Sonnenfinsternis

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Diamantring-Effekt der Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 über Europa mit Linsenspiegelungen des Objektivs
Sonnen-Korona der Finsternis vom 11. August 1999
Animation der totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999
Sonnenfinsternis (schematische Darstellung; Größenverhältnisse nicht maßstabgetreu)
Macrobius, Commentarii in Somnium Scipionis. Folio 49 verso. Copenhagen, Det Kongelige Bibliotek, ms. NKS 218 4°, ca. 1150. Schema zu Mond- und Sonnenfinsternissen.

Eine Sonnenfinsternis kommt äusserlich besehen dadurch zustande, dass sich der Mond verdunkelnd vor die Sonnenscheibe stellt. Das ist nur bei Neumond möglich, wenn der Mond dabei gerade in einem der beiden Mondknoten steht. Die bei einer totalen Sonenfinsternis auf die Erde fallende Spur des Kernschattens ist höchstens einige hundert Kilometer breit. Der auf die Erde geworfene Halbschattenbereich, von dem aus eine partielle Verfinsterung der Sonne zu beobachten ist, umfasst hingegen mehrere tausend Kilometer oder mehr als ein Viertel der Erdoberfläche. Die Finsternisse lassen sich bestimmten Finsterniszyklen zuordnen. Schon seit dem Altertum bekannt ist der Saroszyklus (auch Sarosperiode, Chaldäische Periode oder Halleysche Periode genannt) mit einer Periodendauer von etwa 18,03 Jahren, was 223 synodischen Monaten entspricht.

Geistiger Hintergrund

Sonnenfinsternis und Mondfinsternis

"Wenn man in einem gewissen Jahre eine Mondfinsternis betrachtet, so liegt ein gewisses Datum vor, in dem die Mondfinsternis auftreten kann. Die Mondfinsternis kehrt ungefähr nach 18 Jahren wiederum zum selben Datum, respektive zur selben Konstellation zurück. Es ist ein periodischer Rhythmus in den Finsternissen, der 18 Jahre umfaßt. 72 durch 4 macht 18. Das ist das gerade Viertel eines Weltentages und das gerade Viertel eines Menschenlebens. Der Mensch, wenn ich mich so ausdrücken darf, erträgt vier solcher Finsternisperioden. Warum? Weil wirklich im Weltenall alles zahlenmäßig zusammenstimmt. Der Mensch hat, was mit seiner rhythmischen Herztätigkeit zusammenhängt, durchschnittlich nicht nur 72 Lebensjahre, sondern auch durchschnittlich 72 Pulsschläge und 18 Atemzüge. Das ist wiederum das Viertel. Dieser Zahlenzusammenhang, der im Weltenall ausgedrückt ist - man nannte die Periode von 18 Jahren, weil sie die Chaldäer zuerst vertreten haben, die chaldäische Sarosperiode -, dieser Rhythmus, der besteht zwischen der Sarosperiode und der Sonnenperiode, dieser selbe Rhythmus besteht auch im Menschen in seiner innerlichen Beweglichkeit zwischen Atemzug und Pulsschlag." (Lit.: GA 201, S. 215)

Auferstehen der Gruppenseelen von Pflanzen und Tieren

Die Sonnenfinsternis ist zugleich ein reales äußeres Symbol für bedeutsame geistige Vorgänge, die damit verbunden sind. Für den hellsichtigen Blick sind damit ganz spezifische Erlebnisse verbunden:

"Man fühlt während einer Sonnenfinsternis ein Auferstehen der Gruppenseelen der Pflanzen, der Gruppenseelen der Tiere. Wie ein Mattwerden aller physischen Leiblichkeit der Pflanzen und Tiere fühlt man es und wie ein Hellwerden alles dessen, was Gruppenseelenhaftigkeit darstellt." (Lit.: GA 148, S. 27)
"Dabei gehen große okkulte Veränderungen bei allen Lebewesen, Menschen, Tieren und Pflanzen vor sich; das ganze Gefüge zum Beispiel zwischen physischem Leib und Ätherleib der Pflanzen verändert sich, die ganze Welt sieht ganz verändert aus und mit ihr die Erdenaura." (Lit.: GA 148, S. 281)

Mondenwissen und Sonnenweisheit

Primär ist die Sonnenfinsternis ein Bild für die fortschreitende Seelenverdunkelung der Menschen durch das gehirngebundene Mondwissen, das aus vorchristlicher Zeit heraufgekommen ist und heute in den äußeren Intellekt mündet, aus dem die letzten Reste unmittelbarer leibfreier geistiger Wahrnehmung ausgetilgt sind. Die uralte Sonnenweisheit, die die Menschheit einstmals als aus dem Kosmos herabströmend empfunden hat, ist durch die Wirkung Ahrimans erloschen. Die nordische Mythologie stellt das dar im Bild des Fenriswolfes, der die Sonne verschlingt, denn so wurde bei den nordischen Völkern die mit der äußeren Sonnenfinsternis verbundene Seelendramatik tatsächlich durch das alte astrale Hellsehen erlebt.

"Wenn der alte nordische Mensch sich verständlich machen will über das, was er sieht bei einer Sonnenfinsternis — natürlich sah der Mensch zur Zeit des alten Hellsehens noch anders, als heute bei Benutzung des Fernrohres —, so wählte er das Bild des Wolfes, der die Sonne verfolgt und der in dem Momente, wo er sie erreicht, die Sonnenfinsternis bewirkt. Das steht im innersten Einklang mit den Tatsachen. Diese Terminologie gehört mit zu dem Großartigen, ja sogar Schauerlich-Großartigen in der nordischen Mythologie. Ich kann hier nur Andeutungen geben. Wenn wir aber selbst wochenlang über die nordische Mythologie sprechen könnten, so würden Sie sehen, wie das allseitig durchgeführt ist im nordischen mythologischen Vorstellen. Das ist deshalb der Fall, weil die Mythologie ein Ergebnis des alten Hellsehertums ist, in das aber das Ich überall hineinspielt.

Die materialistischen Menschen von heute werden sagen: Das ist aber doch Aberglaube. Es verfolgt doch kein Wolf die Sonne. Der alte nordische, imaginative Mensch sieht eben in Bildern diese Tatsachen, und ich könnte Ihnen vielleicht viele sogenannte wissenschaftliche Wahrheiten aufzählen, die mehr Einfluß von Ahriman, die größeren Irrtum bergen, als vorhanden ist, wenn man die entsprechende astralische Anschauung beschreibt und sagt: Der Wolf verfolgt die Sonne. — Für den Okkultisten gibt es etwas, was noch in höherem Grad Aberglaube ist. Das ist, daß eine Sonnenfinsternis dadurch entsteht, daß sich der Mond vor die Sonne stellt. Das ist für die äußere Anschauung ganz richtig, ebenso richtig, wie für die astrale Anschauung die Sache vom Wolf richtig ist. Die astrale Anschauung ist sogar richtiger als die, welche Sie in den gegenwärtigen Büchern finden, denn die ist noch mehr dem Irrtum unterworfen. Wenn der Mensch einst an Stelle dieses Äußeren den wahren Tatbestand erkennen wird, dann wird er finden, daß der nordische Mythos recht hat. Ich weiß, daß ich für die heutige Anschauung etwas gräßlich Absurdes sage, aber ich weiß auch, daß man an theosophischen Stätten schon so weit ist, daß man darauf hindeuten darf, wo gerade unsere physische Weltanschauung am meisten beeinflußt ist von Maja, Täuschung oder Illusion." (Lit.: GA 121, S. 160)

Eine erneuerte Sonnenweisheit kann nur errungen werden, wenn der Mensch die geistigen Kräfte seines Herzens, welches das zentrale Sonnenorgan in ihm ist, rege macht und mit der Christuskraft verbindet. Gerade in der größtmöglichen äußeren Verfinsterung, für die die Sonnenfinsternis das reale Symbol ist, kann das innere Christuslicht am stärksten erwachen.

Nun hat alles, was der Mensch tut, auch eine geistige Rückwirkung auf den Kosmos. Was der Mensch an Willenskräften, an Trieben und Instinkten entwickelt, das strahlt beständig in den Kosmos hinaus. Die Wirkung dieser Willensstrahlen ändert sich bedeutsam, wenn gerade eine Sonnenfinsternis eintritt.

"Wenn eine Sonnenfinsternis da ist, dann geht unter den veränderten Verhältnissen desjenigen Teiles der Erde, auf den die Sonnenfinsternis eine Wirkung hat, doch etwas ganz anderes vor sich, als wenn die Sonnenfinsternis nicht da ist. Wenn wir wissen, daß die Sonnenstrahlen zu uns dringen und die Willensstrahlen der Sonne entgegendringen, so werden wir uns auch vorstellen können, wie eine Sonnenfinsternis auf die Willensstrahlen, die nun geistig sind, einen gewissen Einfluß haben kann. Die Lichtstrahlen hält der Mond auf, das ist ein rein physischer Vorgang. Die Willensstrahlen können durch die physische Materie des Mondes nicht aufgehalten werden. Sie strahlen hinein in das Dunkel, und es ist einmal eine Zeit, wenn auch eine kurze, da, in welcher dasjenige, was auf der Erde willenhaft ist, anders in den Weltenraum hinausströmt, als es hinausströmt, wenn nun keine Sonnenfinsternis ist. Das Physische des Sonnenlichtes verbindet sich sonst immer mit den ausgesandten Willensstrahlen. In diesem Fall gehen die ausgesandten Willensstrahlen in einem Strahlenkegel ungehindert in den Weltenraum hinaus. Die alten Eingeweihten haben gewußt: In einem solchen Falle bewegt sich in den Weltenraum hinaus alles dasjenige, was der Mensch an ungezügeltem Willen, an ungezügelten Instinkten und Trieben in sich hegt. Und die alten Eingeweihten haben ihren Schülern erklärt: Unter gewöhnlichen Verhältnissen wird dasjenige, was der schlechte Wille der Menschen hinausstrahlt in den Weltenraum, von den Sonnenstrahlen in einer gewissen Weise verbrannt, so daß es nur dem Menschen selber schadet, aber nicht im Kosmos Schaden anrichtet. Wenn aber eine Sonnenfinsternis ist, dann ist die Gelegenheit dazu vorhanden, daß die Schlechtigkeit der Erde in allen Weltenhimmeln sich verbreitet. Da haben wir ein physisches Ereignis, das durchaus einen geistigen Inhalt hat." (Lit.: GA 213, S. 38)

Siehe auch

Die totale Sonnenfinsternis vom 21. August 1914

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie, GA 121 (1982), ISBN 3-7274-1210-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Forschung. Das fünfte Evangelium, GA 148 (1985), Kristiania (Oslo), 2. Oktober 1913
  3. Rudolf Steiner: Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, GA 201 (1987), ISBN 3-7274-2012-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Menschenfragen und Weltenantworten, GA 213 (1987), Zweiter Vortrag, Dornach, 25. Juni 1922
  5. Wolfgang Held: Die Sonnenfinsternis am 11. August 1999, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1999
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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Weblinks

 Wiktionary: Sonnenfinsternis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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