgesamt getragen wird, stammen, (andere Quellen wie Erbschaft usw. außenvor gelassen).

Im folgenden wird zu zeigen sein, daß das Verhältnis in der Urzelle zwischen dem Bedarfseinkommen aus Betriebseinkommen und dem Bedarfseinkommen aus einer Umlage dem Verhältnis zwischen der Wertschöpfung durch die Betriebe und der Wertschöpfung durch die Marktprozesse (annähernd und in sich differenziert nach Regionen, Branchen usw.) entsprechen muß, soll die Wirtschaft eine gesunde sein. Dabei kann z.B. in einer Region die Wertschöpfungsleistung der Betriebe höher sein, in einer anderen die der Marktprozesse.

Durch die Stadtwirtschaft "wird das gesamte Verhältnis zwischen Produzenten und Konsumenten radikal geändert. Dann haben wir nicht mehr Dörfer, die von selbst ihren Markt regulieren, sondern dann haben wir allen Möglichkeiten Tür und Tor geöffnet, welche bestehen, wenn das Verhältnis zwischen Konsumenten und Produzenten kein klares mehr ist, wenn es sich vermischt. Und das ist der Fall, wenn die Menschen in den Städten zusammenwohnen. Das Verhältnis zwischen Produzenten und Konsumenten kann nicht anders überschaut werden, als daß man sich assoziativ gliedert. Dann ändern sich aber die Verhältnisse, die unter der Verwuselung entstanden sind. Denn das assoziative Wesen ist etwas, was nicht nur organisieren soll, sondern etwas, das wirtschaftet. Es würde sich unter dem assoziativen Wesen ergeben, daß aus jedem einzelnen Glied - darauf beruht das Zusammenwirken der drei Glieder des sozialen Organismus - die Gesundheit des anderen zu gleicher Zeit hervorgeht. Im Laufe längerer Zeiträume, aber dennoch nicht allzulanger Zeiträume, würde sich ergeben, daß in den Städten im wesentlichen die Verwaltungsbeamten und die zentralen Schulen und so weiter, also im wesentlichen Geistesleben und Rechtsleben zusammen sein würden, während Wirtschaftsleben und Rechtsleben zusammen dezentralisiert sein würden. Also das Zusammenleben würde sich auch räumlich teilen, aber nicht so, daß man nun drei ganz verschiedene Glieder hätte, sondern so, daß die Städte im wesentlichen ein Durcheinanderverwobensein des Geisteslebens mit einer zentraleren, einer größeren horizontischen Verwaltung darstellen würden. Und kleinere Verwaltungen im Kreise von Wirtschaftsbetrieben würden mehr dezentralisiert daliegen. Das würde voraussetzen, daß die Verkehrsverhältnisse noch viel wirksamer würden als bisher. Diese sind nur nicht so weit vorgeschritten, weil man eben den Verkehr nicht nötig hat für die Produktion, wenn die Produzenten sich in die Städte zusammensetzen." (GA 341, S. 46f.)

Preisbildung in der Urzelle und Grundeinkommen

Für die Frage, inwiefern ein bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Prinzip der Urzelle kompatibel sein könnte, ergibt sich als ein Zwischenergebnis, daß dieses dann und nur dann der Fall wäre, wenn das Grundeinkommen, das an einen Haushalt gezahlt wird, die Höhe des Bedarfseinkommens hat, das aus einer Umlage zu zahlen ist, wie oben erläutert.

Das bedeutet, daß ein Grundeinkommen nicht personenbezogen, sondern nur haushaltsbezogen, und auch nicht unabhängig von den übrigen Einkommen, insbesondere aus Berufstätigkeit, die in einen Haushalt fließen, gezahlt werden kann. Grundeinkommen wäre den Haushalten in der Höhe zu gewähren, die den Bedarf, der nicht durch Betriebseinkommen von Mitgliedern des Haushaltes gedeckt ist, befriedigen kann.

Würde ein pauschales Grundeinkommen pro Haushalt gezahlt, differenziert nach Zahl und Alter der Mitglieder, müßte von dem Betrag des Haushaltsgrundeinkommens der Betrag, den Mitglieder des Haushalts via Berufstätigkeit erzielen, abgezogen werden, um das Prinzip der Urzelle und damit eine gesunde Preisbildung in der Volkswirtschaft nicht auszuhebeln, - abgezogen werden bis zu der Höhe, die durch den Gesamtbedarf an Einkommen (egal woher) des Haushalts definiert ist.

Die Vorstellung, daß alle Menschen einmal ein Bedarfseinkommen aus einer allgemeinen Kasse beziehen, und andererseits "für umsonst" arbeiten, wird noch auf sehr lange Zeit hin erstmal eine utopische bleiben müssen. Das Gebot der Trennung von Arbeit und Einkommen, das Rudolf Steiner mit seinem Sozialen Hauptgesetz aufgestellt hat, erfordert für seine praktische Realisierung nicht solch ein utopisches Abstraktum, sondern wirtschaftspraktische Umsetzung, und die setzt voraus den gerechten Preis, wie er sich in der Urzelle bildet.

Argumente für ein bedingungsloses Grundeinkommen

Immer dann, wenn nicht mehr menschliche Arbeitskraft, sondern Geist auf Arbeit (z.B. in Form von Patenten, Maschinen, Robotern usw.) eingesetzt wird, ergibt sich neben einer Erhöhung des Kapitals auch eine Erhöhung der rechnerischen Produktivität der durchschnittlichen menschlichen Arbeitskraft. Immer dann, wenn diese erhöhte Produktivität nicht mehr dem einzelnen Arbeitsleister zuzurechnen ist, entsteht aufgestauter Bedarf, der nur auf dem Umwege über das Bedingungslose Grundeinkommen abzugelten ist, da eine direkte Maschinensteuer ins Leere laufen würde, denn die Erträge aus derselben, blieben entweder beim Staat oder bei der Assoziation hängen, zur weiteren Umverteilung, die aber auf gerechte und konsequente Weise im Rahmen des sozialen Hauptgesetzes nur in Form einer Umschichtung auf ein dann zu erhöhendes Grundeinkommen zu leisten ist.

Die Dimension des Betriebes

Da es für die Haushalte als Haushalten egal ist, woher das Geld fließt, Hauptsache, der Gesamtbedarf ist gedeckt, sind bei der näheren Bestimmung des Verhältnisses von betriebsexternem Einkommen der Haushalte und Einkommen, das über die Betriebe in die Haushalte fließt, und nur auf die Konten derjenigen Haushalte überwiesen wird, die in den Betrieben Arbeitsleistungen erbringen, in erster Linie nur betriebliche Belange zu berücksichtigen.

Das Gesamtvolumen der Geldströme, die durch die Betriebe in die Haushalte fließen, sowie die Verteilung des Volumens auf die einzelnen Betriebe, muß sicherstellen, daß die Betriebe ordentlich wirtschaften können, und dafür die Mitarbeiter haben in der richtigen Anzahl und Qualifikation.

Mittels der Einkommensgabe nur an ihre jeweiligen Mitarbeiter haben die Betriebe ein Druckmittel. Dieses Druckmittel dient weder dazu, Arbeitskräfte auszubeuten, noch dazu, Menschen zu nötigen, in den Betrieben tätig zu werden, sondern ist volkswirtschaftlich ein Steuerungsinstrument, das integraler Bestandteil der assoziativen Wirtschaftssteuerung ist. Denn neben den gerechten Waren- und Dienstleistungspreisen ist es außerdem nötig, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen an den Arbeitsplätzen so tätig werden, wie es optimale volkswirtschaftliche Produktion, d.h die Deckung des Gesamtbedarfes der Haushalte in Waren und Dienstleistungen, insgesamt erforderlich macht.

Wäre es in das Belieben der Menschen gestellt, wo, wann, wielange und in welcher Funktion sie betrieblich tätig werden, könnten die Waren, die die Haushalte nachfragen, nicht produziert werden. Die Betriebe haben einen differenzierten, konkreten Bedarf an Mitarbeitern, und dieser muß so gedeckt werden, wie die Betriebe es brauchen, und kann z.B. nicht von den Freizeitvolumenwünschen der Bevölkerung abhängig gemacht werden. Wenn einzelne Menschen weniger arbeiten, dann müssen dafür andere mehr arbeiten, oder der Gesamtbedarf der Haushalte muß sinken, und damit auch weniger Arbeitsbedarf der Betriebe.

Wenn der Bedarf eines Haushalts sich erhöht, führt das dazu, daß andere Menschen mehr arbeiten müssen, nicht die Arbeiter, die aus diesem Haushalt beruflich tätig sind. Nicht Ausmaß der beruflichen Tätigkeit eines Haushalts hat einen Einfluß darauf, wieviel andere arbeiten müssen, sondern die Höhe des Bedarfes. Je höher der Bedarf eines Haushaltes, desto mehr müssen andere Menschen für ihn arbeiten, nicht die Mitglieder des Haushaltes (Soziales Hauptgesetz).

Dadurch, daß jeder Haushalt, egal ob Mitglieder desselben arbeiten oder nicht, seinen Bedarf gedeckt bekommt (wenn kein betriebliches Einkommen, dann in voller Höhe über die Umlage), kann das genannte Druckmittel der Betriebe nicht dazu führen, daß einzelne Menschen sich genötigt fühlen müssen, zu arbeiten, sondern es führt dazu, daß insgesamt genug gearbeitet wird, und gemäß betrieblichen Notwendigkeiten.

Bestimmung eines durchschnittlichen Bedarfsgehalts

Nicht nur wegen unterschiedlicher Familiengröße, sondern auch wegen der unterschiedlichen Anzahl von Mitarbeitern je Haushalt, die in Betrieben tätig werden, und darüber hinaus wegen einer hohen Teilzeitarbeitsquote ist es schwierig, ein durchschnittliches Gehalt zu bestimmen, das einer Person, die im Betrieb tätig wird, zu zahlen wäre, als Referenzwert für die Kosten, die durch die Zahlung der Gehälter im allgemeinen entstehen.

Ausgehend davon, daß Familien bzw. Mütter mindestens zwei Kinder haben müssen (etwas mehr wegen frühzeitigen Todesfällen), um die Bevölkerungszahl zu halten, kann man aber davon ausgehen, daß eine einzelne Person die Kosten für ein Kind und eine alte Person aufbringen können muß. Dies entspricht dem, daß die Person selbst in Kindheit und Jugend sowie Alter nicht im Berufsleben tätig ist.

Von einer Lebensarbeitszeit für die Zukunft wie heute für die Rentenberechnung zugrundegelegt von 45 Jahren kann man wohl kaum ausgehen, man kommt auf weniger Arbeitsjahre. Es könnte aber in etwa die Hälfte des Lebens sein. Das bedeutet, ein Berufstätiger benötigt an Einkommen das doppelte, als was er selbst zum Lebensunterhalt als einzelne Person braucht. Solche Gehälter würden dann im Durchschnitt Haushalte mit zwei Kindern und zwei Alten finanzieren können, wenn eine weitere Person des Haushalts arbeitet.

Dabei ist es aber wohl kaum so, daß beide Eltern die ganze Zeit über Vollzeit arbeiten, man kann durchschnittlich von 75% pro Person ausgehen. Für eine 30 Stunden-Woche[14] eines Mitarbeiters wäre ihm also das Doppelte zu zahlen, als was er selbst braucht, also 2x Existenzminimum[15].

Durch solche Überlegung kann man sich einem Referenzwert annähern, der natürlich laufend durch statistische Daten angepaßt und verbessert werden muß.

Das bedeutet nicht, daß einem einzelnen Mitarbeiter dieses Gehalt so zu zahlen wäre, sondern daraus ergeben sich in etwa die durchschnittlichen Gesamtgehaltskosten für einen Betrieb. (Die Summe entspricht einem durchlaufenden Posten wie in [7] vorgestellt.)

Bei Teilzeitarbeit, also weniger als 30 Stunden, wird entsprechend weniger gezahlt, bei Mehrarbeit wird auch die Mehrarbeit bezahlt. Das ist etwas näher zu begründen (s.u. Abschnitt "Urzelle und Teilzeit"), weil es dem Prinzip der Urzelle zu widersprechen scheint. Geht man von der simplen Formel als solcher aus, müßte ein Teilzeitmitarbeiter genauso viel für seinen Bedarf erhalten wie der Vollzeitarbeiter.

Dies wäre dann in etwa die Höhe des Teils des Gesamtbedarfs der Haushalte, der durch die Betriebe an die Haushalte fließen sollte, indem Mitarbeiter aus den Haushalten in den Betrieben arbeiten. Der übrige Bedarf der Haushalte, der dadurch nicht gedeckt ist, wäre über die Umlage zu finanzieren.

Die Aufteilung der Bedarfsgehaltssumme auf die Haushalte

Varianten von Leistungslöhnen und ihre Folgen

Angenommen, die Gesamtgehaltssumme würde so auf die Haushalte aufgeteilt, und man würde, obwohl die Haushalte genau diese Gesamtgehaltssumme auch geltend gemacht haben, trotzdem etwas mehr zahlen wollen, da lediglich das Existenzminimum etwas mickrig erscheint. Man zahlt den Mitarbeitern 10% mehr, bemessen an der jeweiligen Haushaltsgröße, und entnimmt den Betrag aus dem Gewinn des Vorjahres. Geht das? Ist das kompatibel mit dem Prinzip der Urzelle?

Es wird die Frage gestellt: "Wie regeln sich Arbeitszeit, Akkordarbeit, Entlöhnung und Minimallohn?". R. Steiner: "Wenn die Art, das Maß und die Zeit der Arbeit im Rechtsorganismus festgesetzt werden, so kann es sich nur um die minimale und maximale Arbeitszeit handeln, die noch genügend Spielraum für den freien Willen des einzelnen läßt. Akkordarbeit dürfte sich überleben, weil diese den Menschen zur Maschine stempelt und die Qualitätsarbeit vermindert. Die Mehrleistung einzelner gegenüber anderen wird besser entwickelten oder erhöhten Fähigkeiten entspringen, weil durch die volle Gegenleistung[16], die zum Beispiel der Leiter eines Fabrikbetriebes den Arbeitern schuldig ist, der Ansporn zu einer Erhöhung der Leistung bedeutend größer ist als heute, wo ganz ungerechte Lohnverteilung stattfindet. Es ist daran gedacht, die Arbeitsarten der Handarbeiter ebenso in verschiedene Positionen einzuteilen wie heute die Leistungen der Angestellten, da daß der fähige oder fleißige Arbeiter von einer Position in die andere aufzusteigen vermag. Innerhalb einer Position sollen jedoch alle gleichmäßig bezahlt werden. Der Faule wird sich nie aus der niedersten Position erheben, doch muß ihm, wenn er auch noch so faul ist, die festgesetzte Entschädigung gewährt werden, weil er die gesetzliche Minimalarbeitszeit der menschlichen Gesellschaft zur Verfügung stellt. Zum Anspornen der Leistung dürften im künftigen Wirtschaftsleben manche Mittel verwendbar sein, die heute nicht wirken, weil das sachliche Interesse an der Produktion ein viel größeres sein wird als heute. [-] Die pekuniäre Gegenleistung für geleistete Arbeit soll nicht als Lohn betrachtet werden, sondern aus dem Geschäftsgang resultieren und nach den Rücklagen des vergangenen Jahres für das Künftige gerechnet werden. Im eigentlichen Sinne hat also der Arbeiter einen Besitztitel an der Fabrik, in der er arbeitet, den er allerdings mit dem Austritt wieder verliert. Dieser Besitz ist aber nicht kapitalistisch durch irgendwelche Aktien oder Papiere festgelegt, sondern einfach eine Selbstverständlichkeit durch seinen Eintritt, weil danach sein Verdienst errechnet wird. Dem schlechtesten Arbeiter muß das Erträgnis aus seinem Minimalbesitz so bemessen werden, daß er gerade davon leben kann und dies ist im eigentlichen Sinne das Erträgnis seines Existenzbesitzes. [-] Damit die einzelnen Fabriken nicht an gleichen Orten verschiedene Gegenleistungen auszahlen, dürfte der über den Fabriken stehende Wirtschaftsorganismus einen Ausgleich herbeiführen, was zur Voraussetzung hat, daß die Fabriken einander tragen. Es werden ja die Preisverhältnisse nicht wie bisher aus den Preisen der Rohmaterialien und Arbeitslöhne errechnet, sondern aus den Produktions- und Konsumverhältnissen der Waren untereinander, wodurch es möglich wird, daß auch ein vorübergehend nicht rentierender Betrieb aufrechterhalten werden kann, wenn aus irgendeinem Grunde dessen Waren nicht vom Markte verschwinden sollen. [-] Wie im einzelnen die Wirtschaftserträgnisse verteilt, ausgeglichen und ausgegeben werden, richtet sich nach den sich einst entwickelnden Wirtschaftsorganisationen. Alles Weitere dürfte sich aus der lebendigen Entwicklung ergeben und braucht daher heute in den Einzelheiten keineswegs festgelegt zu werden." (Nach Hans Kühn, Dreigliederungszeit. Rudolf Steiners Kampf für die Gesellschaftsordnung der Zukunft. Dornach 1978, S. 304f., zitiert nach Lit.: Strawe 1994, S. 8f.)

Die Leistungen der Arbeiter sollen eine ihr genau entsprechende, allerdings in pauschale Stufen eingeteilte, monetäre Gegenleistung durch den Unternehmer erhalten, und diese angemessene Bezahlung nach Leistung würde darüber hinaus ein Leistungsansporn für die Arbeiter sein. Andererseits sind die Leistungsanteile nur rechtlich, per Vertrag im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben festsetzbar. Steiner spricht zwar von "errechnen", gemeint kann aber nur eine gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Leistungsanteile sein, die allseits als gerecht empfunden wird. Zugrundegelegt wird das Betriebsergebnis des Vorjahrs.

Man ist mit solchen Überlegungen schon sehr weit aus der Urzelle heraus. Auch die im Zitat enthaltenen Äußerungen zu den Preisverhältnissen erscheinen fast wie eine Art Gegenpol der Urzelle, da sich die Preisverhältnisse nicht aus Arbeiterlöhnen plus Rohmaterialkosten ergeben sollen (was der Urzelle unmittelbar entsprechen würde), sondern "aus den Produktions- und Konsumverhältnissen der Waren untereinander" (was natürlich nicht mit einer Preisbildung durch das Spiel von Angebot und Nachfrage verwechselt werden darf).

Es wird also tatsächlich die oben kritisierte logische Inkonsequenz begangen, daß man von bereits gegebenen Preisen ausgeht, und von denen aus die Urzelle bestimmt, oder genauer wohl, aus dieser Richtung den Preisprozeß der Urzelle gegenläufig mitbestimmt[17], wo doch eigentlich die Preise aus der Urzelle direkt "fertig" herauskommen (wobei da dann aber angenommen ist, daß zwar nicht die Preise, sondern die Waren bzw. ihre Produktionsmöglichkeit schon da sind, die jemand wird brauchen müssen, um produzieren zu können[18]). Die Argumentation ist offensichtlich zirkulär, wobei das möglicherweise für volkswirtschaftliches Denken typisch ist und notwendig so sein muß. Denn im Kreislauf der Wirtschaft stellen sich die Verhältnisse je nach dem Standpunkt dar. Worauf es aber ankommen wird, ist, die Kompatibilität solcher Leistungslöhne mit der Urzelle zu zeigen, als Beleg, daß sie in eine assoziative Wirtschaft gut passen. Daß Steiner selbst solche Überlegungen anstellte, die auf Leistungslohn hinauslaufen, genügt nicht, sie als gerechtfertigt anzusehen, da er sich geirrt haben kann. Das Leistungslohnprinzip muß aus der Urzelle ableitbar sein.

Zunächst einmal ergibt sich aus der Urzelle gleich das radikale Gegenteil von Leistungslohn: Denn je höher die Leistung, desto weniger Zeitbedarf. Wenn ich an einem Tag 2 Paar Schuhe produziere, dann ist meine Leistung doppelt so groß, als wenn ich nur 1 Paar Schuhe produziere. Bei doppelter Leistung brauche ich nur die halbe Zeit, d.h. ich brauche nur die Hälfte von dem Bedarfslohn, den ich bräuchte, wenn ich die volle Zeit bräuchte bei einfacher Leistung.

Bei doppelter Leistung halbiert sich der Bedarfslohn bezogen auf die Leistungsgröße. Dies ist im Widerspruch zu dem Leistungslohn, der sich mit doppelter Leistung verdoppelt.

Daraus folgt, daß sich der gerechte Preis einer Mehrleistung sowohl erhöht als auch verringert, und umgekehrt bei einer Minderleistung, je nach dem, ob man das Bedürfnis- oder das Leistungsprinzip zugrundelegt. Eine Unmöglichkeit, es sei denn, die Beträge von Erhöhung und Verminderung wären umgekehrt proportional.

Bedürfnis- und Leistungslohn heben sich gegenseitig auf. Warum? Je mehr Leistungslohn ein Mitarbeiter erhält, desto weniger Bedarf hat er an Bedürfnislohn.

Wie schon oben die Urzelle dahingehend modifiziert werden mußte, daß von dem gerechten Bedarfseinkommen aus betrieblicher Tätigkeit dasjenige abzuziehen ist, was die Haushalte von woandersher (aus einer Umlage) erhalten, so ist jetzt, um das Prinzip der Urzelle aufrecht zu erhalten, folgende zwingende Feststellung zu machen: Das gerechte Bedarfseinkommen aus der Urzelle verringert sich exakt um die Summe, die der Haushalt aus Leistungseinkommen erzielt.

Gemäß dem Urzellenprinzip kann sich daher die Summe des Einkommens eines Haushaltes wegen höherer Leistung niemals erhöhen. Sie muß gleich bleiben. Es verschiebt sich lediglich im gerechten Einkommen das Verhältnis zwischen dem, was man darin jeweils den Bedürfnis- und Leistungsanteil nennen mag.

Kritik an diesen Folgerungen: Der Leistungslohn ist gemäß dem obigen Zitat von Rudolf Steiner als Lohnklasse auszuzahlen. Entsprechend den bisherigen Tariflöhnen, ist bei der Auszahlung an den Arbeitsleister in Lohnklassen zu differenzieren, entsprechend etwa den bisherigen Systemen bei BAT (heute TVöD), wo z.B. unterschieden wird in einfacher Dienst, mittlerer Dienst, gehobener Dienst und höherer Dienst usw.[19] oder MetallTV. Somit wird der Mindestbedarf bei höheren Lohnstufen deutlich überschritten. Nur diese Deutung befindet sich im Einklang mit Rudolf Steiners obigem Zitat.


Eine weitere zwingende Folgerung ergibt sich aus der Urzelle: Wenn sich das Gesamteinkommen von Haushalten durch zusätzliche Leistungslöhne erhöht, dann muß gleichzeitig auch der Bedarf entsprechend steigen.

Im folgenden wird zu zeigen sein, daß nur diejenigen Arten von Leistungslöhnen bzw. Betragshöhen der Einkommensverbesserung durch Mehrleistung für die Volkswirtschaft unschädlich sind, insbesondere auch für die Bildung gerechter Preise, die glz. zu entsprechenden höheren Bedarfen der Haushalte führen, die von diesen Leistungslöhnen profitieren.

Darüber hinaus muß, um dem Sozialen Hauptgesetz, d.h. dem Prinzip der Trennung von Arbeit und Einkommen zu entsprechen, vermieden werden, daß mehr Leistung erbracht wird im Sinne des Selbstversorgungsinteresse.

Es muß sich also zwar der Bedarf der Haushalte erhöhen, die durch Mehrleistung mehr Einkommen beziehen, aber diese Bedarfserhöhung soll keine egoistische sein.

Also nicht nur soll idealerweise die Arbeit und das heißt auch Mehrleistung im Interesse der Gemeinschaft, und nicht im Interesse der Selbstversorgung erbracht werden, sondern auch der erhöhte Haushaltsbedarf soll nicht aus Eigeninteresse angezielt werden, wie z.B. um das Einkommen in Aktien anzulegen, um dann später nicht mehr zu arbeiten, sondern von den Gewinnausschüttungen zu leben.

Letzteres kann man volkswirtschaftlich schon nicht mehr, von Ausnahmen vielleicht abgesehen, akzeptieren. Es handelt sich bei der Geldanlage auch nicht um Bedarf in eigentlichen Sinne. Ein "guter" erhöhter Bedarf eines Haushalts, der durch Mehrleistung höheres Einkommen erzielt, wäre die Geburt eines dritten Kindes.

Bei betragsmäßig sehr großen höheren Mehreinkommen ist das entsprechende Bedarfswachstum nicht mehr wirklich möglich, der Bedarf fängt an, luxuriös zu wuchern.

Eine Besonderheit ist das Sparen der Haushalte. Sparen soll natürlich möglich sein, aber man kann den Sparbedarf nicht als einen Bedarf wie die übrigen Waren und Dienstleistungen ansehen. Je mehr ein Haushalt an Einkommen aus Mehrleistungen hat, desto höher wird tendentiell der Sparanteil ausfallen.

Bei den ganz großen, oder auch bei kleineren, "geizigen" Haushalten kommt es durch die Mehreinnahmen nicht mehr 1:1 zu höheren Bedarfen, sondern das Geld führt zu Kapitalbildung in privater Hand, und via Erbschaft zur Bereicherung einer Familie.

Aufs Ganze entstehen aus dem Vorgang der Mehrleistungsvergütung die wirtschaftlichen Klassen, damals Kapitalisten und Arbeiter, heute Kapitalisten und Kleinbürger. Die Kapitalklasse verfügt typischerweise auch über das Eigentum an den Produktionsmitteln, stellt also die Betriebe bereit, aus deren Wirtschaften sie sich via Leistungslöhne (zu denen auch die Gewinnentnahme des Unternehmers bzw. Unternehmenseigentümers gehört) wieder die größten Anteile herausholen.

Man muß daher das praktizierte Leistungslohnprinzip sowohl mit für die Ursache der Entstehung des Kapitalismus halten, als auch für ein Mittel, ihn aufrecht zu erhalten.[20]

Auf der anderen Seite stehen diese Gelder dem Betrieb nicht für Investitionen zur Verfügung, auch nicht für betriebliche Belange, wie z.B. einer Einrichtung einer Kinderbetreuungsstätte oder eines Fahrdienstes, um die Mitarbeiter morgens aus den Dörfern abzuholen und abends zurückzufahren.

Die Gelder, die durch Mehrverdienste an die Haushalte gezahlt werden, schränken zudem die Möglichkeit der Betriebe proportional ein, Teilzeit, Sabatticals etc. bei vollem Lohnausgleich gewähren zu können. Das Geld, das für Mehrleistung an die Haushalte abgeflossen ist, steht für die Weiterbezahlung eines Mitarbeiters während einer "Babypause" nicht zur Verfügung usw.

Je höher die Abflüsse durch Mehrleistungsverdienste der Mitarbeiter eines Betriebes sind, desto weniger kann der Betrieb schließlich in die allgemeine Umlage zahlen.

Zusammengefaßt läßt sich sagen (bei einer statischen, nicht dynamischen Betrachtung), daß nur diejenigen Leistungslöhne wegen Mehrleistung unschädlich sind, die echten höheren Bedarfen in der exakt gleichen Höhe wie das Mehrgehalt in derjenigen Zeit entsprechen, in der der Gehaltsbezieher das Produkt erneut wird herstellen können.

Solche echten Bedarfe könnten aber auch ohne Mehrleistung geltend gemacht werden, und so muß es gemäß dem Urzellenprinzip auch sein. Soll sich dann die Bezahlung der Mehrleister im Betrieb trotzdem von der Bezahlung der Minderleister unterscheiden, ist dies gemäß Urzelle notwendig damit verbunden, daß die Minderleister für ihre Haushalte den Differenzbetrag, um den echten höheren Bedarf zu decken, aus der betriebsexternen Umlage erhalten müssen.

Das Gehalt der Haushalte kann immer nur ihrem tatsächlichen echten Bedarf entsprechen, egal wie man es wendet, und wenn die Betriebe nach Leistung bezahlen, so ändert sich dadurch gemäß der Urzelle niemals das Einkommen der Haushalte. Es ändert sich dadurch lediglich das Verhältnis zu dem, was den Haushalten aus der Umlage gezahlt wird. Bei den Mehrleistern fällt das, was ihren Haushalten aus der Umlage zu zahlen ist, entsprechend geringer aus.

Wozu dann überhaupt diese Unterscheidung von Bedürfnis- und Leistungslohn? Sie ist u.a. zu Zwecken der Buchhaltung nützlich, und sie gibt dem Mitarbeiter einen Zettel in die Hand, auf dem die Höhe seines Leistungsanteils steht, wie er sich aus der vertraglichen Vereinbarung wie oben erörtert (nicht monetär errechnet), ergibt. Weitere Zwecke werden unten noch gesondert aufgeführt[21]. Der von Rudolf Steiner im obigen Zitat angeführte Leistungsanreiz sollte sich in einer assoziativen Wirtschaft eigentlich erübrigen können. Es wird eher darum gehen, Demotivierung zu vermeiden.

Während das Einkommen der Haushalte zwar das gleiche bleibt, erhöht sich das Volumen der Gelder, die durch den Betrieb an die Haushalte fließen, durch eine höhere Gesamtarbeitsleistung der Mitarbeiter in diesen Betrieben, sofern nach Leistung bezahlt wird.

Was bedeutet dies für die Warenpreise des Betriebes, im Verhältnis zu den Warenpreisen eines anderen Betriebes, und welche Konsequenzen hat dies für die Bestimmung der gerechten Preise, also auch des Preisverhältnisses zwischen den Waren des einen und des anderen Betriebes? Und welche Schwierigkeiten für die Ermittlung der gerechten Preise ergeben sich, wenn den Vergütungen für Mehrleistungen in den beiden Betrieben bei den Haushalten zum Teil unechte Bedarfe gegenüberstehen, in unterschiedlicher sowie nicht bestimmter Größe?

Qualität des echten Bedarfs

Da die Formel für das Existenzminimum bei Bedarfen, die mit Mehrleistungen korrespondieren, nicht mehr brauchbar ist[22], außer als unterster Minimalwert, muß genauer bestimmt werden, was einen echten Bedarf von einem unechten unterscheidet. Grundsätzlich sind zwei überflüssige Brotmesser in der Küche genauso unechter Bedarf wie zwei überflüssige zusätzliche Autos in der Garage.

Echter Bedarf hat die Qualität der Strenge. Die Strenge ist das Maß des echten Bedarfs. Der Übergang zum unechten Bedarf ist fließend. Der Strengheitsgrad reicht von 1 (echter Bedarf) bis 0 (unechter Bedarf).

Man wird nun im allgemeinen feststellen können, daß der echte Mehrbedarf, der Mehrverdiensten in den unteren Lohngruppen korrespondiert, strenger ist, als der echte Mehrbedarf, der bei den höheren Lohngruppen einem höheren Verdienst korrespondiert.

Aber das gilt nur im allgemeinen. Um den Strengheitsgrad eines echten Bedarfs beurteilen zu können, ist eine Einzelfalluntersuchung notwendig. Daraus ergibt sich die Fragestellung, wie ein gerechtes Urteil und von wem über den Strengheitsgrad eines Bedarfs möglich sein kann, und nach welchen Kriterien. Ohne das jetzt näher zu begründen, wird im folgenden davon ausgegangen, daß die Betriebe solch ein Urteil nicht fällen können. Man wird auf der Haushaltsseite die Kompetenzen für solch ein Urteil suchen müssen.

Da die Strengheit eine Sache des Einzelfalls ist, ist, je höher die Einkommensgruppe angesiedelt ist, eine umso genauere Prüfung nötig. Bei den unteren Lohngruppen ist der Strengheitsgrad generell höher, man muß also nicht so genau prüfen. Bei den hohen Einkommensgruppen ist Unechtheit des Bedarfs wahrscheinlicher, und es wird die Differenzierung der Haushalte eine größere sein. Das heißt, je höher ein Haushalt in der Einkommenshierarchie steht, desto strenger ist die Echtheit seines Bedarfs einer Überprüfung zu unterziehen.

So wird man sich bei der Prüfung der Bedarfsangaben in erster Linie die Haushalte der Unternehmensleitung und anderer Mitarbeiter ansehen müssen, die Anspruch auf einen großen Leistungsanteil im Betrieb machen, weniger die Haushalte der unteren Lohngruppen.

Urzelle und Teilzeitarbeit

(Bezahlung gemäß Wochenarbeitsteilzeit oder anderer Teilzeitmodelle ist eine Variante des Leistungslohnprinzips.)

Es ist logisch nicht möglich, einen Bedürfnislohn zu bestimmen, der einer Stunde Arbeit etwa dienstags von 11 bis 12, oder freitags von 14 bis 15 Uhr entspricht. Denn man kann den Lebensunterhaltsbedarf nicht zerteilen, er muß immer der ganze sein, weil zu jeder einzelnen Stunde mindestens die Zeit bis zur gleichen Stunde am nächsten Tag gehört, denn der Bedürfnislohn bezieht sich auch auf den Lebensunterhalt in der Freizeit oder wenigstens Schlafenszeit.

Auch wenn der Arbeiter messbar pro Stunde einen Schuh anfertigt, kann man nicht dahin kommen, den Bedürfnislohn derart zu bestimmen, daß er gleich dem benötigten Lebensunterhalt während der Stunde, zu welcher er jeweils einen Schuh produziert, wäre. Der Arbeiter könnte sonst in der Freizeit und Schlafenszeit nicht existieren. Eher würde er für die Zeit bezahlt, wo der Arbeiter nicht arbeitet. Denn in der Zeit, wo er nicht arbeitet, ißt und schläft er, Lebensnotwendigkeiten, die so für die eigentliche produktive Zeit nicht direkt bestehen. Zwar bestehen und entstehen während der Arbeitszeit auch Lebensunterhaltsbedarfe, der größte Teil dieser resultiert jedoch aus der Nichtarbeitszeit. Man überbrückt hinsichtlich des Lebensunterhaltsbedarfs gerade die Arbeitszeit in einem besonderen Maße, wenn auch in keiner Weise berechenbaren. Bedürfnislohn ist vornehmlich Erholungslohn, Reproduktionslohn. Von daher versteht sich auch die Berücksichtigung der Familie bzw. des ökonomischen Haushalts, denn die Familie ist die soziale Reproduktionseinheit.

„Eine mechanistische Denkweise hat sich immer gedrängt gefühlt, eine sogenannte Arbeitswerttheorie zu vertreten, welche die Arbeitsleistungen in abstrakter Weise nach Zeitlängen im Verhältnis zu einem äußeren Leistungsquantum bemißt. Solche Feststellungen kann man durchaus treffen, wenn es sich um eine einzelne Ware handelt, man kann aber niemals zwei Waren in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitsquantum wirklich vergleichen. Die Leistung ist etwas so durchaus Innerliches, daß man sie an den Graden der äußeren Betätigung und den Mengen der materiellen Ergebnisse nicht genau messen kann. Die Größe einer Leistung ist materiell nicht auszudrücken durch die materiellen Mengen, in denen sie sich vergegenständlicht. Also, wenn zwei gleiche Warenmengen die gleiche Stundenzahl für ihre Herstellung benötigen, sind sie doch nicht wertgleich. Man kann 14 Stunden in der freien Natur arbeiten, aber nicht 14 Stunden an der Drehbank stehen und noch viel weniger 14 Stunden lang als Lehrer unterrichten.“ (Lit.: Wilken 1949, S. 90)

„Es ist für die gesamtwirtschaftliche Preisbildung nicht wirklichkeitsgemäß, daß man Leistungen in abstrakten Quantitäten vorstellt, sondern es müssen gewisse Gesamtgrößen des Bedarfes in ein Verhältnis zu den Leistungen gebracht werden. Daß ich als Hersteller eines Produkts von dem Erlös dieses Produktes leben und weiter arbeiten kann, das ist ein objektiver Gesichtspunkt. Unter diesem Gesichtspunkt können die Leistungen gegenseitig verglichen und bewertet werden.“ (Lit.: Wilken 1949, S. 90)

Hier ist von Wilken die Leistungsbestimmung über den Bedarf vorgenommen, also als originärer Urzellenwert, wie er fertig herauskommt, und mit der Leistung für andere gleichgesetzt. Eine Differenz zwischen Bedarfslohn und Leistungslohn kann es insofern nicht geben. Die Bewertung der Leistung im Verhältnis zu den Leistungen anderer kann sich jedoch nur im Vergleich ergeben.[18]

„Für den Bedarf aber bildet die Maßeinheit nicht die Stunde, sondern der Tag. Diese Tageseinheit muß aber auch zum Maßstab der wirtschaftlichen Arbeit genommen werden. Es ist ja letzten Endes eine soziale Frage, wie lange die Arbeitszeit angesetzt werden soll. Das kann natürlich nur unter dem Gesichtspunkte der Gerechtigkeit geregelt werden, so daß jeder, insofern er nicht freier Arbeiter ist, verhältnismäßig gleich lange bzw. gleich viel arbeitet, d.h. einen gleich langen Arbeitstag hat, was aber durchaus nicht bedeutet, daß die objektive Stundenzahl dieselbe sein müsse.“ (Lit.: Wilken 1949, S. 90f., Hervorh. i. Orig.)

Tagesbedarf und Tagesteilzeit, also ein Zeitteil des Normalarbeitstages, wie er rechtlich bestimmt ist, dieser Normalarbeitstag stundenzahlmäßig differenziert z.B. nach dem Maß, wie sehr die Arbeit erschöpft (unterschiedlicher Erholungsbedarf) - das ist etwas, das irgendwie nicht zusammenpaßt, egal wie man die Urzellenformel wendet. Es sei denn, man sucht eine Lösung in der Richtung, die mit der Herausnahme des "freien Arbeiters" durch Wilken aus der Geltung dieser Relation angedeutet ist.

Zur Unterscheidbarkeit von Leistungskapital und Mehrwertkapital

Kapital soll laut Rudolf Steiner sich dadurch bilden, daß Arbeit organisiert ist bzw. wird, wozu auch Maschineneinsatz gehört, wodurch eine Arbeitsersparnis entsteht (im folgenden Mehrwertkapital genannt). Leistungskapital soll im folgenden dasjenige Kapital genannt werden, das dadurch entsteht, daß die Arbeiter nicht leistungsgerecht, sondern zu niedrig bezahlt werden.

Wenn diese Gelder erstmal zusammengeflossen und weiter verwendet worden sind, ist eine Unterscheidung nicht mehr möglich. Es muß daher die Unterscheidung bei der Entstehung dokumentiert werden.

Wenn ein Betrieb zuschußbedürftig ist, und die Mitarbeiter, soweit es ihnen möglich ist, ein geringeres Einkommen beziehen, als ihrer Leistung entspricht, dann muß das in der Buchhaltung dokumentiert werden, wenn nicht als Leihe, dann als Schenkung der Mitarbeiter. Die Assoziationen können dann an der Buchhaltung sehen, weswegen die Waren etwas günstiger aus dem Betrieb herauskommen können, oder, wenn die Preise denen leistungskräftigerer Betriebe entsprechen, an dem produzierten Überschuß des Betriebes die Kapitalanteile, die wegen zu schlechter Bezahlung resultiert sind, wieder herausrechnen, da sie nicht in die allgemeine Umlage gehören, sondern, wenn sie nicht an die Mitarbeiter ausgezahlt werden sollen, einer speziellen Verwendung zuzuführen sind.

„In gleicher Weise fließen den Mitarbeitern bereits jetzt, über ihr vertraglich zugesichertes Einkommen hinaus, beträchtliche Anteile des Jahresertrages zu.

Der größte Teil dieser Gewinn-Anteile der Mitarbeiter wird jedoch für Investitionen benötigt und deshalb den Mitarbeitern nicht ausgezahlt, sondern als Darlehen gutgeschrieben. Künftig, sobald der Kapitalbedarf der Firma gedeckt ist und die Fremddarlehen getilgt sind, können diese Gewinn-Anteile an die Mitarbeiter ausgezahlt werden.

Die WALA-Gesellschafter haben, rein juristisch gesehen, vollen Anspruch auf diesen Anteil des Jahresgewinns. Aus ihrer inneren Einstellung heraus zum Kapital und zur Arbeit lehnen sie es jedoch ab, dieses Recht für sich in Anspruch zu nehmen. Sie begnügen sich mit einem auf Selbsteinschätzung beruhenden Leistungsentgelt.“ (Lit.: Wala-Heilmittel, Mitarbeiter der, S. 251., Hervorh. i. Orig.)

Ganz vorbildlich, was die Verbuchung als Leihe betrifft, abgesehen aber wohl von der "Selbsteinschätzung" der Unternehmensleitung, was ihren Anteil an der Leistung betrifft. Das bedeutet dann doch auch, daß allein die Unternehmensleitung beurteilt, was der Anteil der Mitarbeiter ist. Von gemeinsamer gegenseitiger Feststellung, was die jeweiligen Anteile der Mitarbeiter (einschließlich Arbeitsleiter) an der Gesamtleistung sind, ist das noch weit entfernt.

Sparen, Leihen, Zins und Schenken
Sparen und Bedarf

Das Sparen der Haushalte darf, um mit der Urzelle kompatibel zu sein, nie den Bezug zum Bedarf im Sinne von Waren und Dienstleistungen verlieren, und muß immer einem solchen genau entsprechen. Dies gilt auch, wenn Erspartes verliehen oder verschenkt wird. Die Empfänger müssen einen Bedarf an Waren und Dienstleistungen haben, für den das Ersparte gegeben wird. Es ist möglich, daß eine Gruppe von Haushalten gemeinsam spart, z.B. für ein gemeinsames Schwimmbad für die lieben Kleinen. Das Sparen für z.B. so ein Schwimmbad bereitet eine private Investition[23] einer Gruppe von Haushalten vor. Es wird dabei bereits ein großes Faß aufgemacht, ein größeres, als wenn ein Haushalt nur für das eigene Haus im Grünen spart.

Ein besonderer Fall liegt vor, wenn das Ersparte an Betriebe gegeben wird. Es dient dann dazu, Investitionen zu ermöglichen. Das Ersparte kann auch an das Marktmanagement gegeben werden, um für die Haushalte etwas zu organisieren, etwa eine Einkaufsgemeinschaft, oder um einen Import von Waren aus fernen Ländern zu ermöglichen. Die Ersparnisse können aber auch gespendet werden, um z.B. die Gründung einer Waldorfschule mit zu finanzieren.

Das Problem bei all diesen privaten wirtschaftlichen Tätigkeiten mit den Mitteln von Erspartem ist nicht nur, das der Bedarf bei solcher Erweiterung schwierig als ein echter zu bestimmen ist. Dies ist auch schon ein Problem, das aber generell mit dem Bedarfsprinzip als solchem verbunden ist, und auch schon diskutiert wurde. Die Summen, die für den Bau eines Schwimmbads benötigt werden, können aber doch recht große sein. Solche riesigen Summen sollen die Haushalte sparen dürfen? Kann denn zu dem Bedarf der Haushalte wirklich mehr als der unmittelbare Kleinbedarf gehören? Und soll es zudem auch noch mit der Urzelle kompatibel sein, daß solche Sonderbedarfe gegenüber den Betrieben als Bedarf an Einkommen geltend gemacht werden können?

Eine besondere Schwierigkeit, die Urzelle nicht zu verlassen, liegt aber im Sparen als solchem begründet, in der Möglichkeit, das Ersparte nicht für Bedarfe zu verwenden. Das Ersparte ist ja in privatem Besitz und Verfügung. Die Haushalte können ihr nicht unmittelbar ausgegebenes Geld auch horten, als Sicherheit für eventuell, vielleicht in der Zukunft auftretende Bedarfe. Man kennt sie nicht, diese Bedarfe. Aber man weiß aus Erfahrung, daß solche Bedarfe entstehen können. Muß da nicht Vorsorge getroffen werden? Ein Haushalt, der dies tut, ist gut beraten. Wie groß soll denn die Summe sein, die für eventuell entstehende Bedarfe in der Zukunft zurückgelegt werden soll? Soll sie nicht so groß wie möglich sein, und wird nicht durch solches Horten die Urzelle gesprengt, bekommt Bedarf die Größe der Unendlichkeit?

An sich schon, aber gemäß der Urzellenformel muß ja Bedarf = Leistung sein. Ein Haushalt, der zwecks Vorsorge über den täglichen Bedarf hinaus eine Million zurücklegen will, muß entsprechend den Betrieben eine Mehrleistung erbringen, die solcher Million entspricht. Dann kann das Bedarfseinkommen so sein, daß diese Million angespart werden kann. Die Leistungsfähigkeit der Haushalte begrenzt also solche Hortungswünsche, und natürlich auch all die anderen, tendenziell unendlichen Bedarfe. Wem könnte man nicht alles was spenden wollen? Es sind dem dadurch Grenzen gesetzt, daß der Betrieb nicht mehr zahlen kann, als der Gegenleistung entspricht, die der Mitarbeiter in den Betrieb einbringt.

Trotzdem scheint das so nicht ok zu sein. Ist es nicht ungerecht, wenn die einen Haushalte sich ein Schwimmbad gönnen können, die anderen aber nicht? Und sieht es nicht auch sehr nach Selbstversorgung aus, wenn für expandierende Bedarfe Mehrleistung erbracht wird? Soll nicht gemäß dem Sozialen Hauptgesetz Mehrleistung um anderer Haushalte willen erbracht sein, nicht um des eigenen willen?

Um dieses Problem näher zu untersuchen, ist der Fall des Schwimmbadbaus gut geeignet, denn da scheint es doch so zu sein, daß das Einkommen eines Haushaltes wegen Mehrleistung nicht diesem allein zugute kommt, sondern auch den anderen Haushalten, die sich an dem Schwimmbadprojekt beteiligen. Der Fall kann sogar so liegen, daß der Großteil der Kosten nur von einem Haushalt getragen wird, weil dieser wegen besonders hoher Mehrleistung das Einkommen bezieht, aus dem die Investition hauptsächlich getätigt werden kann. Die anderen Haushalte mögen nur einen kleinen Teil beitragen können. Dann ist das also doch keine Selbstversorgung des leistungsstärkeren Haushalts, oder nur zu einem sehr kleinen Teil, dem, der dem direkten Bedarf an dem Schwimmbad für die zwei oder drei eigenen Kindern entspricht?

Man muß dazu zunächst einmal feststellen, daß die Definition des ökonomischen Haushalts im Grunde eine willkürliche ist. Warum sollte der Bedarfslohn, der den Lebensunterhalt des Arbeiters und der "Seinen", der abhängigen Familie decken soll, nicht auch über die eigentliche Familie hinaus auf den Bedarf von Menschen beziehbar sein, die von dem Einkommen des Arbeiters für ihren Lebensunterhalt abhängig sind?

Das beginnt schon mit dem Gast, der in einem Haushalt für eine Weile aufgenommen wird. Die Gäste müssen doch durch das Einkommen des Haushalts versorgt werden können? Auch zur Nachbarschaft hin scheint die Abgrenzung einigermaßen willkürlich, insbesondere, wenn Verwandtschaftsbeziehungen bestehen. Die Kinder sind erwachsen und haben ihren eigenen Haushalt, beziehen aber noch kein Einkommen aus Betriebsarbeit, sondern studieren z.B. noch. Ist es da nicht selbstverständlich, daß die Eltern sie finanziell unterstützen, und den Aufwand gegenüber den Betrieben, in denen sie arbeiten, als Bedarf geltend machen? Nun mag es in der Nachbarschaft einen alten Mann geben, der zwar ohne Einkommen ist, aber sich um die Pflege der Gärten kümmert, oder die Straße fegt. Müssen sich da nicht die anliegenden Haushalte in der Nachbarschaft um diesen Menschen kümmern, ihn mit versorgen, und müssen sie dann nicht gegenüber den Betrieben entsprechend höhere Bedarfseinkommen geltend machen?

Das müssen sie. Was aber ist, wenn die Haushalte, die diesen Mann aus der Nachbarschaft mit versorgen, zwar gegenüber den Betrieben einen Mehrbedarf geltend machen wollen, aber nicht zu entsprechenden Mehrleistungen in den Betrieben in der Lage sind (was durch die Urzellengleichung gefordert ist)? Dann wird der Mann aus der Umlage versorgt. Und so wird es auch mit dem Schwimmbadbau in einer ärmeren Gegend laufen, wo die Haushalte nicht selbst eins aus eigenem Betriebseinkommen finanzieren können: Der Schwimmbadbau wird aus der Umlage finanziert, oder auch durch Schenkungen aus reicheren Haushalten einer anderen Gegend, von denen aus die Mehrleistung in die Betriebe kommt.

Auf die letztlich beliebige Grenzziehung der Haushaltsgrößen, man spricht ja auch von Staatshaushalten usw., wird andernorts noch näher eingegangen werden.

Sparen und Leistung

Soweit scheint das unter dem Gesichtspunkt der Urzelle noch in Ordnung zu sein, obwohl der Schwimmbadbau schon ein gewisses Geschmäckle hat. Man könnte das in einem reichen Gemeinwesen für normal halten, aber es sieht doch schon sehr nach Luxus aus.

Dieses Luxusproblem ergibt sich bei zunehmendem Reichtum immer mehr. Die Haushalte bekommen Probleme, das Geld, das sie aufgrund ihrer außerordentlichen Leistungen aus den Betrieben beziehen, in echten Bedarfen unterzubringen. Es entsteht über die Spartendenz wegen undefinierter Vorsorgenöte hinaus eine Hortung von Geldern, die nicht, oder nicht sinnvoll ausgegeben werden können.

Das ist natürlich Geld, das woanders nicht zur Verfügung steht. Zudem wird den Haushalten das Geld zum Besitz übergeben, sie können beliebig darüber verfügen. Die Verwendungsqualität dieser Gelder hat eine große Auswirkung auf die Lebensqualität der Allgemeinheit. Deswegen stellt sich die Frage, ob die sehr großen Einkommensvolumen einfach so in private Verfügbarkeit gegeben werden dürfen, auch wenn entsprechende Mehrleistungen in Betrieben erbracht werden (daß diese Mehrleistungen tatsächlich erbracht werden, hier als gegeben angenommen).

Man wird unter dem Aspekt sich nicht mit den Leistungen von Mitarbeitern in Betrieben beschäftigen müssen, sondern mit deren Leistungen auf Haushaltsseite, den Ausgabekompetenzen derjenigen, die viel Geld in die Hand bekommen. Können sie damit auch umgehen?

Ist es denn gerechtfertigt, anzunehmen, daß Menschen, die in Betrieben wegen ihrer großartigen Fähigkeiten außerordentliche Leistungen erbringen und daher entsprechende Einkommen beziehen, auch die Fähigkeiten haben, mit den ihnen anvertrauten Geldern zum Wohle ihres Haushalts, und dem erweiterten Haushalt wie oben erläutert, umzugehen?

Dies ist wohl nur in den seltensten Fällen der Fall. Oft sieht man mit den großen Kompetenzen in der Berufsarbeit eine Unfähigkeit verbunden, das hohe Leistungsgehalt sinnvoll, d.h. ohne Verschwendung nach einem objektiven, volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt, zu verwenden.

Es werden nicht nur Gelder gehortet und der Allgemeinheit entzogen, sondern es werden auch Gelder in sinnloser Weise verschwendet, weil Personen mit Verfügungsrecht nicht mit Geld umgehen können, keine ausreichenden Kompetenzen für Haushaltswirtschaft, oder auch für Investitionen, sinnvolle Schenkungen usw. haben.

Sowohl das willkürliche Horten und Enthorten von Geld, als auch das Ausgeben für Waren und Dienstleistungen, die gar nicht wirklich gebraucht werden, haben einen verfälschenden Einfluß auf die Preise, der von den Assoziationen nicht kontrolliert werden kann, und widersprechen damit dem Urzellenprinzip. Es muß wirksame wirtschaftliche Steuerungsinstrumente geben, um solchen Fehlentwicklungen vorzubeugen. Ausgeschlossen ist natürlich, den Mehrleistern in Betrieben die Auszahlung von Mehrverdiensten zu verweigern, mit dem Argument, sie könnten nicht mit Geld umgehen.

Abgesehen davon, daß eine generelle Lösung für unvorhergesehene Bedarfe gefunden werden muß, also Versicherungen oder etwas dem Äquivalentes, könnte man meinen, das Geld würde ja auf eine Bank gebracht, und da liege dann die Kompetenz für seine Verwendung vor. Aber das ergibt sich so unmittelbar nicht, sondern es ergibt sich zunächst einmal nur, daß das Geld auf die Haushaltsseite gehört. Banken würden ja möglicherweise das Geld für Investitionen verleihen, aber das Geld, das den Haushalten an Bedarfseinkommen gezahlt wurde, das ist für den Konsum gezahlt, nicht für Investitionen.

Es entsteht dadurch das Problem, was mit diesem Geld passieren soll, wenn die Haushalte über die Umlage bereits für alle Mehrbedarfe zusätzliches Einkommen bezögen. Gemäß der Urzellengleichung würde das Geld aber für eine Umlage in exakt der gleichen Höhe fehlen, wie die Betragshöhen solcher Leistungseinkommen, die zwar für Bedarf gezahlt werden, wobei der aber nicht unmittelbar besteht, die Gelder also brach liegen. Diese Gelder fehlen auf der anderen Seite für die Umlage.

Das von einem Haushalt nicht gebrauchte Geld gehört daher nicht auf eine Bank, sondern in eine Umverteilung unter den Haushalten. Weil die Umlagezahlungen wegen dieser nicht gebrauchten Mehrleistungszahlungen nicht ausreichen, entsteht in exakt gleicher Höhe bei anderen Haushalten ein durch zu knappes Umlageeinkommen nicht gedeckter Bedarf.

Würde man diese Sachlage nicht berücksichtigen, dann müßte die Umlage von irgendwo her um die Summen aufgestockt werden, die an einige Haushalte wegen großer Leistungen in Betrieben gezahlt werden, obwohl diese Haushalte das Geld nicht wirklich brauchen können. In solchen Vorgängen kann man mit einen Grund für die Staatsverschuldungen erkennen. Die Staaten verschulden sich bei den reichen Haushalten, um die ärmeren mit ausreichendem Einkommen auszustatten.

Es führt dies nun zu der schwierigen Frage: Leihen oder Schenken? Denn wenn die reichen Haushalte ihr überflüssiges Einkommen an die bedürftigen Haushalte verschenken würden, müßten sich die Staaten bzw. die Allgemeinheit nicht bei ihnen verschulden.

Leihen oder Schenken

Es ist nun im näheren klar zu stellen, daß gemäß dem Urzellenprinzip überschüssige Leistungseinkommen, denen kein Bedarf gegenüber steht, von den Haushalten nicht verliehen werden dürfen, sondern verschenkt werden müssen (wie vorstehend abgeleitet). Dies kann natürlich nur freiwillig geschehen. Es könnte aber ein indirektes Zwangsmittel geben, das darin bestünde, daß es den Haushalten, die überflüssiges Einkommen beziehen, unmöglich oder unattraktiv gemacht wird, das Geld zu verleihen. Außerdem muß natürlich verhindert werden, daß das Geld gehortet wird, und es muß eine Absicherung gegen zukünftige Bedarfe in unbekannter Höhe geben.

(Zu den Haushalten im weiteren Sinne gehört auch das gesamte Geistesleben mit seinen Schulen usw., soweit es wirtschaften muß. Die Urzellenformel erhält eine Erweiterung durch die Schenkungskomponente: Bedarf (Waren bzw. Dienstleistungen, gegebene Schenkungen)= Einkommen (Bedarfseinkommen, Leistungseinkommen, Umlageeinkommen, erhaltene Schenkungen).)

Es ist hiermit aus der Urzelle abgeleitet, daß das Geld, das die Betriebe den Haushalten an Einkommen zahlen, nur sogenanntes Kaufgeld sein darf, das sich nicht zum Verleihen (Leihgeld) eignet. Außerdem werden die Schenkungen von Haushalten, die überflüssiges Einkommen als Gegenleistung für Mehrleistungen in Betrieben erhalten hatten, an bedürftige Haushalte oder Einrichtungen des Geisteslebens dadurch nahegelegt, daß (nicht rechtzeitig verbrauchtes) Kaufgeld in Schenkungsgeld umgewandelt wird, also nur noch für Schenkungen verwendbar ist, und für nichts anderes. Wie das konkret funktionieren können soll, wird weiter unten gesondert erörtert.

Das an Einkommen bezogene Geld darf deswegen kein Leihgeld sein, weil es die Besitzer zu spekulativen Verwendungen zwecks privater Bereicherung verleiten würde. Außerdem läge nahe, das Geld an andere Haushalte oder den Staat zu verleihen, um sie von sich abhängig zu machen, und Macht auszuüben.

Sparen, Investition und Zins

Es gibt aber auch einen zukünftigen Bedarf der Haushalte. Das Geld, das sie dafür brauchen werden, z.B. Hauskauf, können sie vorher nicht verschenken. Dieses langfristige Kaufgeld könnte zwischenzeitlich in Leihgeld umgewandelt werden. Damit könnten dann Investitionen getätigt werden. Aber nicht von den Haushalten selbst. Schließlich haben sie das Geld für Konsum erhalten. Und der durchschnittliche Haushalt versteht nichts von richtiger Investition. Es ergibt sich daraus die Frage, wie verhindert werden kann, daß das Geld, das die Haushalte später, nach vielen Jahren vielleicht erst, für einen Konsum brauchen werden, zwischenzeitlich für Spekulation oder Leihwucher verwendet wird, zwecks Versuchen, sich zu bereichern.

Eventuell könnte ein attraktiver Zins angeboten werden, damit die Haushalte das Geld, so gelenkt, in vernünftige Investitionen leiten können. Sie bräuchten nichts weiter davon verstehen, als zu gucken, wo es Zins gibt. Es gibt auch die Möglichkeit, es einer Bank anzuvertrauen, wo die Kompetenz vorhanden ist, welchen Unternehmern Geld für Investitionen gegeben werden kann, (ohne daß die Haushalte Zins erhalten, sondern nur späteren Kaufkraftausgleich, der auch negativ sein könnte).

Zusätzlich muß aber auch der richtige Anteil an Schenkungsgeld sich objektiv ergeben können. Es dürfte für einen durchschnittlichen Haushalt nicht möglich sein, vernünftig darüber zu urteilen, was zukünftiger Bedarf sein wird, und wo es solchen Bedarf nicht geben wird, und wo dann eben geschenkt werden muß.

Für diese Problematik wird an anderem Ort zu prüfen sein, ob das Altwerden des Geldes ein geeigneter Mechanismus ist, um diesen drei zusammenhängenden Problemen zu steuern: Vorerst noch nicht benötigtes Geld muß anderen für Investitionen zur Verfügung stehen, nicht benötigtes Geld muß verschenkt werden, und zwischen diesen beiden Verwendungsarten muß es ein volkswirtschaftlich optimales Verhältnis geben können, das unabhängig ist von der wirtschaftlichen Kompetenz der Haushalte.

Eine entsprechende Geldordnung, oder, wenn eine solche diese Funktion nicht ausreichend erfüllt, eine andere Maßnahme, würde als ein Teil des strukturellen Altruismus anzusehen sein, wie er durch das soziale Hauptgesetz gefordert ist. Solche Maßnahme könnte kaum eine assoziative i.e.S. sein, weil es die Sache des einzelnen Haushalts ist, wie er sein Geld ausgibt und wofür. Die Assoziationen könnten höchstens Empfehlungen usw. aussprechen. Das Problem des richtigen Verhältnisses von Schenkungsgeld und Leihgeld bei den Ausgaben eines bestimmten Haushalts könnte man aber wohl assoziativ nicht lösen. In einem funktionierenden assoziativen Gemeinwesen stellt sich die Sache aber insofern nicht so dramatisch dar, als die Haushalte, die zuviel verschenkt haben, und dann irgendwann knapp bei Kasse sind, das Geld dann von woanders her zurückgeschenkt erhalten.

Die Zinslehre Rudolf Steiners, nach der der eigentliche Sinn des Zinses darin bestehe, daß der Gläubiger darauf verzichte, in Zukunft gemäß dem Gegenseitigkeitsprinzip vom Schuldner einen Kredit verlangen zu können, und stattdessen einen Zins als Entgelt einnimmt, hat insofern auch aus obigem eine gewisse Plausibilität. Denn mit dem Verzicht auf Gegenseitigkeit geht ein Verlust an Lebenssicherheit einher, der dann mit dem Zins kompensiert wäre. Wichtiger dürfte jedoch sein, daß der Gläubiger das Geld überhaupt jemals wieder sehen wird. Deswegen nimmt die orthodoxe Theorie an, daß der Zins umso höher sei, je größer das Verlustrisiko.


Durch die Integration der Sparmöglichkeit erhält die Urzelle folgende Form:

Bedarf (Waren, Dienstleistungen, gegebene Schenkungen, möglicher späterer Bedarf (Sparbedarf), nicht eingetretener späterer Bedarf (gegebene spätere Schenkungen)) = Einkommen (Bedarfseinkommen, Leistungseinkommen, Umlageeinkommen, erhaltene Schenkungen, Auflösung von Gespartem).

Inwiefern der investive Einsatz von Spargeldern durch die Geldbesitzer selbst mit der Urzelle kompatibel ist oder nicht, bedarf noch einer speziellen Untersuchung. Kann man da eigentlich von einem Einsatz von Leihgeld sprechen? Das gesparte Kaufgeld müßte doch von den Kaufgeldbesitzern nicht geliehen werden, es wäre kein Fremdkapital, sondern Eigenkapital. Es stellt sich daher die Frage, ob die Einteilung des Geldes, wie von Rudolf Steiner vorgenommen, in Leihgeld, Kaufgeld und Schenkungsgeld so richtig ist. Könnte man nicht von einer vierten Geldsorte sprechen, dem Investitionsgeld (=Eigenkapital) im Unterschied zum Leihgeld (=Fremdkapital)? Und wäre nicht ein ähnlicher Unterschied zwischen Investitionsgeld und Leihgeld, wie zwischen Kaufgeld und Schenkungsgeld? Das Kaufgeld halten die Kaufgeldbesitzer für erbrachte Leistungen in Händen, um für ihren Bedarf entsprechende Gegenleistungen erhalten zu können. Beim Schenkungsgeld gibt es diese erbrachten Leistungen (Warenförmigkeit im wirtschaftlichen Sinne) durch die Schenkungsgeldbesitzer nicht. Ebenso gibt es den Unterschied zwischen Investitionsgeld (Eigenkapital) und Leihgeld (Fremdkapital). Im Investitionsgeld steckt die erbrachte eigene Leistung drin, im Leihgeld die erbrachte Leistung anderer. Im Kaufgeld die erbrachte eigene Leistung, im Schenkungsgeld die erbrachte Leistung anderer.


Eine Auffassung, das Kaufgeld würde im Voraus für die Bedarfsbefriedigung gegeben, damit eine Leistung erbracht werden könne, ändert daran nichts, da das Kaufgeld in den Besitz des Leistungserbringers übergeht, egal ob die Leistung in der Vergangenheit oder Zukunft liegt. Schon innerhalb eines Monats kommt es zur Sparbildung, sonst wäre ja sparen gar nicht möglich. Das heißt sogar wenn nach der Vorauszahlung für einen Monat, der Leistungsverpflichtete nur am ersten Tag arbeitet, und für 29 Tage Gehalt zurückgeben müßte, weil er nach einem Tag den Dienst quittiert, würde an diesem einen Tag bereits ein Sparprozeß stattgefunden haben. Das gesparte Geld bezieht sich daher immer auf schon erbrachte Leistungen. Man hätte bei solcher Sichtweise das vorausgezahlte Kaufgeld als eine Art Leihgeld, das gesparte aber als ein Geld, für das die Leistung schon erbracht wurde, und das vom Kaufgeldbesitzer als Investitionsgeld verwendet werden kann, oder wiederum als Leihgeld vergeben werden kann. Es bleibt also bei vier verschiedenen Arten von Geld: Kaufgeld als Vorschuß, Kaufgeld als gespartes, Leihgeld und Schenkungsgeld, oder man hätte als Trias Leihgeld (vorausgezahltes Kaufgeld, oder geliehenes Geld für Investitionen), Kaufgeld als gespartes, und Schenkungsgeld. Eigentliches Kaufgeld würde es dann aber gar nicht geben, denn gespartes Kaufgeld wird jedenfalls nicht unmittelbar als Kaufgeld verwendet. Kaufgeld gäbe es dann allenfalls in der Sekunde, wo ein Kauf stattfindet.

Eine andere Möglichkeit wäre, gespartes Kaufgeld und Leihgeld für ein- und dasselbe zu halten. Gespartes Kaufgeld ginge sozusagen potentiell in Leihgeld über. Dieser Übergang kann aber vom Kaufgeldbesitzer verhindert werden, indem das Geld nur gehortet würde. Man kommt dann auch zu einer Art Zweiteilung des Geldes, nämlich in seiner Qualität als Gegenwert für schon erbrachte Leistung, und in seiner Qualität als Gegenwert für erst noch zu erbringende Leistungen (zu dieser Art gehört auch das Schenkungsgeld, wenn auch nicht im streng wirtschaftlichen Sinne.)

Zudem ist so schon die Differenzierung in Eigentum und Besitz angelegt. Eigentum an Geld würde bedeuten Eigentum an Geld wegen bereits erbrachter Leistungen, Besitz an Geld dieses auch, aber Besitz an Geld kann auch Besitz von geliehenem Geld sein, dessen Gegenwert an Leistung erst noch zu erbringen ist. Gespartes Geld hat daher die Qualität von Eigentum. Nur deswegen kann der Eigentümer solchen Geldes auch seinen Übergang in Leihgeld verhindern. Als Eigentümer entscheidet er darüber, was mit dem Geld geschehen kann: Ob es für Käufe verwendet wird, oder verschenkt wird, oder verliehen wird, oder vom Besitzer selbst investiv verwendet wird, oder gehortet wird. Der Besitzer von Geld, das nicht sein Eigentum ist, kann nicht so beliebig darüber verfügen, sondern muß Sorge tragen, einen Gegenwert an Leistung erst noch zu erbringen. Dies gilt zumindest für den Unternehmer und den Arbeitsleister, beim Schenkungsgeld liegt doch der besondere Fall vor, daß eine zukünftige Leistung im ökonomischen Sinne auch ausbleiben kann, "darf". Der Idee nach handelt es sich aber auch da um geliehenes Geld, wo eine Leistung erst im nachherein kommen kann. Jedenfalls ist Schenkungsgeld kein Geld, das bereits erbrachten Leistungen entspricht.

Nicht nur diese Zweiteilung in Geldeigentümer, die Leistungen schon erbracht haben, und Nichtgeldeigentümer, die Leistungen erst noch zu erbringen haben, ist im Geld von vornherein angelegt, sondern auch das Machtverhältnis zugunsten des Geldeigentümers ist angelegt.

Da andererseits Eigentum an Geld nur durch Sparen entsteht, ist das Sparen die Quelle von wirtschaftlicher Macht über andere Menschen. Obwohl Sparen etwas notwendiges ist, und es für die Haushalte eine gute Sache ist, sparen zu können, und es auch unter objektivem Gesichtspunkt für das Wirtschaften allgemein den Vorzug hat, Geld effizienter einsetzen zu können (man kann warten, mit Chance auf Mehrwert, durchaus nicht unbedingt im Eigeninteresse), scheint mit ihm auch das Üble, was mit Geld in Beziehung gebracht wird, verbunden zu sein. Man könnte geradezu im Sparen den Ursprung des bösen Kapitalismus ausmachen wollen.

Die Konzepte der Geldalterung nach Silvio Gesell und Rudolf Steiner setzen direkt hier an und demotivieren ein Sparen, das Machtausübungs- und Bereicherungsversuchen dient. Zudem haben moderne Methoden der Geldschöpfung[24] den erfreulichen Nebeneffekt, daß man Spargeld nicht wirklich für Investitionen braucht. Es muß nur gespart sein (oder gehortet, der Unterschied zwischen sparen und horten für die Investitionsseite fällt weg). Der tatsächliche Einsatz des gesparten Geldes in investive Unternehmungen ist nicht nötig. Es muß lediglich die Höhe der Geldschöpfung der Höhe des gesparten (oder gehorteten) Geldes entsprechen[25] (soweit durch zusätzliche Geldschöpfung kein Wachstum induziert werden soll). Spargelder und Leihgelder sind durch die zwischengeschalteten Banken entkoppelt und müssen nur bilanzmäßig korrespondieren. Wenn ein aus Geldschöpfung gezogener Kredit zurückgezahlt wird, muß dem bei den Sparern ein Entsparungsprozeß entsprechen. Dies ist eine Aufgabe der Bankassoziationen. Die sparenden Haushalte müssen sich darum nicht kümmern, ihr Anliegen ist, daß der eigentliche Zweck des Sparens, nämlich das Geld zu einem späteren Zeitpunkt mit Werterhalt zur Verfügung zu haben, gewährleistet ist (Wie Werterhalt trotz grundsätzlicher Geldalterung funktionieren kann vgl. Geldalterung#Computerautomatische Geldalterung).

Im Vergleich der beiden Geldalterungsmodelle hat dasjenige in Anlehnung an die Vorschläge Rudolf Steiners den entscheidenden Vorteil, daß es auch für das richtige Verhältnis von Sparen und Schenken eine Lösung bietet. Die Gesellsche Methode hat diese nicht. Im Gegenteil, bei einer Geldalterung nach Gesell würde das Geldschenkungsaufkommen tendenziell zum Erliegen kommen, die Finanzierung von Haushalten ohne eigenes Einkommen und des Geisteslebens müßte dann zu einem guten Teil mittels Steueraufkommen (Zwangsschenkung) erfolgen, da unter den Bedingungen des Gesellschen Modells entweder nur mit Werterhalt gespart werden kann, oder aber das liquide Geld für Käufe verwendet werden muß. Die Kaufgeldbesitzer wären ständig in Sorge, genügend Waren für ihr Kaufgeld heranzuschaffen, da es sich laufend entwertet. Wie kann man bei solch einer doch auch stressenden Geldentwertung daran denken, von dem Geld, das in den Händen zerrinnt, auch noch zu verschenken.

Bei der Geldalterung gemäß Rudolf Steiner resultiert die Schenkungsquote letztlich aus einem von den Assoziationen festzulegenden Verhältnis von Kaufgeld und Schenkungsgeld, das durch den Ablaufzeitpunkt des Kaufgeldes gesteuert wird. Nach dem Ablauf wird das Kaufgeld reanimiert und kann für eine Weile als Schenkungsgeld für Käufe verwendet werden. Diese Zeitspanne ist aber in Wirklichkeit der Laufzeit des Geldes schon vorher eingerechnet, und die Kaufgeldlaufdauer entsprechend gekürzt.

Für das richtige Verhältnis von Schenken und Leihen (bzw. Sparen) ist nur noch das Problem der Tendenz gegeben, später zu schenken. Denn durch Sparen verzögert sich die Geldalterung. Ein Gutteil der Schenkungen werden aus Sparguthaben kommen, die die Haushalte für sich selbst angespart hatten, dann aber doch nicht benötigten. Dadurch kann es zu Engpässen beim laufenden Bedarf an Schenkungen kommen. Die Lösung hierfür besteht darin, daß die Bankassoziation die Schenkungsquote generell kennt, und daher bei einem Engpaß die nötigen Schenkungen vorfinanzieren kann.[26]

Zur Verdeutlichung kann der Werterhalt des Gesparten in die Urzellengleichung mit aufgenommen werden.

Bedarf (Waren, Dienstleistungen, gegebene Schenkungen, möglicher späterer Bedarf (Sparbedarf mit Kaufkrafterhalt), nicht eingetretener späterer Bedarf (gegebene spätere Schenkungen)) = Einkommen (Bedarfseinkommen, Leistungseinkommen, Umlageeinkommen, erhaltene Schenkungen, Auflösung von Gespartem (Kaufkraft entsprechend aktueller Wirtschaftslage)).

Die Gewährung von Zins würde, wenn erforderlich, ausschließlich dem Werterhalt des gesparten Geldes dienen, ist also funktionell dem Aufhalten der Geldalterung äquivalent.

Urzellenformel mit Grundeinkommen

Bedarf (Waren, Dienstleistungen, gegebene Schenkungen, möglicher späterer Bedarf (Sparbedarf mit Kaufkrafterhalt), nicht eingetretener späterer Bedarf (gegebene spätere Schenkungen)) = Einkommen (Bedarfseinkommen, Leistungseinkommen, Umlageeinkommen, Grundeinkommen, erhaltene Schenkungen, Auflösung von Gespartem (Kaufkraft entsprechend aktueller Wirtschaftslage)).

[Konsumentenkredite]

(Gegenseitige Leihe unter Haushalten, für Finanzierung von Auto, Haus oder Haushaltsgründung usw. scheint sinnvoll. Die Kompatibilität mit der Urzelle ist zu prüfen. Wiedereinführung des Zinsverbotes für Konsumentenkredite und stattdessen 100%ige Absicherung des Ausfallrisikos. Problem der Tendenz, zu leihen, statt zu schenken.)

[Sparen, Beschenktwerden und Umlage]

(Kann ein Haushalt, der Umlageeinkommen bezieht, sparen dürfen und nicht zu verrechnende Schenkungen erhalten?)

[Absicherung unbekannter, eventuell zukünftig eintretender Bedarfe]

(Einrichtung eines gemeinsamen Sparfonds für Alterssicherung, Pflegebedürftigkeit, Krankheit usw.)

[Zur Unterscheidbarkeit von Leistungen im Geistesleben und Dienstleistungen]

Dienstleistungen sollen im folgenden diejenigen Leistungen genannt werden, die Warencharakter haben, Geistesleistungen diejenigen, die nicht solchen Warencharakter haben.


Generierung der Umlage

Daß es sich mit dem Schenkungsgeld und der Art seiner Entstehung, Gegebenheit und Höhe so verhält, wie vorstehend angeführt, paßt zusammen mit dem, was sich für die Umlage aus dem Vorschlag Rudolf Steiners ergibt, Steuern als reine, nicht indirekte Ausgabensteuern zu erheben. Der Staat erhält aus dem Bedarfseinkommen der Haushalte in dem Augenblick einen Anteil, wo die Haushalte für ihren Bedarf Geld ausgeben. Man kann dies als eine Zwangsschenkung an den Staat ansehen, die von den Haushalten gemäß Urzelle gegenüber den Betrieben als Bedarf geltend gemacht werden muß, und sowohl einer entsprechend höheren Mehrleistung in den Betrieben entsprechen muß.

Die Urzellenformel erhält eine Erweiterung durch die Zwangsschenkungskomponente "Direkte Ausgabensteuer": Bedarf (Waren bzw. Dienstleistungen, gegebene Schenkungen, gegebene Zwangsschenkung (Steuer)) = Einkommen (Bedarfseinkommen, Leistungseinkommen, Umlageeinkommen, erhaltene Schenkungen).)

In die Umlage ganz allgemein verstanden, auch als Weltumlage, wovon auf der Generierungsseite eine Ausgabensteuer eines Staates nur ein Teil ist, fließen auch Gelder nach dem Wirtschaften ein, Gewinnsteuern, sofern zwangsweise vom Gewinn abgezogen, und weitere Gelder aus dem Betriebsergebnissen der Unternehmen, die ebenso wie auf der Haushaltsseite Schenkungsgelder sind, aber sich von diesen unterscheiden durch ihre Entstehung. Die Schenkungsgelder und Zwangsschenkungen (Steuern) der Betriebe werden aus dem Überschuß nach Abzug der Investitionsgelder gezahlt.

Ist der Überschuß gleich dem Einkommen des Unternehmensleiters und Kapitaleigentümers (Betriebsbesitzers), muß die Höhe von Schenkungen und Steuern aus dem Betrieb gemäß Urzelle dem entsprechen, was der Unternehmer nicht selbst für seinen eigenen Bedarf (inkl. Privatinvestitionen) benötigt. Betrachtet man den Unternehmer selbst auch als Bestandteil der Belegschaft, erhält er Bedarfs- und Leistungseinkommen wie die anderen Mitarbeiter auch. Die Schenkungsgelder und Zwangsschenkungen (Steuern) der Betriebe werden dann aus dem Überschuß nach Abzug der Investitionsgelder sowie nach Abzug des Unternehmerlohns (=Angestelltengehalt) gezahlt. Sie entsprechen der Höhe des Überschusses, sofern aus dem Überschuß nicht noch Leihgelder abgezweigt werden sollen, die nichts mit den betriebsinternen Investitionen zu tun haben, sondern für betriebsexterne Investitionen bereitgestellt werden.

Diese Leihgelder, die den Betrieb verlassen, sind das eigentliche Kapital, das der Betrieb gebildet hat. Die richtige Höhe ist hier nicht weiter zu besprechen. Allerdings muß die unmittelbare Zahlung in die Umlage dann entsprechend kleiner ausfallen. Mittelbar kann die Umlage davon profitieren, wenn andernorts mit den Leihgeldern erfolgreich gewirtschaftet wird.

„Es wurde oben gezeigt, dass Steiner das Geld primär als Leihgeld versteht und das Kaufen von Waren lediglich eine sekundäre Funktion desselben sei. In gewisser Weise kann man daher das Weizenkornbeispiel auch auf das Geld anwenden. Es ist selbstverständlich sinnvoll das Geld als Kaufgeld zu verwenden, so wie es sinnvoll ist, aus dem Weizenkorn Brot zu backen. Seine eigentliche Bestimmung ist aber, dem Geist zu dienen, um im Wirtschaftsleben eine neue Entwicklung hervorzubringen, d.h. Leihgeld zu sein. Doch ebenso wie der Landwirt nur einen kleinen Teil seines Weizenertrags zurückbehält, um ihn im nächsten Jahr neu auszusäen, ist es für das Wirtschaftsleben sinnvoll, dass nur ein kleiner Teil wieder als Leihgeld ins Wirtschaftsleben zurückfließt und der größte Teil zum rein konsumtiven Kauf verwendet wird.“ (Lit.: Eisenhut 2006, S. 12)

[Verwendung der Umlage]

Konsequenzen für die Wirtschaftswissenschaft und die Einrichtung einer assoziativen Wirtschaft

Versteht man das Prinzip der Urzelle, eine, wie Rudolf Steiner sagt, erschöpfende Formel, in ihrem vollen Umfang und Inhaltlichkeit richtig, dann muß die komplette Wirtschaftswissenschaft aus ihr hervorgehen (GA 340, S. 82), und die Einrichtung einer assoziativen Wirtschaft durch sie angeleitet sein.

Nun sagte Steiner (1919) allerdings selbst, daß es diese Urzelle bzw. ihre Entfaltung noch gar nicht gäbe:

„Sehen Sie, bei der heutigen Struktur der Gesellschaft läßt sich eigentlich gar nicht anders produzieren als im Hinblick auf den Profit. Das Prinzip, zu produzieren, um zu konsumieren, das muß erst geschaffen werden! Und von diesem Prinzip wird wiederum abhängen, ob in einer entsprechenden Weise Wege für eine Güterverteilung gefunden werden können. Es wird viel davon abhängen, daß man über einen großen Bereich hin, ich möchte sagen, eine wirtschaftliche Urzelle findet.“ (Lit.:GA 331, S. 128)

Mit der Formulierung "über einen großen Bereich hin" kann nur gemeint sein die Etablierung einer assoziativen Wirtschaft innerhalb der noch bestehenden Profitwirtschaft, nicht außerhalb von ihr in einem autarken Bereich, von dem nicht zu sehen ist, wo der herkommen könnte. Die assoziative Wirtschaft muß sich aus der Urzelle evolutiv entwickeln und sich innerhalb der Profitwirtschaft ausbreiten.

„Die assoziative Wirtschaftsmethode, die zur Verwirklichung der richtigen Preisbildung führt, kann und muß in kleineren Wirtschaftsbezirken zunächst ausgebildet werden, und kann sich von hier aus zu weltwirtschaftlichem Umfange auswachsen“ (Lit.: Wilken 1949, S. 86)

Die Schnittstellen zwischen assoziativer Wirtschaft und Profitwirtschaft

Wenn sich die assoziative Wirtschaft aus der Urzelle wie eine Pflanze entwickeln können soll, kann sie dies nur in der nunmal gegebenen "Natur"umgebung der Profitwirtschaft. Um die Lebens- und Entfaltungsbedingungen der assoziativen Wirtschaft zu kennen, ist eine umfassende und gründliche Untersuchung der Schnittstellen, der Tauschverhältnisse zwischen Profitwirtschaft und assoziativer Wirtschaft notwendig. Diese sind keineswegs nur monetär bewertete Aussentausche, sondern auch die schon in anderem Zusammenhang angesprochenen inversen Innentausche. Auch bei dieser Wirtschaftsbeziehung zwischen Profitwirtschaft und assoziativer Wirtschaft ist zu beachten, daß alles kapitalmäßige mit ihr nichts zu tun hat.

"Man sieht es aber dieser Urzelle des Wirtschaftslebens an, daß sie nur geregelt werden kann, wenn sie in dem Kreislauf des Wirtschaftslebens nichts anderes drinnen hat, als die Leistungen selber; wenn man nichts anderes im Kreislauf des Wirtschaftslebens hat als dasjenige, was der einzelne arbeitet als seine Leistung, und was die anderen mit ihm als ihre Leistungen eintauschen können. Innerhalb dieses Kreislaufes des Wirtschaftslebens hat nicht Ort und Stelle all dasjenige, was man nennen kann «Kapital»; das dringt nur ein, um dieses Wirtschaftsleben zu stören und diesen Wirtschaftsprozeß zu verunreinigen." (Aus einem Vortrag von Rudolf Steiner, Tübingen, 2. Juni 1919, zitiert nach Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Beiträge 103, S. 18f)

Ein inverser Tausch ist z.B. gegeben, wenn aus einem Haushalt heraus der eine Arbeiter oder Arbeiterin in einem assoziativen Betrieb tätig ist, der andere in einem profitwirtschaftlichen Betrieb. Ein Marktgeschäft, das sowohl Waren aus profitwirtschaftlichen Betrieben führt, als auch aus assoziativen, hat damit auch einen Vorgang, der einem Leistungsaustausch zwischen assoziativer Wirtschaft und Profitwirtschaft gleich kommt. Komplizierter wird es, wenn in dem Marktgeschäft einmal Mitarbeiter beschäftigt sind, die durch die Art ihres Haushalt dem assoziativen Gebiet zuzurechnen sind, anderseits Mitarbeiter aus dem profitorientierten Gebiet. Dabei können diese Haushalte aber auch gemischte sein, z.B. kann ein Haushalt einen Mitarbeiter in solch einem Marktgeschäft haben, aus dem gleichen Haushalt könnte aber auch ein weiterer Mitarbeiter in einem Profitbetrieb arbeiten. Ähnlich komplexe Austauschverhältnisse ergeben sich in Betrieben, die Mitarbeiter aus den genannten drei Typen von Haushalten beschäftigen, und zudem Vorprodukte einmal aus dem assoziativen Gebiet, aber auch aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet ziehen usw.

Annähernd gerechte Preise in dem assoziativen Gebiet vorausgesetzt, denn sonst würde es kein solches sein, muß, soll die assoziative Wirtschaft als eine solche auf Dauer gelten können, auch die Leistungsbilanz zum profitwirtschaftlichen Gebiet ausgeglichen sein.

Wie würde sich die Situation darstellen, wenn es innerhalb des assoziativen Gebietes ein allgemeines Grundeinkommen gäbe, und alle Mitarbeiter würden "für umsonst" in ihrer Wirtschaft tätig sein, und um die jeweiligen Leistungsanteile dieser Mitarbeiter würde man sich nicht kümmern, sie wären also unbekannt und in der Buchhaltung nicht erfaßt?

Die Folge wäre, daß auch die Leistungsbilanz zum profitwirtschaftlichen Gebiet nicht aufgestellt werden könnte, und man könnte sich von der assoziativen Qualität kein Bild machen, weil es unmöglich wäre, die Tausche an den Schnittstellen hinsichtlich ihrer Preisgerechtheit zu bewerten. Man muß diese Schnittstellen kennen, und was dort an Tauschen vorgeht. Daher ist es aus volkswirtschaftlichen Gründen eine Existenznotwendigkeit für die assoziative Wirtschaft, ihre internen Leistungstausche zu bilanzieren, und dazu gehört auch die Bewertung der Leistungen der einzelnen Mitarbeiter in assoziativen Betrieben, sowie entsprechendes bei den haushalts- und marktinternen Vorgängen.

„Deshalb ist es nicht sehr leicht, die Frage zu beantworten: Warum ist der «Kommende Tag» keine Assoziation? - Einfach weil er nicht mächtig genug ist, um auf den wirtschaftlichen Gang einen gewissen Einfluß zu haben. Dazu gehört erst eine bestimmte Größe der Assoziation. Was will der «Kommende Tag» heute zwischen den Unternehmern und den Arbeitern viel anderes machen, als was sonst auch geschieht? Das wäre nur in einem Falle möglich - ich habe das auch einmal in einer Betriebsversammlung gesagt -, nämlich wenn die Arbeiter des «Kommenden Tages» sich sämtlich entschließen würden, aus den Gewerkschaften auszutreten.“ (Lit.:GA 341, S. 46f)

Wie die Äußerung Steiners hinsichtlich der Gewerkschaften zu verstehen ist, kann man nur bei Kenntnis der damaligen Situation beurteilen. Wenn es aber ein Ziel von Gewerkschaften wäre, die Arbeiter am Absaugen der Wirtschaft zu beteiligen, stimmt das nicht mit den Intentionen der assoziativen Wirtschaft überein. Denn es soll gar nichts abgesaugt werden. Weder von Arbeitern, noch von Kapitalisten. Leistungsgerechte Bezahlung ist nicht das gleiche wie die Beteiligung an einem "Mehrwert"[27].

Zu klein und nicht mächtig genug - das wird aber über diese Problematik hinausgegangen sein, und Der Kommende Tag scheiterte auch aus anderen Gründen, die eine Analyse verdienen, wofür die Materialien vorliegen.

Bilanzen der fraglichen Schnittstellen in der Art wie oben gefordert, wird es aber wohl nicht geben. Möglicherweise wäre aber eine sich annähernde Rekonstruktion möglich, und man kann diese auch bei anderen assoziativen Unternehmen, die gescheitert sind, versuchen.

Die Gründe für solch ein Scheitern sind meist sehr komplexe, aber ohne daß die Schnittstellenbilanzen zur Profitwirtschaft vorliegen, wird man nie klar sehen.

Auf der anderen Seite kann es erfolgreiche Unternehmen geben, erfolgreich im Sinne des Sichhaltenkönnens, die sich als assoziativ verstehen, in Wirklichkeit es aber gar nicht sind, sondern unter der Hand (teilweise) profitwirtschaftlich arbeiten, bzw. aus der umgebenden Profitwirtschaft gestützt sind, nicht aus eigener Leistung sich halten. Auch darüber kann man sich nur durch die geforderten Bilanzen Klarheit verschaffen.

Bilanzen der Haushalte

Die Quote der Umlage, die das assoziative Gebiet zu tragen hat, ergibt sich aus ihrer Wirtschaftskraft im Verhältnis zu anderen Gebieten, wobei an sich unter dem Tatbestand der Weltwirtschaft das Weltwirtschaftsgebiet zugrundezulegen ist. Es genügt also nicht, die in Deutschland geltenden gesetzlichen Abgaben wie Steuern und Sozialversicherung zu verrechnen, und andererseits das Kindergeld usw. Man muß den Globus insgesamt nach den Regionen usw. bewerten, und kann dann einen angemessenen Anteil eines assoziativen Gebietes, regional oder spartenmäßig bestimmen. Das könnte z.B. auch bedeuten, daß ein Großteil des Überschusses des assoziativen Gebietes in ferne Länder fließen würde.

Was die Haushalte an Bedarfseinkommen geltend machen müssen, hängt davon ab, wieviel ihnen aus einer Umlage an Einkommen zukommt. Der Betrag dieser Umlage stammt z.T. aus dem assoziativen Gebiet, z.T. nicht aus diesem. Wenn nun der Haushalt eine zu hohe, nicht gerechtfertigte Umlage erhält, dann muß ermittelt werden, wie das im Verhältnis zu der an den Haushalt aus dem assoziativen Gebiet gezahlten Umlage ist.

Eventuell kann die Umlage aus dem assoziativen Gebiet etwas gekürzt werden, aber kaum in der Höhe, daß der Haushalt an Umlage die richtige Höhe bekäme. Sie bleibt also zu hoch.

Dadurch muß der Haushalt weniger Bedarfseinkommen einfordern, und es kann ein Mitglied des Haushalts in einem assoziativen Betrieb, der zuschußbedürftig ist, mit einem niedrigeren Bedarfseinkommen tätig werden, als in dem Falle, wo die Umlage für den Haushalt nicht zu hoch wäre.

Es resultiert daraus ein Zufluß aus der allgemeinen Weltumlage in das assoziative Gebiet hinein, der betragsmäßig zu bestimmen ist.

Angenommen, der Haushalt hätte eine weitere berufstätige Person, die in einem profitwirtschaftlichen Betrieb arbeitet, und bezieht aus diesem Betrieb ein hohes Einkommen, das durch die Leistung des Arbeiters nicht gerechtfertigt ist. Es kann darin auch eine Gewinnbeteiligung enthalten sein. Der Haushalt bezieht aus dem profitwirtschaftlichen Betrieb ein zu hohes Einkommen.

Auch in solchem Fall kann die Person, die in dem assoziativen Betrieb arbeitet, sich mit weniger Gehalt zufrieden geben.

Man kennt aber in diesem zu niedrigen Gehalt nicht ohne weiteres den Anteil, den der profitwirtschaftliche Betrieb hat, und denjenigen, den die zu hohe Umlage hat. Diese Anteile müssen ermittelt werden, (außerdem auch die Leistungsgerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit betragsmäßig des Einkommens aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet).

Dieser Haushalt kauft an Lebensmitteln nur zum Teil aus dem assoziativen Gebiet. Er nimmt z.B. auch gelegentlich statt des teuren Bergkäse aus dem assoziativen Gebiet für 3,50 Euro pro 100 gr. den Gouda aus dem Supermarkt für 0,50 Euro pro 100 gr.

Dieser Käsepreis des Gouda ist zu niedrig. Das hat aber zur Konsequenz, daß sich die Familie den Bergkäse aus dem assoziativen Gebiet öfter leisten kann. Es entsteht dadurch ein Zufluß in das assoziative Gebiet, der betragsmäßig zu bestimmen ist.

Natürlich ist es ausgeschlossen, die ganzen Leistungsketten bis zu ihren Anfängen zurück zu verfolgen, wenn diese länger und kompliziert sind, ohne daß ein zu großer Aufwand entsteht. Aber man wird in etwa in dem Beispiel schätzen müssen, um wieviel der Gouda aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet zu billig ist, sonst kann der Zufluß in das assoziative Gebiet nicht errechnet werden.

Solche Zuflüsse oder auch Abflüsse können noch vergleichsweise einfach berechnet oder wenigstens geschätzt werden, wenn entsprechende Daten dieser monetären Aussentausche vorliegen.

Es gibt in den Haushalten jedoch auch inverse Innentausche. Angenommen, es kommt ein drittes Kind, und dies belastet den Haushalt so, daß die Leistung in den beiden Betrieben etwas zurückgeht. Nun geht die Person, die in dem profitwirtschaftlichen Betrieb arbeitet, in Teilzeit. Das geht, weil sie zu hoch bezahlt wird, und jetzt reicht es trotzdem gerade noch. Diese Teilzeittätigkeit hat zur Folge, daß sich die Person mehr um Haushalt und Kinder kümmern kann. Dadurch steigt die Leistung der Person, die in dem assoziativen Betrieb tätig ist, wieder stark an, sogar über das alte Niveau hinaus, ohne daß sich dabei das Gehalt ändert. Über solche inversen Tausche in den Haushalten gibt es Zuflüsse aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet in das assoziative Gebiet, oder auch Abflüsse. Diese müssen mit geschätzten Werten in die Schnittstellenbilanz aufgenommen werden.

So wird dann möglicherweise einem alternativen Betrieb, der sich für einen assoziativen hält, auf solche und ähnliche Art aus der Profitwirtschaft jahrelang zugebuttert, und solch ein Betrieb wird, wenn sich die Verhältnisse der beteiligten Haushalte ungünstig ändern, schließen müssen, oder dann von anderer Seite bezuschußt werden müssen. Darüber hinaus ist so ein Betrieb innerhalb der assoziativen Wirtschaft nicht richtig bewertet (wenn es die Schnittstellenbilanzen nicht gibt), er ist ein Störfaktor und bringt das Preisgefüge des assoziativen Gebietes durcheinander.

[Bilanzen der Betriebe]

[Bilanzen der Marktunternehmen]

Das mathematische Modell der Urzelle

Auch wenn man einer modelltheoretischen Wissenschaftsmethode kritisch gegenüber steht, liegt es nahe, ein mathematisches Modell der Urzelle aufzustellen, da sie von Rudolf Steiner ausdrücklich als Formel bezeichnet wurde.

Das mathematische Modell erleichtert das Verständnis, was in der Realität der Preisbildung tatsächlich vorgeht.

Man muß es verstehen können, wie die Waren und Leistungen sich gegenseitig bewerten und die Gesamtsumme des Wertes der Waren und Dienstleistungen dabei die Gleiche bleibt. Wenn z.B. innerhalb eines gegebenen Leistungsgefüges eine Leistung geringer gewertet wird, dann ist damit, und zwar mit einer mathematischen Exaktheit, die Summe der übrigen Leistungen entsprechend höher gewertet. Es sind dies zwar nicht die Wirklichkeiten der wirtschaftlichen Vorgänge selbst, aber Vorgänge der Buchhaltung, des Rechnungswesens, dessen Ergebnisse in den Bilanzen zusammengefaßt werden.

Das mathematische Modell kann hier über das hinaus, was in der deskriptiven Beschreibung der Urzelle ohnehin schon enthalten ist, nicht weiter ausgeführt werden, aber es wird wohl auf die Aufstellung von sog. Differenzengleichungen hinauslaufen.

Diese Differenzengleichungen bilden Wertverhältnisse und Wertveränderungen komplexer ab als eine einfache Gleichung wie Bedarfslohn = Leistungslohn - Umlageeinkommen. Wenn sich ein Preis ändert, dann ändern sich die anderen Preise insgesamt in die umgekehrte Richtung, aber nicht alle in gleichem Maße, es gibt eine innere Differenzierung: Der eine Preis reagiert stärker auf die Preisänderung, der andere weniger. Es kann auch Preise geben, die zusammen mit der Preisänderung in die gleiche Richtung gehen, die anderen ändern sich umso stärker in die andere Richtung. Darüber hinaus ist es ein zeitlicher Prozeß. Nach einer Preisänderung dauert es, bis die anderen Preise sich angepaßt haben.

Außerdem kann sich das Leistungsniveau insgesamt heben oder senken, aber natürlich auch wieder in sich differenziert.

Urzelle und Profitwirtschaft

„Für die Fortentwickelung des Wirtschaftslebens handelt es sich darum, den Profit aus dem Grunde auszuschalten, weil er die Gütererzeugung dem Zufall des Marktes ausliefert, den zu beseitigen eine Forderung des Geistes der Zeit ist. Man umnebelt sich aber das gesunde Urteil, wenn man in die Bekämpfung des Profits den Hinweis auf seine egoistische Natur einfließen läßt. Denn im Leben kommt es darauf an, daß man in einem Wirklichkeitsgebiete diejenigen Gründe geltend macht, die in diesem Gebiete sachlich berechtigt sind. Gründe, die aus einem andern Gebiete kommen, mögen noch so richtig an sich sein: das notwendige Urteil können sie nicht in die sachlich bedingte Richtung bringen.

Für das Wirtschaftsleben handelt es sich darum, daß das Erkennungszeichen des Profits abgelöst werde durch das Wirken von Personen, die in dem Wirtschaftskreislauf mit der Aufgabe eingeschaltet werden, die Vermittlung zwischen Konsum und Produktion in vernunftgemäßer Weise zu besorgen, so daß der Zufall des Marktes wegfällt. Die rechte Einsicht in diese Umwandlung von Profiterkennungszeichen in vernunftgemäßes Handeln ergibt, daß diejenigen Motive, die bisher in unklarer Weise das Urteil auf diesem Felde getrübt haben, aus dem Wirtschaftsleben ausgeschieden und auf die Gebiete des Rechts- und des Geisteslebens übergeführt werden.“ (Lit.:GA 024, S. 68f)

Es ergibt sich zwar im ökonomischen Modell einer marktwirtschaftlichen Profitwirtschaft ein ideales Konkurrenzgleichgewicht, aus dem gerechte Preise im Sinne dieses Modells resultieren. Abgesehen von der Frage, ob die sich so im Idealmodell ergebenden Preise mit den gerechten Preisen einer assoziativen Wirtschaft übereinstimmen würden, ist das große Problem einer Profitwirtschaft, die sich an dem von Rudolf Steiner angeführten Profiterkennungszeichen orientiert, daß in der Realität weder das Konkurrenzgleichgewicht gegeben ist, noch sich die gerechten Preise bilden, aufs Ganze gesehen. Dies ist gelegentlich mal auf den verschiedenen Märkten eine Zeitlang der Fall, dann wieder nicht. Im Gegenteil kommt es sehr häufig zu absurden, offensichtlich ungerechten Preisbildungen, weil die Preisbildungen von den verschiedensten Seiten, auch wirtschaftsfremden Seiten, Manipulationsversuchen ausgesetzt sind.

Diese Manipulationsversuche sind nicht solche, die darauf zielen, die Preise gerechter zu machen, sondern sie ungerechter zu machen, nämlich zu eigenen Gunsten. Oder auch, als Gegenwehr, für sich die gerechten Preise zu erhalten, oder zurück zu erkämpfen.

In solchem Kampf kann man, auch wenn man grundsätzlich nur das eigene Auskommen sucht, wenn dieses einmal erreicht ist und auch eine Weile gehalten werden kann, dabei nicht stehen bleiben, sondern muß prospektiv zum Angriff übergehen, um sich auch für die Zukunft das nötige Auskommen zu sichern.

Profitwirtschaft ist Raubwirtschaft, bestenfalls eine von den Staaten domestizierte Raubwirtschaft. Es gilt, soviel wie möglich einzunehmen, um dann länger überleben zu können, wenn die Einnahmen wegfallen. Als Familie kann man nicht wissen, wie die Lage für die lieben Kinder und Enkel einst sein wird. Man rafft so viel wie möglich und sucht es abzusichern, damit die Nachfahren Zeiten ohne oder mit zu wenig Einnahmen überstehen können. Von daher versteht man auch das massive Auftreten der Staaten als Wirtschaftsakteure, denn die Nationen sind große Familien.

Obwohl es Raub ist, zumindest mit dem unberechtigten Teil der Aneignung, und wie will man den unter Bedingungen der Profitwirtschaft von dem berechtigten Teil unterscheiden können[28], ist diese Art des Wirtschaftens nicht einfach nur egoistisch. Sie ist zur Innenseite, zur Haushaltsseite hin altruistisch.

Der Familienvater steht nicht an der Werkbank, um sich selbst zu versorgen, sondern um seine Familie zu versorgen, und dieses altruistische Motiv wird bei der Kritik des Selbstversorgungsprinzips und auch des Erwerbsstrebens mit seiner Suche nach Profitchancen gerne übersehen.

Will man dieses altruistische Motiv auf eine quantitative Formel bringen, so ergibt sich: Je größer der Profit, desto größer der Altruismus. Dies ist die Formel des Kapitalismus.

Welches ist das Verhältnis dieser Formel des Kapitalismus zur Formel der Urzelle der assoziativen Wirtschaft?

Der seinem Wesen nach altruistische Profit kommt zwar den Haushalten zugute, aber ohne Verteilungsgerechtigkeit. Die Verteilung geschieht weder nach Bedarf noch nach Leistung, sondern gemäß den Eigentumsrechten an diesem Profit, sowie anderen Machtverhältnissen. Hierin liegt der Egoismus des Kapitalismus. Es ist kein moralischer, sondern ein struktureller Egoismus.

Dem steht ein struktureller Altruismus gegenüber, wie er sich u.a. aus der Arbeitsteilung ergibt. Gemäß dem Sozialen Hauptgesetz ist das "Heil", die Gesundheit, die Menschengemäßheit von sozialen Einrichtungen umso höher, je höher oder ausgeprägter der durch sie bedingte strukturelle Altruismus ist.

Dieser strukturelle Altruismus, wie ihn die assoziative Wirtschaft zu ihrem Prinzip machen will, konterkariert in gleicher Weise moralischen Egoismus, wie der strukturelle Egoismus des Kapitalismus moralischen Altruismus konterkariert[29].

Man hat es dabei nicht mit Polaritäten zu tun, sondern mit quantitativen Anteilen an der Gesamtwirtschaft im Sinne von Johannes 3,30: "Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen."

„Die assoziative Wirtschaftsmethode, die zur Verwirklichung der richtigen Preisbildung führt, kann und muß in kleineren Wirtschaftsbezirken zunächst ausgebildet werden, und kann sich von hier aus zu weltwirtschaftlichem Umfange auswachsen“ (Lit.: Wilken 1949, S. 86)

Will man die Formel des Kapitalismus in eine Vergleichbarkeit mit der Urzelle bringen, dann ist sie darin zu sehen, daß das Neue der Urzelle der assoziativen Wirtschaft darin besteht, daß aus ihr die Profitkomponente entfernt ist. Der Kapitalismus hat keine separate Urzelle, sondern es ist die gleiche Urzelle (diese soll ja universell sein), nur hat sie eine unbestimmte Profitkomponente enthalten. Die Preise sind dadurch zunächst unbestimmt, und man kann erstmal noch nicht wissen, was ein gerechter Preis ist. Es ergibt sich dann auf dem Markt ein erzielter Preis. Auch von diesem kann man nicht wissen, ob es ein gerechter Preis ist.

Die Kapitalkomponente soll aus dem Kreislauf der Leistungen und Gegenleistungen entfernt sein, und das ist nur möglich, wenn diese Komponente aus der Urzelle heraus ist, und als Mehrwert, Profit, Wertschöpfung einer separaten Verwendung zugeführt wird, letztlich aber doch wieder den Haushalten (inkl. dem Bedarf des freien Geisteslebens) zugute kommt, aber gemäß ihren Bedarfen gerecht verteilt.

Dies führt zu der Frage, ob übergangsweise eine Mischwirtschaft, eine Verquickung von assoziativer Wirtschaft und Profitwirtschaft möglich sein könne, und ob man mit solcher Methode der assoziativen Wirtschaft einen Anschub geben könne, oder ob so etwas nicht geht, vielmehr solche Verquickung das Entstehen einer assoziativen Wirtschaft nicht nur behindert, sondern sogar unmöglich macht.

"Nachdem die Herkunft des Geldes nicht mehr feststellbar ist, wird das „gewaschene“ Geld wie ein Ergebnis rechtmäßiger Geschäftstätigkeit genutzt."

Ein Satz aus dem Wikipedia-Artikel "Geldwäsche". Es ist viel die Rede davon, Gelder sozial und ökologisch nachhaltig anzulegen, aber wie sieht es mit der Herkunft aus? Kann man denn in dem Gebiet der assoziativen Wirtschaft Kapital zum Einsatz bringen, das mit durch die Ausbeutung von Arbeitskräften und Zerstörung der Umwelt gebildet wurde? Und geschieht nicht solch ein Einsatz ungehöriger Mittel bereits, wenn zum Beispiel Computergeräte aus Fernost, die dort von Arbeitern unter unmenschlichen Bedingungen wie damals bei uns während der industriellen Revolution hergestellt werden, in dem assoziativen Gebiet eingesetzt werden? Müßte nicht zumindest aus den Profiten, die durch den Einsatz solcher Computer im assoziativen Gebiet entstehen, den Arbeitern in Fernost der Leistungsanteil, der ihnen dort von den Fabrikherren vorenthalten wurde, zurückerstattet werden?

Darf denn ein assoziativer Betrieb in der Betriebsrechnung einen in der Profitwirtschaft hergestellten Computer mit dem Wert ansetzen, der im Einkauf gezahlt werden mußte? Muß nicht gleich beim Einkauf veranschlagt werden, um wieviel der Computer zu billig ist, und muß nicht der entsprechende Betrag zurückgeschickt werden?

Schon allein durch solche Verhältnisse mögen enorme Verfilztheiten mit der Profitwirtschaft bei einem Unternehmen, das sich als assoziativ versteht, gegeben sein. Aber wie stellt sich der Tatbestand dar, wenn das assoziative Unternehmen auch noch selbst unter der Hand aktiv profitwirtschaftlich tätig ist? Kann man denn gleichzeitig assoziativ ermittelte gerechte Preise für seine Waren haben, und dazu gerne auch noch einen profitwirtschaftlichen Aufschlag obendrauf nehmen, wenn der Markt das hergibt? Mit der Rechtfertigung, ja wir verwenden das dann ja sozial und nachhaltig?

Die assoziative Wirtschaft als Zuschußgebiet

Man könnte meinen, daraus den Schluß ziehen zu müssen, daß es dann eben mit der assoziativen Wirtschaft nicht funktionieren könne.

Das wäre aber zu kurz gedacht, eher ist es so, daß die assoziative Wirtschaft auf längere Zeit hin ein Zuschußgebiet wird sein müssen. Sie ist gewissermaßen ein Kind des Kapitalismus und braucht, bis sie aus eigener Kraft existieren kann die Zuschüsse, wie ein Haushalt ein Einkommen aus einer Umlage beziehen muß, solange die Einkommen wegen Berufstätigkeit noch nicht reichen.

Aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet müssen Gelder aus einer Umlage und anderen Quellen solange fließen, bis die assoziative Wirtschaft selbstständig ist. Es wird dies aber zum Vorteil des profitwirtschaftlichen Gebietes sein.

Es ist nun diese These im einzelnen näher zu begründen, und es sind die diversen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Existenz des assoziativen Gebietes durch Grenzziehung

Damit das assoziative Wirtschaftsgebiet, das es ja längst schon in größerem Maße gibt, wenn auch zerklüftet, oder nur sporadisch inselartig, in seinem ganzen schon gegebenen Ausmaß klar erkennbar wird, sind wie schon erörtert, die Schnittstellenbilanzen zum Profitgebiet aufzustellen.

Erst dadurch kommt die assoziative Wirtschaft zur deutlichen Wahrnehmbarkeit sowohl für sich selbst, als auch für die Profitwirtschaft. Die Überführung von Leistungskapital durch Mitarbeiter aus wie oben erläutert, gemischten Haushalten, die weniger Einkommen aus dem assoziativen Gebiet erhalten, als ihnen eigentlich entsprechend ihrer Leistung zusteht, sind in den Schnittstellen als Leih- oder Schenkungsposten aufzuführen.

Bei aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet zu günstig eingekauften Waren ist die Differenz zum ermittelten gerechten Preis in einem gesonderten Posten festzuhalten. Es gibt dabei zwei Möglichkeiten. Entweder man kann die Gründe für die Differenz zum gerechten Preis ermitteln, d.h. herausfinden, welche Leistungserbringer nicht die gerechte Gegenleistung erhalten hatten, woraus der falsche, zu niedrige Preis resultierte. Diesen Leistungserbringern kann man eine Leihe oder Schenkung ins assoziative Gebiet vorschlagen. Wenn sie aber gerne den Anteil für sich zurück haben wollen, sind Maßnahmen zu ergreifen, die das ermöglichen können. Eine andere Möglichkeit kann sein, daß die Ursache für den zu günstigen Preis nicht mehr ermittelt werden kann. Dies ist auch als ein besonderer Posten zu führen. Man kann diese Gelder dann als Schenkungen oder als langfristige Leihe aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet ansehen. Es ist wie bei allgemeinem zusammengeflossenen Kapital keine Zuordnung der Urheber mehr möglich.

Selbstverständlich kann es auch umgekehrt sein, ein Mitarbeiter aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet, oder gemischtem Haushalt wird besser bezahlt, als seiner Leistung entspricht, oder Waren aus dem profitwirtschaftlichen Gebiet werden zu teuer eingekauft. Auch diese Posten werden erfaßt, zugunsten des assoziativen Gebietes. Immer kommt es darauf an, annähernd die eigentlich gerechten Preise für die Grenzüberschreitung in beiden Richtungen zu ermitteln, und die Abweichungen postenmäßig zu erfassen. Entsprechendes ist für die "Warenausfuhr", (es ist gewissermaßen wie In- und Ausland vorzustellen, diese Wirtschaftsbeziehung zwischen Assoziation und Profitwirtschaft), und für die Dienstleistungen vorzunehmen, wenn aus Haushalten des assoziativen Gebietes Menschen im profitwirtschaftlichen Gebiet tätig sind, was ja keine Seltenheit darstellen dürfte. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten sind Leistungen, die in die Schnittstellenbilanz aufzunehmen sind[30].

In die Schnittstellenbilanz gehört auch die Einrechnung von Transferzahlungen der Staaten, Steuern, Sozialleistungen, Subventionen usw., um zu ermitteln, in welchem Maße das assoziative Gebiet staatlicherseits bezuschußt wird, im Unterschied zum profitwirtschaftlichen Gebiet.

Ebenso sind Spenden, Schenkungen zwischen dem assoziativen Gebiet und dem Profitgebiet einzurechnen, und schließlich die Darlehen ins assoziative Gebiet, oder heraus.

Aufnahme von Haushalten, Betrieben und Märkten aus dem Profitgebiet

Die Bedingung der Aufnahme eines Hofes z.B. in das assoziative Gebiet ist unter dem erörterten Gesichtspunkt nicht strenge Bioqualität oder dergleichen, sondern die Ermittelbarkeit und Pflegbarkeit der neuen Grenzbilanzen. Der Hof muß ein Rechnungswesen haben, das die Basis für die Integration in das assoziative Gebiet abgeben kann. Dieses Rechnungswesen wird um die erläuterten Posten ergänzt. Würde es jedoch zu kompliziert werden, oder könnten die Daten nicht mit genügender Genauigkeit ermittelt werden, muß die Aufnahme verweigert werden.

Umgekehrt müssen Haushalte oder Betriebe aus dem assoziativen Gebiet entlassen werden, falls sie die Voraussetzungen im genannten Sinne nicht mehr erfüllen. Sie würden sonst die Akkuratheit der Gesamtbilanz zwischen assoziativem Gebiet und Profitwirtschaft schwächen.

Darüber hinaus kann man mehr oder weniger strenge Vorschriften machen, wie groß der prozentuale Anteil eines Betriebes z.B. am eigentlichen assoziativen Wirtschaften sein muß, um als ein solcher gelten zu dürfen. Die Grenze zwischen dem assoziativen und dem profitwirtschaftlichen Gebiet wird bei den allermeisten Haushalten, Betrieben und Märkten mitten durch diese hindurchgehen. Man könnte für die Aufnahme von Betrieben z.B. festlegen, daß mindestens 50% des Geschäftsvolumens assoziative Qualität haben muß. Der richtige Mindestwert wird sich aus der Praxis ergeben. Wünschenswert sind natürlich auch besonders die Haushalte, Betriebe und Märkte, die zu 100% assoziativ wirtschaften, bzw. die Verbesserung in solche Richtung. Andererseits ist ein reger Austausch zwischen assoziativem Gebiet und Profitgebiet in beiderseitigem Interesse.

Funktionale Definition der assoziativen Qualität

Auf dem assoziativen Gebiet soll es gerechte Preise geben, und für die Grenze zum profitwirtschaftlichen Gebiet die Erfassung der Abweichung von gerechten Preisen beim Austausch mit dem Profitgebiet. Außerdem soll auf Bedarf produziert werden. "Produzieren, um zu Konsumieren". Diese Ziele und weitere sollen mittels der Einrichtung von Assoziationen erreicht werden. Solange es diese noch nicht, oder nicht ausreichend funktionierend gibt, kann alles akzeptiert werden, was ihnen funktional äquivalent ist, ob es sich Assoziation nennt oder nicht.

Die Assoziationen der Grenzverwaltung und Grenzkontrolle

Aus dem bisherigen ergibt sich, daß es eine ganz wesentliche Aufgabe der Assoziationen sein wird, die Schnittstellen zur Profitwirtschaft nicht nur in Bilanzen korrekt abzubilden, sondern auch die Voraussetzungen herzustellen, daß solche Bilanzen aufgestellt werden können, und daß sie die erforderliche akkurate Grenzziehung zum profitwirtschaftlichen Gebiet auch wirklich, genau und vollständig abbilden können.

Es müssen fortlaufend die nötigen Daten beschafft werden. Sie werden nicht, jedenfalls anfangs nicht, einfach schon vorliegen, sondern es bedarf der Recherche. Die Assoziationen erhalten zwar aus den Haushalten, Betrieben und Märkten deren Angaben, welche Produkte sie einkaufen, verkaufen usw. Aber das ist natürlich keineswegs ausreichend. Es muß für jede Ware aus dem Profitgebiet nachgeforscht werden, woher sie kommt, welches ihre Produktionsstufen waren, und wie in der Leistungskette die Preisbildung von statten ging, wo eine Leistung zu gering gewertet wurde, wo zu hoch. Allein das Endprodukt einzuschätzen nach der summarischen Preisgerechtigkeit genügt nicht. Denn wenn einmal einem Arbeiter zu wenig als Gegenleistung gezahlt wurde, dann hebt sich das unter Umständen auf mit der Überbezahlung eines anderen Arbeiters, was im Endpreis als solchem nicht mehr abgebildet wird[31].

Ähnlich verhält es sich mit den Einkommen der Haushalte. Wenn ein Haushalt, das Beispiel wurde schon gegeben, einen Mitarbeiter in einem profitwirtschaftlichen Gebiet hat, und bezieht aus einem Betrieb ein zu hohes Einkommen, das seiner Leistung nicht entspricht, dann sagt die Differenz zu einem gerechtfertigten Einkommen als solche noch nicht genug. Es muß ermittelt werden, weshalb dieser profitwirtschaftliche Betrieb es sich leisten kann, seinen Mitarbeitern ein zu hohes Gehalt auszuzahlen. Dies kann daran liegen, daß der Betrieb Ware zu günstig einkauft, daß andere Mitarbeiter des Betriebes unterbezahlt sind usw.

Diese Rechercheaufgaben kann man nicht den Haushalten und Betrieben selbst zumuten. Sie können nur von, den Grenzassoziationen zugehörigen, Betriebs- und Volkswirten übernommen werden, die hauptberuflich für die Grenzverwaltung und die Aufstellung der Bilanzen zuständig sind.

Mit den Grenzassoziationen beginnt die Selbstverwaltung der assoziativen Wirtschaft als Wirtschaftseinheit. Ohne die Grenzassoziationen wird es die Selbstverwaltung des assoziativen Gebietes in seiner Gesamtheit nicht geben können. Ohne eine funktionierende Grenze zum profitwirtschaftlichen Gebiet braucht man über eine Selbstverwaltung der Wirtschaft im Sinne einer Unabhängigkeit vom Staat (Dreigliederung des sozialen Organismus) gar nicht erst nachdenken. Die gegenseitige Korrumpiertheit von Staat und kapitalistischer Wirtschaft würde ohne klare Abgrenzung des assoziativen Gebietes von dem profitwirtschaftlichen in die assoziative Wirtschaft hineinreichen, bzw. aus ihr nicht herauszuschaffen sein, - was gleichbedeutend mit der Nichtexistenz der assoziativen Wirtschaft wäre.

Die Ursachen der Zuschußbedürftigkeit

Die bessere Qualität z.B. der biologisch-dynamischen Bioprodukte, die mit einem höheren Aufwand verbunden ist, ist nicht der einzige Grund für die höheren Preise dieser Produkte. Auch nicht allein, daß diese Produkte gerechte Preise haben. Mit eine Ursache für die höheren Preise ist, daß sie aus dem assoziativen Gebiet kommen, und nicht aus dem kapitalistischen. Das Produzieren im kapitalistischen Gebiet ist generell (noch) günstiger als das Produzieren im assoziativen Gebiet.

Der Grund dafür ist, daß der Kapitalismus über Jahrhunderte hinweg Leistungskapital (über Lohndumping), Handelskapital (Übervorteilung), usw. und durch die Arbeitsteilung, Organisation, Einsatz von Erfindungen und Maschinen Mehrwertkapital akkumulieren konnte. Der Kapitalismus kann daher die Waren generell günstiger herstellen, als es das assoziative Gebiet heute schon kann, soweit nicht solches Kapital, das frühere Generationen geschaffen haben, so in die "Allgemeinheit" übergegangen ist, daß kapitalistische und assoziative Wirtschaft gleichermaßen davon profitieren. Es dürfte sogar noch für Bioprodukte und ethisch korrekte Produkte mit gerechten Preisen, soweit die kapitalistische Wirtschaft es überhaupt schaffen kann, solche Waren hervorzubringen, gelten, daß sie günstiger sein könnten als diejenigen aus dem assoziativen Gebiet, auch bei Berücksichtigung einiger externer Kosten, die noch nicht im Preis eines kapitalistischen Produkts enthalten sind. Auf lange Sicht jedoch dürfte sich das Verhältnis umkehren, was aber gleichbedeutend ist mit der Wandlung der kapitalistischen Wirtschaft in die assoziative. Denn nur durch diese Wandlung können die langfristigen externen Kosten des kapitalistischen Wirtschaftens in die Preise mit hinein kommen.

Es ergibt sich daraus ein (Gerechtigkeits-)Anspruch des assoziativen Gebietes, sowohl als auch einen rein ökonomischen Grund, aus dem kapitalistischen Gebiet vorerst Zuschüsse zu beziehen. Der rein ökonomische Grund entspricht dem Vorteil, den die kapitalistische Wirtschaft erfährt durch das Aufkommen der assoziativen Wirtschaft. Diese Fragen bedürfen einer näheren Untersuchung, sind aber eher wirtschaftsphilosophischer Natur. Es lassen sich daraus aber Argumente ableiten, den Kunden die vorerst höheren Preise zu erklären. Es sind nun die verschiedenen Arten von Zuschüssen (und ihre Verwendung) mit ihren Vor- und Nachteilen zu erörtern.

[Wirtschaftsrechnung, externe Kosten und Lebensqualität]
[Assoziative Wirtschaft vs. Kapitalismus - Vergleich unter Effizienzgesichtspunkten]

Subventionen & Co. und ihre Folgen

Zuwendungen vom Staat und von Staats wegen

Es gibt eine ganze Reihe von Subventionen oder Steuervergünstigungen, die aus wirtschaftspolitischen, sozialen oder ökologischen (Förderung der Nachhaltigkeit) Gründen dem assoziativen Gebiet zukommen. Dazu gehören auch die Steuervergünstigungen, wie sie gemeinnützigen Nonprofit-Unternehmen zukommen, sofern diese der assoziativen Wirtschaft zuzurechnen sind. Neben der Förderung des ökologischen Landbaus und Alternativ-Energie-Produktion usw. sind auch die EU-Subventionen für die Agrarwirtschaft insgesamt in Betracht zu ziehen. Zudem ist das assoziative Wirtschaftsgebiet weder ein geschlossener Wirtschaftsraum, noch nur in einem Staatsgebiet gelegen, sondern ein weltweites Assoziationsnetz mit verschiedenen, regional wirtschaftsräumlich (nicht nationalräumlich), ausgeprägten Schwerpunkten.

Abgesehen von der erforderlichen buchhalterischen Einrechnung, die einen je nach dem auch schon mal größeren Aufwand bedingt, ist mit solchen, pauschal Subventionen zu nennenden Zahlungen eine Abhängigkeit von den jeweiligen Staaten gegeben, die dazu führen kann, daß die Zahlungen an Bedingungen geknüpft werden, die den assoziativen Wirtschaftsprinzipien widersprechen.

Zuwendungen aus privatem Vermögen

Zu diesen Zuwendungen sind auch die Leistungskapitalbildungen zu zählen, die daraus resultieren, daß Mitarbeitern in assoziativen Betrieben ein geringeres Einkommen gezahlt wird, als ihrer Leistung entspricht. Grundeinkommensbezieher könnten völlig für umsonst arbeiten, und würden damit die Leistungen, die in dem assoziativen Gebiet von ihnen erbracht werden, als Schenkungen einbringen. Werden die Grundeinkommen dabei jedoch aus dem Staatshaushalt bezahlt, entsteht wiederum eine indirekte Abhängigkeit vom Staat.

Weiter gehören zu den Zuwendungen die Querfinanzierungen zwischen assoziativ produzierten Waren und kapitalistisch produzierten Waren, wie sie Haushalte und Marktunternehmen, sowie auch Betriebe, vornehmen, durchaus auch oft im eigenen Interesse, aber keineswegs immer. Im Gegenteil ist z.B. die Bereitschaft von Kunden, für Produkte aus dem assoziativen Gebiet höhere Preise zu zahlen, oftmals als Subvention, als Schenkung für eine gute Sache gemeint.[32]

Zu diesen Zuwendungen aus privatem Vermögen gehören auch die Spenden (sofern steuerlich absetzbar auch wieder mit Staatskomponente), Schenkungen, Gründung von Stiftungen usw. aus Erbschaften, und aus manchem Raffkapital, das durch die Verschenkung in das assoziative Gebiet eine moralische, nachträgliche Rechtfertigung erhalten soll usw.

Lohndumping

Eine besondere Erörterung verdienen die Vergünstigungen, die aus Runterdrücken des strengen Bedarfs resultieren. Der strenge Bedarf ist keine feste Größe. Noch nicht einmal das minimale Existenzminimum ist eine solche. Jedenfalls kürzerfristig nicht. Man kann also durchaus als Konsument den Bedarf in freiwilliger Anstrengung runter drücken. Jeder freie Unternehmensgründer oder Freelancer kann davon ein Lied singen. Damit das Unternehmen in der Startphase überleben kann, kann auch mal schon auf solche Art ein Zuschuß zustande kommen müssen.

Es ist damit jedoch eine schwerwiegende Problematik verbunden, weil wegen der Urzellengleichung Bedarfslohn = Leistungslohn auch die Leistung selbst entweder eine geringere Wertigkeit erhält, oder aber, sofern keine Personalunion vorliegt, der Vorgang als Ausnutzung, Ausbeutung erscheint. Das hat dann auch eine ungute Außenwirkung in der öffentlichen Meinung, die dazu führen kann, daß Zuwendungen anderer Art sich verringern.

Es kann damit auch eine Tendenz verbunden sein, die erforderliche Gegenleistung an Einkommen geringer zu veranschlagen, wenn reguläre Mitarbeiter und ehrenamtliche Mitarbeiter Seite an Seite mit den gleichen Aufgaben beschäftigt sind. (Bei Nonprofit-Unternehmen, die in die kapitalistische Wirtschaft integriert sind, kommt es bei vermehrter Beschäftigung von Ehrenamtlichen zu Lohndumping, weil es einen Druck gibt, regulär Beschäftigte durch Ehrenamtliche zu ersetzen.) Diesen Fehler darf die assoziative Wirtschaft nicht machen, und auch aus solchem Grunde sind die tatsächlichen Leistungen von Mitarbeitern, wie sie in das assoziative Gebiet eingebracht werden, korrekt mit dem richtigen Betrag zu erfassen, wenn nicht als gezahltes Einkommen, dann als Schenkung oder Leihe.

[Zuwendungen aus der kapitalistischen Wirtschaft aus ökonomischen Gründen]

[Einführung einer Parallelwährung]

(Nachdem die Grenze zum kapitalistischen "Ausland" etabliert ist, sollte es möglich sein, eine andere Geldordnung einzuführen.)

Das Verhältnis der neuen assoziativen Wirtschaft zum Rechts- und Geistesleben

Da das assoziative Wirtschaftsgebiet ein weltweites und internationales ist, sind für die Untersuchung der Rechtsverhältnisse die staatsterritorialen oder staatsbürgerlichen Aspekte zunächst einmal außen vorzulassen bzw. als gegeben vorauszusetzen. Es mag aus den verschiedensten Gründen wünschenswert sein, die demokratische Qualität von Staaten zu verbessern, für die assoziative Wirtschaft interessieren jedoch vornehmlich die unmittelbar wirtschaftsrelevanten Aspekte, also alles, was mit Arbeit, Kapital und gerechtem Preis zu tun hat. Sieht man von den Staatsordnungen ab, besteht das Rechtsleben der Völker in den Sitten, Normen und ethischen Werten einerseits, und andererseits in den geschlossenen oder schließbaren Verträgen und Vereinbarungen.

„Das eigentliche Rechtsleben als die Mitte des sozialen Organismus umfaßt wiederum ein dreifaches: Hier leben die als Sitten und Gepflogenheiten in Erscheinung tretenden, weder einer besonderen Vereinbarung noch einer gesetzlichen Regelung bedürftigen Normen des Sozialverhaltens. Hier entsteht ein System der alle Menschen umfassenden, gesetzlich geregelten und durch eine besondere Gewalt (Staat) durchsetzbaren Verbindlichkeiten in Gestalt der inneren Ordnung eines Gemeinwesens, des öffentlichen Rechts. Und hier leben und entstehen die individuellen oder kollektiven Vereinbarungen, dasjenige, was durch Verträge Verträglichkeit unter den Menschen schafft.“ (Lit.: Strawe, in Leber u.a. 1992, S. 56, vgl. Leber 1978, S. 222ff. (2. Aufl. Fischer-TB 1982, S. 279ff.)[33])

Andererseits schlägt Rudolf Steiner vor, die Gestaltungsfragen des Rechtslebens bei der Einrichtung eines dreigegliederten sozialen Organismus zunächst außenvor zu lassen, da sich dafür so manches erst aus dem Wechselverhältnis von Wirtschaftsleben und Geistesleben ergeben kann. Diese beiden Glieder gälte es zunächst in der ihnen gemäßen Weise auszugestalten.

"Das ist dasjenige, meine sehr verehrten Anwesenden, was zunächst als erster Schritt im Wirtschaftleben ins Auge gefaßt werden muß: daß man überhaupt zu Assoziationen kommen muß - geradeso, wie auf dem geistigen Gebiet es die Hauptsache ist, daß die Leute verstehen, was es überhaupt heißt, selbständig zu werden innerhalb des geistigen Gebietes. Das ist das, was zunächst über diese zwei Gebiete zu sagen ist. Und wenn diese beiden Gebiete nun verstehen, sich auf den Boden zu stellen, der durch ihre eigene Wesenheit als der ihrige anerkannt werden muß, dann bleibt zuletzt das politisch-rechtliche Gebiet übrig. Dann wird sich dieses schon finden, denn es handelt sich zunächst darum, daß diese beiden Flügel ordentlich gebildet werden: das Geistesleben und das Wirtschaftsleben. Das andere, das bleibt übrig. Das wird sich erst dann finden, wenn man Ordnung geschaffen hat auf diesen beiden Flügeln. Das ist dasjenige, was über das politisch-rechtliche Leben aus dem Gedanken der Dreigliederung gesagt werden muß." GA 337b, S. 169

Das Vertrags- und Vereinbarungswesen des Rechtslebens liegt mehr zur Wirtschaftsseite des sozialen Organismus, die Werte, Normen und Sitten gehören dem kulturellen Aspekt des Rechtslebens an. Das Geistes- und Kulturleben hat mehr regional lebensweltlichen Charakter, das Wirtschaftsleben internationalen und globusräumlichen Charakter. Aus dem Spannungsverhältnis von regionalen, lebensweltlich geprägten ethischen Werten und Verhaltensnormen und dem internationalen, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gestalteten Vertragswesen wird sich einst ein neues, heute sich schon vorbereitendes, rein rechtsstaatliches (also unpolitisches) internationales Staatswesen bilden, über dessen Art über das demokratiemäßige hinaus man sich noch keine Gedanken machen muß, das aber in friedlicher Koexistenz mit den Territorialstaaten, also neben und in ihnen, da sein wird.

Es wäre dabei ganz falsch, sich unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt einfach an das Vertragsmäßige halten zu wollen, der Vertrag als das rechtliche Pendant zur wirtschaftlichen Urzelle etwa gedacht, denn man kann mit Verträgen die traditionellen ethischen Werte und Normen nicht einfach ändern, umkrempeln, zurechtstutzen, abschaffen etc. Es können nur neue, ergänzende Werte und Verhaltensweisen hinzukommen, die aber, wenn auch in Auseinandersetzung, im Einklang mit den regionalen Traditionen stehen müssen. Wie sehr dies auch für die Wirtschaft ein praktisches Problem darstellt, sieht man an den lebensweltlich unterschiedlichen Weisen, wie mit Vertragsbrüchen und Rückzügen aus Vereinbarungen umgegangen wird. Auch das neu zu schaffende Geistesleben des sozialen Organismus kann sich nur auf dem Boden der Traditionen bilden, wird sich regional unterschiedlich ausprägen. Was in solcher Hinsicht bei uns eine gute Sache ist, kann man nicht in China oder Südamerika genauso machen wollen, bzw. die Neugestaltung muß den regionalen Kulturen überlassen bleiben, was ja ein wesentlicher Aspekt der individualistischen Selbstständigkeit des Geisteslebens ist, (Individualismus nicht nur auf einzelne Personen bezogen, sondern auch auf Gruppen und regionale Kollektive als Individuen).

Nun hat zwar Rudolf Steiner auch die Auffassung vertreten, daß es für die Einrichtung des sozialen Organismus in Sinne der Dreigliederung zunächst vornehmlich auf die Befreiung des Geisteslebens ankäme, weil dadurch vermehrt die Kräfte freigesetzt werden, die das ganze Projekt ins Werk setzen können.

Die assoziative Wirtschaft kann jedoch nicht warten, bis sich das Geistesleben so ausbilden kann, daß es sich frei ohne staatliche Bevormundung und Gängelung entfalten kann. Die assoziative Wirtschaft muß aus sich selbst heraus das Nötige tun, um das Wirtschaftsleben gemäß den Anforderungen der sozialen Dreigliederung zu gestalten. Es ergibt sich daraus dann auch eine Rückunterstützung für das Geistesleben.

Der Kapitalismus als entwickeltes Selbstversorgungsprinzip

Eigentum und Selbstversorgung

Bekanntlich beruhte die Entstehung des Eigentumsrechtes bei den Römern auf der Anerkennung der gewaltbereiten Macht einer Person oder Gruppe, durch Raub oder Krieg Angeeignetes gegen jede Rückeroberung zu verteidigen. Nicht das Eigentumsrecht, sondern das ihm zugrundeliegende Selbstversorgungsprinzip ist für den sich entwickelnden Kapitalismus eine relevante Komponente. Die frühen Jäger und Sammler eigneten sich zwecks Selbstversorgung Nahrung, Kleidung und Behausung an, genommen aus der wilden Natur. Jedoch wurde das so Angeeignete von Anfang an gegen um solche Selbstversorgungsressourcen konkurrierende Horden fremder Stämme verteidigt, inklusive der Geltendmachung von Revieren. Die Entstehung des Eigentumsrechtes ist so gesehen die Domestizierung und Regelung eines Kriegszustandes, zunächst ausschließlich im Binnenverhältnis, für römische Bürger untereinander. Für die durch Kriegszüge angeeigneten Sklaven galt das neue Recht nicht. Ein Sklave galt nicht als rechtsfähige Person. Dieses Prinzip einer Rechtsgeltung nur nach innen, auch übertragen auf Territorien, für die ein Recht gilt, wird sich in die Zukunft bis weit in die Neuzeit weiter fortsetzen. Das Eigentumsrecht regelt die Besitzverhältnisse und Besitzübertragungen innerhalb einer Rechtsgemeinschaft. Für die kriegerisch gewaltsamen Aneignungsvorgänge über die Grenze des Rechtsgebietes hinweg sagt es nichts aus.

Insofern der aufkommende Kapitalismus im Zusammengehen mit Imperialismus und Kolonialismus solches kriegerisch gewaltsames Aneignen von Ressourcen zur Selbstversorgung war, hatte das Eigentumsrecht nur eine Bedeutung für die Binnenseite, für die Verteilungsordnung der Beute. Wichtiger für das Außenverhältnis war das Vertragsrecht. In diesem liegt die grundsätzliche Anerkennung des Vertragspartners als Rechtsperson. Ein Vertrag begründet der Sache nach ein Recht, das die Vertragspartner in das Binnenverhältnis geltenden Rechtes einbezieht.

Das Gegenteil einer gewaltsamen Aneignung ist die Schenkung. Dies sind zwei Handlungsweisen, die Eigentum material begründen. Dazwischen liegt der auf dem Vertragsrecht beruhende Austausch. Das Selbstversorgungsinteresse - im Rahmen kapitalistischen Wirtschaftens der Erwerbstrieb - tendiert für sich alleine zur Vertragsbeugung, um einen Grad von gewaltsamer Aneignung in den Austausch hineinzubringen, d.h. einen Vorteil zu erlangen, den Vertragspartner zu übervorteilen. Die andere Seite, die des Verschenkens, wird im Interesse der Selbstversorgung möglichst vermieden.

Von solcher Übervorteilung, eine domestizierte Form des Krieges, ist ein Tausch zu unterscheiden, bei dem beide Seiten einen ihnen genügend erscheinenden Vorteil erlangen. Solche Tausche haben für die Eigentumsaneignung eine besondere Bedeutung, weil sie die Binnenakkumulation von Ressourcen auf Kosten des Außengebietes ohne Verletzung des Vertragsrechtes ermöglichen, und mit dem vollen Einverständnis der Vertragspartner. Diese mögen sich freilich über die langfristigen Folgen nicht im Klaren sein.

[Kapitalübertragungen zwischen Profitwirtschaft und assoziativer Wirtschaft]

(Kapitalistische, profitorientierte Investitionen im assoziativen Gebiet)

Weltwirtschaft

Die assoziative Wirtschaft als sich entwickelndes Fremdversorgungsprinzip

Urzelle und Soziales Hauptgesetz

Die Urzelle, in der Formulierung wie sie Rudolf Steiner gegeben hat, enthält zwar nicht die Kapitalkomponente, das Profitmoment, und sie bringt insofern das Wesen und den Sinn von Wirtschaft rein zum Ausdruck. Sie enthält jedoch eine andere Art von Unbestimmtheit: Die Größe des Bedarfes.

Der oder die Leistungserbringer benötigen für sich nicht Einkommen als einzelne Individuen, sondern als Haushalt mit unbestimmter Größe. Eine Familie kann kinderlos oder kinderreich sein. Zum Haushalt können weitere Personen gehören, die nicht "erwerbstätig" sind und mitversorgt werden müssen. Bedarf ist daher eine unbestimmte Größe. Es wurde schon einiges dazu gesagt, nämlich es wurden verschiedenste Bestimmungsgrößen erörtert. Eine theoretische Lösung bzw. wirtschaftspraktische Behebung des eigentlichen Problems einer Unbestimmtheit in der Urzelle ist das noch nicht.

Es wurde schon angeführt, daß die Sorge für die Familie nicht als egoistisch angesehen werden kann. Die Versorgung der Familie ist jedoch nicht ein Motiv, das im Soziales Hauptgesetz irgendeine Berücksichtigung fände:

„Es ist klar, daß dieses Gesetz nichts Geringeres besagt als dieses: Die Menschenwohlfahrt ist um so größer, je geringer der Egoismus ist. Man ist also bei der Umsetzung in die Wirklichkeit darauf angewiesen, daß man es mit Menschen zu tun habe, die den Weg aus dem Egoismus herausfinden. Das ist aber praktisch ganz unmöglich, wenn das Maß von Wohl und Wehe des einzelnen sich nach seiner Arbeit bestimmt. Wer für sich arbeitet, muß allmählich dem Egoismus verfallen. Nur wer ganz für die anderen arbeitet, kann nach und nach ein unegoistischer Arbeiter werden.“ (Lit.:GA 34, S. 214)

Im Kontrast zu einer erheblich differenzierteren Betrachtung des Problems Egoismus vs. Altruismus von Rudolf Steiner andernorts <Quelle> ist hier die verkürzte Sichtweise dokumentiert, als es gäbe es nur einzelne Individuen, die entweder für die Gemeinschaft (Betriebs-, Gemeinde- oder Weltgemeinschaft?) tätig sind - das wäre dann Altruismus -, oder aber egoistisch für sich selbst arbeiten (Selbstversorgung).

Man könnte überlegen, ob das Soziale Hauptgesetz kein Wirtschaftsgesetz sei, sondern eben ein soziales. Man würde dann die Familienarbeit integrieren können. Die Reproduktionstätigkeiten in der Familie sind ja größtenteils Arbeit für andere. Insofern wäre innerhalb der Familie das Gesetz weitgehend verwirklicht. Es gibt auch Arbeitsteilung im Haushalt. Einer solchen Auffassung steht jedoch entgegen, daß das soziale Hauptgesetz von Rudolf Steiner auf die wirtschaftliche Arbeitsteilung bezogen wurden ist:

„«Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.» Alle Einrichtungen innerhalb einer Gesamtheit von Menschen, welche diesem Gesetz widersprechen, müssen bei längerer Dauer irgendwo Elend und Not erzeugen - Dieses Hauptgesetz gilt für das soziale Leben mit einer solchen Ausschließlichkeit und Notwendigkeit, wie nur irgendein Naturgesetz in bezug auf irgendein gewisses Gebiet von Naturwirkungen gilt. Man darf aber nicht denken, daß es genüge, wenn man dieses Gesetz als ein allgemeines moralisches gelten läßt oder es etwa in die Gesinnung umsetzen wollte, daß ein jeder im Dienste seiner Mitmenschen arbeite. Nein, in der Wirklichkeit lebt das Gesetz nur so, wie es leben soll, wenn es einer Gesamtheit von Menschen gelingt, solche Einrichtungen zu schaffen, daß niemals jemand die Früchte seiner eigenen Arbeit für sich selber in Anspruch nehmen kann, sondern doch diese möglichst ohne Rest der Gesamtheit zugute kommen. Er selbst muß dafür wiederum durch die Arbeit seiner Mitmenschen erhalten werden. Worauf es also ankommt, das ist, daß für die Mitmenschen arbeiten und ein gewisses Einkommen erzielen zwei voneinander ganz getrennte Dinge seien.“ (Lit.:GA 34, S. 213)

Das soziale Hauptgesetz setzt einzelne Individuen voraus, die arbeitsteilig in der Wirtschaft tätig sind. Sie sollen von ihren Leistungen selbst direkt nichts haben, diese sollen altruistisch weggegeben werden. Umgekehrt sollen die Leistungserbringer von den anderen in der Wirtschaft tätigen Menschen versorgt werden.

Ein Motiv, die eigene Familie zu versorgen, sei egoistisch, führe zu Not und Elend. Man muß diese Undifferenziertheit des sozialen Hauptgesetzes im Hinblick auf die Versorgung eines Haushaltes, für den ein Leistungserbringer verantwortlich ist, als einen schwerwiegenden Mangel dieses angeblichen Gesetzes - es wird übrigens allgemein von Anthroposophen für selbstverständlich genommen, daß es ein wahres "Gesetz" sei, hinterfragt wird dies nirgendwo - ansehen.

Es wird nun zu zeigen sein, daß die Urzellenformel eine Relativierung oder Modifikation des sozialen Hauptgesetzes impliziert.

„Wer nämlich das Leben wirklich untersucht, der kann finden, daß eine jede Menschengemeinschaft, die irgendwo existiert, oder die nur jemals existiert hat, zweierlei Einrichtungen hat. Der eine dieser beiden Teile entspricht diesem Gesetze, der andere widerspricht ihm. So muß es nämlich überall kommen, ganz gleichgültig, ob die Menschen wollen oder nicht. Jede Gesamtheit zerfiele nämlich sofort, wenn nicht die Arbeit der einzelnen dem Ganzen zufließen würde. Aber der menschliche Egoismus hat auch von jeher dieses Gesetz durchkreuzt. Er hat für den einzelnen möglichst viel aus seiner Arbeit herauszuschlagen gesucht. Und nur dasjenige, was auf diese Art aus dem Egoismus hervorgegangen ist, hat von jeher Not, Armut und Elend zur Folge gehabt.“ (Lit.:GA 34, S. 213f)

Gesellschaft ist hier aus atomisierten, für sich lebenden einzelnen Menschen zusammengesetzt gedacht, die die Neigung haben, egoistisch für sich zu erwerben. Daß dieser Erwerb um der Familie bzw. des zu versorgenden Haushaltes angestrebt wird, wird als ein doch aber enorm bedeutsamer Aspekt völlig außen vor gelassen.

Selbstversorgung und Fremdversorgung müssen in ihrem Verhältnis und Zusammenspiel differenzierter betrachtet werden, über die schon angeführte Unterscheidung von moralischem und strukturellen Altruismus bzw. Egoismus hinausgehend. Es kommt einmal darauf an, daß in der assoziativen Wirtschaft dem fremdversorgerisch leistenden einzelnen Menschen die Sorge für die Familie in wirtschaftlicher Hinsicht abgenommen werde. Diese Sorge als egoistisch zu bezeichnen, ist völlig verfehlt. Gleichwohl ist es für die Leistungserbringung gut, wenn diese ohne Rücksicht auf die Selbstversorgungsnotwendigkeit erbracht werden kann. Die Leistungsfähigkeiten können sich, müssen sie nicht sich bekümmern um die Versorgung der Familie, sich so in das Wirtschaftsleben einfügen, wie es diesem am besten gemäß ist. Das ist ein Effizienzaspekt[34].

Zudem liegt im sozialen Hauptgesetz ein weiterer Gedanke, wohl der wesentliche: Die Erweiterung der Familie bzw. der Familienliebe/Zuwendung - nichts anderes meint ja "Brüderlichkeit", brüderliches Wirtschaften - zur ganzen Menschheit hin. Dieser christliche Gedanke (Matthäus 12,46-50) soll im Wirtschaftsleben immer mehr zum Tragen kommen, was gleichbedeutend ist mit der Zurückdrängung kapitalistischen Wirtschaftens (Selbstversorgung) zugunsten des Aufkommens einer assoziativen Wirtschaft, die das Fremdversorgungsprinzip, d.h. Brüderlichkeit, - die jeweiligen Selbstversorgungseinheiten der Familien oder Haushalte überschreitend, in Richtung Weltfamilie bzw. Welthaushalt - immer mehr zur Anwendung bringt, durch entsprechende Einrichtung der Wirtschaftsordnung.

Dies geht nicht von heute auf morgen, sondern kann nur ein allmählicher Prozeß sein, der die Entwicklung des Fremdversorgungsprinzips ist, und schließlich in einer fernen Zukunft zur Gänze die Wirtschaftspraxis umgewandelt haben wird, wodurch der Kapitalismus überwunden sein wird.

[Die Dreigliederung der Haushalte]

(Privathaushalte (und Haushalte des Geisteslebens)), Gemeinde- bzw. Staatshaushalte und Wirtschaftshaushalte (Betriebshaushalte und Umlagehaushalte))

Dynamik des Zuschußwesens

(Je effizienter das Zuschießen (bis zur 100%igen Finanzierung), desto mehr wächst das Volumen der Mittel dafür.)

Kapitalistisches Wirtschaften, orientiert am Profit, erwirbt mit der Ausrichtung an diesem auch eine ökonomische Effizienz, die aber für sich selbst externe Effekte außer acht läßt. Jede Wirtschaftseinheit wird für sich betrachtet, ob sie effizient sei. Die Höhe des Gewinns zeigt das Ausmaß. Ist dieser Gewinn dauerhaft negativ, wird die Wirtschaftseinheit entfernt oder umgestaltet (saniert). Optimierung gemäß solchem Effizienzgesichtspunkt ist innenorientiert und berücksichtigt nicht die Auswirkungen, außer dem Gewinnoutput. Von diesem werden den Unternehmen wieder Beträge abgezogen, um Schäden, die durch externe Effekte angerichtet wurden, zu reparieren (soweit dies überhaupt möglich ist).

Assoziative Wirtschaft kann nicht auf solche Weise nach Effizienz streben. Externe Effekte sollen gar nicht erst entstehen, sondern von vornherein berücksichtigt werden. Eine Wirtschaft, die Raubbau an der Natur und einer intakten Lebenswelt, sowie auch Steuervermeidung (Ausnutzen von formalen Lücken im Steuerrecht) usw. zunächst für die jeweiligen Wirtschaftseinheiten nach innen praktiziert, um einen Gewinn zu erwirtschaften oder Zahlungsfähigkeit (Liquidität) zu sichern, ist letztlich keine effiziente. Zumindest taugt der ausgewiesene Gewinn und der Erhalt der Zahlungsfähigkeit nicht als Kriterium für eine solche.

Assoziative Wirtschaft verzichtet von vornherein darauf, auf solche Art sich "effizient" gestalten zu wollen. Die globale Gesamteffizienz, beinhaltend sämtliche externen Effekte, soweit sie bekannt sind, soll schon beim Wirtschaften jeglicher Einheitsgröße zum Tragen kommen - was bedeutet, daß solche Einheiten hinsichtlich Zahlungsfähigkeit "aus eigener Kraft" bzw. Überschußerwirtschaftungskapazität in vielen Fällen als defizitär und uneffizient erscheinen. Assoziative Wirtschaft ist daher notwendig Zuschußwirtschaft. In diesem Zuschießen liegt ein Moment des Fremdversorgungsprinzips. Die assoziative Wirtschaft ist effizient durch effizientes Zuschießen, d.h. durch effiziente Verwendung der Umlagen. Da die Mittel der Umlagen in Händen der Assoziationen liegen, werden diese beratend tätig, wenn es mit der Effizienz (bezogen auf globale Effizienz) bei Betrieben der assoziativen Wirtschaft im Argen liegt, oder generell Verbesserungen möglich erscheinen. Die Zuschüsse bzw. ihre Höhe wird von entsprechendem "Wohlverhalten" abhängig gemacht. Assoziatives Wirtschaften ist kein privates, konkurrenzbestimmtes, bei dem ein Kampf um Gewinn oder Zahlungsfähigkeit stattfindet, sondern von vornherein ein kooperatives, gemeinsames Wirtschaften, mit einem finanziellen Gesamthaushalt, aus dem mittels der Zuschüsse steuernd eingegriffen wird. Die Fremdversorgung wird von Bedingungen abhängig gemacht, die sich aus den Erfordernissen der (nachhaltigen) Gesamtwirtschaft, sich zu erhalten, ergeben.

Das Soziale Hauptgesetz sagt nichts anderes. Die (teilweise) Fremdversorgung einer Wirtschaftseinheit, sei es ein Haushalt, eine Gemeinde oder Staatswesen oder ein Wirtschaftsbetrieb, erfolgt - ökonomisch gesehen - nicht zwecks Erhalt dieser Einheiten, sondern aus Gemeinwohlgründen, im Hinblick auf das Gedeihen der Gesamtheit.

Aus dem Vermögen heraus, über das die assoziative Wirtschaft als Gesamtheit verfügt, als zusammen wirtschaftende Vereinigung von Menschen und Unternehmen, gibt sie Zuschüsse dorthin, wo sie gebraucht werden, sinnvoll gebraucht werden können nach wirtschaftlichen Kriterien, oder für Einrichtungen des Geisteslebens. Auch die Schenkungen ins Geistesleben kommen der assoziativen Wirtschaft letztlich wieder zugute. Ob es also Schenkungen oder langfristige Kredite sind: Wenn ordentlich gewirtschaftet wird, kommt das Geld zurück - mit einem Profit. Dieser muß langfristig entstehen, zumindest in der Phase des Wachstums (im Verhältnis zur kapitalistischen Wirtschaft). Im Unterschied zur kapitalistischen Wirtschaft sind die anwachsenden Mittel jedoch in gemeinsamem Eigentum[35] und werden von den Assoziationen verwaltet. (Soweit es sich um Kapital handelt, soll nach Rudolf Steiner seine Verwaltung dem Geistesleben obliegen.)

Gutes Wirtschaften innerhalb der Assoziation bedeutet fremdversorgerisch tätig zu werden. Einmal durch die Produktion der Waren und Dienstleistungen, die gebraucht werden. Dann aber auch in dem Sinne, daß möglichst wenig Zuschüsse gebraucht werden, sondern im Gegenteil in die gemeinsame Kasse eingezahlt werden kann. Natürlich hat jede Wirtschaftseinheit auch für sich die freie Verfügung über die Mittel, die somit auch in dezentraler Regie weiter verliehen oder verschenkt werden können. Letztlich soll aber das Gesamtvolumen anwachsen oder wenigstens nicht abnehmen. Gewinn wird also nicht angestrebt für die Binnenseite, wie beim kapitalistischen Wirtschaften, sondern um ihn nach "außen", in die größere Gemeinschaft hinein, abgeben zu können.

Die ersten Anfänge der assoziativen Wirtschaft

Es gibt im wesentlichen drei mögliche Anfänge von assoziativer Wirtschaft. (Beginn mit Landwirtschaft, Umwandlung von kapitalistischen Unternehmen in assoziative, und assoziative Neugründungen (Investition aus der kapitalistischen Wirtschaft heraus, oder mit kapitalistisch erwirtschaftetem Geld).

[Landwirtschaft und Dorfgemeinschaften]
Existenzbedingungen eines assoziativen oder alternativen Betriebes in kapitalistischem Umfeld (Inselsituation)
Gerechter Preis nach innen

Der gerechte Preis hat eine vermittelnde, ausgleichende Funktion für jeden Leistungstausch, insbesondere aber auch für das Verhältnis von Selbstversorgungsprinzip und Fremdversorgungsprinzip. Im gerechten Preis ist die Leistung als solche bewertet in ihrem Verhältnis zu allen anderen Leistungen letztlich weltweit, immer aber im Verhältnis zu einem größeren Wirtschaftsgebiet, als es die Wirtschaftseinheit selbst ist, innerhalb der der Leistungstausch stattfindet.

Ist der Preis jedoch nur als gerecht bestimmt im Verhältnis zu einer Wirtschaftsregion, dann wird relevant, ob diese Wirtschaftsregion als Gesamtheit in einem gerechten Verhältnis, d.h. insgesamt mit preisgerechten Leistungsaustauschen zum größeren, umliegenden Wirtschaftsgebiet, also dem Weltwirtschaftsgebiet, steht.

Wenn eine kapitalistische Wirtschaftsregion wie z.B. die Bundesrepublik Deutschland stark von einem Mißverhältnis zu ihren Gunsten hinsichtlich Preisgerechtigkeit beim Leistungsaustausch mit dem übrigen Weltwirtschaftsgebiet profitiert, dann bedeutet das für ein zu gründendes assoziatives Unternehmen oder für seine Weiterexistenz oder auch Wachstum, daß sich diese Ausbeutungsverhältnisse auf seine betrieblichen Tauschverhältnisse übertragen.

Ein einer Wirtschaftsregion zugehöriges Unternehmen kann entsprechend im Verhältnis zu solcher Wirtschaftsregion als ein assoziativ wirtschaftendes erscheinen, während es im Verhältnis zur Weltwirtschaft ein solches nicht ist. Seine Preise sind dann lediglich regional gerecht, weltwirtschaftlich aber nicht.

Was bedeutet diese innere Differenzierung von Preisgerechtigkeit bzw. Preisungerechtigkeit? Sie tritt bereits betriebsintern auf, bei einer "gerechten" Entlohnung der Mitarbeiter bzw. einer "gerechten" Aufteilung des Gewinns, der Erträgnisse, eines erwirtschafteten Überschusses.

In gewissen Hinsichten ist die Betriebsgemeinschaft eine Selbstversorgungsgemeinschaft. Gerade auch dann, wenn es keine Eigentümer des Betriebes gibt, an die der Gewinn auszuzahlen wäre. Kann die Belegschaft sich den Kuchen "gerecht" aufteilen, trotzdem an seinem Zustandekommen bezogene Leistungen zu ungerechten Preisen beteiligt waren?

Dies muß bejaht werden, Beute läßt sich gerecht aufteilen. In dieser gerechten Aufteilung, die es auch unter Piraten und Räuberbanden gibt, kann man einen gerechten Leistungstausch und gerechten Preis nach innen sehen, unabhängig vom Außenverhältnis. Trotzdem, da die getauschten Leistungen von ihrer Herkunft her den Mangel der Preisungerechtigkeit haben, liegt in solchem Preis eine Ungerechtigkeit. Jeder Preis hat ein Innen- und ein Außenverhältnis. Das Innenverhältnis ist einfach und bedeutet die Aufhebung des Unterschiedes zwischen Selbst- und Fremdversorgung im Tausch, insofern dieser nach innen gerecht ist. Nach außen würde es sich so nur verhalten, wenn die gesamte Außenwirtschaft, innerhalb der ein Tausch als solitäre Wirtschaftseinheit stattfindet, in der vollständigsten Weise durch Preisgerechtigkeit in jeglichem Winkel des Gesamtleistungsgefüges bestimmt wäre. Ungerechtigkeiten in China oder Afrika müssen sich bis zu jedem anderen Tausch innerhalb der Weltwirtschaft auf deren Außenseite verfälschend auswirken. Daß dies sich auch noch anders verhalten kann, hat dann seinen Grund darin, daß integrierte Weltwirtschaftlichkeit noch nicht vollständig gegeben ist.

Umgekehrt ist es jedoch so, daß jeder einzelne Tausch, sofern er nach innen gerecht ist, wenn auch nur in einem winzigen Ausmaß, die Gesamtwirtschaft um dieses Ausmaß gerechter macht. Im minimalen Fall ist es einfach nur das Fehlen eines ungerechten Tausches. Davon ist ansonsten dann aber weiter nichts zu erwarten. Anders verhielte es sich, wenn ein nach innen gerechter Preis, in seinem Vollzug als Leistungstausch, einen durchwirkenden, sich potenziell weiter verstärkenden Effekt, Preisgerechtigkeit anderswo verbessernd, auf die Außenwirtschaft hätte.

Angenommen, ein Betrieb kaufe im Hinblick auf Preisgerechtigkeit zu günstig ein, und erziele auch beim Warenverkauf höhere Preise, als eigentlich gerechtfertigt ist. Der Betriebsgewinn ist damit größer, als er eigentlich sein dürfte. Die Firma, im Eigentum der Belegschaft, teilt nun diesen erwirtschafteten Gewinn unter sich auf. Bei einer gerechten Aufteilung erhält sowohl die Arbeitsleister-Seite, als auch die Arbeitsleiter-Seite - um bei einer üblichen Unterscheidung innerhalb der Belegschaft zu bleiben - gesamtwirtschaftlich gesehen, zuviel auf ihre Konten ausgezahlt. In diesen Auszahlungen auf die Konten sind, will man es nicht Raubanteile nennen, so doch ungerechte Anteile in der Summe enthalten, die daraus resultiert sind, daß sich die Firma auf Kosten der Gesamtwirtschaft bereichert hat.

Steht die Firma hinsichtlich ihrer internen Rentabilität auf schwachen Füssen, kann solche Bereicherung auf Kosten der Umwelt dazu führen, daß die Firma zahlungsfähig bleibt, und die Belegschaft hat vielleicht nur das nötigste an Auszahlung erhalten, um die Ausgaben der betroffenen Haushalte zu decken. Auch die Mitglieder der Firmenleitung sehen sich genötigt, ihren Familien Sparmaßnahmen aufzuerlegen. Der Betrieb kommt nur über die Runden, weil er Ressourcen aus der Umwelt absaugt.

In solcher Situation können keinerlei günstige Auswirkungen des gerechten Tausches innerhalb der Belegschaft auf die Gesamtwirtschaft auftreten. Im Gegenteil, da die betroffenen Haushalte in die Nähe des strengen Bedarfes kommen, tendieren sie dazu, das verfügbare Einkommen wiederum auf eine Art zu verwenden, die eine Bereicherung impliziert. Wegen der klammen Situation können sie sich z.B. keine Transfair-Produkte mehr leisten, oder weniger derselben.

Anders, wenn der Betrieb als solcher rentabel wirtschaftet (was beinhaltet, daß der Bedarf der betroffenen Haushalte gedeckt werden kann), und die Beträge aus der Bereicherung durch falsche Preise auf den Gewinn oben drauf kommen. Wird der Gewinn zur Gänze ausgezahlt, gehen Auszahlungen auf die Konten der Belegschaft, die diese für sich selbst eigentlich nicht benötigt.

Um festzustellen, welchen Wert eine gerechte Aufteilung des Gewinns auf die Belegschaft hat im Hinblick auf günstige Rückwirkung in das Gebiet, aus dem man sich bereichert hat, muß man im einzelnen prüfen, welcher Grenznutzen für die jeweiligen Haushalte entsteht. Im allgemeinen dürfte der Grenznutzen für die Haushalte, denen ein kleinerer Anteil an dem erwirtschafteten Gewinn gemäß den geltenden Gerechtigkeitsgesichtspunkten zusteht, höher sein. Dies bedeutete, daß die gerechte Aufteilung des Gewinns nicht in einem maximalen Nutzen für die Belegschaft resultierte. Eine Verteilung nach Grenznutzen kann also von einer Verteilung nach Preisgerechtigkeit abweichen. Dieser Aspekt kann hier nicht weiter verfolgt werden.

Verschiedenste andere Betrachtungen ähnlicher Art führen schließlich zu dem Ergebnis, daß für den Bereicherungsanteil am Gewinn die Gerechtigkeit der Aufteilung für die beraubte Umwelt von keinerlei günstiger Bedeutung ist, sondern lediglich von Interesse ist, wie die frei gewordenen zusätzlichen Mittel verwendet werden.

Eine imaginäre dritte Partei am Verhandlungstisch

Was ungerechtfertigt in der beschriebenen Weise durch eine Firma angeeignet wurde, kann dadurch, daß es unter der Belegschaft gerecht aufgeteilt wird, den angerichteten Schaden in keinster Weise irgendwie kompensieren. Eine gerechte Aufteilung von Summen aus Bereicherung ist volkswirtschaftlich überflüssig, also zu unterlassen. Das Geld ist dorthin zu geben, wo es hingehört, zurück in die Wirtschaftsgemeinschaft, aus der es ungerechtfertigt entnommen, herausgewirtschaftet wurde.

Man findet also bei der Beratung und Verständigung über die gerechte Aufteilung eines Gewinns, den ein Betrieb erwirtschaftet hat, immer eine imaginäre dritte Partei mit am Tisch sitzen, die den ungerechtfertigt angeeigneten Gewinnanteil für sich geltend macht.

Dieser Gewinnanteil muß abgegeben werden, als ein erster Schritt eines kapitalistischen Unternehmens, um eine Wandlung in Richtung assoziativen Wirtschaftens in Gang zu bringen. Man braucht nicht o.W. zu erwarten, daß das Unternehmen schon selbst in der Lage sei, diese zuviel erhaltenen Gelder gemeinwohlorientiert einzusetzen.

Nur wenn eine Belegschaft bei der Aufteilung des Gewinns die dritte, imaginäre Partei berücksichtigt und ihr den angemessenen Teil zugesteht, kann die gerechte Teilung des Gewinns möglich sein, läßt sich nun verallgemeinern. In die Preisgerechtigkeit nach innen schiebt sich die dritte Partei. In den Innentausch, soll dieser preisgerecht sein können, kommt eine Differenzierung hinein, die die Beteiligung der Wirtschaftbereiche, innerhalb dessen der Tausch stattfindet, gebietet. Ein gerechter Preis für einen Austausch ist nur möglich, wenn gleichzeitig der fremde Leistungsanteil zurückgeben wird, d.h. dieser muß in seiner Höhe bestimmt werden können.

Es wurde weiter oben schon einiges dazu gesagt, wie dieser ungerechtfertigte Anteil zu bestimmen ist, und wie seine Verwendungsmöglichkeiten aussehen, um eine Korrektur oder Kompensation der Preisungerechtigkeit vorzunehmen.

Können die zuviel eingenommenen Gelder nicht dorthin zurückgegeben werden, wo sie in der Leistungskette entstanden waren, entsteht für ein Unternehmen, das sich zu einem assoziativen Betrieb umgestalten will, das Problem, die Gelder in eine kapitalistische Wirtschaftsumwelt zurück geben zu sollen. Es scheint aber gerechtfertigt, diese Gelder dort zum Einsatz zu bringen, wo diese kapitalistische Umwelt sich in ersten Ansätzen zu einer assoziativen umzugestalten beginnt. Dort läßt sich mit den ungerechtfertigt angeeigneten Geldern am ehesten etwas tun, um eine Art "Wiedergutmachung" zustande zu bringen. Die zuviel eingenommenen Gelder sind dafür zu verwenden, assoziative Wirtschaft zu fördern, oder allgemeiner: Preisgerechtigkeit zu fördern.

Will man einem vorerst noch kapitalistischen Unternehmen, das sich in ein assoziatives umgestalten will, zugestehen, die Mittel selbst zu verwenden, um die eigene Umgestaltung zu einem assoziativen Wirtschaftspartner zu fördern, dann kann davon ausgegangen werden, daß - neben dem Bemühen, der Belegschaft gute Arbeitsbedingungen und die Versorgung ihrer Haushalte zu sichern, wozu auch gehört, daß die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einen Einkommensanteil vom Gewinn erhalten, der ihnen als gerecht erscheint - die Firma als erstes eine Untersuchung anstrengt, aus welchen Quellen und in welchem Ausmaß ungerechtfertigte Gelder in das Unternehmen fließen. In der Folge kann dann auch erwartet werden, daß gewisse, für das Agieren am Markt typisch kapitalistische Verhaltensweisen, etwa Zulieferer oder Konkurrenten mit Preisdumping in die Insolvenz zu treiben, unterlassen werden.

Hindernisse auf dem Weg zur assoziativen Wirtschaft und ihre Überwindung

An dieser Stelle der Argumentation taucht regelmäßig der Einwand auf, die kritisierte letztere Verhaltensweise am Markt würde in einer kapitalistischen Umgebung erzwungen sein. Die Konkurrenzsituation, auch mit den zu erwartenden zukünftigen Entwicklungen, würde ein anderes Gebaren nicht ermöglichen. Es sei eine Überlebensnotwendigkeit, möglichst günstig einzukaufen, und möglichst teuer zu verkaufen. Denn andere Unternehmen verhielten sich auch so, und wer das so nicht mitmache, etwa auch seinen Mitarbeitern nicht mehr als nötig an Einkommen auszuzahlen, käme bald in Zahlungsschwierigkeiten, und wird, statt sich durch Wachstum zu behaupten, von anderen Unternehmen angegriffen werden, und muß schließlich Insolvenz anmelden, oder wird aufgekauft. Dies ist leider im Allgemeinen, Ausnahmen gibt es, durchaus so zutreffend, und es hat innerhalb kapitalistischen Wirtschaftens seinen ökonomischen Grund, etwa gegenüber Zulieferern eine Haltung einzunehmen, die man nur mit Ausbeutungsversuch betiteln kann. Diese selbst versuchen wieder auf ihre Weise, zu Verhandlungsstärke zu kommen, um für sich günstigere Preise aushandeln zu können.

Aber anstatt Kreativität zu entfalten, dieses erste große Hindernis auf dem Weg zu assoziativem Wirtschaften zu bewältigen, wird dieselbige dazu verwendet, noch üblere Praktiken zu ersinnen, wodurch eine schließliche Umkehr immer mehr erschwert wird. Wenn die Ertragslage gut ist, kann man sich mit allerlei als Unternehmen schmücken, was einen assoziativen Anschein hat, sich mit fremden Federn schmücken. Sich ein Image als gemeinwohlorientiertes Unternehmen aufzubauen, um umso mehr abkassieren zu können, gehört zu solchen üblen Praktiken, die in Mode kommen. Kapitalistische Unternehmen werden sich einen Vorteil errechnen, den ein gutes Image einbringt. Sie bringen dafür Opfer, zahlen z.B. dann doch bessere Preise an die Lieferanten, weil das damit verbundene positive Image ihnen noch mehr nützt. Ihre grundsätzliche Beschaffenheit als kapitalistisch agierendes Unternehmen ändern sie jedoch in keiner Weise. Es geht in gleicher Weise weiter, nur raffinierter. So stehen die großen Konzerne, obwohl sie pur kapitalistisch bleiben, alsbald als ökologisch und sozial nachhaltig wirtschaftende Unternehmen da.

Man könne die Unternehmen überprüfen, ob sie tatsächlich so agieren, wie sie gemäß ihrem neuen Image als gemeinwohlorientiertes Unternehmen vorgeben, heißt es. Ist das Unternehmen jedoch nicht von einer ehrlichen Unternehmensphilosophie geprägt, die ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaften um dieses selbst willen anstrebt, bleibt die Tendenz, dem guten Image zuwider zu handeln, wenn damit gespart werden kann - und es keiner bemerkt. Oder diesbezügliche Kritik nicht gegen das gute Image aufkommt, das Unternehmen durch die dem Image zuwiderlaufende Praktiken nur Vorteile hat. Es können sich auf solchem Gebiet gerade für internationale Konzerne Möglichkeiten ergeben, weil es ganz schwer zu durchschauen ist, wie im einzelnen jeweils irgendwo auf der Erde operiert wird, ob das einen Titel Gemeinwohlorientierung oder Nachhaltigkeit verdient.

Für kleinere Unternehmen, die aus einer ehrlichen Unternehmensphilosophie heraus sich assoziativ gestalten wollen, sozial und ökologisch nachhaltig wirtschaften wollen, stellen die großen Konzerne, die nachhaltiges Wirtschaften nur vorgeben, aber über große Mittel verfügen, sich ein entsprechendes Image aufzubauen und zu erhalten, eine große Gefahr dar.

Aber auch im Kleinwirtschaftlichen ist das Problem virulent, daß Wirtschaftsunternehmen mit einem assoziativen Image unter der Hand kapitalistisch tätig sind - und dadurch das Aufkommen echten assoziativen Wirtschaftens unterbinden oder jedenfalls erschweren. Unternehmen, die bemüht sind, für gerechte Preise zu sorgen, werden Schwierigkeiten haben, gegen solche pseudo-assoziativen Unternehmen anzukommen. Dies ist die zweite Hürde, die sich für ein kapitalistisches Unternehmen stellt, das sich zu einem assoziativen wandeln will: Innerhalb der assoziativen Zusammenschlüsse, auf dem Gebiet, das ein assoziatives zu sein scheint, tummelt sich kapitalistisches Gebaren. Wie kann dann ein kapitalistisches Unternehmen, das sich zu einem assoziativen wandeln will, dies auch erreichen, trotzdem die assoziativen Partner unter der Hand weiter kapitalistisch wirtschaften?

Als eine dritte Hürde mag man ansehen, daß auch das Unternehmen selbst, das sich ehrlich in ein gemeinwohlorientiertes wandeln will, dazu neigen kann, unter der Hand am kapitalistischen Gebaren festzuhalten. Es versucht, weil es allein steht, die oben erörterten Zuschüsse, d.h. die nötigen Beträge, um liquide zu bleiben, mit kapitalistischen Methoden zu erlangen: Durch Operieren am Markt, Gehaltskürzungen, Sanierungen mit Mitarbeiterentlassungen usw.

Es folgt daraus, daß die oben erörterten Zuschüsse für ein Aufkommen einer assoziativen Wirtschaft tatsächlich gegeben werden können müssen. Ohne solche Zuschüsse muß weiter an kapitalistischem Wirtschaften festgehalten werden. Die Zuschüsse können andererseits nur aus der kapitalistischen Wirtschaft kommen, soweit die assoziative Wirtschaft noch nicht so ausgebreitet entwickelt ist, daß sie die Zuschüsse aus sich selbst generieren kann.

Das Unternehmen, das, wie oben als Beispiel gebracht, die ungerechtfertigten Einnahmen dazu verwendet, um sich zu einem assoziativen umzuwandeln, hat damit noch keine eigentliche assoziative Qualität gewonnen, da die Mittel selbstversorgerisch eingesetzt werden. Erst wenn das Unternehmen bereit ist, mit den ungerechtfertigt erworbenen Mitteln fremdversorgerisch tätig zu werden, kann es in die assoziative Gemeinschaft aufgenommen werden, denn diese beruht auf Fremdversorgung. Das Prinzip, die überschüssigen Mittel nicht für die eigene Firma einzusetzen, sondern für das Gedeihen anderer Firmen im assoziativen Gebiet (oder für das Geistesleben), ist für dieses konstitutiv. Solange die Selbstversorgung noch dominiert, kann man aber von einer Vorbereitungsphase sprechen, die auch notwendig ist. Jedes Unternehmen muß zunächst einmal in Vorleistung gehen und in einem gewissen Ausmaß assoziatives Wirtschaften praktizieren, auch wenn dieses noch mit kapitalistischen Verfahren gemischt ist. Oben wurde bereits erläutert, wie wichtig es ist, dafür mittels einer Bilanz, die über die schon erreichte assoziative Qualität Auskunft gibt, die jeweilige Kenntnis des Istzustandes zu gewinnen.

Im fortgeschrittenen Stadium wird das Unternehmen dann in den assoziativen Verbund integriert und geht zu weitgehender Fremdversorgung über. Etwa noch weiter kapitalistisch erwirtschaftete Erträge werden nicht für das eigene Unternehmen oder die eigene Belegschaft ausgegeben, sondern für das Gedeihen anderer Unternehmen oder Einrichtungen des Kulturlebens im Verbund via Umlagemanagement, wodurch diese anderen Unternehmen in die Lage kommen, ihr eventuell noch teilweise kapitalistisches Gebaren entsprechend zu reduzieren.

Existenzbedingungen des assoziativen Verbundes
Absicherung des Zuschußkreislaufes

Ein Unternehmen des Verbundes kann erwirtschafteten Gewinn nur dann in die gemeinsame Kasse geben, wenn es selbst gegen Zahlungsunfähigkeit abgesichert ist. Darüber hinaus muß der gemeinsamen Kasse ein Mittelvolumen zur Verfügung stehen, das sämtliche auftretenden Zuschußbedarfe im assoziativen Bund inklusive der angeschlossenen Einrichtungen des Geisteslebens wie Schulen usw. bedienen kann. Die Zuschüsse sind nicht mit Investitionsgeldern zu verwechseln. Es sind wesentlich Schenkungsgelder, auch wenn sie die Form von Krediten annehmen. Ein Kredit ist innerhalb des Zahlungsgefüges nur eine Variante mit einer terminlichen Zurückzahlungszusage (Schenkungszusage)[36].

Solche Zurückzahlungszusagen werden nicht immer eingehalten werden können, und müssen es auch nicht. Ihr Wert besteht in dem Beitrag dafür, daß die gemeinsame Kasse einen durchschnittlich zu erwartenden Zahlungseingang veranschlagen kann, in den eine Ausfallquote schon eingerechnet ist. Dieses erwartbare Zahlungseingangsvolumen muß dem Volumen entsprechen, das benötigt wird, akut auftretende Zahlungsanforderungen bedienen zu können. Dies bedeutet, daß die gemeinsame Kasse fortwährend die Liquidität aufweisen muß, aus der sie die Liquidität der angeschlossenen Unternehmen gewährleisten kann.

Letztlich abzusichern ist also die Liquidität der gemeinsamen Kasse. Sie muß so groß sein, daß keine Unternehmen schließen müssen aus Gründen von Zahlungsschwierigkeiten. Geschlossen werden können Unternehmen nur, wenn für seine Produkte kein Bedarf mehr besteht. Wenn sich der Bedarf verringert, kann das Unternehmen verkleinert werden. Nur solche wirtschaftlichen Gesichtspunkte spielen eine Rolle. Zahlungsschwierigkeiten gehören nicht zu solchen Gesichtspunkten. Defizite sind wirtschaftlich begründet und müssen finanziert werden. Auch uneffizientes Wirtschaften muß finanziert werden. Effizienteres Wirtschaften verringert den Finanzierungsbedarf. Es muß auch genügend Geld da sein für die Institutionen des Geisteslebens. Die Zahl der Schulen bestimmt sich durch die Zahl der Kinder und Jugendlichen. Es können keine Schulen geschlossen werden, weil nicht genug Geld da ist[37].

Solange die assoziative Wirtschaft als Verbund und Netzwerk für sich selbst die Liquidität wie erläutert noch nicht gewährleisten kann, muß die Absicherung von der kapitalistischen Wirtschaft getragen werden. Dies widerspricht nicht dem Fremdversorgungsprinzip, sondern erfüllt dieses. Eine sich selbst versorgende autarke assoziative Wirtschaft hingegen würde mit solcher Autarkie ein Moment des Selbstversorgerischen haben. Dies träte schon in den kleineren Einheiten auf: Wenn diese keine Zuschüsse benötigen, dann sind sie im Grunde selbstversorgerisch tätig. Sie benötigen jedoch eventuell auch bei rentablem Wirtschaften gelegentlich Zuschüsse, da sie den Gewinn in die gemeinsame Kasse geben, und damit auf Reservebildung verzichten, bzw. diese auf die jeweilig betriebswirtschaftlich notwendige Liquidität reduzieren.

Die Absicherung von außen, durch die kapitalistische Wirtschaft, widerspricht nicht den assoziativen Prinzipien, da es sich um Fremdversorgung handelt. Es ist nur eben nötig, wie es oben ausführlich erläutert wurde, daß die Mittelzuflüsse die Preisgerechtigkeitsprüfung durchlaufen. Sie müssen in der assoziativen Wirtschaft von den Zuschußzahlungen, die diese aus sich selbst zu generieren in der Lage ist, unterschieden bleiben. Es muß der assoziativen Wirtschaft bekannt sein, was sie ihrer kapitalistisch wirtschaftenden Umgebung zu verdanken hat. Dazu sind die erörterten Bilanzen unverzichtbar.

Es kann sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen assoziativer Wirtschaft und kapitalistischer Wirtschaft ergeben, wenn die jeweiligen Prinzipien Fremdversorgung bzw. Selbstversorgung dadurch nicht verletzt werden. Aus kapitalistischer Sicht erscheint der assoziative Verbund wie eine selbstversorgerisch tätige Wirtschaftseinheit. Die kapitalistische Umwelt kann in der assoziativen Wirtschaft eine Art Konzern[38] sehen, der der kapitalistischen Wirtschaft harmonisch eingefügt ist, - sofern es von Vorteil für die kapitalistische Wirtschaft ist.

Da diese kapitalistische Wirtschaft innenorientiert ist, tritt sie gegenüber der assoziativen Wirtschaft nicht als geschlossener Verbund auf. Die Beziehung zwischen assoziativer Wirtschaft und kapitalistischer ist diejenige der assoziativen Wirtschaft als Gesamtheit mit jeweils einzelnen kapitalistischen Unternehmen, die durch solche Beziehung Vorteile haben. So kann es z.B. für ein kapitalistisches Unternehmen mit guter Ertragslage deshalb von Vorteil sein, assoziatives Wirtschaften zu fördern, weil es dadurch sein Nachhaltigkeitsimage verbessern kann.

Obwohl solch ein kapitalistisch wirtschaftendes Unternehmen, das Zahlungen in die Assoziation gibt, selbst dieser nicht zugehören kann, weil es eine Wirtschaftsmethode praktiziert, die überwunden werden muß, muß sein Beitrag zum Aufkommen und Gedeihen der assoziativen Wirtschaft vollständigst gewürdigt werden. Dies gilt entsprechend auch für Zuwendungen in die assoziative Wirtschaft aus Privatvermögen, das seinen Ursprung in kapitalistischem Wirtschaften hat. Die Gelder können aus ungerechtfertigter Bereicherung, aber auch aus ansonsten gutem, effizientem Wirtschaften resultiert sein (Ersparnis durch Arbeitsteilung, Organisation usw.) Diese beiden Quellen sind in kapitalistischem Kontext nicht getrennt, sie fließen in den Bilanzen ununterscheidbar zusammen. Indem jedoch diese Gelder in die assoziative Wirtschaft übergehen, werden sie vollständig zu Summen, die zurückzuzahlen sind, freilich in der Form, daß die assoziative Wirtschaft innerhalb der Weltwirtschaft um solche Summen vergrößert wird: Zurückgezahlt wird in das der assoziativen Wirtschaft einverleibte Gebiet. Gerade auch Geld, das durch ungerechtfertigte Bereicherung zustandegekommen ist, erfährt durch die assoziative Wirtschaft eine moralische Verbesserung gewissermaßen, da die assoziative Wirtschaft Preisgerechtigkeit herstellt, was einer Korrektur oder Kompensation gleichkommt.

Es werden freilich meist nicht die selben Menschen, die durch falsches, binnenorientiertes Wirtschaften betroffen waren, von solcher Korrektur falscher Preise etwas haben, solange die Weltwirtschaft insgesamt noch keine ausschließlich assoziative ist. Es gilt dies ohnehin insbesondere für die Untaten während der industriellen Revolution (Ausbeutung der Arbeiterklasse) und der kolonialistischen Ausbeutung, die weit in der Vergangenheit liegen - daß eine Wiedergutmachung an die selben Menschen direkt nicht mehr möglich ist. Wenn aber heute eine Leistungskette untersucht wird, und die Quellen von Preisungerechtigkeit aufgefunden und an Ort und Stelle zeitnah korrigiert werden, dann ist dies bereits ein Vorgang innerhalb des assoziativen Gebietes bzw. ein Vorgang, der Einverleibung zumindest vorbereitet.

[Partnerschaften zwischen assoziativer und kapitalistischer Wirtschaft]
[Assoziative Neugründungen mit kapitalistisch erwirtschaftetem Geld]

Aufhebung der Selbstversorgung

Man sieht häufig als das Weltwirtschaftliche die Expansion gegenseitiger Abhängigkeit und weltweiten Handel sowie internationale Konzernintegration an. Dabei wird vernachlässigt, daß es auch auf der Haushaltsseite eine Entwicklung hin zum Weltwirtschaftlichen gibt.

Ein Familienhaushalt unterliegt als Haushalt dem Selbstversorgungsprinzip. Daran wird nicht etwas geändert, wenn ein Haushaltsmitglied im Sinne eines Tätigseins für andere (Soziales Hauptgesetz) einen Dienst für die Weltgemeinschaft gibt. Nach innen, für die Familie, ist es Selbstversorgung. Nur indirekt, dies ist analog der wirtschaftlichen Bedeutung des Geisteslebens, haben auch die haushaltsinternen Reproduktionstätigkeiten wie Kindernachwuchs und Erziehung, ökonomische Bedeutung. Ausgaben für die Kinder, wenn es zwar im Prinzip altruistische Ausgaben sind, implizieren ein entsprechendes Selbstversorgungsinteresse, das so auch seine Berechtigung hat.

Auf diesem Untersuchungsgebiet Egoismus vs. Altruismus gibt es viel Konfusion. Oben wurde schon dargestellt, daß die Formel des Kapitalismus nicht Egoismus ist, sondern Altruismus. Der Profit wird für die Binnenseite, hier die Familie angezielt. Das ist Altruismus und nicht Egoismus. Man findet mit der unreflektierten Übernahme eines vermeintlich Selbstverständlichen meist die umgekehrte Auffassung. Man glaubt, Altruismus würde nur in dem Dienst nach außen gegeben sein, und die Sorge für die Familie sieht man als gruppenegoistisch an, wenn auch diese Ansicht meist überblendet ist durch die Anerkennung der Aufopferungsleistungen der Eltern für ihre Kinder.

Dieses Prinzip der Selbstversorgung der Haushalte nach innen kommt in der wirtschaftlichen Entwicklung zur Weltwirtschaft in eine dialektische Beziehung zu dem Prinzip der arbeitsteiligen Fremdversorgung, der Leistungsschenkung nach außen, in andere Haushalte hinein.

Haushaltsintern regiert das Prinzip des kommunistischen oder solidarischen Teilens, in den größeren Einheiten wie Staatshaushalten, sowie übrigens auch konzernintern, das Prinzip der marktlosen Verrechnung.

Die weltweite marktlose[39] Verrechnung der gegenseitigen Leistungen innerhalb des sich schließlich bildenden einen Welthaushaltes geschieht in der heute schon anfänglich etablierten, zukünftig sämtliches Weltwirtschaften einschließenden assoziativen Wirtschaft. Wenn die Selbstversorgung nach innen nur noch auf den einen Welthaushalt bezogen ist, das Weltwirtschaften selbstversorgerisch tätig ist für sich selbst im Sinne der Versorgung des Welthaushaltes, dann ist auch das Selbstversorgungs- und das Fremdversorgungsprinzip dialektisch aufgehoben. Wirtschaften wird zu dem, was es immer schon war: Versorgung.

Siehe auch

Nachweise, Anmerkungen

  1. Christoph Strawe: Bedürfnislohn oder Leistungslohn? Zur Auflösung einer falschen Fragestellung, Rundbrief Dreigliederung des sozialen Organismus, Nr. 1, 1994, S. 9, PDF
  2. Wenn Kinder da sind, kann dazu auch die Beschäftigung einer Haushaltshilfe und/oder die Kosten für eine Kindertagesstätte gehören.
  3. <<Ein wesentlicher Reformvorschlag, den auch Katja Kipping (MdB) kürzlich ins Gespräch brachte, enthält eine Begrenzung der Ungleichheit bei Einkommen: “Die Höchsteinkommen sollen für die gleiche volle Arbeitszeit nicht mehr als das Zehnfache des gesetzlichen Mindestlohns betragen dürfen – oberhalb dieser Grenze würde ein Einkommenssteuersatz von hundert Prozent greifen. Derzeit liegt das Verhältnis zwischen Höchst- und Mindesteinkommen in Österreich beim Faktor 800, in Deutschland beim Faktor 5000 und in den USA beim Faktor 350000.“>>. Zitiert nach Michael Heinen-Anders, Dem Teufel auf der Spur..., BOD, Norderstedt 2012, S. 24
  4. Zu den betriebs- und wirtschaftsfremden Extrazahlungen sind nicht Zahlungen zu rechnen, die wegen Sonderbedarfe z.B. wegen besonders anstrengender Arbeit gezahlt werden, wenn die Folgen von Überbeanspruchung der Mitarbeiter oder seine Familie selbst zu tragen hat. (Wie z.B. Kosten für eine Haushaltshilfe oder die Kosten für teure Kuraufenthalte wegen Erschöpfungszuständen, die aus eigener Tasche gezahlt werden müssen.)
  5. Näheres zur Rolle der Assoziationen im Hinblick auf Preisbildung und Preisbestimmung sowie generell zur Problematik solcher Wirtschaftssteuerung siehe Assoziation (Wirtschaft). Ein fiktives Beispiel: Angenommen, ein Betrieb stellt Lederschuhe her und beschäftigt ausschließlich alleinstehende Menschen ohne Familienanhang. Ein anderer Betrieb stellt Gummistiefel her, und beschäftigt ausschließlich Mitarbeiter, die Familie haben, z.B. alle haben vier Kinder. Die Folge davon ist, daß die Gummistiefel im Verhältnis zu den Lederschuhen zu teuer sein werden, andere Preisfaktoren außenvor gelassen. Die Assoziationen haben in solchen Fällen die Aufgabe, darauf hinzuwirken, daß sich das Preisverhältnis zwischen Lederschuhen und Gummistiefeln verbessert, z.B. indem Mitarbeiter aus der Gummistiefelfabrik veranlaßt werden, zur Schuhfirma zu wechseln, und umgekehrt. Wenn das nicht in ausreichendem Maße möglich ist, müssen Transferzahlungen z.B. stattfinden, oder andere Maßnahmen, etwa Zusammenlegung der beiden Betriebe. Denn selbstverständlich haben die Mitarbeiter mit Familie einen erheblich größeren Bedarf und müssen entsprechend Einkommen beziehen, daran läßt sich direkt nichts ändern. Ähnliches ergibt sich bei zwei Firmen, die gleiche Produkte herstellen oder der Substitutionsgrad der Produkte hoch ist, und die Preise zu stark differieren. Weitere Beispiele siehe unter Assoziation (Wirtschaft).
  6. Da in einer assoziativen Wirtschaft die Mitarbeiter von sich aus die ihnen mögliche optimale Leistung erbringen, wären monetäre Leistungsanreize aus betriebswirtschaftlicher Sicht Verschwendung.
  7. 7,0 7,1 7,2 Eine alternative Auffassung, die aber hier nicht näher geprüft werden soll, könnte darin bestehen, einen durchlaufenden Posten wie die heutige Mehrwertsteuer, in variabler Höhe, anzunehmen, der aber nicht an den Staat abgeführt wird, sondern individuell nach dem Bedarf auf die beteiligten Haushalte aufgeteilt wird. Monetär kommt es auf das gleiche hinaus, vermutlich auch dem tatsächlichen Vorgang nach. Einen Wertetausch welcher Art auch immer muß es dabei anscheinend geben, da die Warenpreise, die der Betrieb erzielt, nicht unmittelbar direkt auf die Haushaltseinkommen abgebildet werden können.

    Man könnte vielleicht den Wertetausch innerhalb des Betriebes als einen inversen, nicht monetär bestimmbaren ansehen, der aber wertmäßig mit den bezifferbaren Außentauschen (Einkauf und Verkauf) übereinstimmt (dynamische Faktoren, sowie den Wertbildungsaspekt außenvor gelassen). Gleiches gilt für die Haushalte und marktinternen Wirtschaftseinheiten: Der Innentausch ist nicht wirklich monetär bezifferbar, und wenn er vorgenommen wird, rein fiktiv, dogmatisch. In dem Fall, wo man als Betrieb Arbeit als Ware ansieht, zieht man die monetären Außengrenzen des Betriebes als Wirtschaftseinheit anders, als wenn man den Wertetausch zwischen Mitarbeitern und dem Betrieb als inverse, nicht bezifferbare Innentausche ansieht.

    Die von Rudolf Steiner vorgeschlagene Sichtweise, der Arbeiter verkaufe nicht seine Arbeit, sondern das Produkt seiner Arbeit an den Unternehmer, zieht die Betriebsgrenzen zwar nicht so, als wenn die Arbeit selbst als Ware aufgefaßt würde, sondern macht den Schnitt betriebsextern zwischen Arbeit und Ware, innerhalb des Arbeiters selbst, in dem dann der inverse Tausch stattfindet. Das Resultat von solcher Grenze ist, daß die Arbeit für den Arbeiter Arbeit ist, also keine Ware, aber für den Betrieb in dem eingekauften Produkt Ware. Für Betriebe, für die es (noch) nicht möglich ist, daß die Arbeit als betriebsintern aufgefaßt werden kann (Mitarbeiter als Mitunternehmer, interne Personalunion statt externe), mag dies die bestmögliche Auffassung sein. Sie hat jedoch den Nachteil, daß sie suggeriert, daß der Betrieb die Arbeit dann doch monetär beziffern könne, in ihrem eingekauften Produkt nämlich. Dies ist jedoch wie schon erörtert, nicht wirklich möglich, da diese fiktiven Produkte unbekannte Grenzen zu den Produkten der anderen Mitarbeiter haben. Diese Unmöglichkeit, Produktanteile den Mitarbeitern zuzurechnen, ist ein Hinweis darauf, daß die Arbeit in Wirklichkeit ein betriebsinterner Vorgang ist, der insofern als inverser Tauschvorgang auch keine Waren produziert. Diese treten erst an der Betriebsaußengrenze als gemeinsam produzierte auf.
  8. Angenommen, man wolle den "berechtigten" Anteil eines Designers bestimmen, der einen Gebrauchsgegenstand äußerlich hinsichtlich Formschönheit usw. gestaltet hat: Es geht ohnehin nicht, aber ohne den Preis schon zu kennen, ist die Bewertung des Anteils des Designers erst recht nicht möglich. Wenn die Ware zum Flop wird, wird dann im nachherein möglicherweise auch die Designerleistung als mit verantwortlich dafür angesehen werden müssen. Es ist daher ausgeschlossen, die (Leistungs-)Anteile zu bestimmen, bevor überhaupt ein Preis gebildet ist. Man kann feststellen, wie lange der Designer für den Entwurf und die Umsetzung gebraucht hat, und danach, d.h. Bedarfsanteil, den Anteil am Produkt bestimmen.
  9. Man findet denn auch solche betriebsinterne Einkommensdifferenzierung typischerweise in Neugründungen alternativer Betriebe kaum. Es ist mehr ein Phänomen älterer und gewachsener Betriebe, wohl vornehmlich aus organisations- und kontrollpolitischen Gründen. Man muß dabei im übrigen auch die unterschiedliche Lebenssituation derjenigen bedenken, die als Familienmitglieder von dem Einkommen eines Einkommensbeziehers mitleben. Die Kinder von einkommensschwachen Ernährern können schließlich nichts dafür, daß dieser nur eine Minderleistung in seiner Firma erbringt.
  10. 1905/06, enthalten in GA 34.
  11. Das Alternativgut muß nur imaginiert sein, in einem anvisierten Austausch von zwei Gütern, bzw. Geld und Gut, der nicht zustande kommt, liegt das marktmäßige insofern schon, als das Geld für ein anderes Gut zurückbehalten wird.
  12. Wie sich leicht zeigen ließe, führte dies mit notwendiger Konsequenz dazu, sich an Preisen zu orientieren zu müssen, wie sie sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergeben, und die assoziative Wirtschaft bliebe wegen Mißachtung des Urzellenprinzips im Anfang stecken und käme nicht raus aus dem Kapitalismus.
  13. Die Umlage selbst ist ein Thema für sich. Neben einem Anteil, der in einer gleichen Höhe wirtschaftsweit erhoben wird, wird es, sogar in besonderem Maße, eine Differenzierung nach Wirtschaftskraft der Regionen, Branchen usw. geben müssen.
  14. vgl. Arbeitszeitverkürzung
  15. Das Existenzminimum entspricht lt. Rudolf Steiner der Grundrente (Bodenrente) einer Region, dividiert durch die Einwohnerzahl. (Siehe Existenzminimum).
  16. Pendant zu: "Nun hat man sich zu fragen, worauf das Heruntersinken unter den bestmöglichen Zustand beruht. Darauf, daß die einzelnen Faktoren der Volkswirtschaft ihren richtigen Wert nicht geltend machen können an der einen oder anderen Stelle, daß es also heute möglich ist, daß der geistig Arbeitende durchaus nicht in der Weise bezahlt wird, wie es für die Gesamtvolkswirtschaft notwendig ist. Er wird entweder zu hoch oder zu niedrig bezahlt. Es kommt beides vor. Dadurch aber gibt er sofort Veranlassung, wenn er zu niedrig bezahlt wird, daß sich die Preise durch seine niedrige Bezahlung in ungesunder Weise ändern." (GA 341, S. 47f.)
  17. Auf die damit anscheinend verbundene Dynamisierung der Urzelle kann nicht näher eingegangen werden. Sie müßte jedenfalls von den Assoziationen kontrollierbar bleiben.
  18. 18,0 18,1 Wird die Leistung eines Arbeiters geringer gewertet im Vergleich zu den anderen Leistungen, führt das dazu, daß in der Urzelle von der anderen Seite her die Waren und Dienstleistungen, die der Arbeiter benötigt und auch erhält, höher bewertet sind. Diese Höherbewertung ist jedoch in sich differenziert. Diese Höherbewertung bedeutet aber umgekehrt wiederum, daß auch die Leistung des Arbeiters höher bewertet ist. Dadurch ist die Leistung des Arbeiters dann doch wieder nicht geringer gewertet als die anderen Leistungen, aber sie hat eine innere Differenzierung erhalten, in der der Wertunterschied der Leistungen aufgehoben (erhalten) ist. Das kann nicht anders sein, da sich der Bedarf des Arbeiters ja nicht dadurch ändert, daß seine Leistung geringer bewertet wird im Vergleich zu anderen Leistungen. Man hat es anscheinend mit einer Differenzierung zu tun, die sich immer wieder von selbst aufhebt, aber diese Differenzierung dürfte genau dasselbe sein, wie die Preisbildung. (Zur mathematischen Darstellung vgl. Abschnitt 4.2 Das mathematische Modell der Urzelle.)
  19. http://www.oeffentlichen-dienst.de/entgeltgruppen.html
  20. In der assoziativen Wirtschaft wirkt das Altwerden des Geldes demotivierend auf übertriebenes Sparen. Das Erbrecht bedarf einer, mehr am Gemeinwohl orientierten Neugestaltung. Die Assoziationen wollen und dürfen jedoch in die Privatvermögen und ihre Verwendung (wozu allerdings nicht Finanzspekulationen und Handel mit Unternehmen oder Unternehmensanteilen gehören sollen) nicht unmittelbar reglementierend eingreifen, (soweit nicht von Staatswegen vorgeschrieben). Die freie wirtschaftliche Initiative des Individuums, die sich immer auch auf verfügbares Kapital stützen muß, soll in keiner Weise ausgebremst, oder gar unterbunden werden, sondern soll sich unter der Aufsicht der Assoziationen und mit ihrer Unterstützung in gemeinwohlorientierten Bahnen bewegen.
  21. Mit ein Hauptgrund ist, daß die volkswirtschaftliche Buchhaltung nicht nur die von vornherein monetär bewerteten Außentausche von Wirtschaftseinheiten kennen muß, damit sich gerechte Preise bilden können, sondern auch das Leistungsgefüge innerhalb der Wirtschaftseinheiten zumindest in etwa kennen muß. Dieses beruht zwar "nur" auf der Selbsteinschätzung der Belegschaft. Trotzdem ergibt sich daraus ein differenziertes Bild, was in der Wirtschaft vorgeht. Man kann z.B. daran Betriebe mit einem hohen Anteil von geringqualifizierten Tätigkeiten, deren Leistungsanteil gering bewertet wurde, von Betrieben mit einem stärker ausgeprägten Managementmittelbau unterscheiden usw. Zudem zeigt solche Buchhaltung, wo Bedarf und Leistung auseinanderklaffen, bzw. wo eine Tendenz dazu besteht, und hilft die Ursachen zu finden.
  22. warum das so ist, gehört in eine gesonderte spezielle Untersuchung.
  23. Eine Investition im eigentlichen Sinne wäre erst mit Eröffnung eines Geschäftsbetriebes mit Eintrittsgeldern gegeben, oder einer Vermietung des Schwimmbads an eine Schule für Schwimmunterricht etc.
  24. Unter dem Aspekt könnte man in der heute üblichen Geldschöpfung durch Banken, die Rudolf Steiner lt. H.C. Binswanger noch nicht berücksichtigt haben soll, sondern nur Investition aus Sparkapital, indem dies verliehen wird (Interview Binswanger 1994), das Positive sehen, daß dadurch die Macht der Sparkapitaleigentümer begrenzt wäre, weil es auch ohne sie geht. Stattdessen hat man es aber mit den Zentralbanken der Staaten zu tun, die mit ihrer Gelddruckerei natürlich so in die Wirtschaft massiv eingreifen, und mit der Macht der Geschäftsbanken, die die Kreditvergabe an Unternehmer kontrollieren. Der einzelne Sparkapitalbesitzer ist damit aber eigentlich entmachtet, man kann auf sein Leihgeld verzichten, solange für die Geldschöpfungen genügend Sicherheiten gegeben sind, die das Ausfallrisiko abdecken. Vgl. dazu auch Stephan Eisenhut: Vom doppelten Ursprung des Geldes. Teil I. Die Finanzkrise als Krise des modernen Geldsystems. Die Drei, 11/2009, S. 15 - 28, PDF, und Eisenhut: Kapitalverbrauch, Geldschöpfung und Bildung wirtschaftlicher Assoziationen. Zur Komposition des nationalökonomischen Kurses (3), Die Drei, 1/2012, S. 37 - 51 PDF "Auf diese so erzeugte Scheinwelt deutet Rudolf Steiner, wenn er im fünften Vortrag betont: »Es ist eigentlich volkswirtschaftlich kein wesentlicher Unterschied, ob ich, sagen wir, irgendwo Geld ausgebe, das zunächst nicht in irgendeiner Realität begründet ist, sondern das einfach Notenvermehrung ist, oder ob ich dem Grund und Boden Kapitalwert verleihe. Ich schaffe in beiden Fällen Scheinwerte.« Da aber beides bis heute gängige Praxis ist, ist eine Weltwirtschaft entstanden, die sich durch permanent verändernde Blasenbildungen auszeichnet und die die Angst und die Gier zur treibenden Kraft der Menschen macht." (Eisenhut, 2012, S. 47). Man hat es also offenbar bei der Kreditvergabe aus Geldschöpfung mit einem höchst problematischen Vorgang zu tun. Es müssen bestimmte Bedingungen dafür gegeben sein: "Die Schaffung des Geldes aus dem Kredit macht nur einen Sinn, wenn in Folge der Kreditvergabe das Güterangebot erhöht wird. Kreditgeschöpftes Geld kann daher nur durch den Kredit an Unternehmungen gerechtfertigt werden, die auf einen realen Bedarf an Gütern und Dienstleistungen ausgerichtet sind." (Eisenhut 2009, S. 25). "Werthaltiges Geld aus dem Kredit heraus zu schöpfen ist nur dann möglich, wenn der Kreditgeber sich ganz sicher ist, dass der Kreditnehmer auch reale Werte schaffen wird. Wenn ich hingegen Geld schöpfe, ohne dass reale Werte geschaffen werden, dann treibt diese Geldschöpfung nur die Preise – und zwar vor allem die Preise der Vermögenswerte – in die Höhe." (e.d. S. 27).
  25. Das ist erforderlich, damit sich die umlaufende Geldmenge nicht ändert.
  26. Man kann sich da dann aber schon fragen, wo denn der Unterschied zu einer Zwangsschenkung wäre. Der bestünde darin, daß das Geld von der Wirtschaft selbst, also den Assoziationen, verteilt würde, von denen, die es selbst auch erwirtschaftet haben. Die Tendenz, weniger zu schenken, die es nach dem alternden Geld im Sinne Gesells gibt, wäre mit einem alternden Kaufgeld nach Steiner allerdings auch verbunden. Ein Unterschied besteht aber darin, daß man den Ablaufzeitpunkt kennt, und in der Zeit davor noch die Möglichkeit hätte, das Kaufgeld zu verschenken. Der Unterschied zwischen Verlust durch Schenken bzw. Ungültigwerden ist da dann nicht mehr groß. Grundsätzlich besteht diese Möglichkeit aber, und je reicher ein Haushalt ist, desto eher wird er von ihr auch Gebrauch machen können. Ansonsten, will man das entstehende Schenkungsgeld mit dem ehemaligen Haushalt, der es erwirtschaftet hatte, verbunden lassen, damit dieser es selbst verschenke, so wäre auch das möglich. Einen Teil des Schenkungsgeldes könnte man an die Haushalte zurück geben, und denen dann das Verschenken überlassen. In jedem Fall wird das Geld aber erstmal unter die Kontrolle der Assoziationen kommen, an denen die Haushalte aber ja beteiligt sind. Die Tendenz, daß wegen dem Wertverlust des Geldes während der Laufzeit als Kaufgeld weniger geschenkt wird, könnte man nur dadurch beheben, daß man das Kaufgeld nicht kontinuierlich altern läßt, wie sich das Rudolf Steiner ja auch vorgestellt hat. Dann würde der dann diskrete Alterungseffekt durch die Kürze der Laufzeit gegeben sein. Man könnte kurze Laufzeiten mit gleichbleibendem Wert wählen, wenn die Möglichkeit der Laufzeitverlängerung beim Spargeld gewährleistet ist. (Je kürzer die Laufzeit eines Kaufgeldes mit festem nominellem Wert ist (Wechsel-Laufzeit), desto mehr entspricht solch ein Kaufgeld einem Kaufgeld mit kontinuierlicher Abzinsung.)
  27. Mehrwert, gebildetes Kapital, Überschüsse gehören vollständig in die Umlage (soweit nicht für Investitionen gebraucht). Wenn die Mitarbeiter entsprechend ihren Leistungen ihr Einkommen beziehen, können sie nicht zusätzlich noch aus den Überschüssen Einkommen erhalten, es sei denn, dem stünde ein Bedarf gegenüber. Dieser kann gegeben sein, wenn im nächsten Jahr eine entsprechend höhere Leistung erbracht werden wird. (Jedem Einkommen, auch dem aus Gewinn, muß ein Bedarf gegenüber stehen. Es wird dann ein Teil des Gewinns in Leistungseinkommen umgewandelt.) Einen anderen Grund kann es gemäß der Urzellenformel nicht geben, außer vielleicht noch eine Rückübertragung aus der Umlage, worüber aber die Belegschaft nicht selbst bestimmen kann, sondern das fällt in die Zuständigkeit der Assoziation, die die Umlagengelder betreut. Es ist auch möglich, einem Mitarbeiter, dessen Leistung als zu gering eingeschätzt worden war, aus dem Gewinn das auszugleichen. Auch da muß dem ein Bedarf gegenüberstehen. Umgekehrt, wenn bei einigen Mitarbeitern ein besonderer Bedarf nachträglich entstanden war, kann ihnen das aus dem Gewinn gezahlt werden, weil das das gleiche ist, wie wenn das über die Umlage gezahlt werden würde.
  28. Genau dies will die assoziative Wirtschaft besser machen können, neben der Effizienzsteigerung durch die Reduzierung des am Bedarf vorbei Produzierens.
  29. Es würde eine spezielle Untersuchung erforderlich machen, zu überprüfen, ob sich Soziales Hauptgesetz/assoziative Wirtschaft und Urzelle zueinander so verhalten, wie Kapitalismus und Preisbildung durch Angebot und Nachfrage in Verbindung mit dem Profiterkennungszeichen. Das dürfte aber nicht der Fall sein, man wird in dem Spiel von Angebot und Nachfrage auch das Wirken des strukturellen Altruismus finden können, aber in der Form, daß der strukturelle Altruismus den moralischen Altruismus frustriert (Profit wird zunichte gemacht).
  30. Wenn Bezieher von Grundeinkommen z.B. in dem assoziativen Gebiet "für umsonst" tätig sein wollen, ist das sicher grundsätzlich zu begrüßen, sofern dadurch keine regulären Mitarbeiter, die aus dem assoziativen Gebiet Einkommen beziehen, verdrängt werden. Das ist aber eine Problematik, die mit der Buchhaltung nichts zu tun hat. Für diese kommt es darauf an, die Leistung des Ehrenamtlichen oder Grundeinkommensbeziehers, oder auch Rentner etc. richtig zu buchen, nämlich als Leistungsschenkung mit dem richtigen, korrekten Betrag, der dem entspricht, was andere für die gleiche Leistung an Einkommen als Gegenleistung beziehen.
  31. Geprüfte Ware wird für den Import empfohlen, und ungeprüfte Ware wird nicht empfohlen. Überflüssige Variantenvielfalt gehört nicht zu dem strengen Bedarf, der aus dem Profitgebiet herbeigeschafft werden muß. Besteht über den strengen Bedarf hinaus, etwa von den reicheren Haushalten, Wunsch nach Luxuswaren z.B. aus dem Profitgebiet, dann müssen aus solchen Haushalten auch die Mittel für den zusätzlichen Aufwand kommen, die Preise der Waren hinsichtlich Preisgerechtheit zu prüfen. Zumindest anfangs wird man sich doch einschränken müssen, und die Formel "produzieren, umzu konsumieren", d.h. auch das und nur das zu produzieren, was wirklich benötigt wird, gilt auch für den Handel: Handeln, umzu konsumieren. Sollen doch die Unternehmen aus dem Profitgebiet auf ihrer sinnfreien Überflußproduktion sitzen bleiben, wen kümmerts? Vgl. auch z.B. Fair_Wear_Foundation - Artikel in der deutschen Wikipedia
  32. Die Schenkungsanteile müssen ermittelt, aus den erzielten Preisen herausgerechnet und in der Bilanz gesondert erfaßt werden. Sie können nicht als Erträge betrachtet werden, die "erwirtschaftet" wurden. Sie sind vom Wertbildungsvolumen eines Unternehmens (vgl. Wertbildungsrechnung) abzuziehen.
  33. Für das Geistesleben unterscheidet Leber in funktionaler Hinsicht die Dreiheit Arbeit/Fähigkeitseinsatz zur Erhaltung des Lebens, Arbeit/Fähigkeitseinsatz zwecks Innovation, und Fähigkeitseinsatz zwecks potentieller oder zukünftiger Wertbildung (Erweckung und Ausbildung von Fähigkeiten, eigentliches kreatives Geistesleben) (Leber 1982, S. 84ff., 97ff.)
  34. Dies wird von Grundeinkommensbefürwortern als Argument für ein Grundeinkommen angeführt. Gemäß der Urzelle kann ein Grundeinkommen jedoch nicht bedingungslos gezahlt werden, es kann nur haushaltsbezogen gewährt werden und muß mit anderen Einkommen verrechnet werden. Zudem müßten die unentgeltlich erbrachten Leistungen wie auch ehrenamtliche usw. in einer assoziativen Wirtschaft, trotzdem sie Schenkungen sind, einer vergleichenden Bewertung unterliegen, d.h. sie müssen als bewertete Leistungen monetär abgebildet und in der Buchhaltung erfaßt werden, sonst wäre der effiziente Einsatz unmöglich. Oben wurden noch weitere Argumente für die Notwendigkeit der gegenseitigen Verrechnung der Leistungen angeführt.
  35. Es muß dies kein Gemeineigentum im rechtlichen Sinn sein. Zudem ist der Umlagehaushalt in die verschiedensten Unterhaushalte nach besonderen Regionen, Branchen oder auch Unternehmensverbünden usw. untergliedert. Dabei wird dann ein Anteil des Gesamtvolumens dezentral selbst verwaltet, ein Teil in die größere Einheit abgegeben.
  36. vgl. dazu das Projekt Europäische Kreditinitiative http://www.creditinitiative.eu
  37. Zum bankartigen Charakter der gemeinsamen Kasse vgl. Zitat aus GA 337a in Artikel Der Kommende Tag AG.
  38. Selbstverständlich handelt es sich beim assoziativen Unternehmensverbund nicht um einen eigentlichen Konzern. Jedes Unternehmen bleibt rechtlich und wirtschaftlich selbständig und ist eigenverantwortlich tätig. Natürlich kann es auch Unternehmenszusammenschlüsse geben. Durch den Verbund als solchen sind sie jedoch nicht nahegelegt. Der Verbund bezweckt kooperatives, gemeinsames Wirtschaften mit gegenseitiger Unterstützung bei größtmöglicher Selbständigkeit der Wirtschaftseinheiten. Diese haben Größen, die sich nach betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Effizienzgesichtspunkten sowie wirtschaftsexternen Bedingungen ergeben.
  39. Die teilweise Abschaffung der heutigen, kapitalistisch gesteuerten Märkte bzw. einige ihrer Funktionen ist keine ideologische Angelegenheit. Assoziative Wirtschaft und Marktwirtschaft widersprechen sich nicht grundsätzlich. In jedem Fall wird es weiter die Möglichkeit geben, zwischen verschiedenen Waren zu wählen und dadurch Präferenzen zum Ausdruck zu bringen.

Literatur

  • Wala-Heilmittel GmbH, Mitarbeiter der: (Darstellung der Arbeitsplatz- und Einkommensgestaltung), in: Giese, Reinhard (Hrsg.): Sozial handeln - aus der Erkenntnis des sozial Ganzen. Soziale Dreigliederung heute, Verlag Reinhard Giese, 1980, S. 249 - 252
  • Koolmann, Steffen / Nörling, Joseph E.: Zukunftsgestaltung Waldorfschule. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zu Kultur, Management und Entwicklung, Kap. 5.7: Gehaltsordnungen und betriebliche Altersversorgung, S. 126 - 140, Springer-VS Wiesbaden, 2015, , ISBN 978-3-658-08983-2
  • Wilken, Folkert: Selbstgestaltung der Wirtschaft, Novalis Verlag Freiburg i. Br., 1949
  • Weymann, Wolfgang: Das assoziative Spannungsgleichgewicht zwischen Bedürfen und Leisten. Assoziative Ansatzpunkte in der Gegenwart, in: Die wirtschaftlichen Assoziationen, Sozialwissenschaftliches Forum Bd. 2, Hrsg. von Stefan Leber, Verlag Freies Geistesleben, 1987, Inhaltsangabe.
  • Christoph Strawe (1994): Bedürfnislohn oder Leistungslohn? Zur Auflösung einer falschen Fragestellung, Rundbrief Dreigliederung des sozialen Organismus, Nr. 1, 1994, S. 9, PDF.
  • Christoph Strawe: Weniger Staat, mehr Demokratie - Überwindung struktureller Vormundschaft und neue Politik, in: Leber u.a. 1992: Der Staat. Aufgaben und Grenzen, S. 55-112
  • Christoph Strawe: Solidarische Ökonomie. Die Frage nach dem gerechten Preis. Fairer Handel und die Notwendigkeit einer solidarischen Ökonomie im Zeitalter der Globalisierung, Sozialimpulse 04/06, 2006, S. 5 - 12, PDF
  • Rudolf Steiner: Betriebsräte und Sozialisierung, GA 331 (1989), ISBN 3-7274-3310-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Gedankenfreiheit und soziale Kräfte, GA 333 (1985), ISBN 3-7274-3330-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Rudolf Steiner: Soziale Ideen – Soziale Wirklichkeit – Soziale Praxis. Band I: Frage- und Studienabende des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus in Stuttgart, GA 337a (1999), ISBN 3-7274-3371-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Walter Kugler u.a.: Alle Macht den Räten? Rudolf Steiner und die Betriebsrätebewegung 1919. Vorträge, Berichte, Dokumente, Zusammengestellt und kommentiert von Walter Kugler, Rudolf-Steiner-Nachlaßverwaltung, Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe Nr. 103, 1989, pdf
  • Wolfgang Latrille: Assoziative Wirtschaft. Ein Weg zur sozialen Neugestaltung. Die pragmatischen Aspekte der sozialen Dreigliederung. Stuttgart 1985
  • Rudolf Steiner: Soziale Ideen – Soziale Wirklichkeit – Soziale Praxis. Band II: Diskussionsabende des Schweizer Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 337b (1999), ISBN 3-7274-3372-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  • Stefan Leber u.a.: Der Staat. Aufgaben und Grenzen. Beiträge zur Überwindung struktureller Vormundschaft im Rechtsleben, Reihe Sozialwissenschaftliches Forum, Bd. 4, herausgegeben von der Sozialwissenschaftlichen Forschungsgesellschaft Stuttgart e.V. durch Stefan Leber, Verlag Freies Geistesleben, 1992, ISBN 377250924X
  • Leber, Stefan: Selbstverwirklichung, Mündigkeit, Sozialität, Freies Geistesleben, 1978, (2. Aufl. 1982, bearb. u. erw., als Fischer-TB 5519 Lizenzausgabe)
  • Stephan Eisenhut: Kapital und Postmaterialismus. Die materialistische Kapitalauffassung bei Karl Marx und in der neoliberalen Wirtschaftskultur der Gegenwart im Vergleich mit der postmaterialistischen Kapitaltheorie Rudolf Steiners, 2006, PDF
  • Mossmann, Johannes: Der schiefe Turm von Bio, 2/2012, Text
  • Schmelzer, Matthias: Fairer Handel und Freier Markt. Studie zu den Wirkungen Fairen Handels auf Produzenten und die freie Marktwirtschaft, 2007, PDF

Weblinks

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