Fravashi

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Faravahar als Symbol des Zoroastrismus, das eine als Schutzengel wirkende Engelwesenheit bzw. die menschlichen Seele vor der Geburt und nach dem Tod darstellt.
Der Bezug zum Menschen wird durch das bärtige Menschenantlitz angedeutet, das in die Zukunft blickt. In diese Richtung weist auch die erhobene rechte Hand; die Linke hält einen Ring, der oft als Symbol der Treue gedeutet wird, die im Zoroastrismus einen sehr hohen Stellenwert hat.
Die beiden Flügel gliedern sich in drei Hauptfedern; sie stehen für «gut denken», «gut reden» und «gut handeln». Der untere Teil des Gewandes gliedert sich ebenfall in drei Teile, die für «schlecht denken», «schlecht reden» und «schlecht handeln» stehen und dem Menschen Verderbnis bringen.
Der Kreis in der Mitte ohne Anfang und ohne Ende drückt als Ewigkeitssymbol die Unvergänglichkeit des Geistes aus.
Darunter befinden sich zwei Schleifen. Die nach vorne, in Blickrichtung gewendete Schleife steht für den guten Geist Spenta Mainyu, die nach rückwärts gewendete für den bösen Geist Angra Mainyu (Ahriman), dem der Mensch den Rücken kehren soll.

Die Fravashi oder Frawarshi (auch Frawarschai, Feruers oder Farohars, awest. „die Erwählten”, „Bekenntnis”, „Bekennerin”, neupers. Fravardin) sind Gestalten der persischen Mythologie, die die wie die Amshaspands und Izards den Astralplan bevölkern und als Faravahar zugleich das bekannteste Symbol des Zoroastrismus. Sie stehen unmittelbar über dem Menschen und geleiten ihn als Schutzengel durch das Erdenleben. Sie schützen aber nicht nur einzelne Menschen, sondern auch „ganze Gaue und Länder“[1]. Alle Menschen, die jemals waren und noch künftig sein werden, sind in ihnen bereits als ätherisches Urbild vorgeformt. Nach dem Tode des Menschen wird seine Fravashi zur Seelenführerin, die ihn auf die Cinvat-Brücke zum Totengericht durch Rashnu, Mithra und Sraosha geleitet. Die Fravashi werden daher auch den Manen verglichen, den Geistern der Toten, da diese bzw. ihr Geistselbst (Manas) in engem Zusammenhang mit den sie führenden Engel- und Erzengelwesenheiten stehen.

Die Fravashi lassen sich imaginativ-bildhaft nur sehr schwer charakterisieren:

"Dann gibt es eine dritte Art von Wesenheiten. Derer sind nun unzählige, die kann man eigentlich nicht mehr gut so charakterisieren, daß man aus der Tier- oder Menschenwelt Vergleiche heranzieht, sondern eher, indem man versucht, das Pflanzenreich oder die niederen Tiere für ihre Körperlichkeit heranzuziehen und den Menschenkopf als ihren Kopf, so daß das Ganze etwa einem Pflanzenleib ähnlich ist, aus dem ein Menschenkopf hervorwächst, oder einem Fischleib mit einem Menschenkopf. Alles das gibt ungefähr ein Bild für die Wesenheiten, die auf dem astralen Plan vorhanden sind." (Lit.: GA 101, S. 33)

In gewissem Sinn können die Fravashi als wesenhafte Gedanken aufgefasst werden:

"Zur Zeit Zarathustras gab es noch keine Anatomie im heutigen Sinne. Da sahen Zarathustra und seine Schüler durch ihre geistige Anschauung die Strömungen wirklich, von denen wir heute gesprochen haben, die als zwölf Ströme von der großen Welt auf den Menschen zufließen und sich in den Menschen hinein fortsetzen, so dass uns in der Tat das menschliche Haupt als der Ausdruck dessen erscheint, dass in den Menschen hereinströmen die Kräfte der sieben guten und der fünf bösen Amshaspands-Strömungen. Da drinnen im Menschen sind die Fortsetzungen der Ströme der Amshaspands. Wie geben sie sich heute kund einer viel späteren Zeit? Heute deckt der Anatom zwölf Hauptpaare von Gehirnnerven auf, die vom Gehirn aus in den Leib gehen. Das sind die physischen Gegenbilder, gleichsam die zwölf gefrorenen Strömungen der Amshaspands, zwölf Nervenpaare für die höchste menschliche Tätigkeit, durch die der Mensch zu den höchsten Vollkommenheiten wie auch zum ärgsten Bösen kommen kann. Da sehen wir, wie in unserm Zeitalter - materialistisch umgestaltet - das wiedererscheint, was Zarathustra seinen Schülern aus der geistigen Welt heraus gesagt hat. Das ist das Ärgerliche, und leicht wird es für einen heutigen Menschen, zu sagen: Da predigt die Geisteswissenschaft das ganz Phantastische, dass Zarathustra mit den zwölf Amshaspands etwas gemeint habe, was mit den zwölf Nervenpaaren im menschlichen Kopfe zusammenhängen soll! Aber die Welt wird noch etwas ganz anderes erfahren: sie wird erfahren, wie sich in den Menschen hinein fortsetzt, was die ganze Welt durchwebt und durchlebt. In unserer Physiologie steht der alte Zarathustrismus wieder auf! Und wie die achtundzwanzig bis einunddreißig Izeds unter den Amshaspands stehen, so stehen die achtundzwanzig Rückenmarksnervenpaare unter den Gehirnnerven. In den Rückenmarksnerven, die das niedere Seelenleben des Menschen anregen, schaffen die Izeds, die als geistige Strömungen draußen vorhanden sind; sie wirken in uns herein, kristallisieren sich gleichsam in den achtundzwanzig Rückenmarksnerven, denn in denselben haben wir die verdichteten Izeds-Strömungen. Und in dem, was nicht mehr Nerv ist, was uns zur Persönlichkeit abrundet, haben wir das, was nun nicht mehr in einer äußeren Strömung, in einer äußeren Richtung sich auslebt: was die Fravashis sind, das sind in uns die Gedanken, die sich über das bloße Gedanken- und Gehirnleben erheben." (Lit.: GA 60, S. 275ff)

„Auf die großen Genien, auf die Kräfte, die wir außer uns finden, wies Zarathustra hin. Was als Kräfte im Menschen wirkt, was verborgene Kräfte im Menschen sind, darauf wies Buddha hin. Zarathustra aber wies dann auf diejenigen Kräfte und Wesenheiten, die unter den Amshaspands stehen, die er die achtundzwanzig Izards oder Izeds nannte, und die wieder von außen in den Menschen hineinwirken, um mit an seiner inneren Organisation zu arbeiten. Also wieder auf das Geistige im Kosmos, auf die äußeren Zusammenhänge wies Zarathustra hin. Und während der Buddha auf die eigentliche Denksubstanz hinwies, woraus die Gedanken aus der menschlichen Seele aufsteigen, wies Zarathustra zu den Farohars oder Feruers oder Frawarschai hin, zu den weltschöpferischen Gedanken, die uns umgeben, die überall in der Welt zerstreut sind. Denn was der Mensch an Gedanken hat, das ist überall in der Welt draußen vorhanden.“ (Lit.:GA 114, S. 100)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Antworten der Geisteswissenschaft auf die großen Fragen des Daseins, GA 60 (1983)
  2. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1987)
  3. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001), ISBN 3-7274-1140-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org

Weblinks

  1. Rudolf Steiner: Zarathustra - Vortrag in Berlin, 19. Januar 1911
    1. Otto Willman: Geschichte des Idealismus, Band 1, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1894, S. 78 [1]