Nekudim

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Die 10 Sephiroth, die sich aus dem göttlichen Urlicht Ain Soph Aur nach dem Tzimtzum im zweiten Entwicklungsstadium (Nekudim) in Form immer kleiner werdender konzentrischer Kreise (Igulim) herausbildeten, waren zu schwach, um der Gewalt des schöpferischen Lichts standzuhalten. Dadurch kam es zum Bruch der Gefäße.

Nekudim (hebr. נְקֻדִּ֖ים gesprenkelt, gepunktet) ist nach dem Kabbalisten Isaak Luria die zweite Welt oder Weltentwicklungsstufe, die aus Adam Kadmon hervortrat, der selbst noch vor der eigentlichen manifesten Schöpfung aus dem göttlichen Licht des Ain Soph geschaffen worden war. Zuvor hatte sich im ersten Entwicklungsstadium Akudim (hebr. עֲקוּדִים gestreift, gebunden), die stabile Welt des Chaos (hebr. עולם התהו Olam ha-Tohu), gebildet, geschaffen aus den Lichtern, die aus dem Mund des Adam Kadmon hervorgingen. Diese noch ganz reinen Lichter sammelten sich als die 10 Sephiroth harmonisch vereinigt in einem einzigen, höchsten Gefäß, dem der Sephira Kether (Krone), wobei die Lichter in einem unaufhörlichen lebendigen dynamischen Prozess - hebr. מטי ולא מטי mati we-lo mati „erreichbar und nicht erreichbar“ - in das Gefäß heruntersanken und wieder zu ihrer Quelle aufstiegen.

In Nekudim, dem zweiten Stadium, bildeten sich aus den Lichtern, die aus den Augen des Adam Kadmon ausgesendet wurden, die 10 Sephiroth in 10 voneinander völlig isloierten, punktartigen Gefäßen; die Bezeichnung „Nekudim“ leitet sich - in Anlehnung an die verschieden gemusterten Ziegen Jakobs 1 Mos 31,10 EU - aus hebr. נָקֹד naqod „gesprenkelt, gepunktet“ ab. Es entstand nun die instabile Welt des Chaos, die in 1 Mos 1,2 EU als Tohuwabohu (hebr. תֹהוּ וָבֹהוּ tohu-wa-vohu) bezeichnet wird. Die Gefäße waren allerdings noch schwach und wenig entwickelt und wurden mit voller Wucht von dem Licht erfüllt. Schwach waren die Gefäße, weil die Sephiroth nach dem Schema der konzentrischen Kreise (hebr. עִגּוּלים, igulim) noch nicht miteinander verbunden waren und sich nicht durch ihre Harmonie gegenseitig stärken konnten. Dadurch kam es zu einer dramatischen Entwicklung. Nur das höchste und edelste Gefäß der Sephira Kether, die nach Luria noch weit in den Bereich des göttlichen Lichts Ain Soph Aur entrückt ist, konnte diesem Ansturm des göttlichen Lichts vollkommen standhalten. Die nächsten beiden Sephiroth Chochmah (Weisheit) und Binah (Verstand) wurden bereits nach unten gedrückt. Die folgenden Sephiroth von Daath (Wissen, Erkenntnis) abwärts jedoch wurden durch die Kraft des schöpferischen Lichtes zerschmettert. Es kam zum Bruch der Gefäße (Schvirat ha-Kelim). Ihre Scherben blieben in der Welt erhalten als weitgehend leere und geistverlassene "Schalen" (Qlīpōt). Die Schalen sanken herab und das göttliche Licht stieg wieder auf zu seiner Quelle; nur winzige Funken (hebr. נִיצוֹץ nitzotz) davon blieben an den Scherben haften. Sie bildeten die Grundlage für das Reich des Bösen, das von den Kabbalisten gerne mit dem Königreich von Edom - den Erzfeinden der Israeliter - verglichen wird. Nur das Gefäß der untersten Sephira Malchuth (Reich) zerbrach zwar nicht, konnte aber doch auch das volle Licht nicht aufnehmen.

Erst im dritten Entwicklungsstadium - Verudim (hebr. בְרֻדִּֽים gefleckt) - beginnt mit dem Tikkun Olam (hebr. תיקון עולם) die Wiederherstellung der Welt, an der der Mensch aktiv mitzuarbeiten hat.