Schwangerschaft

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Die Schwangerschaft (von ahd. swangar; mhd. swanger), auch Gestation oder Gravidität (von lat. graviditas) genannt, umfasst den gesamten Zeitraum, während dem ein befruchtete menschliche Eizelle im Leib der Mutter bis zur Geburt zum Kind heranreift. Die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer liegt bei normalem Verlauf bei etwa 10 (siderischen) Mondmonaten, die etwa neun solaren Monaten entsprechen, mit einer Schwankungsbreite von mehreren Wochen. Während der ersten acht Wochen der Schwangerschaft wird der heranreifende Menschenkeim als Embryo bezeichnet. Wenn etwa ab der neuten Woche die inneren Organe ausgebildet sind, spricht man vom Fetus (auch: Fötus).

Bei lebendgebärenden Tieren wird der Zeitraum von der Befruchtung bis zur Geburt als Trächtigkeit bezeichnet.

Kosmische Einflüsse auf die Bildung der menschlichen Gestalt

Abgeschirmt von der Außenwelt ist der Embryo bzw. Fötus aus anthroposophischer Sicht zugleich offen für kosmische Einflüsse, die insbesondere an der Kopfbildung des Kindes beteiligt sind, während die irdisch-mütterlichen Kräfte auf das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System einwirken.

„Dasjenige, was zunächst im Embryonalzustand mit der Kopforganisation vor sich geht, ist in seinem ganzen Umfang fast ein Werk kosmischer Kräfte. Der mütterliche Uterus gibt die Stätte ab, wo gegen die irdischen Kräfte geschützt ist dasjenige, was geschieht, Sie müssen sich den mütterlichen Uterus als ein Organ vorstellen, welches den Raum abschließt, der die Wirkung der irdischen Einflüsse nicht einläßt, so daß der Raum ausgespart wird für kosmische Wirkungen. Wir haben einen Raum, der unmittelbar mit dem Kosmos in Verbindung steht, in dem sich kosmische Wirkungen abspielen. Nun, da geht die Entwickelung der Kopforganisation vor sich. Wenn die menschlichen Kräfte des Mutterleibes, insofern die menschlichen Kräfte des Mutterleibes das Kind in Empfang nehmen, auf es wirken, dann beginnt die Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation in diese Kräfte sich orientieren zu lassen,so daß Sie sehen: bei dem Kinde sind einfach für den postembryonalen Zustand die kosmischen Kräfte geblieben. Sie behalten die Überhand über dasjenige, was an Stärke hätte mitgegeben werden sollen, an Kräften, die sonst das Kind bekommt für die irdische Entwickelung, für die Entwickelung des Gliedmaßen-Stoffwechselsystems. Nun, die Folge davon ist ganz klar. Würde das Kind länger im Mutterleibe sein - das ist eine absurde Hypothese -, würde es langer da sein als zehn Monate, so würde der Kopf fortwährend wachsen und die Gliedmaßen würden nicht zur Entwickelung kommen können. Da ist nur Gelegenheit gegeben, Außerirdisches, Kosmisches wachsen zu lassen.“ (Lit.:GA 317, S. 121f)

Bildung des Kopfes

Rudolf Steiner hat oft darauf hingewiesen, dass das Haupt der gegenwärtigen Inkarnation - nicht stofflich, aber der Gestalt nach - eine Metamorphose des Leibes (ausgenommen des Hauptes) der vorangegangenen Inkarnation ist. Diese Metamorphose vollzieht sich im geistigen Leben zwischen Tod und neuer Geburt. In der Form des Kopfes drückt sich das Geistige des Menschen auch äußerlich am vollständigsten aus.

„Zunächst haben wir das Haupt. Dieses ist, wie Sie aus früheren Betrachtungen wissen, in der Form, wie es auftritt in irgendeiner Inkarnation, eigentlich dazu bestimmt, in dieser Inkarnation seinen Abschluß zu finden. Das Haupt ist am meisten dem Tode ausgesetzt. Denn wie unser Haupt gebildet ist - erinnern Sie sich an frühere Betrachtungen -, wie unser Haupt organisiert ist, ist es im wesentlichen das Ergebnis unseres Lebens in der früheren Inkarnation. Wie dagegen unser nächstes Haupt, unser nächster Kopf gebildet sein wird in der folgenden Inkarnation, das ist ein Ergebnis unseres jetzigen Leibeslebens. Kurz habe ich das ausgedrückt vor einiger Zeit, indem ich sagte: Der Leib des Menschen, außer dem Haupte, wandelt sich um zum Haupt in der nächsten Inkarnation, und der nächste Leib wächst zu, während das jetzige Haupt, das wir tragen, der umgewandelte Leib der vorhergehenden Inkarnation ist, und uns unser übriger Leib jetzt aus den Vererbungsverhältnissen mehr oder weniger - das alles ist gradweise verschieden - zugewachsen ist.

Das ist die Metamorphose. Das Haupt fällt gleichsam ab in einer Inkarnation, es ist das Ergebnis des Leibes der vorhergehenden Inkarnation. Und der Leib gestaltet sich um, metamorphosiert sich, wie in der Goetheschen Metamorphosenlehre das Blatt zur Blüte, zum Haupte in der nächsten Inkarnation. Dadurch aber, daß das Haupt, der Kopf gebildet wird aus dem Erdenleib der vorhergehenden Inkarnation, hat die geistige Welt mit diesem Haupte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt besonders viel zu tun, denn es muß die Urform, das Urbild des Hauptes aus der geistigen Welt gemäß dem Karma herausgearbeitet werden. Daher erscheint auch im Embryo das Haupt zuerst vollkommen ausgebildet, weil es aus dem Kosmos heraus am meisten beeinflußt ist. Durch die menschliche Organisation wird der übrige Leib eigentlich am meisten beeinflußt. Daher erscheint diese übrige Organisation im Embryo später ausgebildet als das Haupt. Das Haupt ist schon - natürlich nicht seiner physischen Gestaltung nach, der physische Stoff ist gewiß der Vererbung entnommen, aber in bezug auf seine Formung, in bezug auf sein Urbild - aus dem Kosmos herausgebildet, ist, wie man sagen kann, aus der Sphäre. Ihr Haupt ist nicht umsonst mehr oder weniger kugelförmig; es ist das Haupt ein Abbild der ganzen Weltensphäre, und die ganze Weltensphäre arbeitet mit an der Bildung des Hauptes. So daß wir sagen können: das Haupt ist aus der Sphäre gebildet.“ (Lit.:GA 174, S. 205f)

Brustorgane

Zeichnung aus GA 174, S. 207

Auf das rhythmische System mit den Brustorganen wirkt hingegen nur die östliche Halb-Sphäre:

„Dem Kopfe liegt die Kugelform zugrunde, den Brustorganen liegt zugrunde der Kreisteil, gewissermaßen der Halbkreis. Nur ist er verschiedentlich gebogen, und man kann es nicht mehr genau sehen. Sehen könnten Sie, daß Ihr Kopf wirklich eine Kugel ist, wenn auf den Menschen nie luziferische und ahrimanische Kräfte gewirkt hätten. Sehen würden Sie, daß die Brustorgane wirklich eine Halbsphäre sind, wenn eben diese Kräfte nicht gewirkt hätten. Und gewissermaßen die Richtung nach dem Mittelpunkte — aber man könnte sagen: für gewöhnliche irdische geometrische Verhältnisse nach dem unendlich fernen Mittelpunkte - ist nach dem Osten. Also Halb-Sphäre: nach dem Osten.“ (S. 207)

Im Rumpf des Menschen wird sein Geistiges nur mehr teilweise sichtbar; eben dadurch wird aber der Raum für das Seelische geschaffen.

„Der Brustteil des Menschen verbirgt schon sehr viel von sich; er läßt etwas von seiner Wesenheit unsichtbar. Es ist sehr wichtig für die Erkenntnis der Wesenheit des Menschen, das ins Auge zu fassen, daß vom Brustteil ein gut Stück unsichtbar ist. Und so können wir sagen: Der Brustteil zeigt uns nach der einen Seite, nach rückwärts, seine Leiblichkeit; nach vorwärts geht er in das Seelische über. Der Kopf ist ganz Leib; der Brustteil des Menschen ist Leib nach rückwärts, Seele nach vorwärts. Wir tragen also einen wirklichen Leib nur an uns, indem wir unser Haupt auf den Schultern ruhen haben. Wir haben an uns Leib und Seele, indem wir unsere Brust herausgliedern aus dem übrigen Brustteil und sie durcharbeiten, durchwirken lassen von dem Seelischen.“ (Lit.:GA 293, S. 148)

Zeichnung aus GA 293, S. 148

Gliedmaßen und Unterleibsorgane

Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System wird von Kräften gebildet, die aus dem Mittelpunkt der Erde wirken. Diese Kräfte differenzieren sich nach dem Erdgebiet, nach dem Territorium, auf dem die Mutter bzw. die Eltern leben.

„Jetzt haben wir als drittes Glied alles dasjenige, was sich im Mensehen findet als Teilorgane außer Kopf und Brustorganen: Unterleibsorgane mit den daranhängenden Gliedmaßen. Alles das will ich, obwohl die Benennung nicht besonders genau ist, Unterleibsorgane nennen. Dieses, was wir so als Unterleibsorgane zusammenfassen, können wir nun auch ebenso beziehen auf äußerlich organisierende Kräfte, die natürlich hier auf diesem Gebiete hauptsächlich auf dem Umwege durch die Embryologie auf den Menschen wirken, aber eben auf diesem Umwege doch so wirken, weil während der Schwangerschaft die Mutter abhängig ist von den Kräften, die da aufgesucht werden müssen zu der Gestaltung des Unterleibes, ebenso wie die Sphäre aufgesucht werden muß zur Gestaltung des Kopfes, der Osten, die Halbsphäre aufgesucht werden muß zur Gestaltung der Brustorgane.

Was auf solche Weise auf die Organe des Unterleibes als Kräfte wirkt, das müssen Sie sich vorstellen so, daß es vom Mittelpunkte der Erde kommt, aber differenziert wird durch das Territorium, auf dem sich die Eltern beziehungsweise Voreltern aufhalten, durch das Territorium und alles, was damit zusammenhängt. Also wohlgemerkt, es kommen die Kräfte vom Mittelpunkte der Erde; aber ob ein Mensch in Nordamerika oder Australien oder Asien oder Europa zur Welt gekommen ist, es kommt aus dem Mittelpunkte der Erde, aber immer differenziert, einmal wie die Kraft wirkt durch das europäische Territorium differenziert, einmal durch das amerikanische Territorium differenziert, einmal durch das asiatische Territorium differenziert und so weiter. Also ich kann sagen: Die Unterleibsorgane werden bestimmt aus dem Mittelpunkte der Erde, in Differenzierung durch das Territorium.“ (S. 207f)

Die menschliche Gestalt als Ganzheit

Die Gestalt des Menschen als geschlossenes Ganzes wird überdies durch die Kräfte des ganzen Erdenumkreises mitbestimmt.

„Nun, wenn wir okkultistisch vollständig den Menschen betrachten wollen, so müssen wir noch ein Viertes betrachten. Da werden Sie sagen: Wir haben ja jetzt schon den ganzen Menschen. Gewiß, aber im Okkultismus kommt immer noch ein Viertes in Betracht. Jetzt haben wir drei Glieder des Menschen betrachtet; jetzt können wir noch den ganzen Menschen für sich betrachten. Das Ganze ist eben auch ein Glied. Also Kopf, Rumpf, Unterleib, aber jetzt alles zusammen, so daß wir als viertes Glied das Ganze haben, und dieses Ganze ist jetzt wiederum durch Kräfte gebildet. Aber es ist dieses Ganze gebildet durch Kräfte des ganzen Erdenumkreises. Also jetzt nicht differenziert durch das Territorium, sondern das Ganze des Menschen ist gebildet durch den ganzen Umkreis, also durch den Erdenumkreis.“ (S. 208f)

Einfluss der Mondkräfte

Dass der ganze kosmische Umkreis einen gewissen Einfluss auf die Gestaltung des Menschen hat, wusste man in allen alten vorchristlichen Mysterien. Welche besondere Bedeutung dabei den Mondkräften zukommt, war auch den alten Hebräern bewusst.

„Das hat nämlich die alte Weisheit, die instinktive Weisheit der Morgenländer gut gewußt, daß die Sterne auch geistige Wesenheiten in sich haben, und diese geistigen Wesenheiten, die haben sie verehrt auf ihre Art, nicht die äußeren physischen Sterne. In diesem Sinne war die Religion dadrüben in Vorderasien eine Sternenreligion. Das heißt, die Menschen haben angenommen, der Saturn zum Beispiel hat geistige Wesenheiten, die haben einen gewissen Einfluß auf die Menschen. Der Jupiter hat geistige Wesenheiten und so weiter, und alle diese Wesenheiten haben einen gewissen Einfluß auf das irdische Menschenleben.

Nun, die Juden haben sich um die anderen Sterne wenig gekümmert; aber dasjenige, was sie aus den alten Religionen genommen haben, das war der Einfluß des Mondes. Und sie haben ihren Jahve, ihren Jehova in Zusammenhang gebracht mit dem Geistigen im Mond. Das ist also eigentlich die ursprüngliche jüdische Religion, daß der Jahve, der im menschlichen Ich lebt, abhängig ist vom Mond.

Nun, meine Herren, das ist nicht eine bloße Sage, das ist auch nicht eine bloße religiöse abergläubische Vorstellung, sondern das ist etwas, was sich wissenschaftlich gut nachweisen läßt. Die Sache ist nämlich so, daß der Mensch tatsächlich in der Zeit, die auch wichtig ist für sein irdisches Dasein, in der Zeit während der Schwangerschaft der Mutter, also während er noch ein Menschenkeim, ein Embryo ist, ganz vom Monde abhängig ist. Diese Abhängigkeit des Menschen vom Monde während seiner Embryonalzeit, während seiner Keimeszeit, die hat man lange gewußt, und man hat darnach sogar die Zeit der Schwangerschaft berechnet auf zehn Mondmonate. Erst in der allerletzten Zeit ist es aufgekommen, die Mondenmonate auf Sonnenmonate zu rechnen, auf neun Monate. Aber in diesen zehn Mondmonaten, die man für die Zeit der Schwangerschaft mit Recht angenommen hat, da steckt noch drinnen, daß der Mensch in seiner Embryonalzeit, also als Menschenkeim, im Leibe der Mutter, abhängig ist vom Mond. Nun, inwieferne ist er abhängig vom Mond? Ich habe auch darauf schon aufmerksam gemacht.

Sehen Sie, die Sache ist so, daß dasjenige, was der erste befruchtete Eikeim ist, eigentlich zerstörte Erdenmaterie enthält, pulverisierte Erdenmaterie, und aus dem würde nie etwas, wenn nur Erdenkräfte auf ihn wirken würden - niemals! Aus diesem Menschenkeim wird lediglich dadurch etwas, daß vom Monde her der Einfluß auf die Erde stattfindet. Und man kann sagen: Der Mensch kommt ins Erdenleben durch die Kräfte des Mondes. - So daß also die Juden, die Jahve als eine Mondgottheit angesehen haben, eigentlich haben hinweisen wollen auf diese Abhängigkeit des Menschen von Mondenkräften, wenn er auf die Erde hereintritt.

Nun gewiß, die Leute weiter in Asien drüben, Babylonier, Assyrier, die haben auch noch andere Einflüsse als nur Mondeneinflüsse angenommen. Sie haben zum Beispiel gesagt: Der Jupiter, der hat einen gewissen Einfluß darauf, ob der Mensch in seiner weiteren Entwicklung gescheit wird oder dumm bleibt oder dergleichen. Aber auf solche nebensächlichen Einflüsse haben sich die Juden nicht eingelassen. Sie haben nur den einen Gott verehrt, und das war eben eine Mondengottheit. Das wird ja gewöhnlich als ein großer religiöser Fortschritt angesehen, daß die Juden von vielen Göttern zu einem Gotte fortgeschritten sind.“ (Lit.:GA 353, S. 74ff)

Siehe auch

Literatur

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