Repanse de Schoye

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Dante Gabriel Rossetti: The Damsel of the Sanct Grael (1874, Andrew Lloyd Webber Collection)

Repanse de Schoye (altfranz. Repanse de schoy „Bringerin der Freude“) ist in Wolfram von Eschenbachs Parzival-Dichtung die Gralshüterin. Am Ende der Erzählung wird Parzivals Gattin Condwiramur ihre Nachfolgerin, während Repanse de Schoye Parzvals Halbbruder Feirefiz ehelicht und mit ihm nach Indien zieht. Ihr gemeinsamer Sohn, Jôhan, gilt als Ahnherr des sagenhaften Priesterkönigs Johannes, welcher der Legende nach der christliche Herrscher über die „drei Indien“ gewesen sei.

„Als die uralte Blutsverwandtschaft durchbrochen wurde, ging in den Mysterien etwas Besonderes vor sich. Was ehemals durch die Blutsverwandtschaft erreicht worden war, wurde nun ersetzt durch zwei bestimmte geistige Präparate in den hohen Mysterien. In den niederen Mysterien waren die äußeren Symbole dafür vorhanden. Diese äußeren Symbole waren Brot und Wein. Was als jene zwei Präparate vorlag, es waren Stoffe, die geistig etwas Ähnliches bewirkten wie physisch das Blut in den Adern. Als das alte Hellsehen verlorenging, wurde dies also ersetzt durch den Genuß dieser Präparate. Wenn man die ganze theosophische Weisheit gelernt hatte, bekam man damals diese Symbole aus der Schale der Ceridwen. Das war es, was als geläutertes Blut aus dem von oben herab sich öffnenden Kelch den Menschen gegeben werden konnte. Es ist dies, was als das eigentliche Mysterium besteht, dann auf eine sehr kleine Körperschaft übergegangen.

In andern Gegenden Europas sind die Mysterien verfallen und auf eine abscheuliche, abstoßende Weise profaniert worden. Da findet man als Symbol des Opfers eine Schale, in die ein blutendes Haupt gelegt wurde. Man hatte die Meinung, daß in dem Menschen durch den Anblick dieses Hauptes etwas erweckt werden könne. Was da vorgenommen wurde, war schwarze Magie. Es war der Gegensatz zu dem Geheimnis des Heiligen Gral.

Man wußte damals, daß das, was im Blütenkelch nach oben strömt, im menschlichen Blute lebt. Das mußte wieder rein und keusch werden wie der Blütensaft. In den entarteten Mysterien hat man das in eine grobe materialistische Form gebracht. Im Norden brauchten sie als Symbol in den Mysterien das sublimierte Blut und in den eleusinischen Mysterien den Wein des Dionysos und das Brot der Demeter. Das abscheulich gemachte Gralsgefäß mit dem blutenden Haupte finden wir wieder bei der Herodias mit dem Haupt des Johannes. Sie lacht über das profanierte Mysterium. Das eigentliche Geheimnis der hohen Mysterien ist übergegangen auf die Tempeleisen im Norden Spaniens, die Gralshüter. Während die Ritter des Artus sich mehr mit den weltlichen Angelegenheiten befaßten, konnten die Tempeleisen vorbereitet werden, ein noch höheres Geheimnis aufzunehmen, nämlich zu verstehen das große Geheimnis von Golgatha, das weltgeschichtliche Mysterium.

Das Christentum ist hervorgegangen aus dem allerstärksten Völkergemisch, den Galiläern, aus denen, die ganz fremd draußen stehen, außerhalb aller Blutsgemeinschaft. Der Heiland ist derjenige, der mit seinem Reiche ganz und gar nicht mehr fußt auf der alten Blutsgemeinschaft, der jenes Reich begründet, das jenseits aller Blutsgemeinschaft liegt. Das sublimierte Blut, das Blut, das geläutert ist, sprießt aus dem Opfertode, dem Reinigungsprozeß, hervor. Das Blut, das Wünsche und Begierden erzeugt, das muß rinnen, geopfert werden, hinfließen.

Das heilige Gefäß mit dem geläuterten Blut wurde nach Europa zu den Tempeleisen auf dem Berge Montsalvatsch gebracht. Titurel, der Ahnherr, hat den Gral empfangen, vorher war er ersehnt worden. Jetzt war die Überwindung des Blutes vor sich gegangen. Es war das rein Physische des Blutes durch das Geistige überwunden worden.“ (Lit.:GA 97, S. 264f)


nâch den kom diu künegîn. (235, 15)
ir antlütze gap den schîn,
si wânden alle ez wolde tagen.
man sach die maget an ir tragen
pfellel von Arâbî. (235, 20)

ûf einem grüenen achmardî
truoc si den wunsch von pardîs,
bêde wurzeln unde rîs.
daz was ein dinc, daz hiez der Grâl,
erden wunsches überwal. (235, 25)

Repanse de schoy si hiez,
die sich der grâl tragen liez.
der grâl was von sölher art:
wol muoser kiusche sîn bewart,
die sîn ze rehte solde pflegn:
die muose valsches sich bewegn. (235,30)

Wolfram von Eschenbach: Parzival, Buch V, 235, 15 - 30

Nach diesen kam die Königin. (235, 15)
Ein Glanz von ihrem Antlitz schien,
Sie wähnten all es wolle tagen.
Ein Kleid sah man die Jungfrau tragen
Von Pfellel aus der Arabie.

Auf grünem Kissen von Achmardi (235, 20)
Trug sie des Paradieses Fülle
So den Kern wie die Hülle.
Das war ein Ding, das hieß der Gral,
Irdschen Segens vollster Strahl.

Repanse de Schoie hieß (235, 25)
Von der der Gral sich tragen ließ.
Der Gral war von solcher Art:
Sie hat das Herz sich rein bewahrt,
Der man gönnt des Grals zu pflegen:
Sie durfte keine Falschheit hegen. (235, 30)

Übersetzung von Karl Simrock [1]

Literatur

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