Tierfrieden

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Friedensreich (Peaceable Kingdom), Edward Hicks, um 1834; im Vordergrund die Vision vom Tierfrieden nach Jes 11,6-8 EU; im Hintergrund links ein Friedensschluss zwischen indigenen Amerikanern und europäischen Siedlern

Als Tierfrieden wird die Imagination eines Zustands bezeichnet, in dem Raub- und Beutetiere friedlich miteinander leben und mit dem zugleich ein Leit- und Hoffnungsbild eines ursprünglichen und künftigen Heils der Menschheit gegeben wird.

Antike

Auch in der außerjüdischen Antike existiert die Vorstellung, dass sich die Tiere untereinander nichts tun und dass die Menschen sich daran ein Beispiel nehmen sollen. Das Motiv des Tierfriedens findet seine antike bildnerische Vorlage bei Orpheus. Er betört die Tiere mit der Musik seiner Lyra.

Platon charakterisiert in seinen Dialogen Politikos und Nomoi[1]auf diese Art das goldene Zeitalter, in dem noch Kronos herrschte. Krieg und Zwiespalt waren damals noch unbekannt, gesetzliche Regelungen überflüssig und das Leben verlief ohne Anstrengung. Die Menschen verzehrten kein Fleisch und brauchten keinen Ackerbau zu treiben, sondern ernährten sich nur von dem, was die Erde von selbst gab. Sie bewegten sich unbekleidet im Freien, da das Klima dies ermöglichte. Menschen und Tiere konnten noch miteinander sprechen und auch unter den Tieren herrschte Frieden, sie dienten einander noch nicht zur Speise.

Bibel

Paradiesischer Frieden

Genesis 1 beschreibt den paradiesischen Vegetarismus oder auch Urfrieden. Erst nach dem Sündenfall erscheint Abel als erster Viehhirt, der Tiere schlachtet (Gen 4,4 EU).

Gen 1, 27-30: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen. Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es.

Messianischer Frieden

Der alttestamentliche Prophet Jesaja (8. Jahrhundert v. Chr.) beschreibt in eschatologischen Bildern ein kommendes absolutes Friedensreich, in dem der sogenannte messianische Tierfrieden herrscht. So wie in dieser Vision die Tiere zusammenleben, werden auch die Menschen bzw. alle Geschöpfe in der Endzeit zusammenleben. Typisch ist hier die paarweise Nennung von Raub- und Beutetieren. Im Gegensatz zum paradiesischen Frieden spielen Sünde und Gottesgericht beim jesajanischen Frieden keine Rolle. Jesaja beschreibt den Tierfrieden als kennzeichnend für die Herrschaft des erwarteten Messiaskönigs.

Jes 11, 6-8: Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und der Pardel bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden an der Weide gehen, daß ihre Jungen beieinander liegen; und Löwen werden Stroh essen wie die Ochsen. Und ein Säugling wird seine Lust haben am Loch der Otter und ein Entwöhnter wird seine Hand stecken in die Höhle des Basilisken.
Jes 65,25: Wolf und Lamm sollen weiden zugleich, der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind, und die Schlange soll Erde essen. Sie werden nicht schaden noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

Literatur

  • Bodo Gatz: Weltalter, goldene Zeit und sinnverwandte Vorstellungen. Hildesheim 1967, S. 171–174.
  • Rotraut Wisskirchen: Zum „Tierfrieden“ in spätantiken Denkmälern (nach Gen. 1,29f, Jes. 11,6/8 und 65,25). In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Nr. 52, Aschendorff-Verlag, Münster 2009, S. 142–163.
  • Rotraut Wisskirchen: Der bekleidete Adam thront inmitten der Tiere. Zum Bodenmosaik des Mittelschiffs der Nordkirche von Huarte/Syrien. In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Nr. 45, Aschendorff-Verlag, Münster 2002, S. 137–156.

Einzelnachweise

  1. Platon, Politikos 269a–274e; Nomoi 713a–e.
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