Reich Gottes

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Als Reich Gottes (hebr. מלכות malchut, griech. Βασιλεία τοῦ Θεοῦ basileia tou theou; auch Gottesreich, Königsherrschaft Gottes, Gottesherrschaft) wird im Judentum die Schechinah (hebr. שכינה), Einwohnung JHWHs im Volk Israel, das Wirken Gottes im Volks-Ich des hebräischen Volkes, verstanden, das sich in der Endzeit vollständig verwirklicht haben wird. Am Sephirothbaum der Kabbalisten ist Malchuth die zehnte Sephira.

Im Christentum wurde empfunden, das das Reich Gottes durch die Inkarnation des Christus bereits nahegekommen sei. Der Christus selbst hat darauf hingewiesen; so heißt es etwa im Markus-Evangelium:

„14 Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes 15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

Markus-Evangelium: Mk 1,14-15 LUT

Rudolf Steiner hat darauf hingewiesen, dass es dabei aber nicht mehr um die Einwohnung Gottes im Volks-Ich geht, sondern um das Erwachen des Göttlichen im einzelnen individuellen menschlichen Ich.

„Erinnern Sie sich daran, was ich Ihnen unzählige Male schon gesagt habe: daß der Mensch seiner Wesenheit nach aus drei Gliedern besteht, aus dem physischen Leib, den er hat in Gemeinschaft mit den Mineralien, aus dem ätherischen Leib, den er mit den Pflanzen gemeinsam hat, und aus dem astralischen Leib, in dem im Grunde genommen auch die Liebe bisher gesessen hat, den er gemeinsam hat mit den Tieren. Durch sein voll entwickeltes Ich ist der Mensch die Krone der Erdenschöpfung. Alle andern Erdenwesen haben Namen, die man ihnen von außen geben kann, sie sind Objekte. Das Ich hat einen Namen, den es nur sich selber geben kann. In dem Ich spricht die Gottheit, in dem Ich sprechen nicht mehr irdische Verhältnisse, in dem Ich spricht das Reich des Geistes. Der Geist aus den Himmeln spricht, wenn dieses Ich vollständig zu sich selber gekommen ist. Man könnte sagen, bisher hat es gegeben drei Reiche: das Mineral-, Pflanzen- und das Tierreich, und ein Reich, das sich zwar heraushob aus diesen, das es aber noch nicht zur Vollkommenheit gebracht hat, das noch nicht seine ganze überirdische Wesenheit in sich hineinbekommen hat. Dieses Reich, welches darin besteht, daß in eine Ichheit das, was sonst nirgends auf Erden zu finden ist, die geistige Welt, die Reiche der Himmel hineingenommen werden, dieses Reich nannte man nach dem Sprachgebrauch der Bibel das Reich oder die Reiche der Himmel; in der Bibel wird es gewöhnlich übersetzt «Reich Gottes».

Und das Reich der Himmel ist nichts anderes als eine Umschreibung des Ausdrucks «Menschenreich». Wenn wir sagen: mineralisches, pflanzliches, tierisches Reich, so können wir im Sinne der Bibel als viertes Reich anführen: das Reich der Himmel. Das Menschenreich, so können wir im Sinne der Bibel sagen, ist das Reich der Himmel, so daß der, der dazumal im Mysteriensinne hineinschaute in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung, folgendes sagen konnte: Schaut zurück in vergangene Zeiten; da wurde die Menschheit zur Menschheit geführt, da war noch nicht das Reich der Himmel auf Erden. Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo das Reich der Himmel auf Erden kommt. - Dies hat der Vorläufer des Christus Jesus und der Christus Jesus selbst gesagt: «Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen», und dadurch haben sie ihre Zeit in ihrem tiefsten Wesen charakterisiert. In diese Zeit mußte aber gerade die Geburt des Christus Jesus fallen. Er sollte jene Kräfte der Menschheit bringen, durch welche das Ich jene Eigenschaften entwickeln konnte. So ist die ganze Menschheitsentwickelung in zwei Teile geteilt: in einen vorchristlichen, in dem das Reich der Himmel noch nicht auf der Erde war, und in einen Teil, in dem das Reich der Himmel auf Erden war, das Menschenreich in seiner höchsten Bedeutung. Das althebräische Volk war ausersehen, die leibliche Körperlichkeit, die körperlichen Hüllen zu geben, die gewachsen waren als eine Wesenheit, um den Träger dieses Reiches der Himmel aufzunehmen.“ (Lit.:GA 117, S. 52ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien, GA 117 (1986), ISBN 3-7274-1170-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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