Schwarzer Senf (Brassica nigra)

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Schwarzer Senf
Brassica nigra 001.JPG

Schwarzer Senf (Brassica nigra)

Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Brassiceae
Gattung: Kohl (Brassica)
Art: Schwarzer Senf
Brassica nigra
(L.) W.D.J.Koch

Der Schwarze Senf (Brassica nigra), auch Senf-Kohlgenannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Brassica in der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Der Schwarze Senf ist im Mittelmeerraum heimisch und wird seit Menschengedenken kultiviert und als Heil- sowie Nutzpflanze vielseitig verwendet. Er ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt.

Beschreibung

Stängel und Laubblätter
Ausschnitt eines Blütenstandes mit vierzähligen Blüten
Habitus und Blütenstände
Unreife Schoten
Samen mit netzartiger Oberfläche

Erscheinungsbild und Blatt

Der Schwarze Senf ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 30 cm bis zu 2,00 m, selten bis zu 3,10 Metern erreicht. Der aufrechte und im oberen Bereich verzweigte Stängel ist mindestens im unteren Bereich abstehend rau behaart; im oberen Bereich ist er mehr oder weniger kahl sowie bläulich.[1]

Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Die Grundblätter und die untersten Stängelblätter sind 10 Zentimeter lang gestielt. Ihre Blattspreite ist bei einer Länge von 6 bis 30 Zentimetern und einer Breite von 1 bis 10 Zentimetern im Umriss eiförmig, länglich oder lanzettlich, leierförmig-fiederspaltig oder fiederteilig mit einem großen, eiförmigen, gezähnten Endsegment und auf jeder Seite der Mittelrippe ein bis drei gezähnten Seitensegmenten, die viel kleiner sind als das Endsegment. Die oberen Stängelblätter sind auch gestielt. Ihre Blattspreite ist bei einer Länge von etwa 5 Zentimetern und einer Breite von etwa 1,5 Zentimetern lanzettlich oder linealisch-länglich mit keilförmigen Spreitengrund und glatten oder selten gezähnten Blattrand.[1]

Blütenstand und Blüte

Die Blütezeit liegt am Ende des Frühsommers. Die traubigen Blütenstände verlängern sich bis zur Fruchtreife. Es sind keine Tragblätter vorhanden.[1]

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vierzählig. Die vier freien, grünen Kelchblätter sind bei einer Länge von meist 4 bis 6 (bis 7) Zentimetern und einer Breite von 1 bis 1,5 Millimetern länglich und ausgebreitet oder aufsteigend. Die vier freien, 3 bis 6 Millimeter lang genagelten, gelben Kronblätter sind bei einer Länge von meist 7,5 bis 11 (5 bis 13) Millimetern und einer Breite von meist 3 bis 4,5 (2,5 bis 5,5) Millimetern eiförmig mit gerundetem oberen Ende. Die sechs Staubblätter bestehen aus 3,5 bis 5 Millimeter langen Staubfäden und 1 bis 1,5 Millimeter langen Staubbeutel.[1]

Frucht und Samen

Die geraden, aufrechten bis aufsteigenden Fruchtstiele sind meist 3 bis 5 (2 bis 6) Millimeter lang. Die reifen Schoten stehen nahezu senkrecht und liegen eng am Stängel an. Die vierkantige Schote ist bei einer Länge von meist 1 bis 2,5 (0,5 bis 2,7) Zentimetern und einem Durchmesser von meist 2 bis 3 (1,5 bis 4) Millimetern linealisch oder schmal länglich-elliptisch und enthält meist vier bis zehn, selten bis zu 16 Samen.[1] Der dünne Fruchtschnabel ist 2 bis 3 Millimeter lang.

Die dunkelbraunen, grauen oder schwarzen Samen sind bei einem Durchmesser von 1,2 bis 2 Millimetern kugelförmig mit winzig netzartiger Samenschale.[1] Die Samenkörner sind geruchlos, entwickeln aber beim Kauen einen stechend scharfen Geschmack.

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8; es liegt Diploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16.[2]

Ökologie

Beim Schwarzen Senf handelt es sich um einen Therophyten.

Die gelbe Blütenfarbe beruht auf Violaxanthin.

Der Schwarze Senf schützt sich vor Fressfeinden durch einen 1%igen Gehalt an Sinigrin, einer Verbindung des tränenreizenden, stechend riechenden und extrem scharf schmeckenden Allylisothiocyanats[3] mit Glukose; die Glukose schützt wiederum die Pflanze vor ihrem eigenen Gift und wird erst bei einer Verletzung durch enzymatische Reaktion abgespalten.

Vorkommen

Das weite Verbreitungsgebiet des Schwarzen Senfs umfasst weite Gebiete der Alten Welt,[1] er ist im östlichen Mittelmeerraum beheimatet. Seit der Römerzeit wird er auch in Mitteleuropa kultiviert und seit dem 16. Jahrhundert ist er in Mitteleuropa als Neophyt bekannt und tritt hier vor allem als Stromtalpflanze auf. Diese verwilderte Nutzpflanze gilt in Mitteleuropa als Agriophyt, also als fester Bestandteil der aktuellen natürlichen beziehungsweise naturnahen Vegetation. Der Schwarze Senf gedeiht in Mitteleuropa im Bidenti-Brassicetum nigrae aus dem Verband Chanopodion rubri, kommt aber auch in Gesellschaften des Verbands Senecion fluviatilis vor.[2]

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Sinapis nigra durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 668.[4] Die Neukombination zu Brassica nigra wurde 1833 durch Wilhelm Daniel Joseph Koch in J.C. Röhlings Deutschlands Flora. 3. Auflage. Band 4,[5] S. 713–714 veröffentlicht. Das Artepitheton nigra bedeutet schwarz. Synonyme für Brassica nigra sind: Brassica bracteolata, Brassica sinapioides, Brassica sinapoides, Crucifera sinapis, Erysimum glabrum, Melanosinapis communis, Mutarda nigra, Raphanus sinapis-officinalis, Sinapis erysimoides, Sinapis tetraedra, Sisymbrium nigrum.

Trivialnamen

Für den Schwarzen Senf bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Keek (Helgoland), Keetjen (Helgoland), Mostartkorn (Köln), Sempsat (Unterweser), Senip (Unterweser), Sennep (mittelniederdeutsch) Sennepe (mittelniederdeutsch) und Sennepsaat (mittelniederdeutsch).[6]

Landwirtschaft

Er benötigt viel Sonnenlicht und liebt warme und feuchte Böden.

Wenn im Spätsommer oder Herbst Felder noch einmal gelb erblühen, handelt es sich oft um Schwarzen oder Weißen Senf, der den Boden als Zwischenfrucht bedecken, die Auswaschung von Nährstoffen – insbesondere Nitrat – verhindern oder reduzieren soll und später zur Humusanreicherung untergepflügt wird (Gründünger).[7]

Allylisothiocyanat (unten, blau markiert) bildet sich bei der Hydrolyse des Senfölglycosids Sinigrin[8], einem Inhaltsstoff von Schwarzem Senf.

Verwendung

Schwarzer Senf ist neben dem Weißen Senf Bestandteil des Senfs. Die reifen und getrockneten Samen können direkt als Gewürz verwendet werden und verlieren ihre Schärfe beim Kochen. Die Samen enthalten etwa 30 % Öl mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Die Verwendung des Öls als Lebensmittel ist in der indischen und bengalischen Küche weit verbreitet, jedoch nicht uneingeschränkt zu empfehlen, da im rohen Senföl die Glyceride der Erucasäure sowie Isothiocyanate enthalten sind. In Indien wird Senföl daher in der Küche bis zum Rauchpunkt erhitzt, wodurch die Senfölglykoside weitgehend abgebaut werden. Da außerhalb Indiens diese notwendige Maßnahme weitgehend unbekannt ist, darf Senföl in der EU und in den USA nur dann als Lebensmittel auf den Markt gebracht werden, wenn der Erucasäureanteil unter 5 % liegt. Von Asienläden für indischstämmige Kundschaft wird dies teilweise umgangen durch die Deklaration „nur für äußerliche Anwendung“ o. ä.

Bei dem Begriff Senföl besteht eine Verwechslungsgefahr: Auch das reine, giftige (Allyl-)Isothiocyanat wird gelegentlich als Senföl bezeichnet.

Verwendung als Heilpflanze

Der Wirkstoff Allylsenföl hat stark reizende und damit durchblutungsfördernde Eigenschaften und kann, in die Haut eingerieben, reflektorisch auch auf innere Organe einwirken.[9] In der Naturheilkunde gilt Senfmehl in Form von Umschlägen (Senfwickel), Senfpflastern, in lauwarmem Wasser angerührt oder Senfspiritus als Hausmittel. Die Senfölglycoside wirken bakteriostatisch. Weiter soll Senf bei Nervenschmerzen sowie bestimmten Herzbeschwerden helfen. Vor allem aber wird er wegen seiner durchblutungsfördernden Wirkung eingesetzt, zum Beispiel bei Bronchitis oder rheumatischen Beschwerden.[10] Er sollte jedoch nicht zu hoch konzentriert und zu lange mit der Haut in Berührung bleiben, da die Gefahr von Hautreizungen bis hin zu Blasen- oder gar Geschwürbildung besteht, wobei die Wirkung mit zeitlicher Verzögerung einsetzt. Während der Schwangerschaft,[11] bei Magengeschwüren und Nervenentzündungen sowie bei Kindern[12] sollte Schwarzer Senf nicht angewandt werden.

Verwendung als Gemüse

In Äthiopien, wo die Pflanze als Gemüse angebaut wird, werden die Sprossen und Blätter gekocht gegessen und die Samen als Gewürz verwendet.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Schwarzer Senf (Brassica nigra) - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Tai-yien Cheo, Lianli Lu, Guang Yang, Ihsan Al-Shehbaz, Vladimir Dorofeev: Brassicaceae. Brassica nigra., S. 20 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 8: Brassicaceae through Saxifragaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2002, ISBN 0-915279-93-2.
  2. 2,0 2,1 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 438.
  3. Wolfgang Legrum: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft. Vieweg + Teubner Verlag, 2011, ISBN 978-3-8348-1245-2, S. 19.
  4. Erstbeschreibung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  5. J.C. Röhlings Deutschlands Flora. 3. Auflage. Band 4 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  6. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 63, (online)
  7. Heinrich Hofmeister, Eckhard Garve: Lebensraum Acker. Verlag N. Kessel, 2006, ISBN 3-935638-61-2.
  8. Jonathan Clayden, Nick Greeves, Stuart Warren, Peter Wothers: Organic Chemistry. Oxford University Press, 2001, ISBN 0-19-850346-6, S. 1367–1368.
  9. Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Sonderausgabe. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.
  10.  H. Panda: Herbs cultivation and medicinal uses. National Institute Of Industrial Re, 2000, ISBN 81-86623-46-9, S. 185 (online).
  11.  Merrily A. Kuhn, David Winston, Ara DerMarderosian: Herbal therapy & supplements: a scientific & traditional approach. Lippincott Williams & Wilkins, 2001, ISBN 978-0-7817-2643-6, S. 397 (online).
  12.  Karin Kraft, Christopher Hobbs: Pocket guide to herbal medicine. Thieme, 2004, ISBN 3-13-126991-X, S. 72f. (online).
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