Konrad Sandkühler

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Konrad Sandkühler

Konrad Sandkühler (* 15. Februar 1886 in Würzburg; † 31. Mai 1976 in Filderstadt/Bonlanden) war ein deutscher Philologe, Waldorflehrer und Anthroposoph.

Leben

Konrad Sandkühler wurde am 15. Februar 1886 als Sohn von Anton und Ida Sandkühler (geb. Bex) in Würzburg geboren, wo er gemeinsam mit seinen sechs Geschwistern in einem großen Haus mit einem riesigen Garten am Stadtrand aufwuchs. Früh schon weckten die Eltern seine lebenslange Liebe zur Musik und zur Sprache. Sein Vater stammte aus einer westfälischen Handwerkerfamilie, die Vorfahren seiner Mutter aus dem Rheinland. Die Eltern führten in der Stadt einen Feinkostladen.

Als Sandkühler 15 Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach München, wo er das Wilhelms-Gymnasium besuchte, an dem er auch Geigenunterricht nahm. Hier freundete er sich mit dem um drei Jahre älteren Fritz Graf von Bothmer an, der später sein Kollege in der Waldorfschule in Stuttgart werden sollte. Nach dem Abitur studierte Sandkühler in München die neueren Sprachen. Im Studentenorchester spielte er während seiner Studienzeit die zweite Geige. Die Proben fanden im Haus des blinden, aber genial begabten Pianisten und Komponisten Hans Neumeyer (1887-1944) statt. Die Promotion erfolgte schließlich bei dem Romanisten, Literaturhistoriker und Danteforscher Karl Vossler (1872-1949) mit einer Dissertation über den „Drachenkampf des Heiligen Georg in der englischen Sage und Geschichte“.

Ab 1908 arbeitete Sandkühler als Hauslehrer bei einer gräflichen Familie in Belgien. Der Balkankrieg von 1912 verhinderte, dass er danach eine Hauslehrerstelle im Sultanspalast von Istanbul antreten konnte. So wollte er eine Stelle als Lehrer an der Domschule in Reval in Estland antreten. Um die dazu notwendige Zusatzprüfung in Französisch abzulegen, ging er zuvor nach Paris, wo er vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht und in einem Lager in der Bucht von Brest bis zum Kriegsende interniert wurde.

1918 kehrte Sandkühler nach München zurück und nahm seine musikalischen Studien bei Hans Neumeyer wieder auf. Hier lernte er auch seine spätere Frau, Jutta Kronecker, kennen. 1919 wurde Sandkühler überraschend als Studienrat an ein Gymnasium nach Nürnberg berufen. 1924 lernte er hier während einer von Caroline von Heydebrand, Eugen Kolisko, Robert Killian und Karl Schubert veranstalteten „pädagogischen Woche“ die Waldorfpädagogik kennen, deren Menschenbild ihm den geistigen Hintergrund bot, nach dem er immer schon gesucht hatte. 1925 besuchte er deshalb die „Pädagogische Ostertagung“ in Stuttgart, wo ihn Erich Schwebsch als Mitarbeiter der dort 1919 von Rudolf Steiner begründeten Waldorfschule gewinnen konnte, an der er schließlich bis über das 75. Lebensjahr hinaus tätig blieb, unterbrochen nur durch die Zeit des Verbots der Waldorfschulen während des NS-Regimes. Als die Schule in Stuttgart 1938 geschlossen wurde, ging er an die 1929 begründete Freie Waldorfschule Dresden, die noch bis 1941, nach dem Englandflug von Rudolf Heß, bestehen konnte. Anschließend arbeitete er noch bis 1944 an der städtischen Oberschule für Jungen und wurde schließlich mit einem vollständigen Lehrverbot belegt. Bis September 1944 konnte er noch als Bratschist bei den Dresdner Philharmonikern spielen und kam dann in ein Arbeitslager Organisation Todt (OT) im Harz.

Im August 1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, half Sandkühler bei den Vorbereitungen zur Wiedereröffnung der Waldorfschule in Stuttgart mit. Ganzen Generationen von Schülern lehrte er hier in der Oberstufe begeister den Umgang mit den Sprachen Englisch und Französisch und begleitete sie bis zum Abitur als warmherziger Freund und Lebensberater. Darüber hinaus betrute er die Lehrer-Bibliothek und unterrichtete im Waldolflehrer-Seminar.

Sandkühlers ganz besonderes Interesse galt der Gralsgeschichte, die ihn bis zu seinem Lebensende begleitete. Er übersetzte die wesentlichsten einschlägigen Werke, namentlich von Robert de Boron und Chrétien de Troyes, schrieb dazu viele Aufsätze und hielt Vorträge zum Gralsthema, aber auch über das Keltentum, die Katharer, die Bogomilen und über Märchen, wozu ihm die Anthroposophie den geistigen Hintergrund gab.

Viele Reisen, die ihn durch Europa, die USA und den Orient führten, gaben ihm immer wieder neue Anregungen. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Déodat Roché, der in Südfrankreich sein ganzes Leben der Erforschung der Katharer widmete.

Am 31. Mai 1976 starb Konrad Sandkühler im 90. Lebensjahr in der Klinik in Filderstadt.

Werke

  • Der Drachenkampf des Heiligen Georg in der englischen Sage und Geschichte, München (Pasing) 1912 (Dissertation)
  • Wirken durch Worte und Klänge. Autobiographie eines Waldorflehrers, Ogham Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 978-3884556016
Übersetzungen
  • Chrestíen de Troyes: Perceval der Gralskönig, Edition Perceval, 3. Auflage, Verlag am Goetheanum, Dornach 1983, ISBN 978-3723508565
  • Chrestíen de Troyes: Gauwain sucht den Gral, Edition Perceval, 4. Auflage, Verlag am Goetheanum, Dornach 1986, ISBN 978-3723508541
  • Chrestíen de Troyes: Perceval, oder die Geschichte vom Gral, Edition Perceval, 7. Auflage, Verlag am Goetheanum, Dornach 1991, ISBN 978-3723508572
  • Robert de Boron: Die Geschichte des Heiligen Gral, Edition Perceval, 4. Auflage, Verlag am Goetheanum, Dornach 1998, ISBN 978-3723508251
  • Robert de Boron: Merlin, der Künder des Grals, Edition Perceval, 3. Auflage, Verlag am Goetheanum, Dornach 2000, ISBN 978-3723508268
  • Francois Blade: Der Mann in allen Farben: Südfranzösische Volksmärchen, Urachhaus Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 978-3825173203
  • Padraic Colum,‎ Marianne Haelssig (Illustrator): Der Königssohn von Irland, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2016, ISBN 978-3772527630

Weblinks