Skorpionstachel

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Als Skorpionstachel bezeichneten die ägyptischen Eingeweihten die Strahlen der Sonne, die die Sinnesorgane durchstachen und für die äußere sinnliche Wahrnehmung öffneten. Die Wahrnehmung der geistig-seelischen Sonnenkräfte begann dadurch immer stärker zu verblassen, zugleich aber leuchtete das Ich-Bewusstsein erstmals auf. Das geschah in der lemurischen Zeit, als sich der Mond von der Erde trennte und die Sonne vom Sternbild der Waage in jenes des Skorpions trat. Zur gleichen Zeit fand auch die Geschlechtertrennung statt. Die ägyptischen Eingeweihten konnten diese Vorgänge nacherleben und zu dem imaginativen Bild des Osirismythos verdichten.

„Solange die Sonne schon abgespalten, der Mond aber noch mit der Erde verknüpft war, sah der Mensch in innerlichen Bildern die Wirkung der Sonnenkräfte; er spürte das Wohltätige der Sonnenkräfte, denn diese verbanden sich immer mit den Mondkräften innerhalb des Erdenkörpers, und das bewirkte den Menschen in seiner Konstitution; aber sehen konnte er die Sonnenkräfte nicht. Jetzt ging auch der Mond heraus. Der Mensch erhielt seine Sinne geöffnet, dadurch verschwand für ihn die Möglichkeit, das Seelisch-Geistige der Sonnenkräfte wahrzunehmen. Denken Sie sich den Moment, wo sozusagen die geistigseelische Wahrnehmung in Bildern entschwindet und die ersten Anfänge einer äußeren Anschauung der Sonne, eines wirklichen Sehens beginnen. Aber in Wahrheit konnte der Mensch die Sonne noch nicht sehen, denn die Erde war mit dichten Dämpfen bedeckt. Gegenüber dem früheren dumpf-hellseherischen Spüren dieser Sonnenkräfte wäre er jetzt in der Lage gewesen, die Sonne, wenn auch erst allmählich, äußerlich zu sehen, wenn sie ihm nicht durch die dunstige, dichte Atmosphäre verhüllt gewesen wäre. So ist also dem Menschen durch seine Höherentwickelung die wohltuende Wirkung der Sonne entschwunden. Die alten Ägypter, indem sie sich an diesen Zustand erinnerten, nannten die Kräfte der Sonne, die reinen Strahlen, die der Mensch einst im dumpfen Hellsehen wahrnahm, Osiris. Dieses Wahrnehmen des Osiris verschwand, und durch die Wolkenhülle war auch ein äußerliches Wahrnehmen noch nicht möglich: tot war, was der Mensch früher gesehen hatte. «Der Gegner Typhon hat den Osiris getötet», und diejenigen Kräfte, die als Mond herausgegangen waren, die zwischen Geburt und Tod wirkenden Kräfte, sie suchten jetzt sehnsüchtig den alten Osiris.

Und nach und nach verzog sich der Nebel; freilich lange, lange Zeiten dauerte das, bis hinein in die spätatlantische Zeit. Und der Mensch fing an, die Sonne wiederum zu sehen, aber nicht mehr wie früher, wo er in einem gemeinsamen Bewußtsein war, sondern in jedes einzelne Auge fielen die Strahlen der Sonne, als der Mensch die Sonne nun sah: der zerstückelte Osiris.

Da haben wir einen gewaltigen kosmischen Vorgang. Und während wir verkörpert waren in der alten ägyptischen Zeit, haben wir ihn in der Wiederholung erkannt. Das war es, was die ägyptischen Priesterweisen ursprünglich im Sinne hatten, und sie kleideten es in ein Bild. Sie sagten: Damals, als der Mond und die Sonne zuerst draußen standen, da war der Mensch in der Mitte, wie im Gleichgewicht gehalten von den Sonnen- und Mondenkräften. Früher gab es noch keine geschlechtliche Fortpflanzung, es wirkte dasjenige, was man eine jungfräuliche Fortpflanzung nennt. Diejenigen Kräfte, die unsere Erde beherrschten, gingen über aus dem Zeichen der Jungfrau durch die Waage, die Gleichgewichtslage, in das Zeichen des Skorpions; daher sagte der ägyptische Priesterweise: Als die Sonne im Zeichen des Skorpions stand, als die Erde in der Waage war und die Strahlen als Stachel wirkten, indem sie die Sinnesorgane durchstachen - dieses Eintreten der äußeren Gegenständlichkeit, das ist der Skorpionstachel, der trat als etwas Neues auf gegenüber der alten jungfräulichen Fortpflanzung -, da wurde Osiris getötet. Und da tritt das Suchen, die Sehnsucht der Menschheit nach der alten Kraft, nach der Anschauung des Osiris ein.“ (Lit.:GA 105, S. 76f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Welt, Erde und Mensch , GA 105 (1983), ISBN 3-7274-1050-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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