Mammon

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Der Mammon und sein Sklave, Sascha Schneider, 1896

Mammon (von aramäisch mamona, "Vermögen, Besitz"; nach anderer Quelle von aramäisch aman, "das, worauf man vertraut"; lat. mammona griech. μαμωνᾶς mamonas) ist der Gott bzw. Götze der Macht des Geldes und der Gegenspieler Michaels, als der er seit 1879 agiert. Der Name Mammon ist der Bibel entnommen, wo er viermal im Neuen Testament (Mt 6,24 Lut, Lk 16,9 Lut, Lk 16,11 Lut, Lk 16,13 Lut) erwähnt wird. Aus der griechischen Form wurde daraus in der lateinischen Vulgata mam[m]ona. Durch Martin Luther, der das Wort nicht übersetzte, kam die Bezeichnung Mammon ab dem 16. Jahrhundert ins Deutsche.

„Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

Mt 6,24 Lut

Mammon und die Macht des Geldes

"Durch die Finanzkrise hat der Gott, besser der Götze Mammon seine Herrschaft auch über die Staaten ausgedehnt. Vorher war durch die enormen Staatsschulden schon eine weitreichende Abhängigkeit der Staatsführungen von dem Bankensystem vorhanden. In der Krise wurde die Abhängigkeit zum Beherrschtsein, die Macht des Bankensystems wurde zum Zwang, dem die Staatsführungen folgen mussten. Die Macht der Staaten war zur Ohnmacht geworden, der Triumph des Götzen Mammon.

Die Herrschaft des Götzen Mammon beruht auf Täuschungen über das Geld. Seine Herrschaft wird nur überwunden werden können durch die Erkenntnis dessen, was in Geld bewertet werden kann und was in Wirklichkeit nicht in Geld bewertet werden kann. Im heutigen Geldsystem hat der Götze Mammon seine Herrschaft über die menschliche Arbeitskraft geradezu perfektioniert. Millionenfach steht das Geld über dem Menschen und der gedemütigte, entwürdigte Mensch muss das als eine Lebenstatsache hinnehmen. Die Arbeitskraft ist aber das Geistige im Menschen, das Ausdruck seiner Individualität, seines Ich ist. Der Mensch wird gezwungen, das Geistige, das individuell Lebendige in ihm, hinzugeben für das Geld. Dieser Vorgang, auch wenn er sich weitgehend im Unbewussten abspielt, erschüttert fortwährend den sozialen Organismus.

Eine weitere Täuschung besteht in der Bewertung des Eigentums an Grund und Boden in Geld. Was unter Eigentum verstanden wird, ist in Wirklichkeit das Recht an der Nutzung des Grund und Bodens. Dieses Recht ist käuflich, wie eine Ware käuflich ist. Die Täuschung besteht darin, dass zwei Qualitäten, Recht und Ware, in eine Beziehung zueinander gesetzt werden, die in Wirklichkeit unmöglich ist; denn das Recht ist etwas wesenhaft anderes als die durch Menschenarbeit erzeugte Ware. Das Eigentumsrecht an einem Grundstück wird erworben durch eine Art Tributzahlung, ein wirklicher Leistungsaustausch findet nicht statt. Die Bewertung von Grund und Boden in Geld ist grundsätzlich problematisch, ja eigenlich ein Ding der Unmöglichkeit. Diese Tatsache ist in der Immobilienkrise als einem Teil der Finanzkrise deutlich geworden. Das bestehende Dogma von der Käuflichkeit von Grund und Boden hat aber eine Erkenntnis dieses Schadens in dem sozialen Organismus verhindert. . . . Die unbefangene Betrachtung zeigt, dass diese soziale "Lüge" (R. Steiner) immer wieder der Grund für ungeheures Elend, Streit und Krieg, sind. Existenz und Würde des Menschen sind elementar mit Grund und Boden in einer Art und Weise verbunden, die die Käuflichkeit ausschließt, weil die Beziehung zu Grund und Boden ein Menschenrecht ist.

Eine ähnliche, täuschende Situation besteht hinsichtlich des Eigentumsrechts an den Produktionsmitteln. Die Aktien als Eigentumsanteile haben den Geldgeber von der konkreten Beziehung zu der Produktionsstätte und den darin arbeitenden Menschen getrennt. Das Wort "Investor" drückt das klar aus, es besteht nur eine reine Geldbeziehung. Die Produktionsstätte ist aber das Instrument des unternehmerischen Menschen (oder einer Gruppe von Menschen), für die Bedürfnisse anderer Menschen tätig zu sein. Das ist eine echte Ich-Funktion, an deren Stelle in der Aktiengesellschaft der Manager getreten ist, der im Auftrag der Aktionäre für die Geldvermehrung zu sorgen hat. Das ermöglicht im Weiteren die Spekulation mit den Aktien, mehr oder weniger losgelöst von der Wirklichkeit der Produktionsstätte. Der Kasino-Kapitalismus hat die Spekulation zu einer Art Wettspiel gemacht, wobei völlig vergessen wird, dass sich dieses Spiel mit fiktiven Werten auf die realen Werte, auf die Waren und Dienstleistungen, auswirkt. Die fiktiven Werte, die Luftnummern, sind aber wegen ihrer unvorstellbaren Größe dominant, sie führen zu dem, was mit Recht als Raubtier-Kapitalismus bezeichnet wird. Die Finanzkrise war eine Art Selbstheilungsversuch des sozialen Organismus, in dem wenigstens ein Teil der fiktiven Werte vernichtet wurde, der sich aber notwendigerweise auf die Realwirtschaft schädlich auswirken muss. Unzählige Menschen werden dadurch ins Unglück gestürzt, es ist ein Krieg mit vielen Opfern. (...).

In der Gegenwart herrscht weltweit ein Götzendienst, der seinesgleichen in der Weltgeschichte sucht. Der Götze Mammon ist zum obersten Schreckensherrscher für die Menschheit geworden. Besonders im Beginn des 21. Jahrhunderts ist es ihm gelungen, sich zum Alleinherrscher fast aller Lebensgebiete zu machen. Wo sind die Bereiche, in denen das Geld nicht in irgendeiner Weise eine Rolle spielt?! Nichts hat die überwältigende Macht des Götzen Mammon mehr gezeigt als die gegenwärtige Finanzkrise, in der die Staaten bitter ihre Abhängigkeit von ihm erfahren mussten, in der er sie letzten Endes zu seinen Dienern machte. Die Finanzkrise hat die Macht dieses Götzen nicht geschwächt, sondern gestärkt.

Der Götze Mammon erlangt Herrschaft über die Menschen. Als Menschenfeind erzeugt er ein Blendwerk, das insbesondere durch die Geldgier das Ich zur Ichsucht verführt. Diese Ichsucht hat auf der menschlichen Seite die Finanzkrise verursacht und wird die nächste hervorbringen. Der Götze Mammon wird global angebetet, seine Tempel und Kathedralen beherrschen in den Palästen der Banken viel tausendfach die Stadtbilder. Seine Herrschaft wird ernsthaft nicht angezweifelt, er erscheint unüberwindbar, seine Nutznießer sehen seine Herrschaft als absolut notwendig an. Die unbefangene Beobachtung dieses Götzen könnte zu der Einsicht führen, dass es doch Wesen gibt, die nicht von Fleisch und Blut sind. Denn es ist die Dämonenkraft dieses Götzen, die auf das Ich wirkt und es versklavt. Das aber wird bisher nicht durchschaut, und es bedarf einer außergewöhnlichen Ich-Kraft, der Verführung durch den Götzen Mammon zu widerstehen. Nur da, wo der Götzendienst durch einen anderen Umgang mit dem Geld wenigstens eingeschränkt werden kann, beginnt die Wirksamkeit des Ich." (Lit.: Peter Tradowsky, 2010)

Ohne Einsicht in die Notwendigkeit einer der Dreigliederung des Sozialen Organismus als Ideal entsprechenden Wirtschafts-, Rechts- und Kulturordnung, droht die Menschheit ins Chaos abzudriften. sie wird beherrscht von einem Teufel, ja einem Götzen, dem sie gewissermaßen selbst durch die (selbstgeschaffenen) sozialen Verhältnisse erst Raum gegeben hat, denn der Götze Mammon ist der Gegenspieler des Zeitgeistes Michael und er kennt die Täuschungen und Schlichen, die notwendig sind, diesen Zeitgeist in seiner Wirksamkeit zu hindern.

Mammon der Herr der "Bazillen"

"Die in früheren Zeiten unbekannten Infektionskrankheiten rühren von dem Gotte Mammon her." (Rudolf Steiner, GA 93a, S. 115). Rudolf Steiner bezeichnet Mammon daher als den Gott der "Bazillen", also der Bakterien und Viren (Vgl. Lit.: Peter Tradowsky, 2008, S. 27).

Literatur

  • Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a, Dornach 1987, XXIX. Vortrag vom 3. November 1905
  • Peter Tradowsky: <<Und das Licht schien in die Finsternis...>>, Vlg. am Goetheanum, Dornach 2008
  • Peter Tradowsky: Die Stunde des Widerstands - Das Ich als Kern des Widerstands, Vlg. für Anthroposophie, Dornach 2010
  • Michael Heinen-Anders: Aus anthroposophischen Zusammenhängen, BOD, Norderstedt 2010
  • Michael Heinen-Anders: Dem Teufel auf der Spur..., BOD, Norderstedt 2012