Minotaurus

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Datei:Theseus Minotauros Louvre G67.jpg
Theseus tötet den Minotaurus, attischer rotfiguriger Teller, 520-510 v. Chr., Louvre (Paris)
Datei:NAMA Tablette 1287.jpg
Kretisches Labyrinth auf einer Tontafel aus Pylos, Rückseite, 7×5,7 cm, gebrannter Lehm, Archäologisches Museum Athen, um 1200 v. Chr.
Datei:Theseus und Minotauros MKL1888.png
Theseus und Minotauros – Rom, Villa Albani

Der Minotauros (griech. Μινώταυρος) ist ein Mischwesen aus der griechischen Mythologie mit menschlichem Körper und dem Kopf eines Stiers. Die Minotaurus-Sage steht mit anderen Sagen in enger Verbindung, so etwa mit der Sage der Europa, der Dädalus-Sage und der Theseus-Sage.

Die Minotaurus-Sage erzählt, dass Minos, ein Sohn des Zeus und der Europa, zusammen mit seinen beiden Brüdern Rhadamanthys und Sarpedon von Asterios, dem König von Kreta, adoptiert worden waren, nachdem dieser sich mit Europa verehelicht hatte. Über die Frage, wer Asterios als König nachfolgen sollte, gerieten die drei Brüder in Streit. Minos rief Poseidon um Hilfe an und versprach, was immer aus dem Meer erschiene, ihm zu opfern. Da ließ Poseidon den kretischen Stier den Fluten entsteigen und damit war der Streit zwischen den Brüdern entschieden. Minos wurde König. Doch hatte er solchen Gefallen an dem prächtigen Stier gefunden, dass er ihn in seiner Herde versteckte und ein anderes Tier opfern ließ. Poseidon entging der Betrug nicht und zur Strafe erregte er in Minos Gattin Pasiphaë das unstillbare Verlangen, sich mit dem Stier zu paaren. Von Daidalos ließ sie sich ein kunstvolles, mit Kuhhaut überzogenes Gerüst bauen, in das sie hinein schlüpfte und von dem Stier begattet wurde. Bald darauf gebar sie den Minotaurus. Minos wollte dieses Ungeheuer töten lassen, doch seine Tochter Ariadne bat ihn, sein Leben zu schonen. So ließ ihm Minos durch Daidalos ein Gefängnis in der Form eines Labyrinthes erbauen.

"Dädalus geht ... nach Kreta zu Minos. Dort ist ein Ungeheuer, der Minotaurus. Der Minotaurus steht im Gegensatz zur Sphinx. Der Minotaurus hat einen Stierkopf mit menschlichem Körper, die Sphinx hat einen Menschenkopf mit tierischem Körper. Der Minotaurus soll gehemmt werden in seinen verheerenden Wirkungen. Dädalos soll ihn bannen; das kann er, indem er ihm ein Labyrinth baut. Der Minotaurus muß mit Menschen ernährt werden. Alle neun Jahre müssen ihm sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen geopfert werden. Mit der Minotaurus-Sage steht die Theseus-Sage in Verbindung. Theseus war der Sohn des Ageus. Dieser hatte bestimmt, daß Theseus das Schwert und die Sandalen unter einem großen Felsstück hervorholen sollte, die der Vater dort verborgen hatte. Nachdem Theseus in Athen verschiedenes vollbracht hatte, geht er nach Kreta, um den Minotaurus zu überwinden und die Stadt Athen von der Lieferung der sieben Jünglinge und der sieben Jungfrauen zu befreien." (Lit.: GA 092, S 30f)

"Die Athener waren von dem kretischen König Minos gezwungen worden, ihm alle acht[1] Jahre sieben Knaben und sieben Mädchen zu liefern. Diese wurden dem Minotaurus, einem fürchterlichen Ungeheuer, als Speise vorgeworfen. Als das dritte Mal die traurige Sendung nach Kreta abgehen sollte, zog der Königssöhn Theseus mit. Als dieser in Kreta eintraf, nahm sich Ariadne, des König Minos eigene Tochter, seiner an. Der Minotaurus hauste in dem Labyrinth, einem Irrgarten, aus dem sich niemand herausfinden konnte, der hineingeraten war. Theseus wollte seine Vaterstadt von dem schimpflichen Tribut befreien. Er mußte in das Labyrinth, in das sonst des Ungeheuers Beute geworfen wurde. Er wollte den Minotaurus töten. Er unterzog sich dieser Aufgabe; er überwand den furchtbaren Feind und gelangte wieder ins Freie mit Hilfe eines Fadenknäuels, das ihm Ariadne gereicht hatte." (Lit.: GA 008, S 74f)

In «Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums» deutet Rudolf Steiner diesen Mythos wie folgt:

"Der Mensch steht der Sinnlichkeit als einem feindlichen Ungeheuer gegenüber. Er opfert ihr die Früchte seiner Persönlichkeit. Sie verschlingt sie. Sie tut es so lange, bis im Menschen der Überwinder (Theseus) erwacht. Seine Erkenntnis spinnt ihm den Faden, durch den er sich wieder zurechtfindet, wenn er sich in den Irrgarten der Sinnlichkeit begibt, um seinen Feind zu töten. Das Mysterium der menschlichen Erkenntnis selbst ist in dieser Überwindung der Sinnlichkeit ausgesprochen. Der Myste kennt dieses Mysterium." (Lit.: GA 008, S 76)

In Anknüpfung an die Dädalus-Sage gibt Steiner noch eine tiefer gehende Erklärung. Der Minotaurus repräsentiert demnach die Kräfte der schwarzen Magie. Dädalus kann ihn in das Labyrinth bannen, weil ihm noch die Weisheit der atlantischen Mysterien zugänglich war, wo man mit diesen Kräften noch umgehen konnte.

"Dädalus konnte das, was in Kreta schädlich war, bannen, weil er mit dem atlantischen Leben bekannt war. In dem Minotaurus haben wir den Repräsentanten der schwarzen Magie in Kreta zu sehen. Das soll jetzt aufhören. Jetzt wollen die Athener nicht mehr die sieben Jünglinge und die sieben Jungfrauen nach Kreta schicken. Das Schiff des Theseus fuhr hinaus mit schwarzen Segeln. Er wollte nach Überwindung des Minotaurus ein weißes Segel hissen statt des früheren schwarzen. Die schwarze Magie sollte weiß werden. Mit Hilfe des Fadens der Ariadne gelingt Theseus das Unternehmen, und er kehrt nach Athen zurück, [aber er vergaß, die weißen Segel zu setzen]. Die Griechen waren aber noch nicht so weit, daß sie des weißen Pfades vollkommen würdig waren. Liebe soll regieren im Ariadnefaden. Es wird aber in jener Zeit schon auf das Christentum so hingedeutet, daß das Liebesprinzip - Ariadne - durch Bacchus geraubt wird, der noch nicht dieses Prinzip ausgebildet hat, welches durch das Christentum verbreitet werden soll. Theseus galt wie Herkules als ein Held, als ein Sonnenläufer, als ein im sechsten Grade Initiierter." (Lit.: GA 092, S 31f)

Anmerkungen

  1. In der Überlieferung des Mythos werden in der Regel neun Jahre angegeben; so auch bei Steiner in GA 092, S 32.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums, GA 8 (1989), ISBN 3-7274-0080-3; Tb 619, ISBN 978-3-7274-6190-3 [1]
  2. Rudolf Steiner: Die okkulten Wahrheiten alter Mythen und Sagen, GA 92 (1999), ISBN 3-7274-0920-7 [2]
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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