Verb

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Verb (lat. verbum temporale, deutsch ‚zeitliches Wort‘ oder kurz verbum ‚Wort‘),[1] auch Verbum, Zeitwort oder Tätigkeitswort, ist ein fachsprachlicher Ausdruck der traditionellen Grammatik für eine Wortart, die eine Tätigkeit, ein Geschehen oder einen Zustand ausdrückt, und erfasst Wörter wie gehen, denken, segeln, schlendern und wandern. Verben bilden in ihrer Funktion das zentrale Prädikat eines Satzes ab, um das herum sich alle weiteren Elemente organisieren. Durch die Tempora oder Zeitstufen der Verben, meist Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, wird die vom Verb bezeichnete Situation zeitlich verankert.

Die Bedeutung der Verben für das Geistgespräch mit den Toten

Hauptartikel: Sprache der Toten

Für den gedanklichen Verkehr mit den Toten ist es viel besser, die Gedanken innerlich durch Verben auszuformen, da sie noch viel beweglicher und lebendiger sind als die Substantive, die heute bereits sehr abstrakt und gedankenleer geworden sind und daher von den Toten nicht verstanden werden können.

„So gibt es also sehr geistvolle Philosophen, die überhaupt nicht glauben, daß man ohne innerliche Wortpräsenz denken kann. Man kann es. Aber im gewöhnlichen alltäglichen Denken denkt der Mensch in Worten, besonders dann, wenn er einen Verkehr mit den Toten spirituell entwickeln soll. Denn Sie wissen ja, daß dieser Verkehr mit den Toten nicht in Abstraktionen verlaufen darf - das ist so, wie wenn wir ins Blaue hineindenken würden - , sondern er muß in Konkretheit verlaufen, der Verkehr mit den Toten. Deshalb sagte ich: Bestimmte Bilder, die sehr konkret vorgestellt werden, die kommen an die Toten heran, nicht abstrakte Gedanken. Besonders weil das so ist, sind wir dann auch sehr geneigt, in diesem Gedankenverkehr mit den Toten in der Sprache zu denken, die Sprache innerlich mit anklingen zu lassen. Da machen wir die eigentümliche Erfahrung - Sie mögen es glauben oder nicht, aber es ist eben eine Erfahrung -, daß zum Beispiel die Toten Substantive nicht hören. Das sind wie Lücken in unseren Sätzen im Verkehr mit den Toten. Eigenschaftswörter sind schon besser, aber auch noch sehr schwach. Aber bei Verben, Tätigkeitswörtern, da greift ihr Verstehen ein. Das lernt man erst ganz allmählich. Man weiß nicht, warum manches so schlecht geht in diesem Verkehr. Man kommt erst nach und nach darauf, daß man bei diesem Verkehr nur ja nicht viele Hauptwörter anwenden darf. Man kann es ja für sich übersetzen, damit man es versteht. Und man kommt darauf, daß das davon herrührt, daß der Mensch, indem er Tätigkeitswörter, Verben gebraucht, nicht anders kann, als innerlich selber dabei sein, bei den Wörtern. Es ist etwas Persönliches in den Verben. Man erlebt die Tätigkeit mit, während das Substantiv immer zu etwas ganz Abstraktem wird.“ (Lit.:GA 192, S. 54f)

„Zunächst ist es ja nur möglich, mit den Toten zu verkehren, indem man sich versetzen kann in ihr Erinnerungsvermögen an die physische Welt. Die Toten, haben noch einen Anklang an die menschliche Sprache, sogar an die besondere Sprache, die sie hier auf der Erde hauptsächlich gesprochen haben. Aber es verändert sich ihr Verhältnis zur Sprache. So zum Beispiel bemerkt man, wenn man mit einem Toten verkehrt, daß er sehr bald kein Verständnis, nicht das geringste Verständnis mehr hat für Hauptwörter, für Substantiva. Die Substantiva sind Wörter, die der Lebende hier an den Toten richten kann, der Tote, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, hört sie einfach nicht. Dagegen behält der Tote für alle Verben, also Tätigkeitswörter, verhältnismäßig lange noch ein Verständnis.“ (Lit.:GA 214, S. 149f)

„Es gehört ja zu den schwierigsten Aufgaben der Initiationserkenntnis, Beziehung zu gewinnen zu den Seelen, die vor kürzerer oder längerer Zeit die Erde verlassen haben, die durch die Pforte des Todes gegangen sind. Es ist aber möglich, solche Beziehungen durch Erweckung tieferer Seelenkräfte zu gewinnen. Da muß man zunächst sich aber klar sein darüber, daß man sich eigentlich erst hineinzugewöhnen hat durch Exerzitien in die Sprache, die man mit den Toten zu sprechen hat. Diese Sprache ist, ich möchte sagen, in einer gewissen Weise ein Kind der Menschensprache. Aber man würde ganz fehlgehen, wenn man glaubt, daß einem diese Menschensprache hier etwas helfen würde, um Verkehr mit den Toten zu pflegen. Denn das erste, was man gewahr wird, das ist dieses, daß die Toten nur ganz kurze Zeit noch verstehen dasjenige, was hier in der Erdensprache als Hauptwörter, als Substantive lebt. Dasjenige, was ein Ding ausdrückt, ein abgeschlossenes Ding, das durch ein Substantiv bezeichnet wird, das ist in der Sprache der Toten nicht mehr vorhanden. In der Sprache der Toten bezieht sich alles auf Regsamkeit, auf innere Beweglichkeit. Daher finden wir, daß nach einiger Zeit, nachdem die Menschen durch die Pforte des Todes gegangen sind, sie nur noch für die Verben, für dasjenige, was wir Tätigkeitsworte nennen, eine wirkliche Empfindung haben. Wir müssen ja, um mit den Toten zu verkehren, zuweilen die Fragen an sie richten, indem wir sie so formulieren, daß sie den Toten verständlich sind. Dann kommt nach einiger Zeit, wenn wir darauf acht zu geben verstehen, die Antwort. Gewöhnlich müssen mehrere Nächte vergehen, bis der Tote uns antworten kann auf Fragen, die wir an ihn stellen. Aber wir müssen, wie gesagt, uns in die Sprache der Toten hineinfinden, und zuletzt erst findet sich die Sprache für uns ein, die der Tote eigentlich hat, in die er sich hineinleben muß, weil er ja mit seinem ganzen Seelenleben von der Erde sich entfernen muß. Da finden wir uns hinein in eine Sprache, die überhaupt nicht mehr nach irdischen Verhältnissen geformt ist, in eine Sprache, die aus der Empfindung, aus dem Herzen heraus ist, in eine Art Herzenssprache. Da formen wir so das Sprachliche, wie wir etwa in der Menschensprache nur die Empfindungslaute formen, wo wir ein «Ach» aussprechen, wenn wir verwundert sind, wo wir ein «I» aussprechen, wenn wir auf uns selber zurückleiten wollen. Da bekommen die Laute und die Lautzusammensetzungen erst ihre große, ihre wirkliche Bedeutung.“ (Lit.:GA 214, S. 190f)

„Wer heute in der Lage ist, durch seine okkulte Erfahrung mit den Toten zu verkehren, der bemerkt sehr bald - man verkehrt mit den Toten ja durch Gedanken - , daß sehr viele Gedanken, durch die man sich selber mit den Toten verständigen will, von diesen Toten nicht verstanden werden. Viele von den Gedanken der Menschen hier auf Erden, von den Gedanken, an die sich die Menschen gewöhnt haben, klingen für die Toten - Sie müssen das natürlich entsprechend nehmen, ich rede von Gedankenverkehr mit den Toten —, wie eine unverständliche, eine fremde Sprache. Und wenn man näher auf dieses ganze Verhältnis eingeht, so findet man namentlich, daß Verben, Zeitwörter, auch Präpositionen und vor allen Dingen Interjektionen von den Toten verhältnismäßig leicht verstanden werden, Substantiva, Hauptwörter hingegen fast gar nicht. Die bilden sozusagen im Sprachverstehen der Toten eine gewisse Lücke. Da versteht der Tote nimmer, wenn man viel in Hauptwörtern mit ihm sprechen will. Und man merkt, wenn man versucht, das Hauptwort in ein Verbum umzusetzen, daß er dann anfängt zu verstehen. Wenn Sie zum Beispiel zu einem Toten sagen: Der Keim für irgend etwas - , so bleibt ihm das Wort «der Keim» in den meisten Fällen unverständlich, ja, es ist, als ob er überhaupt nichts hörte. Wenn Sie sagen, etwas keimt, wenn Sie also «der Keim» verwandeln in das Verbum: etwas keimt - , dann fängt er an zu verstehen. Woran liegt das? Sie kommen darauf, daß das durchaus nicht an dem Toten liegt, sondern das liegt an einem selbst. Das liegt an dem Menschen, der mit dem Toten spricht, und zwar aus dem Grunde, weil die heutigen Menschen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, wenigstens für alle mittel- und westeuropäischen Sprachen - es ist um so mehr der Fall, je weiter man nach Westen kommt —, verloren haben für die Substantiva das lebendige Bildgefühl, was das Substantive ausdrückt: es ist so irgend etwas Nebuloses, was nur eigentlich im Verständnis anklingt, wenn der Mensch heute ein Substantivum sagt; die wenigsten Menschen denken überhaupt noch etwas Wirkliches, wenn sie in einem Substantivum sprechen. Wenn sie dann das Substantivum in ein Verbum verwandeln müssen, dann sind sie innerlich gezwungen, ein bißchen konkreter zu denken. Wenn einer sagt «der Keim», so werden Sie in den meisten Fällen, insbesondere wenn er in abstrakten Reden redet, nicht finden, daß er sich konkret irgendeinen Pflanzenkeim, etwa eine keimende Bohne, irgendwie noch im Bilde vorstellt; er stellt sich etwas ganz Nebuloses im Bilde vor, so irgend etwas im Prinzip. Wenn Sie sagen «was keimt», oder «dasjenige, welches keimt», so sind Sie wenigstens gezwungen, dadurch daß Sie die Verbalform haben, an das Herauskommen zu denken, also doch an irgend etwas, das sich bewegt. Das heißt: Sie gehen aus dem Abstrakten ins Konkrete hinein. Dadurch, daß Sie selbst aus dem Abstrakten ins Konkrete hineingehen, beginnt der Tote Sie zu verstehen. Aber die Menschen werden genötigt werden, weil aus Gründen, die ich hier oftmals angeführt habe, die lebendigen Zusammenhänge zwischen den hier auf der Erde lebenden und den durch die Pforte des Todes gegangenen, unverkörperten Seelen immer enger und enger werden müssen, weil die Impulse der Toten immer mehr und mehr hereinwirken müssen auf die Erde, allmählich in ihre Sprache, in ihr Sprechen und damit in ihr Denken etwas aufzunehmen, welches vom Abstrakten ins Konkrete herüberführt. Das muß geradezu ein Bestreben der Menschen werden, wiederum bildhaft, imaginativ zu denken, wenn gesprochen wird.“ (Lit.:GA 190, S. 62f)

Siehe auch

Literatur

Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Hannover 81918 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 2, Sp. 3417–3419, Stichwort verbum. (bei zeno.org)


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Verb aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.